mini|Katharinenkirche von den westlichen Weinbergen aus mini|hochkant|Blick in das Kirchenschiff nach Osten mini|Blick in den Westchor mini|Bauphasen der Katharinenkirche (Der spätgotische Westchor fehlt im Plan): Rot = spätromanische Westfassade; Gelb = hochgotischer Chor; Grün = Langhaus des 14. Jh.; Blau = Ergänzungen des 15. Jh.

Die Katharinenkirche in Oppenheim gilt als eine der bedeutendsten gotischen Kirchen am Rhein zwischen Straßburg und Köln. Sie wurde in Abschnitten im 13., 14. und 15. Jahrhundert errichtet.

Geschichte Im Zuge seiner Bemühungen, in Oppenheim Fuß zu fassen, beanspruchte der Mainzer Erzbischof zusammen mit der Neustadt, die schon zum Bistum Mainz gehörte, auch das Patronatsrecht über die gerade fertiggestellte Katharinenkirche, die noch vom Seelsorger von St. Sebastian betreut wurde. König Richard von Cornwall trennte 1258 die beiden Kirchen und legte die Diözesangrenzen von Mainz und Worms mitten durch die Stadt. Die Katharinenkirche wurde mainzisch und Pfarrkirche der mainzischen Neustadt. Die Sebastianskirche fiel dem Bistum Worms zu und blieb Pfarrkirche der wormsischen Altstadt.

Im Jahr 1317 hatte der Mainzer Erzbischof an der Katharinenkirche ein Stift, d. h., die Einrichtung wurde einer Gemeinschaft von Geistlichen zugewiesen, die regelmäßig Gottesdienst zu halten hatten (Kollegiatstift). Nach 1400 bauten die Stiftsherren einen eigenen Chor im Westen an die Kirche an (1439 geweiht). Im Jahr 1556 wurde die Katharinenkirche lutherische und 1565 reformierte Pfarrkirche Oppenheims, bevor sie nach dem Westfälischen Frieden von 1648 endgültig den Reformierten übergeben wurde; seit 1822 ist sie gemeinsames Gotteshaus für die unierten Lutheraner und Reformierten.

Baugeschichte mini|Die Katharinenkirche als Ruine (um 1800), Zeichnung des Speyerer Malers Johannes Ruland Der erste Bau der Katharinenkirche dürfte mit der Stadterhebung Oppenheims 1226 begonnen worden sein, 1234 gewährte Papst Gregor IX. einen Ablass für den Kirchenneubau. 1258 wurde die Katharinenkirche zur Pfarrkirche erhoben. Von diesem Bau sind die beiden spätromanischen Westtürme erhalten, die zusammen mit den Ausgrabungen von 1878 bis 1889 eine Emporenbasilika erschließen lassen.Julian Hanschke: Oppenheim am Rhein. Baugeschichte, Baudenkmäler, Stadtgestalt. Karlsruhe 2010, S. 186–192. Bereits 1262 soll in Anwesenheit von König Richard von Cornwall der Grundstein zum heutigen gotischen Kirchenneubau gelegt worden sein, der Baubetrieb der Kirche („fabrica parrochiae“) ist 1291 erstmals erwähnt. In dieser Zeit entstanden unter Einfluss des Straßburger Münsters die Ostteile der Kirche mit Chor, Diagonalkapellen und dem Querhaus mit seinem Vierungsturm.Julian Hanschke: Oppenheim am Rhein. Baugeschichte, Baudenkmäler, Stadtgestalt. Karlsruhe 2010, S. 192–200.

Hinsichtlich der Bauchronologie des Langhauses bestehen unterschiedliche Auffassungen. Nach Bernhard Schütz wurde ab 1305 die Nordseite durch einen Kölner Meister errichtet, ab 1317 (Inschrift am Strebepfeiler) wurde dann die Südseite in reicheren, gleichfalls kölnischen Formen begonnen, bis 1340 sei dann der Anbau des nördlichen Seitenschiffs erfolgt.Bernhard Schütz Die Katharinenkirche in Oppenheim. Berlin 1982. Nach jüngeren Überlegungen gehört letzteres bereits zur ersten Langhausphase, die deutlich straßburgisch geprägt war. Mit dem Bau der südlichen Schaufassade machte sich dann ab 1317 der Einfluss des Freiburger Münsters bemerkbar, und erst mit dem Bau des Obergadens tritt der Kölner Einfluss in den Vordergrund.Julian Hanschke: Oppenheim am Rhein. Baugeschichte, Baudenkmäler, Stadtgestalt. Karlsruhe 2010, S. 201–209.

Ab etwa 1400 kam es zum Neubau des spätgotischen Westchores, für dessen Portal 1414 der Frankfurter Stadtbaumeister Madern Gerthener verpflichtet wurde, 1439 wurde der Chor geweiht. Das reiche (1934–37 rekonstruierte) Gewölbe, dessen ursprüngliche Gestalt in einer mittelalterlichen Bauzeichnung überliefert ist, wurde erst nachträglich eingezogen, vermutlich durch den aus Worms stammenden Straßburger Münsterbaumeister Jodok Dotzinger.Julian Hanschke: Das spätgotische Gewölbe des Westchores der Oppenheimer Katharinenkirche. Rekonstruktion nach einem mittelalterlichen Bauplan. In: Insitu, 4 (2012), S. 69–76. 1632 wurden im Westchor die Eingeweide des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz bestattet, der kurz zuvor in seinem Mainzer Exil verstorben war. 1689 fiel das Bauwerk der Zerstörung durch die Franzosen zum Opfer. Die Dächer wurden zerstört und nahezu sämtliche Fenster, in der Folgezeit stürzten fast alle Gewölbe zusammen.

Wiederaufbau mini|Kopf von Theodor Heuss, mittig in einem Wimperg der Südseite. Darunter in der Archivoltenzone eine Blattmaske Der Stadtbevölkerung war es nicht möglich, die Kirche neu aufzubauen. Es wurde versucht, auszubessern und die verbliebene Bausubstanz zu bewahren. Unter anderem erhielt damals der Hauptturm eine barocke Haube. In den Jahren 1834 bis 1845 fand eine erste umfassende Renovierung unter Kreisbaumeister Ignaz Opfermann statt.

1873 regte der Notar Lippold die Bildung eines Bauvereins an, der eine Restaurierung vorbereitete. Die Bevölkerung brachte die notwendigen Mittel auf und 1889 war die Kirche fertig. Diese ab 1879 begonnene zweite Renovierung leiteten der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt und sein Sohn Heinrich von Schmidt. Vier Glasfenster schuf Alexander Linnemann aus Frankfurt.

Die Wiedereinwölbung des Westchores konnte erst 1937 unter Paul Meißner abgeschlossen werden. Die Glasmalerei entwarf Otto Linnemann aus Frankfurt, u. a. auch das Westrosenfenster. Umfangreiche Unterlagen dazu bewahrt das Linnemann-Archiv auf. 1959 wurden erneut umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen. Dabei erhielt die Kopfskulptur eines Obergaden-Wimpergs der Südseite, die erneuert werden musste, die Gesichtszüge des Bundespräsidenten Theodor Heuss.PDF-Dokument zur Katharinenkirche, S. 3 Zusammen mit dieser Skulptur stellen in drei weiteren Wimpergen der Kopf eines Kindes sowie der Kopf eines jungen Mannes und der eines Greises symbolisch das Werden und das Vergehen dar.Heidrun Braun: Perle am Rhein und Pfarrer Blümles Knochenarbeit. In: Rhein-Zeitung Nr. 183 vom 8. August 2024. 1965 wurden die Nordfront der Kirche und die Galerie des Vierungsturms renoviert.

Oppenheimer Rose mini|Südfassade der Katharinenkirche mit Rosettfenster mini|hochkant|Katharinenkirche Oppenheim Lilienfenster Geschichte und Motive der Fenster Die Katharinenkirche ist vor allem wegen ihrer Fenster mit reichem Maßwerk bekannt. Die bedeutendsten sind die beiden Fenster in der Südfassade, das „Lilienfenster“, das 1937 neu verglast wurde, und die sogenannte „Oppenheimer Rose“, deren Glasscheiben aus dem 14. Jahrhundert (1332/1333) weitgehend original erhalten sind. Als Grundriss der Oppenheimer Rose diente eine Heckenrose. Die Mitte des Fensters ziert der Reichsadler, das Oppenheimer Stadtwappen. Im Kreis um das Stadtwappen sind die Wappen der Oppenheimer Ratsherren aus dem Jahre 1332/33 angeordnet.

Legende von der Oppenheimer Rose Die Bürger der Stadt Oppenheim hatten als Bildhauer für ihre Kirche einen bekannten Meister aus Mainz gewonnen. Neben vielem anderen entwarf er mit großer Sorgfalt das Maßwerk einer Fensterrose. Die Ausführung der Rose überließ er allerdings einem Gesellen. Dieser war mit Feuereifer bei der Sache. Beim Bauen veränderte er, ohne es zu bemerken, den Entwurf seines Meisters und schuf so ein eigenes Kunstwerk. Als der Meister die Veränderungen sah, schalt er ihn: „Das ganze Bildwerk hat deine Bubenhand verdorben.“ Ein Faustschlag traf den Gesellen, der so unglücklich vom Gerüst fiel, dass er seinen Verletzungen erlag. Die Oppenheimer hielten den Sturz für einen Unglücksfall. Als sie die hervorragende Arbeit des Gesellen sahen, sagten sie: „Der Lehrjunge hat seinen Meister übertroffen.“ Seitdem ließ die Kunst des Meisters nach und er starb nach wenigen Jahren in geistiger Umnachtung.

Ausstattung mini|hochkant|Taufstein Katharinenkirche in Oppenheim

Taufbecken Der Entwurf für das Taufbecken stammt von dem gebürtig aus Oppenheim stammenden Architekten Paul Wallot, dem Erbauer des Reichstagsgebäudes in Berlin. In der Gestalt des Taufsteins vermag man Anklänge an die damalige Kuppelkonstruktion dieses Gebäudes zu erkennen. Gestiftet wurde das Taufbecken im Jahre 1888 von Johann Wilhelm Wallot, dem Vater von Paul Wallot.

Grabdenkmäler Die Mitglieder der in Oppenheim ansässigen Adelsfamilien waren bestrebt, sich in der Katharinenkirche beisetzen zu lassen. Ursprünglich befanden sich über 100 Grabdenkmäler in der Kirche. Viele von ihnen wurden bei der Zerstörung der Stadt 1689 vernichtet. Unter den erhaltenen Grabdenkmälern sind wegen ihrer künstlerischen Qualität die der Dalberger hervorzuheben. Sie waren, wie viele andere Adelsgeschlechter, als Lehnsleute des Kurfürsten von der Pfalz nach Oppenheim gekommen und hatten hier eine ihrer Grablegen. Im Einzelnen existieren hier die Epitaphien von: Johann XI. Kämmerer von Worms († 1415) und seiner Frau, Anna, geb. von Bickenbach († 1415) Anna von Helmstatt, Witwe Johann XVII. von Dalberg († 1410) Wolfgang III. Kämmerer von Worms genannt von Dalberg, (1426–1476) und seine Gattin Gertrud von Greiffenclau zu Vollrads († 1502) Friedrich VI. von Dalberg (1459–1506) und Gattin Katharina von Gemmingen († 1517) Wolfgang VI. von Dalberg (1473–1522) und Gattin Agnes von Sickingen († 1517), Schwester von Franz von Sickingen

Von bemerkenswerter Qualität ist auch das Epitaph des kaiserlichen Offiziers Conrad von Hanstein († 1553), mit seiner stehenden Vollfigur.

Neben diesen Epitaphien befanden sich in der Kirche bis zu deren Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 auch noch eine Reihe heute verlorener Totenschilde für Ritter aus der Familie derer von Dalberg Villinger: Die Kämmerer von Worms, S. 55. : Wolfgang VI. von Dalberg, † 1522 Wolfgang VII. von Dalberg, † 1527, bestattet in St. Peter in Herrnsheim (heute: Worms) Dieter VI. von Dalberg, † 1530, der allerdings in der Kirche von Wallhausen bestattet wurde. Ein Doppelepitaph für ihn und seine Frau, Gertrud von Palandt, befindet sich an der dortigen Kirchhofmauer. Johannes Bollinger: 100 Familien der Kämmerer von Worms und der Herren von Dalberg. Bollinger, Worms-Herrnsheim 1989. Ohne ISBN, S. 38. Ludwig I. von Dalberg, † 1530 Philipp IV. von Dalberg, † 1533, bestattet in St. Peter in Herrnsheim (heute: Worms) Georg von Dalberg, † 1561

Über die oben genannten Epitaphien hinaus gibt oder gab es in der Kirche noch weitere Grabinschriften für Mitglieder der Familien Kämmerer von Worms und von Dalberg Villinger: Die Kämmerer von Worms, S. 66f. : Johann XIV. von Dalberg, † 1383 Greta von Dalberg, Tochter von Johann XIV., † 1383 Elisabeth von Winneburg, Frau von Johann XI. von Dalberg, † 1397 Villinger: Die Kämmerer von Worms, S. 66, gibt das Todesjahr mit 1383 an. Anna von Dalberg, Tochter von Johann XI. von Dalberg, † 1410 Ida von Dalberg, Tochter von Johann XI. von Dalberg, † 1411 Ludwig I. von Dalberg, † 1530 Philipp IV. von Dalberg, † 1533, bestattet in St. Peter in Herrnsheim (heute: Worms) Georg von Dalberg, † 1561 Historische Quellen zu den Grabinschriften finden sich bei Georg Helwich Villinger: Die Kämmerer von Worms, S. 66. (1610) und Friedrich Peter Wundt Friedrich Peter Wundt: Versuch einer statistischen Topographie des Churpfälzischen Oberamtes Oppenheim. Schwan & Götz, Mannheim 1791. (1791).

Orgeln Hauptorgel mini|hochkant|Westfassade mit Orgelprospekt