Das Internationale Festival Komponistinnen gestern-heute in Heidelberg wurde 1987 zum ersten Mal durchgeführt. Träger war das von der Sängerin Roswitha Sperber 1987 gründete Kulturinstitut Komponistinnen gestern-heute mit Sitz in Heidelberg, das sich die Förderung der Frau in der Musik zur Aufgabe gemacht hatte und durch Aufführungen von Kompositionen von Frauen aus allen Jahrhunderten auf weibliche Tonschöpfer aufmerksam machte. Hierzu diente das Festival, dem sich ein eigenes Festival-Ensemble anschloss. Die Veranstaltungen wurden von der Stadt Heidelberg und fünf Jahre nach der Premiere auch vom Land Baden-Württemberg und projektbezogen von der Bundesregierung finanziert.

Geschichte In den Anfangsjahren standen neben historischen Persönlichkeiten (Fanny Hensel-Mendelssohn, Clara Schumann, Lili Boulanger u. a.) zeitgenössische Komponistinnen v. a. aus dem damaligen „Ostblock“ im Zentrum des Festivals. So gastierten aus der Sowjetunion Sofia Gubaidulina, Galina Ustwolskaja, Jelena Firssowa oder Firəngiz Əlizadə, aus Rumänien Myriam Marbe, Violeta Dinescu oder Adriana Hölszky, aus der Tschechoslowakei Ivana Loudová und aus der DDR Ruth Zechlin und Annette Schlünz in Heidelberg und wurden hier nicht nur aufgeführt, sondern erhielten auch Kompositionsaufträge. Daneben waren aus den USA Ruth Schonthal und Gloria Coates oder aus Korea Younghi Pagh-Paan hier jeweils mehrfach zu Gast.

In den 1990er Jahren erfolgte eine Umbenennung des Festivals in Gegenwelten – Internationales Festival für Neue Musik. Der Schwerpunkt hatte sich schon Ende der 1980er Jahre auf die zeitgenössische Musik vor allem (nicht ausschließlich) von Frauen verlagert und vergab ab 1987 jährlich den Heidelberger Künstlerinnenpreis, der ebenfalls von Roswitha Sperber, auf Initiative der Landesregierung, gegründet wurde. Von 1991 bis 2000 vergab die Stadt Heidelberg den Preis im Rahmen eines Festival Konzertes. Das Kulturinstitut konnte in Verbindung mit dem Musikwissenschaftlichen Institut der Heidelberger Universität zahlreiche Forschungsbeiträge zum Thema Frau und Musik erarbeiten und publizieren. Die Festival-Gründerin Roswitha Sperber erhielt im Jahr 2000 für ihre Aktivitäten das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Von 2002 bis 2005 wurde das Gegenwelten-Festival von der Kulturstiftung Rhein-Neckar in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim veranstaltet, verteilt zwischen Neckargemünd-Dilsberg, Heidelberg und Mannheim, hatte sich das Festival um den Bereich Jazz und Weltmusik thematisch erweitert. Der Heidelberger Künstlerinnenpreis erhielt den Zusatz Rhein-Neckar und wurde von der Kulturstiftung Rhein-Neckar unter Vorsitz des Landrates vergeben. 2007 brachte Roswitha Sperber den Preis nach Heidelberg zurück. Seither wird der Heidelberger Künstlerinnenpreis im Rahmen eines Philharmonischen Konzertes des Theaters und Orchesters der Stadt Heidelberg vom Oberbürgermeister, der auch Vorsitzender der Jury ist, verliehen, Der Preis erhielt den Zusatz Musikpreis der Stadt Heidelberg. Seit 2007 ist der Deutschlandfunk fester Medienpartner des Konzertes für die Preisträgerinnen.

Liste der Preisträgerinnen 1987: Myriam Marbe 1990: Adriana Hölszky 1991: Sofia Gubaidulina 1992: Galina Ustwolskaja 1993: Ivana Loudová 1994: Ruth Schonthal 1995: Younghi Pagh-Paan 1996: Ruth Zechlin 1997: Babette Koblenz 1998: Annette Schlünz 1999: Christina Kubisch 2000: Elżbieta Sikora 2002: Olga Magidenko 2003: Carolyn Breuer 2005: Roswitha Sperber 2007: Unsuk Chin 2008: Olga Neuwirth 2009: Kaija Saariaho 2010: Misato Mochizuki 2011: Isabel Mundry 2012: Jamilia Jazylbekova 2013: Maria Panayotova 2014: Lucia Ronchetti 2015: Iris ter Schiphorst 2016: Chaya Czernowin 2017: Ying WangHeidelberger Künstlerinnenpreis auf www.heidelberger-philharmoniker.de; abgerufen am 28. Oktober 2018. 2018: Zeynep Gedizlioğlu u. a. mit ausführlicher Biografie der türkischen Komponistin Gedizlioğlu, abgerufen am 28. Oktober 2018. 2019: Elena Mendoza 2020: Bettina Skrzypczak 2021: Karola Obermüller 2022: Lisa Streich 2023: Farzia Fallah 2024: Kathrin A. Denner

Publikationen

Russische Avantgarde, Musikavantgarde im Osten Europas. Dokumentation, Kongressbericht. Hrsg.: Roswitha Sperber, Kulturinstitut Komponistinnen gestern-heute, Heidelberg 1992. Internationale Musik-Festivals Heidelberg 1991 und 1992. Hrsg. Roswitha Sperber, Kulturinstitut Komponistinnen Gestern-Heute, Boosey & Hawkes, London 1992. Gegenwelten. 10 Jahre Internationales Festival für neue Musik. 10 Jahre Kulturinstitut Komponistinnen Heidelberg.10 Jahre Heidelberger Festival Ensemble. Eine Dokumentation. Hrsg.: Roswitha Sperber, Wolke Verlag, Hofheim 1997, ISBN 3-923997-75-2. Visionen – Aufbrüche, der Weg ins 21. Jahrhundert 25 Jahre Heidelberger Künstlerinnenpreis – Musikpreis der Stadt Heidelberg. Hrsg. Roswitha Sperber, Theater und Orchester Heidelberg, Verlag Das Wunderhorn, 2012, ISBN 978-3-88423-396-2.

Weblinks

Heidelberger Künstlerinnenpreis 2018 Heidelberger Künstlerinnenpreis

Siehe auch Frauen in der Musik Olga Smirnitskaja (russisch: Ольга Смирнитская), 1837–1920

Einzelnachweise

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