mini|hochkant|Józef Unrug 1930 als Komandor (Kapitän zur See). Józef Unrug, geboren als Joseph Michael Hubert von Unruh (* 7. Oktober 1884 in Brandenburg an der Havel; † 28. Februar 1973 in Lailly-en-Val bei Beaugency, Frankreich) war ein hoher polnischer Marineoffizier deutscher Herkunft und zwischen 1925 und 1939 Chef der Polnischen Marine. mini|Józef Unrug 1933 als Konteradmiral Leben Joseph Michael Hubert von Unruh (seit 1919, als Józef Unrug) entstammte einer preußischen Offiziersfamilie, die aus einem im 17. Jahrhundert polonisierten Zweig des deutsch-schlesischen Adelsgeschlechts Unruh hervorgegangen war. Sein Vater war Generalmajor Thaddäus Gustav von Unruh (1834–1907)Reinhard Montag (Hrsg.): Lexikon-deutsche Generale.de-Biografien: Deutsche Generale bis 1920. Stand 4. Juni 2026. Seine Mutter war die 1851 geborene Isidore Gräfin von Bünau, TochterHans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1955. Band II, Band 11 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1955, S. 134–135. der Helene geb. von Brandenstein und des Politikers Graf Rudolf von Bünau.
Nach dem Besuch eines Gymnasiums in Dresden besuchte Unrug eine Kadettenanstalt und trat am 6. April 1904 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Als Oberleutnant zur See (seit 22. März 1910) wurde er an Bord des Großlinienschiffes Friedrich der Große verwendet, wo er auch nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs verblieb. Nach einer U-Boots-Ausbildung wurde er zur U-Boot-Waffe versetzt und kommandierte in der Folge UB 25, UC 11 und UC 28.Angaben aus: Bodo Herzog: Deutsche U-Boote 1906–1966. Karl Müller Verlag, Erlangen 1999, ISBN 3-86070-036-7.
Nach Kriegsende schied Unrug aus der Kaiserlichen Marine aus und trat der neu gegründeten polnischen Armee bei, die ihn schon bald zur Marine kommandierte. Zuerst diente er in der hydrologischen Abteilung der Marine und erhielt später das Kommando über eine U-Boot-Flottille. Unrug machte schnelle Karriere und wurde bald zum Konteradmiral befördert. Obwohl er Probleme mit der polnischen Sprache hatte, wurde Unrug 1925 zum Chef der Polnischen Marine ernannt. Er war der zweithöchste Marineoffizier in Polen und leitete direkt die Kriegsflotte. Sein Hauptsitz als Flottenchef war in Gdynia, dann in Hel.
Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges befahl er den zunächst umstrittenen Peking-Plan. Er ließ noch vor Beginn der Kampfhandlungen die drei kampfstärksten polnischen Überwassereinheiten nach Großbritannien bringen. Zugleich ließ er die Danziger Bucht verminen und durch U-Boote überwachen. (→Plan Worek) Da die Wehrmacht keine Seelandungen versuchte, lief die Verminung ins Leere und erwies sich als Fehlschlag. Die verbliebenen polnischen Überwassereinheiten konnten sich zwar anfangs erfolgreich gegen die Kriegsmarine behaupten, wurden aber innerhalb von drei Tagen durch die weit überlegene Luftwaffe vollständig vernichtet, was ein Indiz dafür ist, dass Unrugs Befehl zur Rettung der großen Überwassereinheiten die strategisch richtige Entscheidung war. Unter dem Kommando von Unrug konnten die Marineeinheiten aber noch einige Landbasen halten. Erst nach dem Fall von Warschau (28. September) und der Festung Modlin (29. September) gab Unrug den Abwehrkampf auf und befahl am 1. Oktober 1939 die Kapitulation der abgeschnittenen Stellungen auf Hela. Er wurde von Kapitän zur See Kurt Utke, den er aus der Kaiserlichen Marine kannte, auf dem Linienschiff Schlesien nach Swinemünde gebrachtFriedrich Ruge: Im Küstenvorfeld, J.F. Lehmann Verlag, München 1974. und ging wie über 900.000 andere polnische Soldaten in Kriegsgefangenschaft.
mini|Admiral und Chef der polnischen Marine Józef Unrug (4 von links), Konteradmiral Marian Majewski, Oberst Władysław Koslowski, General Tadeusz Piskor, Oberst Mieczysław Mozdyniewicz, Oberst Anthony Trzaska-Durski im Kriegsgefangenenlager im Schloss Colditz.
Den Rest des Krieges verbrachte Unrug in verschiedenen deutschen Kriegsgefangenenlagern, unter anderem dem Oflag X-B in Nienburg/Weser. Die deutschen Militärs versuchten den hochrangigen aus Deutschland stammenden alten Kameraden und Träger des Eisernen Kreuzes mehrfach zum Seitenwechsel zu bewegen, was sicherlich ein großer propagandistischer Erfolg gewesen wäre. Hohe Partei-Funktionäre und ehemalige Waffenbrüder aus dem Ersten Weltkrieg besuchten ihn mehrfach. Unrug verweigerte nicht nur die Zusammenarbeit, sondern demonstrativ sogar die Benutzung der deutschen Sprache, obwohl es die Sprache war, die er am besten beherrschte. Er bestand bei Verhandlungen mit deutschen Offizieren auf der Anwesenheit eines Dolmetschers. Er äußerte, dass er die deutsche Sprache im September 1939 „vergessen“ habe.
Nach seiner Befreiung durch US-amerikanische Soldaten ging Unrug nach Großbritannien und diente dort in der polnischen Marine. Nach der Auflösung der polnischen Marine im Westen 1947 blieb Unrug in Großbritannien und lebte später in Frankreich.
Józef Unrug starb am 28. Februar 1973 im Alter von 88 Jahren in einem Heim für polnische Veteranen in Lailly-en-Val nahe Beaugency in Frankreich. mini|hochkant|Unrugs Überführung und Bestattung in Polen im Jahre 2018, Gdynia-Oksywie. 1976 wurde in Gdynia-Oksywie eine Gedenktafel für Józef Unrug enthüllt. Erst 2018 wurde sein Leichnam nach Polen überführt.
Karriere Kaiserliche Marine Leutnant zur See – 1907 Oberleutnant zur See – 1909 Kapitänleutnant – 1915Polnische Marine kapitan marynarki / Kapitänleutnant – 1919 komandor podporucznik / Korvettenkapitän – 1921 komandor porucznik / Fregattenkapitän – 1923 komandor / Kapitän zur See – 1926 kontradmirał / Konteradmiral – 1933 wiceadmirał / Vizeadmiral – 1947
Auszeichnungen Virtuti Militari in Gold (höchste militärische Auszeichnung Polens) Polonia Restituta (Orden der Wiedergeburt) Krzyż Zasługi z Mieczami in Gold (Verdienstkreuz mit Schwertern) Verdienstkreuz der Republik Polen in Gold Eisernes Kreuz (1914) II. und I. Klasse Großoffizier der französischen Ehrenlegion
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Marineoffizier (Polen) Kategorie:Kapitänleutnant (Kaiserliche Marine) Kategorie:U-Boot-Kommandant (Kaiserliche Marine) Kategorie:U-Boot-Kommandant im Ersten Weltkrieg Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Militärperson (Zweite Polnische Republik) Kategorie:Person im Zweiten Weltkrieg (Polen) Kategorie:Person (Brandenburg an der Havel) Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Großoffizier) Kategorie:Träger des Ordens Polonia Restituta (Komtur) Kategorie:Träger des Goldenen Verdienstkreuzes der Republik Polen Kategorie:Träger des Dannebrogordens Kategorie:Träger des Weißen Elefantenordens Kategorie:Träger des Schwertordens Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse Kategorie:Träger des Ordens Virtuti Militari Joseph Kategorie:Polnischer Adliger Kategorie:Polnischer Kriegsgefangener von Deutschland Kategorie:Preuße Kategorie:Deutscher Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1973 Kategorie:Mann