Die halbautomatische Selbstladepistole Steyr GB (während der Entwicklung Steyr Pi 18, später auch „GB-80“) wurde von Steyr Mannlicher entwickelt. Die Waffe verwendet die Kaliber 9 × 19 mm sowie 9 × 18 mm Ultra.

Entstehungsgeschichte Die Steyr Selbstladepistole „GB“ ist eine halbautomatische Selbstladepistole in Ganzstahlausführung mit Spannabzug (DA/SA). Die während der Entwicklungsphase verwendete Typenbezeichnung „Pi 18“, die auf die für die 1970er Jahre überdurchschnittliche Magazinkapazität von 18 Schuss hinweist, wurde bei Markteinführung in „GB“ geändert. Dieses Kürzel steht für den Begriff „GasBremse“, der bereits auf das Funktionsprinzip eines mittels Gasdruck verzögernden Feder-Masseverschlusses hinweist. Die kinematisch korrekte Bezeichnung für dieses Verschlussprinzip lautet „Kraftschlüssig-dynamischer Feder-Masse-Verschluss“. Dieses Verschlussprinzip soll allerdings nicht mit dem weit mehr bekannten Verschlussprinzip der Gasdrucklader verwechselt werden.

Die Pistole wird gelegentlich auch als „GB-80“ bezeichnet, was auf die offizielle (zivile!) Markteinführung der GB Anfang der 1980er Jahre hinweist.

Der gasdruckgebremste Masseverschluss ist ein äußerst ingeniöses Verschlussprinzip, welches gegenüber den „starr“ verriegelten Systemen mit Unterstellstrecke – wie z. B. dem Browningverschluss – einige wesentlichen Vorteile aufweist. Er ermöglicht die störungsfreie Verwendung aller Munitionslaborierungen, die aufgrund der weltweiten Verbreitung des Kalibers 9 mm × 19 in militärischer und ziviler Verwendung stark variieren können. Aufgrund des feststehenden Laufes und der exakten, systembedingt notwendigen, „gasdichten“ Passung zwischen Laufmündung und Mündungskappe schießt die GB wesentlich präziser als andere „militärische“ Gebrauchspistolen. Aus der Schießmaschine ergeben sich mit Serienpistolen und fester Visierung Streukreise von max. 3 cm auf 25 m, was allerdings die Verwendung von Matchmunition voraussetzt. Das ist ein Wert, der nur noch von einer SIG P210 erreicht werden kann. Die gasdruckverzögerte Verriegelung reduziert darüber hinaus etwas den Rück- und Hochschlag, was bei schnellen Schussfolgen die Waffe weniger aus dem Ziel auswandern lässt als solche mit starrer Verriegelung.

Die GB wurde als militärische „full-size“-Seitenwaffe (Ordonnanzpistole) ausgelegt und entstand bereits Ende der 1960er Jahre aufgrund eines „inoffiziellen“ Entwicklungsauftrages für das Österreichische Bundesheer. Ein Lastenheft existierte zu diesem Zeitpunkt nicht; Steyr-Daimler-Puch hatte aufgrund des damaligen Beziehungsgeflechts sehr präzise Kenntnisse darüber, welche Eigenschaften das Bundesheer von einer neuen Dienstpistole erwartete. Die „neue“ sollte die zwischenzeitlich bereits in die Jahre gekommenen Walther P38 und Colt P11 aus Wehrmachtsbeständen sowie auch die belgischen FN M35 der Gendarmerie ersetzen. + Technische Daten GB (Pi18, GB-80) Masse des Magazins leer: 120 g voll: 340 g Drall- und Lauflänge 220 mm mit trigonalem Polygonprofil, 136 mm lang Visierung Balkenkorn mit Leuchtpunkt; Rechteckkimme mit 2 Leuchtpunkten V0 munitionsabhängig ca. 350–450 m/s E0 munitionsabhängig ca. 400–640 J Abzugssystem Spannabzug („DA/SA“) Sicherungen unabhängig wirkende, innenliegende Fallsicherung; Sicherheitsrast; Zündstiftsicherung bei Betätigung des Entspannhebels Oberflächen (zivil) äußere Verschlussflächen geschliffen und brüniert, Oberseite sandgestrahlt und brüniert; äußere Griffstückflächen mit eingebranntem Schrumpflack überzogen Oberflächen (militärisch) alle Oberflächen sandgestrahlt matt und brüniert

Systembeschreibung Gasbremse Äußerlich unterscheidet sich der schwallgasdruckgebremste Masseverschluss mittels einer zentrisch um den Lauf platzierten Reaktionskammer nur unwesentlich von einem starr verriegelten Browningverschluss. Als signifikantes Unterscheidungsmerkmal kann die mündungsseitige Verschlusskappe der Reaktionskammer gelten. Das Funktionsprinzip der Gasdruckverzögerung ist jedoch ein gänzlich anderes als jenes mit „starr“ (= mechanisch-formschlüssig) verriegeltem Browningsystem.

Beim Schuss wird beim gasdruckverzögerten Masseverschluss ein kleiner Teil der Treibladungsgase durch zwei ca. in Laufmitte eingebrachte Bohrungen abgezweigt und in die Reaktionskammer geleitet. Diese wird aus dem Zwischenraum Lauf / Verschlussgehäuse gebildet und kommt daher ohne ein zusätzliches, exzentrisches Piston wie bei der systemgleichen HK P7 aus. Sie besteht aus einer vorn am Verschlussschlitten angeordneten, gasdicht abschließenden Verschlusskappe mit der nachgelagerten Reaktionskammer, welche direkt um den Lauf herum angeordnet ist, und einer fest auf dem Lauf, auch ca. mittig aufgesetzten Laufbund-Labyrinthdichtung. Nachdem das Projektil die Laufbohrungen passiert hat, strömt ein kleiner Teil der Treibgase in die Reaktionskammer und verhindert hiermit über den entstehenden Schwalldruck „pneumatisch“ das Öffnen des mechanisch unverriegelten Masseverschlusses. Die für diese Gasdruckverriegelung notwendige Angriffsfläche für den notwendigen Schwalldruck wird vom vorderen Teil der Verschlusskappe gebildet. Diese innere Fläche ist funktionsbedingt etwas kleiner ausgelegt als der Hülsenquerschnitt am Stoßboden der Patrone. Die Verschlusskappe – mit dem Verschluss fest verbunden mittels einer Bajonettverbindung – hält diesen geschlossen, bis das Projektil die Laufmündung passiert hat. Die Sicherheitsstrecke des Kraftschlusses beträgt hierbei – wie bei einer gewöhnlichen Feder-Masseverschluss-Pistole – etwa 2 mm. Danach sinkt im Inneren des Laufes der Treibladungsdruck schlagartig ab; durch die Laufbohrungen kann nun der innerhalb der Reaktionskammer aufgebaute Druck in den Lauf entweichen. Impulsbedingt beginnt nun der Verschluss sich zu öffnen und pumpt während des Rücklaufes die entspannten Schwalldruckgase aus der Reaktionskammer in den Lauf. Gleichzeitig entweicht auch bei der beginnenden Verschlussöffnung ein Teil der Gase über die freigewordene Labyrinthdichtung durch den sich ergebenden Spalt zwischen Laufwandung und Verschlusskappe.

Die Gasdruckhöhe bestimmt automatisch die partielle Rücklaufverzögerung und infolgedessen die Rücklaufgeschwindigkeit des Verschlusses: Ein hoher Gasdruck bewirkt eine stärkere, ein mittlerer eine mittlere und schwacher eine schwache Verzögerung. Analog zur Laborierung ermöglicht diese GasdruckBremse, die verschiedensten Laborierungen störungsfrei zu verschießen. Nach unten hin findet die Laborierung jedoch durch die Verschlussfederkraft (bzw. Federkonstante) ihre Grenze. Der interne Pumpvorgang während des Verschlussrücklaufes bewirkt zusätzlich eine leichte Rückstoßdämpfung, die hiermit auch das Drehmoment im Handgelenk und den Hochschlag abschwächt.

Verschluss Er besteht aus dem Verschlussschlitten sowie der vorab beschriebenen mündungsseitigen Verschlusskappe mit der nachgelagerten Reaktionskammer. Besonders stark beanspruchte Stellen des Vergütungsstahls sind zusätzlich induktiv gehärtet, um Abriebverschleiß entgegenzuwirken. Die innen hartverchromte Reaktionskammer wird mittels Verriegelungswarzen mit einer umlaufenden Nut an der Verschlusskappe im hierfür entsprechend ausgelegten Vorderteil des Schlittens aufgenommen, ähnlich einer Bajonettverriegelung. Sie wird durch den Eintritt des Federführungsrohres der Verschlussfeder gegen Verdrehung gesichert. Die Laufabdichtung der Verschlusskappe hat eine Labyrinthdichtung, die aus zwei Stegen mit der Gesamtbreite von ca. 4,5 mm besteht. Im geschlossenen Zustand wird hiermit – für die einwandfreie Funktion der Gasbremse unabdingbar – der Verschluss um den Lauf herum gasdicht-passgenau geführt. Hinten wird der Verschlussschlitten in 30 mm langen, hinter dem Magazinschacht liegenden Leisten nahezu spielfrei geführt.

Die Seitenflächen des Verschlusses sind geschliffen, die restlichen Flächen sandgestrahlt. An der Mündung sind die Seitenflächen leicht eingezogen. Damit ist der Verschluss sehr gut gestaltet und „holsterfreundlich“.

Lauf Der gehämmerte, innen und außen hartverchromte Polygonlauf hat ein dreieckiges Profil. Dieses Profil minimiert beim Geschossdurchgang aufgrund der aneinander vorbeilaufenden Druckspitzen die innere Verformungsarbeit im Projektil. Der Lauf ist fest mit dem Griffstück über ein Brillenstück verschraubt. Die Zug- und Felddurchmesser betragen 8,70 mm und 9,03 mm. Entgegen der bei 9 × 19 mm üblichen Dralllänge von 250 mm wurde diese auf 220 mm verkürzt, was die Drallgeschwindigkeit und damit die Schusspräzision auch auf größere Schussentfernungen erhöht. Die beiden Gasentnahmebohrungen mit 4,5 mm Durchmesser sind 81 mm vor der Laufmündung eingelassen und schräg zur Mündung ausgerichtet. Sie liegen direkt vor der Labyrinthdichtung, die einen Außendurchmesser von 16 mm hat. Sie wird durch zwei ringförmige Ausdehnungen von jeweils 1,4 mm Breite gebildet. An der Laufmündung erweitert sich der Durchmesser von 11,9 mm zur Mündung hin auf 12,6 mm. Auf diesem etwa 6 mm breiten Bund schließt das Führungsrohr der Verschlusskappe gasdicht ab. Die Laufmündung ist außen angefast und innen abgesenkt.

Visierung Die 162 mm lange Visierlinie wird aus einem festen, 3,5 mm breiten Leuchtpunkt-Balkenkorn und einer 4,2 mm breiten, verschiebbaren Rechteckkimme mit zwei Leuchtpunkten gebildet. Die Visierung entspricht militärischem Standard. Eine abgesetzte Visierschiene fehlt; die Oberseite ist sandgestrahlt und damit reflexionsfrei.

Griffstück Der Griffwinkel beträgt 107° und bietet hiermit auch optimale Deutschusseigenschaften. Es besteht aus zwei zusammengeschweißten Blechprägehälften mit geglätteten Schweißnähten, mittels nachträglicher Wärmebehandlung einsatzgehärtet. Dieses spezielle Herstellungsverfahren (Blechprägeverfahren) wurde bereits während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland entwickelt und revolutionierte die Waffenherstellung. Das Griffstück der „zivilen“ GB ist mit einem anthrazitfarbenen, fein strukturierten Einbrenn-Schrumpflack überzogen, der eine sehr gute Griffigkeit gewährleistet. Bei der „militärischen“ Variante verzichtete man auf diesen Luxus; es ist dann wie der Verschluss auch nur phosphatiert. Die Verwendung von Polymerwerkstoffen wurde damals von Steyr-Daimler-Puch zwar erwogen und wieder fallengelassen, weil das Unternehmen über genügend hochwertige Stahlpressen verfügte. Investitionen in Kunststoff-Spritzgussmaschinen erübrigten sich damit. Die kalt verformende Blechprägetechnik macht – beim Prägevorgang mit im Material einhergehender Festigkeitserhöhung – erheblich reduzierte Wandstärken (GB: nur 1,5 mm!) im Vergleich zur „klassisch“ gefrästen Ausführung möglich. Trotz der hohen Magazinkapazität von 18 Schuss ist das Griffstück deshalb nicht überdimensioniert und eignet sich auch für relativ kleine Hände. Der separat gefertigte Abzugsbügel aus Polymerwerkstoff ist mit dem Griffstück lösbar verschraubt. Die Griffschalen sind aus unzerbrechlichem Kunststoff und werden mit je zwei Schauben am Griffstück gehalten.

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