mini|Symbol des Order of Nine Angles Der Order of Nine Angles (engl. ‚Orden der neun Winkel‘, abgekürzt ONA oder auch O9A) ist ein satanistischer rechtsextremer Orden aus Großbritannien.
Geschichte und Organisation Der Order of Nine Angles behauptet von sich selbst, seine Wurzeln im Sonnenkult von Albion (eine antike Bezeichnung Großbritanniens) zu haben. In ihren Ursprüngen basiere diese Tradition auf einer Form von empathischer Magie, die hauptsächlich in Gesängen und der Nutzung von Kristallen Verwendung gefunden habe. Diese Tradition habe seit Jahrhunderten im Geheimen existiert, man sei aber erst im 20. Jahrhundert an die Öffentlichkeit getreten; bis dahin habe die Tradition sich mündlich gehalten, nur ein paar Zeremonien seien in codierter Form niedergeschrieben worden. Eine jahrhundertealte Tradition ist allerdings unwahrscheinlich, da esoterische Gruppen meist nur kurz bestehen und wenige derzeit existierende Gruppen eine ungebrochene Tradition von mehr als 50 Jahren aufweisen können.Georg Otto Schmid: Relinfo: Berichte aus okkulten Organisationen. Nach einem Essay von Elisabeth Selwyn über Verbindungen zwischen Satanismus und Faschismus in Großbritannien (The Right Wing Left Hand Path) geht der Order of Nine Angles auf einen Gründer namens Anton Long zurück und tauchte 1975 in Leeds das erste Mal auf; Selwyn zufolge ist Long mit Stephen Brown und Algar Langton identisch, hinter diesen Namen stehe David Myatt. Nicholas Goodrick-Clarke zufolge entstand der Orden aus den neuheidnischen Gruppen Camlad, The Noctulians und Temple of the Sun, die in den 1960er Jahren vereint worden seien. Myatt habe den Orden übernommen, nachdem der Anführer nach Australien ausgewandert sei, und dessen Lehren kodifiziert und zu einem voll entwickelten System erweitert. Das Magazin des Ordens, Fenrir, erschien dann erstmals im Jahre 1988. Kerry Bolton zufolge stehen David Myatt und Richard Moult, der Myatts Nachfolge als Großmeister des ONA angetreten habe, hinter dem Namen Anton Long. Generell ist die Ansicht, dass Long mit Myatt identisch sei, weit verbreitet, Myatt bestreitet dies jedoch.
1990 soll Christos Beest, hinter dem der britische Künstler Richard Moult stehen soll, Longs Stelle als Vertreter des Ordens nach außen übernommen haben; Goodrick-Clarke behauptet, Beest sei zu Myatts Nachfolger ernannt worden. Beest selbst bezeichnete sich als äußeren Repräsentanten des ONA und seinen Status als limitierte „öffentliche“ Rolle, wohingegen Long Großmeister des ONA blieb. Beest erstellte unter anderem The Sinister Tarot, The Black Book of Satan II und mehrere Tonaufnahmen, darunter mehrere Versionen des von ihm geschriebenen The Self Immolation Rite. Die liturgischen Gesänge des ONA werden von Goodrick-Clarke als „Tonvibrationen, bekannt als Esoterischer Gesang“, bezeichnet.
Mit dem Order of Nine Angles in Verbindung stand auch der US-amerikanische Musiker Michael W. Ford, der sich für die pragmatische und fortgeschrittene Annäherung an den Satanismus, die Stärkung des Selbst und die Herausforderungen interessierte. Er bezeichnet es als Glück, Kontakt mit und etwas Praxisanleitung von Beest gehabt zu haben, den er als talentierten Künstler bezeichnet. Er habe mit ihm allerdings nie „NS-Kontakt“ gehabt, viele der NS-Ideen seien von anderen Personen gewesen. Ford wurde zeitweiliger Leiter einer ONA-Zelle. Da Ford im Zuge seiner Entwicklung den Orden als limitiert empfand und viele seiner Eingeweihten NS-Idealen folgten, verließ er den ONA. Allerdings veröffentlichte er später die Bücher NAOS: A Practical Guide to Modern Magick, The Black Book of Satan I, II & III und The Sinister Collection mit von ihm geschriebenen Vorwörtern und vertreibt die CD The Self Immolation Rite über seinen Webshop Luciferian Witchcraft. Beest wiederum soll den Orden 1999 verlassen haben.
Laut Beest steht nur eine Handvoll größtenteils im Verborgenen arbeitender Personen mit dem Order of Nine Angles in Verbindung, er hat jedoch aufgrund seiner kontroversen Ansichten für Aufmerksamkeit in den Medien wie auch unter Satanisten gesorgt; im Gegensatz zur Anzahl seiner Mitglieder hat die größte dem ONA gewidmete Yahoo-Gruppe 676 Mitglieder, eine kleinere 213 und eine australische 136.
Ausrichtung mini|Éliphas Lévis hermaphroditische Baphomet-Darstellung aus seinem Werk Dogme et Rituel de la Haute Magie (1854) wird vom ONA abgelehnt. Der Order of Nine Angles bezeichnete sich als erste Gruppierung in seinen Schriften als Vertreter eines traditionellen Satanismus, im Gegensatz zum von Anton LaVey geprägten „modernen Satanismus“. Diese Bezeichnung steht nicht für Satanismus im traditionellen Sinne der Verehrung eines realen Satans, sondern für eine vom ONA behauptete geheime Tradition über mehrere Generationen; diese Behauptung wird jedoch angezweifelt. Für den ONA geht traditioneller Satanismus weit über die Befriedigung des Lustprinzips hinaus und beinhaltet Selbstbeherrschung, Selbstüberwindung und kosmische Weisheit. Seine Vorstellung von Satanismus ist pragmatisch mit einem Schwerpunkt auf der Evolution des Individuums durch gefährliche Situationen. Die Bezeichnung als traditioneller Satanismus wird aber auch unabhängig vom ONA von zahlreichen theistischen Satanisten verwandt andere bevorzugen die Bezeichnung theistischer Satanismus, auch zur Abgrenzung vom ONA. Als Gottheiten des traditionellen Satanismus nennt der ONA die dunkle Göttin Baphomet und den dunklen Gott Satan. Éliphas Lévis hermaphroditische Baphomet-Darstellung wird als romantische Verwirrung oder Verzerrung angesehen.Order of Nine Angles: (PDF; 33 kB), abgerufen am 1. Oktober 2012.
Der ONA hat eine eigene Form von Magie mit direktem Bezug auf Geschichte und Politik entwickelt, die Aeonics (‚Äonik‘) genannt wird und insbesondere von Arnold J. Toynbee und Oswald Spengler inspiriert ist. Laut des ONA dauert ein Äon zwischen tausend und eineinhalbtausend bis hin zu manchmal beinahe zweitausend Jahren und ist charakterisiert durch die Gegenwart bestimmter akausaler Energien auf der Erde, die eine Vielzahl von Individuen über einen bestimmten kausalen Zeitraum beeinflussen. Ein Äon ist immer mit einer äonischen Zivilisation verbunden, die in einer bestimmten geographischen Gegend entsteht und in der Regel mit einem bestimmten Mythos verbunden ist. Der Orden weist dazu an, keine Symbolik alter, „toter“ Äonen (zum Beispiel ägyptische oder sumerische) zu verwenden, sondern die des traditionellen Satanismus und des Septenar-Systems, die die laut des ONA alte und nicht authentische Symbolik der Kabbala vermeidet; reinere Magie, wie die des Septenar-Weges, sei effektiver.Codex Saerus. The Black Book of Satan (PDF; 976 kB), abgerufen am 1. Oktober 2012. Der Orden lehnt semitische Traditionen ab und betrachtet die bewusste Vermeidung semitischer und christlicher Einflüsse, zu denen er Kabbala und Goëtie zählt, als charakteristisch für die sinistre Tradition. Er betrachtet seinen Septenar-Weg als die authentische westliche Tradition im Gegensatz zur Kabbala.Order of Nine Angles: , abgerufen am 1. Oktober 2012. Entsprechend wird auch der Name Satan nicht über die semitische Wurzel שָׂטָן ‚Ankläger‘ erklärt, sondern über das griechische aitia ‚Anklage‘, aus dem durch Korruption das hebräische Satan entstanden sei.Order of Nine Angles: , abgerufen am 1. Oktober 2012.
Der Orden grenzt sich scharf von den Traditionen der westlichen Esoterik ab. Die Annahme, dass Anton Long vom Magier Aleister Crowley und dem Hermetic Order of the Golden Dawn beeinflusst worden sei, wird vom ONA bestritten. Crowley wird als „ziemlich konventionelles, wenngleich einigermaßen exzentrisches, Beispiel“ für den Pfad zur rechten Hand bezeichnet und als mit keinem genuinen Pfad zur linken Hand oder genuinen sinistren Weg verbunden angesehen; dies sei durch sein Vertrauen in Orden und Organisationen alter Äonen, das Fehlen dunkler und sinistrer Taten und Inspiration zu solchen, und seine „pseudo-mystischen“ Schriften sowie die seiner Anhänger deutlich. Er habe sich eindeutig nie über den Rang eines Adepten hinaus entwickelt und wohl auch diesen nie erreicht. Es fehle das Verständnis eines genuinen Adepten, das der Entwicklung und Verwendung neuer Archetypen und archetypischer Formen, das Verständnis von Äonen, äonischer Magie und Magie selbst (was sich in seiner Deklaration eines neuen Equinox der Götter zeige). Crowley habe, wie die meisten Okkultisten seiner Zeit, und wie im Liber AL vel Legis deutlich werde, nur tote archetypische Formen eines toten Äons verwandt, in seinem Fall die des sumerischen Äons und der damit assoziierten ägyptischen Zivilisation. Crowleys Liber AL vel Legis und Michael Aquinos Book of Coming Forth by Night seien gute Beispiele für Texte von Personen, die sich in einem frühen Stadium des esoterischen Pfades befänden. Einsichtige Magier würden aus diesen Schriften lernen und sie als bloße Erforschungen ihres Unbewussten ansehen, während die Uneinsichtigen bei diesen Arbeiten verweilen würden, wofür John Dee als „klassischer Fall“ angeführt wird. Diese uneinsichtigen Personen würden diese Arbeiten als Ausdruck einer „supranaturalen“ Wesenheit oder Gottheit und somit als echte und wichtige Offenbarung ansehen. Bei Crowley zeige dies sich in seinen weiteren Schriften über das Liber AL vel Legis und dem Propagieren desselben. Er habe außerdem das „korrupte und bastardische“ System des Golden Dawn propagiert, das auf der Kabbala basiere, die samt ihrer Korruption durch den Golden Dawn und Crowley die Antithese der „genuinen westlichen“, septenar-basierten Tradition sei. Ebenso werden dem französischen Okkultisten Éliphas Lévi Lügen und Verzerrungen vorgeworfen.Order of Nine Angles: (PDF; 573 kB), abgerufen am 1. Oktober 2012.