Hutschdorf (oberfränkisch: Hudsch-doafE. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 200. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „hudschdoʳf“.) ist ein Gemeindeteil des Marktes Thurnau im Landkreis Kulmbach (Oberfranken, Bayern). Die Gemarkung Hutschdorf hat eine Fläche von 7,892 km² und ist in 1021 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Bauloch, Buchloch, Fahrenbühl, Hammerhaus, Hutweide, Katzenlohe, Kemeritz, Lanzenreuth, Partenfeld, Rottlersreuth und Schlottermühle.
Geographie Das Pfarrdorf liegt im Tal des Friesenbaches und des Stegersgrabens, der innerorts als rechter Zufluss in den Friesenbach mündet. Der Ort ist umgeben von Feldern und Wiesen, der südlich des Orts von Westen nach Osten verlaufende Höhenzug ist bewaldet. Die Kreisstraße KU 5 führt nach Döllnitz (1,9 km westlich) bzw. nach Kemeritz (0,8 km nordöstlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Fahrenbühl (0,8 km südöstlich) und nach Rottlersreuth (1,4 km östlich).
Geschichte Der Ort wurde 1180 als „Hutesdorf“ erstmals urkundlich erwähnt. 1641 wurde der Ort „Hutschdorf“ genannt. Das Bestimmungswort ist der Personenname Hutti. Mit dem Personennamen wurde wahrscheinlich der Gründer der Siedlung angegeben.E. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 68f.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Hutschdorf aus 29 Anwesen. Das Hochgericht übte das bayreuthische Stadtvogteiamt Kulmbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Kulmbach. Grundherren waren das Fürstentum Bayreuth (11 Anwesen; Kastenamt Kulmbach: 1 Mahlmühle, 2 Halbsöldengütlein mit Zapfenschankgerechtigkeit, 1 Halbhaus mit Brau- und Schankgerechtigkeit, 1 Halbhaus mit Backfeuerrecht, 2 Tropfhäuser, 3 Tropfhäuslein; Stiftskastenamt Himmelkron: 1 Söldengut), das Hochstift Bamberg (8 Anwesen; Langheimer Amtshof: 6 Höfe, 1 Gütlein, 1 Söldengütlein), das Giech’sche Amt Thurnau (8 Anwesen; 3 Güter, 1 Gütlein, 3 Sölden; mittelbar Pfarrei Thurnau: 1 Haus), das Rittergut Thurnau (1 Gut, 1 Gütlein). Neben den Anwesen gab es noch 1 Kirche, 1 Pfarrhaus und 1 Schulhaus.Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 604f.
Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Kulmbach. 1810 kam Hutschdorf zum Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1811 der Steuerdistrikt Hutschdorf gebildet, zu dem Bauloch, Buchloch, Fahrenbühl, Hammerhaus, Hutweide, Igelsreuth, Katzenlohe, Kemeritz, Langenstadt, Lanzenreuth, Leimenhaus, Partenfeld, Rottlersreuth und Schlottermühle gehörten. 1812 entstand die Ruralgemeinde Hutschdorf, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt 1818 wurden daraus zwei Ruralgemeinden gebildet: Hutschdorf mit Bauloch, Buchloch, Fahrenbühl, Hammerhaus, Hutweide, Katzenlohe, Kemeritz, Lanzenreuth, Leimenhaus, Partenfeld, Rottlersreuth und Schlottermühle; Langenstadt mit Igelsreuth. Die Gemeinde Hutschdorf war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kulmbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kulmbach. 1852 wurde Hutschdorf dem Landgericht Thurnau und dem Rentamt Thurnau (1919 in Finanzamt Thurnau umbenannt) überwiesen. Ab 1862 gehörte Hutschdorf zum Bezirksamt Kulmbach (1939 in Landkreis Kulmbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Thurnau (1879 in das Amtsgericht Thurnau umgewandelt), seit 1929 ist das Amtsgericht Kulmbach zuständig. Die Finanzverwaltung übernahm 1929 das Finanzamt Kulmbach.Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 755. Die Gemeinde hatte eine Fläche von 7,878 km².
Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Hutschdorf nach Thurnau eingegliedert.
Hutschdorf entwickelte sich in letzter Zeit mit dem Baugebiet Schützenleite weiter. Im Ort gibt es die Fachklinik Haus Immanuel für suchtkranke Frauen, welche 2013 ausgebaut wurde.
Das Vereinsleben wird u. a. geprägt vom Fußballverein SV Hutschdorf, der Theatergruppe, dem Gartenbauverein, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Posaunenchor.
Baudenkmäler Evangelisch-lutherische Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer Haus Nr. 26: Evangelisch-lutherisches Pfarrhaus
Einwohnerentwicklung Gemeinde Hutschdorf Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 470 528 527 526 573 580 576 578 632 615 555 549 524 541 553 551 561 535 557 865 839 812 560 521HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 81 93 96 99 96 94 100 107 Quelle
Ort Hutschdorf Jahr 1809 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 198 187 234 238 162 226 247 450 302 306 264Häuser 31 40 42 42 51 55 68Quelle Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 725.
Religion Der Ort ist Sitz der Pfarrei St. Johannes der Täufer und seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt.
Literatur
Thomas Münch: Der Markt Thurnau mit seinen Ortsteilen. Geiger, Horb am Neckar 1993, ISBN 3-89264-785-2
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Thurnau Kategorie:Ort im Landkreis Kulmbach Kategorie:Ersterwähnung 1180 Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Kulmbach) Kategorie:Gemeindeauflösung 1812 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Kulmbach