Fünf-Elemente-Lehre 210px|rahmenlos|zentriert Chinesische Bezeichnung Langzeichen Kurzzeichen Pinyin wŭxíng xué Jyutping ng5hang4 hok6 Alternative Bezeichnung Langzeichen Kurzzeichen Pinyin wŭxíng Jyutping ng5hang4 Langzeichen hist. Kurzzeichen Pinyin wŭyùn Jyutping ng5wan6 Langzeichen hist. Kurzzeichen Pinyin wŭdé Jyutping ng5dak1 Japanische Bezeichnung Kanji Kana Hepburn Koreanische Bezeichnung Hangeul Hanja M.R. R.R. Vietnam. Bezeichnung Chữ Quốc Ngữ Chữ Nôm Fußnoten:
Die Fünf-Elemente-Lehre (, kurz ) ist eine im alten China entstandene daoistische Theorie zur Naturbeschreibung. Die Fünf-Elemente-Lehre beschreibt Gesetzmäßigkeiten, nach denen dynamische Umwandlungsprozesse (Wandlungen) im Bereich des Lebendigen ablaufen, betont also Werden, Wandlung und Vergehen. Die fünf Elemente Feuer ( huǒ), Wasser ( shuǐ), Holz ( mù), Metall ( jīn) und Erde ( tǔ), etwa als Bausteine des menschlichen Organismus, sind unmittelbar aus der Natur abgeleitet. Aus ihren (abstrahierten) Eigenschaften wird auf die Beziehungen zwischen Erde, Mensch und Himmel und innerhalb dieser Sphären geschlossen.
Die lange Tradition der Fünf-Elemente-Lehre wirkt in die chinesische Philosophie (z. B. Wuji, Taiji) und ist von Bedeutung im medizinischen Bereich wie beispielsweise der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), der Akupunktur, der chinesischen Diätetik, den ganzheitlichen Ansätzen der neueren westlichen Medizin (z. B. Ernährung nach den Fünf Elementen), dem chinesischen Massagetherapie Tuina oder dem japanischen Shiatsu. Sie ist in den traditionellen chinesischen Kampfkünsten wie das Taijiquan, das Xingyiquan oder Qigong von Bedeutung. Weiter ist sie in der Feng-Shui-Lehre, chinesischen Astrologie und CharakterkundeDie chinesische Charakterkunde (, historisch ) gehört historisch zu den „Fünf Künsten“ () im antiken China. Dazu zählen shan (xian, , yi („traditionelle Heilkunst“, )), ming („Schicksalskunde“, ), bu („Orakelkunde“, ) und Xiang („Erscheinungsbildkunde“, ) zu finden.
Der Buddhismus kennt die Elemente Erde, Wasser, Luft, Feuer und Leere als Fünf Elemente. Diese Lehre unterscheidet sich von der daoistischen. Die antike griechische Philosophie entwickelte die Vier-Elemente-Lehre mit den Elementen Luft, Feuer, Wasser und Erde und teilweise dem Äther als Quintessenz und fünftem Element, insbesondere in Vorstellungen der Alchemie.
Die fünf Elemente Die Lehre ist in der traditionellen chinesischen Philosophie verankert. Danach lassen sich alle Naturphänomene durch die großen (unterstellten) Umwandlungen (xíng – )In der chinesische Begrifflichkeit spricht man hier von Umwandlungsphänomen xíng – , ein Prozess in der Naturphilosophie (siehe auch Yin und Yang), statt wie im abendländischen Kulturkreis in der Bezeichnung von Materie oder Element yuánsù – aufteilen. Diese fünf Elemente (genauer: Prozesse) sind nicht statisch, sondern unterliegen der ständigen Änderung und Umwandlung und stehen in einer zeugenden und zehrenden Beziehung zueinander. Auf diese lassen sich die Umwelt und die Naturgesetze zurückführen. In diesem Sinne sind die Grundelemente als Wandlungsphasen oder Aktionsqualitäten anzusehen. In der Shang-Dynastie (etwa 1600–1046 v. Chr.) wurden ihnen die fünf Richtungen Nord, Süd, Ost, West und Mitte zugeordnet. Mit dieser (zugeordneten) allseitigen Bedeutung und Wirkung kamen zunehmend jeweils weitere fünf Eigenschaften oder Zustände hinzu, in denen sich der Mensch, die Natur, der Himmel und die Erde befinden.
Holz mù Aufbruch, Entwicklung eines Handlungsimpulses, Expansion, Steigen Feuer huǒ Ausgestaltung, dynamische Phase, Aktion Erde tǔ wandelnd, umwandelnd, verändernd, Fruchtbildung Metall jīn Reife, Kontraktion, Kondensation, Ablösung, Sinken Wasser shuǐ Betrachtung, Lageerfassung, Ruhe Anm.:Alle Schriftzeichen in der Tabelle als Langzeichen
Die Interaktion dieser Elemente bewirkt einen Prozessablauf, der als Zyklus beschrieben und auf verschiedenste Abläufe im Bereich des Organischen angewendet wird, zum Beispiel im menschlichen Körper, in der Charakterkunde, in der Astrologie oder auch in Organisationen, wie beispielsweise einem Unternehmen oder auch in der Politik.
Naturphilosophischer Hintergrund Fragestellung und Methodik der Fünf-Elemente-Lehre ähneln stark dem Yijing (veraltend I Ging), dem Buch der Wandlungen. Beide stehen auf dem gemeinsamen geistigen Hintergrund des Daoismus.
Wie im Yijing und auch im Daodejing des Laozi ist in der Fünf-Elemente-Lehre das Dao, die monistische schöpferische Funktion des großen Einen, selbst unbenennbar und tritt als der Erkenntnis zugängliches Prinzip nur als komplementärer Dualismus in Erscheinung: als Yin und Yang. Diese beiden erzeugen, wie im Artikel zum Yijing beschrieben, durch Verdopplung die vier Hsia und durch erneute Verdopplung die acht Gua, die Acht Trigramme. Die Erde als wandelnde Qualität wird beiden dualen Polen (Yin und Yang; vgl. Polarität) zugeordnet, die vier Hsia den übrigen vier Elementen (siehe: Kosmologische Anordnung).
Im Daoismus gelten alle Aussagen über die Realität als Symbol und nicht selbst als Realität. Deshalb gibt es keinen Ausschließlichkeitsanspruch für ihre Gültigkeit, es können durchaus verschiedene Aussagen und Theorien (hier das Yijing und die Fünf-Elemente-Lehre) nebeneinander bestehen, man wechselt je nach Anwendung zwanglos zwischen ihnen. Dieses Vorgehen erscheint uns im westlichen Denken oft problematisch, wird aber dennoch praktiziert: die Berechnung der Tide nach dem Mondstand und die Beschreibung der Tageszeiten nach dem Sonnenlauf stellt selbstverständlich die Erde als Bezugspunkt in die Mitte, obwohl das geozentrische Weltbild längst widerlegt ist. Ebenso hat etwa die klassische Physik ihren definierten Gültigkeitsbereich und ist nicht etwa durch Relativitätstheorie oder Quantentheorie hinfällig geworden.
Zyklische Anordnung mini|Zyklische Anordnung der fünf Elemente Die fünf Elemente stellen Wandlungsphasen von Prozessen oder Aktionsqualitäten dar. Es handelt sich daher nicht um Elemente im Sinne von Bestandteilen, sondern um Aspekte eines dynamischen Ablaufes, der als zyklisch erlebt und meist in einem fünfgeteilten Kreis im Uhrzeigersinn dargestellt wird. Die Vorstellung organischer Prozesse als zyklisch bedeutet jedoch nicht eine stetige, monotone Wiederholung, sondern beinhaltet ebenso eine (im Westen meist linear gedachte) Evolution: jeder Durchlauf des zyklischen Prozesses verändert die Ausgangslage für den folgenden Durchlauf.
Die im Prozess wechselnden Phasen werden häufig an der Jahreszeitenfolge verdeutlicht: Wasser steht unten als ruhender Ausgangspunkt und wesentlicher Bestandteil jeder Dynamik und entspricht dem Winter. Holz folgt als vorbereitende, expandierende Phase, (Vor)frühling. Feuer bildet den Höhepunkt der eigentlichen Aktion; es steht für den Sommer. Erde steht für den wandelnden Aspekt, der im zyklischen Prozess Evolution bewirkt (etwa die Metamorphose hin zur Fruchtbildung) sowie den Spätsommer. Metall konzentriert und strukturiert die Aktion, dies gewährleistet die Wirkung der Aktion, entsprechend der Reifung im Herbst. Dem schließt sich wieder die Ruhephase (Wasser) an.
Nährungs-Zyklus mini|Nährungs-Zyklus In der besprochenen Reihenfolge (zyklisch im Uhrzeigersinn) nähren die Elemente einander, das eine Element gebiert das andere Element, sie stehen in der Beziehung wie die Mutter zum Kind. Holz lässt Feuer brennen. Asche (durch Feuer) reichert die Erde mit Nährstoffen an. Erde bringt Erze (Metall) hervor. Spurenelemente (Metall) beleben Wasser. Wasser nährt Bäume und Pflanzen (Holz).
Kontroll-Zyklus mini|Kontroll-Zyklus Mangel oder Überfluss eines der fünf Elemente des betrachteten Prozesses würde den Prozess insgesamt stören beziehungsweise seinen Träger (einen lebendigen Organismus) schädigen. Kontrollierende Eingriffe können nicht willkürlich erfolgen, ohne den Prozess zu stören. Vielmehr soll die inhärente Gesetzmäßigkeit auch bei der Prozesskontrolle von außen berücksichtigt werden: Bäume und Pflanzen (Holz) entziehen der Erde Nährstoffe. Wurzeln halten die Erde zusammen. Staudämme (Erde) halten Wasser auf. Erde verschmutzt Wasser. Wasser löscht Feuer. Feuer schmilzt Metalle. Eine Axt (Metall) spaltet Holz.
Die Kontrollrelation ist deshalb ein Pentagramm im Kreis, das dadurch entsteht, dass jedes Element auf seinen Nach-Nachfolger einwirkt. Dies entspricht der Beziehung Großmutter-Kind.
Schwächungs-Zyklus mini|Schwächungs-Zyklus Jedes Element entwickelt sich durch Schwächung seines Vorgängers im Nährungszyklus (zyklische Relation entgegen dem Uhrzeigersinn). Dies entspricht der Beziehung Großmutter-Mutter, die Mutter schwächt die Großmutter. Holz saugt Wasser auf, Wasser korrodiert Metall, Metall zieht Mineralien aus der Erde, Erde erstickt Feuer, und Feuer verbrennt Holz.
Schädigungs-Zyklus mini|Schädigungs-Zyklus Die entgegengesetzte Relation (auf den Vor-Vorgänger) wird als destruktiv, verletzend beschrieben. Holz macht Metall stumpf, Metall nimmt Hitze (Feuer) auf, Feuer verdampft Wasser, Wasser weicht Erde auf (Erosion), Erde erstickt Holz.
Dies entspricht der Beziehung Kind-Großmutter.
Dynastische Übergänge Nach dem politischen Philosophen der kriegführenden Staaten und als erster chinesischer Alchemist geltenden, Zou Yan (bekannt auch als Tsou Yen), dessen Werke verloren gingen,Allison Coudert: Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten. (Originalausgabe: Alchemy: the Philosopher's Stone. 1980) Lizenzausgabe. Pawlak, Herrsching 1992, ISBN 3-88199-911-6, S. 184. besitzt jedes der fünf Elemente eine personifizierte „Tugend“, die auf das vorherbestimmte Schicksal einer Dynastie hinweist; dementsprechend weist die zyklische Folge der Elemente auch auf dynastische Übergänge hin. Zou Yan behauptet, dass das Mandat des Himmels die Legitimität einer Dynastie sanktioniert, indem er selbst manifestierende verheißungsvolle Zeichen in der rituellen Farbe (gelb, blau, weiß, rot und schwarz) sendet, die dem Element der neuen Dynastie (Erde, Holz, Metall, Feuer und Wasser) gilt. Seit der Qin-Dynastie beriefen sich die meisten chinesischen Dynastien auf die Theorie der Fünf Elemente, um ihre Herrschaft zu legitimieren.
Kosmologische Anordnung Eine im Westen weniger bekannte Anordnung der fünf Elemente ergibt sich, wenn das wandelnde Prinzip der Erde in den Mittelpunkt des Rades rückt und die verbleibenden vier Elemente auf zwei orthogonalen Achsen angeordnet werden:
Vertikale: Wasser unten (großes Yin, Statik) – Feuer oben (großes Yang, Dynamik) Horizontale: Holz links (kleines Yang, Expansion) – Metall rechts (kleines Yin, Kontraktion)
Diese orientierende quaternio stellt das Wirkprinzip des Prozesses anstelle der Prozessdynamik selbst in den Mittelpunkt der Betrachtung und ähnelt damit den orthogonalen westlichen Begriffsystemen, die der Orientierung dienen (Beispiel: Vier-Elemente-Lehre, Kompassrose, kartesisches Koordinatensystem, Vier Jahreszeiten). In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird die vertikale Achse als konstitutionell, die horizontale als situativ bezeichnet.
Projektion Beide Darstellungen (die zyklische und die kosmische) können als zwei verschiedene ebene Projektionsmöglichkeiten ein und derselben räumlichen Pyramide (mit der Erde an der Spitze und einem Scheitelwinkel von 36 Grad) aufgefasst werden. Diese Eigenschaft zeigt, dass beide planaren Darstellungen nicht alternativ nebeneinander stehen, sondern (dreidimensional) konstruktiv ineinander übergeführt werden können (vgl. die beiden Anordnungen der Acht Trigramme „alter Himmel“ und „neuer Himmel“ im Yijing)
Zuordnungen, Analogien Den fünf Elementen ist eine Vielzahl anderer Begriffe zugeordnet, die zum Teil nur in ihrem speziellen Erfahrungsumfeld nachvollziehbar sind. Am bekanntesten ist wohl die Zuordnung zu Formen und Farben:
Holz grün (blaugrün) Zylinderformen Feuer rot Pyramidenformen Erde gelb Quaderformen Metall weiß (grau) Kuppelformen Wasser schwarz (blau) irreguläre Formen