Die Erste Schlacht bei Panipat wurde am 20. AprilNach Baburs Angaben fand die Schlacht im Jahr 932 am achten Tag des Monats Rajab statt, der ein Freitag war. Dieses Datum entspricht dem 20. April 1526 und wird überwiegend auch in den Quellenübersetzungen und in der Sekundärliteratur genannt. Der Umrechnung liegt die schematische Variante des Islamischen Kalenders zu Grunde, als deren Epoche der 16. Juli 622 gilt. Vereinzelt finden sich auch davon abweichende Datumsangaben, wie beispielsweise der 21. April. 1526 geführt. Sie war die entscheidende militärische Auseinandersetzung zwischen dem Timuriden Babur (1483–1530) und dem letzten Sultan von Delhi, Ibrahim II. (reg. 1517–26), aus der afghanischstämmigen Dynastie der Lodi. Baburs relativ kleine Armee siegte über die zahlenmäßig überlegene Streitmacht Ibrahim Lodis, der in der Schlacht fiel. Mit Ibrahims Tod erlosch das Sultanat von Delhi, und an seine Stelle trat das Mogulreich, dessen Grundstein durch diesen Sieg gelegt worden war.
Die Hintergründe Der Feldzug, zu dem Babur im November 1525 aufbrach und der mit der Ersten Schlacht bei Panipat endete, führte ihn und seine Armee nicht zum ersten Mal auf den Boden des indischen Subkontinents. Bereits viermal hatte er zuvor Vorstöße dorthin unternommen. Neben dem materiellen Gewinn hatte sich Babur durch diese „Indienzüge“ auch den Besitz wichtiger Pässe und Festungen entlang der Anmarschroute nach Indien gesichert. Die eroberten indischen Gebiete betrachtete Babur als seinen rechtmäßigen Besitz. Dabei berief er sich auf Timur Leng (reg. 1370–1405), seinen Vorfahren väterlicherseits, der 1398 Delhi erobert und den Punjab seinem Vasallen Khidr Khan als Herrschaftsgebiet übertragen hatte. Auch als Khidr Khan 1414 Sultan von Delhi geworden war und die bis 1451 regierende Dynastie der Sayyiden gegründet hatte, bekundete er dem Hause Timurs noch die Treue, indem er für sich nur den Anspruch erhob, indischer Vizekönig des Sohnes Timurs zu sein.
IndienWenn er Indien (konkret: das Land jenseits des Indus) meint, verwendet Babur in seinen Lebenserinnerungen stets die Bezeichnung Hindustan, was übersetzt so viel wie „Land der Hindus“ bedeutet. Hindu war zu Baburs Zeit jedoch nicht ausschließlich eine Bezeichnung für einen Menschen der sich zum Hinduismus bekannte, man bezeichnete so generell auch einen Bewohner des indischen Subkontinents. war nicht zuletzt deshalb in Baburs Blickfeld geraten, weil er 1501 nach dem Verlust seines angestammten Herrschaftsgebiets und seiner Lieblingsstadt Samarqand an die Usbeken unter Schaibani Khan gezwungen war, sich ein neues Herrschaftsgebiet zu erobern. Wie er in seinen Lebenserinnerungen, dem so genannten Baburnama, selbst schreibt, dachte er an eine Eroberung Indiens schon, nachdem er sich 1504 zum Herrn von Kabul gemacht hatte. Die Umsetzung dieses Vorhabens ließ jedoch auf sich warten, da Babur noch jahrelang damit beschäftigt war, seinen afghanischen Machtbereich zu konsolidieren und zu erweitern, sodass dieser zuletzt ein Gebiet umfasste, das von Kundus und Badachschan im Norden bis Kandahar im Süden reichte. Erst als Baburs afghanisches Reich einigermaßen gesichert war und er Samarkand 1512 endgültig hatte aufgeben müssen, rückte der indische Subkontinent, seit je eines der reichsten Gebiete Asiens, ins Zentrum seines Interesses.
In diesem Zusammenhang blieb es ihm auch nicht lange verborgen, dass das Sultanat von Delhi, dessen reiche Provinzen im Punjab Ziel seiner ersten vier Indienfeldzüge gewesen waren, alles andere als ein fest gefügtes Staatswesen war. Als Ibrahim II. 1517 Sultan von Delhi geworden war, hatte das Sultanat bereits viel von seiner einstigen Größe eingebüßt. Ibrahims Reich war nicht nur geschwächt durch den konfessionellen Gegensatz zwischen der hinduistischen Bevölkerungsmehrheit und der regierenden muslimischen Aristokratie, sondern auch durch permanente Machtkämpfe innerhalb der muslimischen Adelsschicht. Nicht unbedeutende Teile des Reiches, wie zum Beispiel das von hinduistischen Fürsten beherrschte Rajasthan, hatten sich bereits verselbständigt. Aber auch die afghanischstämmigen Notabeln waren bestrebt, sich von der schwächelnden Zentrale in Delhi unabhängig zu machen, allen voran Daulat Khan Lodi, der GouverneurTeilweise wird er in der Literatur und den Übersetzungen des Baburnama auch als „Statthalter“ bezeichnet. der Provinzen im Punjab. 1523 war er von der Armee Ibrahims aus dem Punjab vertrieben worden und hatte sich an Babur um Hilfe gewandt. Nachdem Babur daraufhin in Indien interveniert und Lahore erobert hatte, war Daulat Khan von ihm allerdings nicht wieder als Gouverneur eingesetzt worden.
Gefahr drohte dem noch jungen Sultan Ibrahim aber auch von der eigenen Familie. Ausgerechnet sein Onkel Ala-ud-din Lodi, genannt Alam Khan, stellte sich gegen ihn und ersuchte ebenfalls um Baburs Hilfe. Der wies seine Begs im Punjab an, Alam Khan bei der geplanten Eroberung Delhis beizustehen. Da ihm die Begs jedoch ihre Unterstützung verweigerten, wandte sich Alam Khan schließlich von Babur ab und ging ein Bündnis mit Daulat Khan ein. Es wurde vereinbart, dass sich Daulat Khan des Punjabs bemächtigen sollte, während Alam Khan versuchen würde, Ibrahims Machtzentren Delhi und Agra einzunehmen.Ein ausführlicher Überblick über die hier nur knapp geschilderten internen Machtkämpfe und Rebellionen im Sultanat von Delhi während der Regierungszeit Ibrahim Lodis findet sich bei Shashi, Encyclopaedia Indica. Vol. 47, S. 101–118.
Angesichts der Vielzahl von Schwierigkeiten und Gefahren, denen sich Ibrahim gegenübersah, waren seine Versuche, wieder eine starke Zentralgewalt aufzubauen und sein Reich dauerhaft zu konsolidieren, nahezu zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Für die Abwehr eines entschlossen geführten Angriffes von außen, wie er wenig später von Babur durchgeführt wurde, befand sich Ibrahim in einer denkbar schlechten Ausgangsposition.
Die Quellenlage zu Baburs Indienfeldzug Wie so oft in der Geschichtsforschung stellt sich auch bei den Ereignissen rund um die erste Schlacht bei Panipat das Problem, dass die Überlieferung dazu ausschließlich von den Siegern stammt. Im konkreten Fall sind die wichtigste Quelle für Baburs Aktivitäten in Indien die von ihm selbst verfassten Lebenserinnerungen, das Baburnama. Dieses Werk bietet auch die einzige einigermaßen detaillierte zeitgenössische Beschreibung der Schlacht bei Panipat. Auch andere Geschichtswerke, die auf diese Schlacht eingehen, wie zum Beispiel das vermutlich während der Regierungszeit von Baburs Urenkel Jahangir (reg. 1605–27) vollendete Tarikh-e Schahi des afghanischen Geschichtsschreibers Ahmad Yadgar oder das in dieser Zeit entstandene Tarikh-e Daudi des Abdullah, der ebenfalls Geschichtsschreiber war, schöpfen überwiegend aus dem Baburnama.
Obwohl Details oft unklar bleiben und es auch eine Reihe von zeitlichen Lücken gibt, muss man Baburs Werk zugutehalten, dass darin ziemlich genau auf seinen Feldzug nach Indien eingegangen wird. Was die Schlacht selbst betrifft, so macht Babur leider über wichtige Einzelheiten, wie beispielsweise die Beschaffenheit seines Stellungssystems und taktische Abläufe, nur ziemlich kursorische Angaben, und über andere interessante Details, wie zum Beispiel die Anzahl der Gefangenen, erfahren wir überhaupt nichts; dennoch lässt sich der Schlachtverlauf aufgrund seiner doch sehr lebendigen Beschreibung im Großen und Ganzen gut nachvollziehen und steht außer Frage. Zugutehalten muss man Babur auch, dass sich seine Lebenserinnerungen durch weitgehende Plausibilität und kritische Distanz zu den geschilderten Ereignissen auszeichnen. Wesentlich ist aber, dass auch die nicht unbeträchtliche Anzahl von Originaldokumenten, die aus der Zeit Baburs erhalten sind, das Baburnama als historische Quelle keinesfalls ersetzen können, ja oft nicht einmal seine zeitlichen Lücken zufriedenstellend schließen können.Shashi, Encyclopaedia Indica. Vol. 47, S. 150, Anmerkung 25, hält zum in Fachkreisen unumstrittenen Quellenwert des Baburnama fest: „… most of what we know of Baber’s [Baber = Babur] history is … derived from his own Commentaries. It is surprising how difficult it is to supply, in a satisfactory manner, the blanks … that are found in them.“
Der Ablauf des Feldzuges bis zur Schlacht bei Panipat mini|Das Sultanat von Delhi und Baburs FeldzugQuelle:
Die Befriedung des Punjab Babur brach am 17. November 1525 von Kabul aus zu seinem fünften und letzten Feldzug nach Indien auf. Ein Garten, den er unweit der heutigen Stadt Jalalabad hatte anlegen lassen, war zum Sammelplatz für die Truppenkontingente aus den verschiedenen Teilen seines Machtbereiches bestimmt worden. Hier stießen die Truppen von jenseits des Hindukusch, die Baburs erst siebzehnjähriger Sohn Humayun (1508–56) führte, und die Truppen, die aus Ghazni anmarschiert waren, zu ihm. Als die vereinte Streitmacht am 16. Dezember den Indus überquerte, wusste Babur bereits, dass ihn im Punjab Schwierigkeiten erwarteten.
Um sich wieder zum Herrn des Punjab zu machen, hatte Daulat Khan eine Armee aufgestellt und Babur bereits Sialkot, den Hauptort der gleichnamigen Provinz, entrissen. Vorbei an Jhelam marschierte Babur nun auf Sialkot zu, wo seine Armee am 29. Dezember lagerte. Hier erhielt er die Nachricht, dass Alam Khans Versuch, Delhi einzunehmen, mit einer Niederlage und der Flucht seiner Truppen geendet hatte. Von seinen Streitkräften, die entweder desertiert oder zu Sultan Ibrahim II. übergelaufen waren, verraten und verlassen, blieb Alam Khan schließlich nichts anderes übrig, als sich Babur auf Gnade oder Ungnade auszuliefern. Der nahm Alam Khan gnädig wieder auf und behandelte ihn mit Respekt, solange er noch von Nutzen war.Alam Khan nahm 1527 auf Baburs Seite an der Schlacht gegen die Rajputen bei Khanwa teil und wurde später nach Badakhshan, also in den äußersten Norden von Baburs Machtbereich, geschickt. Dass es sich dabei offensichtlich um eine Art von Verbannung gehandelt hat, wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass sich Alam Khan von dort schließlich nach Gujarat absetzte. Shashi, Encyclopaedia Indica. Vol. 47, S. 150, Anm. 19h.
Ähnlich wie Alam Khan erging es schließlich auch Daulat Khan, der von seinen „Verbündeten“, die es auf eine militärische Kraftprobe mit Babur anscheinend nie wirklich ankommen lassen wollten, nun im Stich gelassen wurde. Daulats Armee, von der Babur berichtet wurde, dass sie 30.000 bis 40.000 Mann stark sei und somit seiner Streitmacht mehrfach überlegen, lief bei seinem Anmarsch einfach auseinander. Als eine Vorausabteilung Baburs das Lager der feindlichen Armee am Ufer des Flusses Ravi erreichte, fand sie es bereits verlassen vor. Daulat Khan wurde gefasst und zu Babur gebracht, der das Leben seines Feindes schonte, seinen Besitz aber konfiszieren ließ. Babur war anschließend noch eine Zeit lang damit beschäftigt, verbleibende lokale Widerstandszentren zu beseitigen. Als die Ruhe im Punjab wieder völlig hergestellt war, konnte er darangehen, hier seine Basis für den weiteren Feldzug einzurichten, sozusagen in operativer Reichweite von Delhi.
Der Marsch nach Panipat