hochkant=2|mini|Schloss Morsbroich, Frontfassade, 2007

Das Schloss Morsbroich oder Schloß Morsbroich [] im Leverkusener Stadtteil Alkenrath ist eine ehemalige Kommende des Deutschen Ordens. Seit 1951 ist im Schloss das städtische Museum für moderne Kunst, das Museum Morsbroich, beheimatet. Ende April 2016 wurde das Museum vom Deutschen Kulturrat auf Die Rote Liste gesetzt und in die Kategorie 3 eingestuft, die Vorwarnliste.Die Rote Liste. (PDF; 0,7 MB) Deutscher Kulturrat, Politik & Kultur, 3, 16, S. 17; abgerufen am 19. August 2016.

Geschichte

Bis 1389 mini|Moursbroich Kirspels Rath Bergischen Ambts Miseloh. Plan des Landmessers Franz Ehmans von 1762 mini|Schloss Morsbroich mit der Vorburg um 1860, Sammlung Alexander Duncker

In der Literatur wird die Entstehungs- und Besitzgeschichte teilweise deutlich abweichend voneinander dargestellt. Franz Gruss nennt Udo Mor von Rode als ersten Besitzer des Schlosses, nach dem dieses auch benannt worden sei. Ursprünglich habe er vom Erzbischof Heinrich von Molenark einen Lehen erhalten und dort „einen befestigten Hof (Burg)“ errichtet.F. Gruss: Höfe, Rittersitze, Kirchspiele – Leverkusen. Seite 165.

Albrecht Brendler hingegen schreibt in seinem Text Der Raum Leverkusen im Mittelalter:Stadtarchiv Leverkusen: Leverkusen. Geschichte einer Stadt am Rhein. Seite 59 ff. „[…] nichts mit Morsbroich zu tun hat hingegen der schon 1220 genannte Ritter Udo Moir von Rode […]. Dieser trägt den Namen »Rode« nicht etwa vom nahen Schlebuschrath, sondern von Besitzungen im niederrheinischen Herzogenrath. Der […] Beiname »Moir« stand eigentlich für dunkle Gesichts- und Hautfarbe“.Stadtarchiv Leverkusen (Hrsg.): Leverkusen. Geschichte einer Stadt am Rhein. Seite 92, Zeile 21 ff. Er nennt stattdessen die urkundliche Erwähnung des Ritters Johann Moyr von deme Broichge 1328 als den Beginn der Schlossgeschichte.

Gruss beruft sich bei seinen Angaben auf Anton Fahnes Geschichte der Kölnischen, Jülischen und Bergischen GeschlechterAnton Fahne: Geschichte der Kölnischen, Jülischen und Bergischen Geschlechter. Neudruck der Ausgabe 1848, Osnabrück 1965., Brendler auf eine Urkunde im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und einen ebenda abgelegten Eintrag aus dem Zinsregister.Stadtarchiv Leverkusen: Leverkusen. Geschichte einer Stadt am Rhein. Seite 99.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen – Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Dünnwald Urk. Nr. 11 bzw. Stift Düsseldorf Akten Nr. 70. Gruss nennt später jedoch auch Johann Moir von dem Broiche und Ähnliches in Bezug auf historische Quellen wie Gerichtsprotokolle und Urkunden. Er geht davon aus, dass Udo Mor von Rode bereits einen Vorgängerhof errichtet hatte.

1389 bis 1757 Einig ist man sich in der Literatur, dass die Familie zuletzt 1389 erwähnt wird und sich ihre Spur dann verliert. Bis dahin blieb Morsbroich und daran hängend die Schutzherrschaft über die Pfarrkirche Radevormwald in Besitz der Moir von Broichs. Die Besitzverhältnisse nach diesem Zeitpunkt sind sehr unklar. Erst 1437 wird Albrecht von Zweiffel (auch Zwyffel) als Besitzer von Morsbroich urkundlich genannt. 1491 verkauften die Erben des ersten Matthias von Zweiffel urkundlich belegt den Hof an Heinrich von Ossenberg.Stadtarchiv Leverkusen: Leverkusen. Geschichte einer Stadt am Rhein. Seite 92.F. Gruss: Höfe, Rittersitze, Kirchspiele – Leverkusen. Seite 166.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen – Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Jülich-Berg I Nr. 1011 und 1234. Damit gingen auch Teile des Schlebuschrather Waldes, das Kirchenpatronat und ein Hof in Bensberg an Ossenberg über, nachdem die Anteilseigner davor sehr breit gefächert und verstreut waren. 1561 sind die unklaren Besitzverhältnisse in dieser Zeit auch urkundlich belegt, Ossenberg führte den Besitz jedoch wieder auf sich zusammen.

1530 erbte der Sohn Wilhelm Morsbroich. 1575 war es in Besitz der Familie von Hall, die es dann 22 Jahre später an den Ehegatten ihrer Tochter verkauften. 1607 schon hatten diese eine hohe Grundschuld auf dem Gut liegen.J. André: Beiträge zur Geschichte der Gemeinden Wiesdorf und Bürrig. 1912. Auch aufgrund der Unruhen im Dreißigjährigen Krieg erwarb Komtur Adolf von dem Bongardt aus der Ballei Koblenz 1619 den Rittersitz Morsbroich im Namen des Deutschen Ordens. So residierten mehrere Landkomture auf Morsbroich. Dazu zählte von 1662 bis 1671 Heinrich Freiherr von Reuschenberg zu Setterich, der in seiner Wirkungszeit den Rittersitz Schlebusch hinzukaufte. Weiteren Komture waren beispielsweise Karl-Gorwin Adolph von Nesselrode-Ehreshoven, Karl-Gottfried von Loe und 1716 Jobst Moritz Droste zu Senden. Dieser förderte während seiner Amtszeit Wallfahrten zur Verehrung des Seligen Gezelinus von Schlebusch. Die ihm geweihte Kapelle direkt neben Schloss Morsbroich bildete deshalb sowohl einen Ort stiller Verehrung als auch regelmäßiger, festlicher Wallfahrten. Die Kapelle war unter Henrich von Reuschenberg 1662 wiederhergestellt worden.

1757 bis 1945 mini|Furt und Wasserfall im Englischen Landschaftsgarten

Ignaz Felix Freiherr von Roll zu Bernau ließ 1757 das „gantz ruinöse“ Gebäude niederlegen und an seiner Stelle 1775 ein Schloss als „Maison de plaisance“ im Stil des Rokoko errichten. Als Vorbild diente das Jagdschloss Falkenlust in Brühl. Etwa zur gleichen Zeit wurde auch ein dazugehöriger Englischer Landschaftsgarten angelegt.

Im Zuge der Säkularisation wurde der Besitz des Deutschen Ordens 1803 verstaatlicht und damit 1806 Eigentum des Napoléon geschaffenen Großherzogtums Berg. Napoléon übergab dieses seinem Schwager Joachim Murat, der ihm vorher in seinen Kriegen als Marschall gedient hatte. Murat überließ die Regierung des Großherzogtums Berg weitgehend seinem Finanzminister Jean Antoine Michel Agar, der auch eine von Murats Nichten heiratete. Murat verlieh Agar 1807 den Titel eines Comte de Mosbourg in Anlehnung an den Namen des Schlosses, verbunden mit dem Schloss selbst und größeren umliegenden Ländereien. Agar selber residierte jedoch auch nur selten in Morsbroich, da er vorwiegend in Düsseldorf, der damaligen Hauptstadt des bergischen Landes, präsent zu sein hatte. 1808 folgte er dann seinem Dienstherrn Murat nach Neapel, nachdem dieser zum Souverän des Königreichs Neapel erhoben worden war. mini|Schloss Morsbroich, Aufmaßplan Erdgeschoss nach Bauaufnahme durch Karl-Lothar Dietzsch (1976) Nachdem das Rheinland als Folge des Wiener Kongresses Teil des Königreichs Preußen geworden und das Schloss zunächst von der preußischen Domänenverwaltung eingezogen worden war, wurde es Agar auf Anweisung des preußischen Königs zurückgegeben. Daraufhin verkaufte Agar 1817/1818 dem Kölner Bankier Abraham Schaaffhausen das Schloss einschließlich der Ländereien der bisherigen Grafschaft Morsbroich. Die von einem Kunsthistoriker aufgestellte Behauptung, Agar habe im Januar und März 1818 seine Ehefrau und die drei gemeinsamen Kinder ermorden lassen, um den Verkaufserlös nicht teilen zu müssen, ist inzwischen widerlegt.H. J. Mahlberg: Die Grafschaft Morsbroich. 700.000 francs und ein Mordskandal. In: Schloß Morsbroich in Leverkusen. 1995, S. 90 ff. Dagegen Hans Jürgen Dorn: Die Verantwortung des Historikers in der Provinz. Teil 1: Vier Tote! Ein Mordkomplott? In: Niederwupper – Historische Beiträge, 2013, 25, S. 6–25, hier S. 6–10. Dorn weist nach, dass die Ehefrau und die Kinder bereits 1811 bis 1813 gestorben waren und dass Mahlberg die Akte 3000,690 im Stadtarchiv Leverkusen grob fehlinterpretiert hatte. Zudem weist er darauf hin, dass Agar unbehelligt und hochgeehrt 1844 in Paris starb. Nach dem Tod Schaaffhausens am 13. Januar 1824 verblieb der Besitz unabgeteilt in dessen Nachlass, bis 1848 das Bankhaus A. Schaaffhausen durch eine Überhitzung des Kölner Immobilienmarktes in eine Schieflage geriet. Durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft konnte zwar der nunmehrige A. Schaffhausen’sche Bankverein gerettet werden, doch wurden bei der Neubegründung die Immobilien aus dem Nachlass Abraham Schaaffhausens als Aktiva eingebracht, wodurch der Bankverein Eigentümer des etwa 1400 Hektar großen Besitzes wurde.

1857 gelangte die gesamte Herrschaft an Friedrich von Diergardt, der 1848 zu den Gründern des Bankvereins gehörte und Mitglied in dessen Aufsichtsrat wurde. Diergardt errichtete 1859 eine Stiftung zur Umwandlung der Grafschaft Morsbroich in die Familienfideikommisse Morsbroich und Dünnwald. Seine Familie ließ das Gebäude von 1885 bis 1887 um zwei Seitenflügel nach Plänen des Kölner Architekten Hermann Otto Pflaume erweitern.

Seit 1945 mini|Amtlicher Lageplan mit Eintragung der nicht realisierten Neubauplanung (1978) Nach dem Zweiten Weltkrieg mietete die Stadt Leverkusen das stark beschädigte Gebäude im Jahr 1948. Nachdem Pläne zur Errichtung eines Alters- oder Kinderheimes im Schloss verworfen worden waren, wurde dort 1951 auf eine Initiative von Bertha Middelhauve ein Museum eröffnet. Im Jahr 1974 beschloss der Leverkusener Stadtrat den Kauf des Besitzes. Für 3 Millionen DM erwarb sie das ehemalige Rittergut von der Freiherr von Diergardt’schen Verwaltung, die den Besitz im Auftrag der Erben betreute.

Nach der Bauaufnahme durch den Architekten Karl-Lothar Dietzsch für die Planung des Umbaus, der Restaurierung und für die Ergänzungen der Bestandsgebäude von 1976–1978Pläne und Details aus dem Nachlass von K.-L. Dietzsch, zur Verfügung gestellt durch Thomas Dietzsch, Berlin) erfolgten bis 1984 mehrere Neubauplanungen, zunächst als geschlossene EllipseMartin Hättasch: Form after Urbanism: The Potential of Grossform, Museum Morsbroich - Axonometrie, In: TPJ - THE PLAN Journal, Bologna 2016 und dann in Form eines „stehenden Korbbogens“ (anstelle der Remisen) im Westen des Schlosses durch das Büro O.M. Ungers (mit St. Böhm, K.- L. Dietzsch, K. Nagel und Th. Will).. Diese Konzepte, die sich an Ungers` Idee von der Grossform orientiertenNach Ungers definiert sich eine „Großform“ durch: „1. Das Vorhandensein eines überakzentuierten Elementes. 2. Das Vorhandensein eines zusätzlich verbindenden Elementes. 3. Das Vorhandensein von Figur und Thema. 4. Das Vorhandensein eines Ordnungsprinzips.“ Zitat aus: Ungers, Oswald Mathias: „Grossformen im Wohnungsbau“ (Veröffentlichungen zur Architektur Nr. 5), TU Berlin (1966) mit einem „Museums-Eiland“ und einer „Umwallung“ durch Nebengebäude, die ein Kontinuum an ausstellungstechnischen Variationsmöglichkeiten vorsahen, wurden jedoch aufgegebenNicht realisierte Planung für die Museumsinsel, 1980. Von 1981 bis 1984 erfolgten durch dasselbe Büro aufwendige Umbau- und Renovierungsarbeiten, die sich allein an dem „ursprünglich barocken Planungsgedanken“ orientierten.

Die Renovierung des Schlosses erforderte den Einsatz zahlreicher Spezialisten. Wie sich herausstellte waren die eingemauerten Weichholzbalken durch aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk so stark in Mitleidenschaft geraten, dass die Stuckdecken „nur noch an faulen Balken hingen“ und einzustürzen drohten. In aufwendigen Verfahren mussten sie von oben mit Glasfaserstäben stabilisiert und an den Auflagern ausgewechselt werden. „Die Stuckdecken sind zwar nicht von großem kulturhistorischem Wert, aber wir müssen sie so erhalten, wie sie sind“, so der Kommentar von Karl-Lothar Dietzsch zu den Sanierungsmaßnahmen. „Aus unerfindlichen Gründen hatte der Architekt O.H. Pflaume Ende der 1880er Jahre bei der Renovierung des Schlosses keine Eichenbalken verwendet“, weshalb eine Verstärkung mit Eisenträgern zwischen den Stuckdecken und den 120 Tragbalken notwendig war. Auch die Dachkonstruktion musste durch aufwendige Injektionsverfahren gegen den Schädlingsbefall gerettet und die Außenmauern durch Horizontalisolierungen gesichert werden.