Kappeln () ist eine Kleinstadt an der Schlei im Kreis Schleswig-Flensburg in Schleswig-Holstein (Deutschland), die sich über die beiden schleswigschen Landschaften Angeln und Schwansen erstreckt.
Geographie Geographische Lage mini|Kappeln mit Galionsfigur der Gorch Fock Das Gebiet der Stadt Kappeln erstreckt sich am Übergang der Schlei im Südosten der Halbinsel Angeln und, seit der Eingemeindung von Olpenitz, zudem auf dem südlichen Ufer der Schlei auch im Norden der Halbinsel Schwansen bis an den Küstenstreifen der offenen Ostsee heran.
Stadtgliederung Zur Stadt Kappeln gehören die Ortsteile Mehlby (; mit Wilhelminenhöh), Dothmark (), Sandbek (), Stutebüll (), Ellenberg (), Olpenitz () und Kopperby ().
Nachbargemeinden Das Gemeindegebiet der Stadt Kappeln wird ringsum begrenzt durch die Gebiete der Gemeinden:
Geschichte
Wechselnde Besitzer mini|Bürgerrechtsurkunde – Kappeln 1858. Wir Fleckensvogt, Vorstand und Deputirte, des im Herzogthum Schleswig belegenen Fleckens Cappeln, bezeugen hiedurch, dass dem Cigarrenfabricanten Emil Georg Martin Zarnedsky das Bürgerrecht in dem Flecken Cappeln verliehen worden ist […] Kappeln wurde erstmals 1357 urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich etymologisch von Kapelle ab, weil hier, auf dem hohen Schleiufer, bereits im 14. Jahrhundert eine Kapelle stand.
Im Jahre 1406 kam der Ort zum Domkapitel der Stadt Schleswig und 1533 zum Adelsgut Roest. Kappeln war damit, anders als die meisten Bauern im übrigen Angeln, einem Gutsherren unterworfen, wogegen sich das Fischerdorf jahrhundertelang mühsam erwehrte. Im Jahr 1666 versuchte der damalige Gutsherr Detlef von Rumohr, die Einwohner des inzwischen zu einem wohlhabenden Handelsplatz herangewachsenen Ortes zu Leibeigenen zu machen. Daraufhin verließen im folgenden Jahr 64 Familien, und damit ein Großteil der Einwohner, den Ort und gründeten weiter südlich auf einer Insel in der Schlei den Flecken Arnis.
Von der Befreiung aus der Leibeigenschaft zum Flecken 1799 wurde die Leibeigenschaft durch den Prinzen Karl von Hessen-Kassel wieder aufgehoben. Er war königlich-dänischer Statthalter in den Herzogtümern Schleswig und Holstein und zeitweise zugleich Besitzer des Gutes Roest. Im Jahr 1807 kaufte der dänische König Christian VII. Kappeln, das fortan einen eigenen Gerichts- und Verwaltungsbezirk bildete. 1842 erhielt der Ort den Status eines Fleckens. Flecken waren schleswigsche Minderstädte. Regionale Bedeutung erhielt Kappeln 1846, als es die uneingeschränkte Fleckengerechtigkeit bekam und damit Gerichtsort für das Umland wurde. Nach Beendigung des Ersten Schleswigschen Kriegs wurde der Angelner Güterdistrikt aufgelöst und die Kappelner Harde gegründet. Das Herzogtum Schleswig war wie das übrige Jütland in mehrere Harden eingeteilt. Nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen 1867 (nach dem Deutsch-Dänischen Krieg) wurde die preußische Ordnung eingeführt. 1870 erhielt Kappeln das Stadtrecht und blieb Sitz eines Amtsgerichts.
Bereits am 26. April 1814 wurde der erste Kleingärtnerverein im heutigen Deutschland in Kappeln – das damals noch zum dänisch regierten Herzogtum Schleswig gehörte – gegründet. Die Anlage „Reeperbahn“ existiert auch heute noch, sie ist damit die älteste Deutschlands.Kappeln: Die Keimzelle des Kleingartens. Elmshorner Nachrichten, 7. September 2012;abgerufen am 11. September 2013 Der Pastor H. F. Chr. Schröder verpachtete in Parzellen aufgeteiltes Pastoratsland an Garteninteressenten. Eine Gartenordnung wurde erstellt, der Pachtpreis festgesetzt und ein Vorstand gewählt. Deutsches Kleingärtner Museum; abgerufen am 9. September 2013 Schon im Jahr 1800 waren die ersten Gartenflächen für Bedürftige nach einer 1797/1798 erfolgten Anfrage an den Inspektor des Gutes Roest, dessen Besitzer der Statthalter in den Herzogtümern Prinz Karl von Hessen-Kassel gewesen war, im Bereich der heutigen Prinzenstraße geschaffen worden. Im Jahr 1806 entstanden dann die nach dem Landgrafen benannten Carls-Gärten, nachdem dieser zuvor das sogenannte Priesterholz in Gartengrundstücke aufgeteilt hatte.
Anbindung an die Verkehrsinfrastruktur Einer verbreiteten Ansicht zufolge verhinderten im Jahr 1881 Kappelner Schiffer und Kaufleute, dass die Bahnstrecke Kiel–Flensburg über die Stadt geführt wurde, was inzwischen jedoch als Legende angesehen wird. 1885 wurde die Stadt Endpunkt der Flensburger Kreisbahn, die Kappeln mit dem nördlichen Angeln und Flensburg verband (heute folgt die B 199 der einstigen Trasse). Es folgten die Schleswiger Kreisbahn und die Eckernförder Kreisbahn, die den Ort nach Schleswig und Eckernförde anbanden.
Entwicklung im frühen 20. Jahrhundert Im Jahr 1910 bekam die Stadt eine Trinkwasserversorgung mit Wasserwerk, die von dem in Kappeln geborenen britischen Unternehmer Jacob Moser finanziert wurde, der dafür die Ehrenbürgerwürde erhielt. Um das Andenken seines Vaters, des jüdischen Kaufmanns Moses Jacob Moses zu ehren, förderte Moser außerdem großzügig den Bau des ersten Kappelner Krankenhauses.Bernd Philipsen: Jacob Moser. Unternehmer, Philanthrop, Weggefährte Theodor Herzls. Hentrich & Hentrich, Teetz / Berlin 2007. Der wirtschaftliche Aufschwung Kappelns in der Zwischenkriegszeit spiegelt sich im Bau der Drehbrücke (1927) und im Bau der Nestlé-Fabrik, die noch vor der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise geplant und erst mitten in der Krise eingeweiht wurde. Schon 1928, also auch vor Ausbruch der Krise, bekam die Stadt Kappeln wirtschaftliche Probleme und musste z. B. an der Straßenbeleuchtung sparen. In ganz Schleswig-Holstein machten 120.000 Bauern in Kundgebungen auf ihre verschlechterte wirtschaftliche Lage aufmerksam.Fritz-Werner Dehncke: Die Geschichte Kappelns während der Zeit des Nationalsozialismus. Kappeln 1988, S. 2.
Kappeln im Nationalsozialismus Allgemeine Situation Die Kappelner Bürger hatten schon 1932 bei den Reichspräsidenten- und Reichstagswahlen mehrheitlich die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) gewählt. Sehr früh, ab April 1933, wurden in Kappeln Organisationen, Vereine und auch kirchliche Einrichtungen gleichgeschaltet. Organisationen, die die Nazis als Gegner ansahen, mussten sich auflösen. So löste sich am 2. April 1933 die Odd-Fellow-Loge in Deutschland und auch die Christophorusloge in Kappeln auf.Der Altmeister der Jürgen-Wullenweber-Loge in Lübeck. In: Geschichte des Odd Fellow-Ordens und der Logen in Schleswig-Holstein und Hamburg. Lübeck 2007. Anfang Mai übernahmen NSDAP-nahe Aktionskomitees die freien Gewerkschaften, ebenfalls im Mai wurden die verschiedenen Berufsinnungen und Organisationen (auch Beamtenbund) gleichgeschaltet oder aufgelöst. Es folgten die Pfadfinder, der Stahlhelm und auch kirchliche Organisationen. Im Juni 1933 trat das Betätigungsverbot für Mandatsträger der SPD in Kraft, was zur Folge hatte, dass gerade gewählte SPD-Stadtverordnete ihr Amt nicht antreten konnten. Die Gleichschaltung erfasste alle Bereiche des öffentlichen Lebens, auch den TSV (Sportverein), den Schützenverein und weitere Vereine.Fritz-Werner Dehncke: Die Geschichte Kappelns während der Zeit des Nationalsozialismus. Kappeln 1988, S. 22 ff. Sie verlief in Kappeln reibungslos, da Kappeln schon sehr früh weit über dem Durchschnitt liegende Wahlergebnisse für die NSDAP hatte. In der Reichstagswahl 1932 erhielt die NSDAP in Kappeln 53,9 % der Stimmen bei einem Ergebnis im Reichsgebiet von 33,1 %.Fritz-Werner Dehncke: Die Geschichte Kappelns während der Zeit des Nationalsozialismus. Kappeln 1988, S. 16.
Im wirtschaftlichen Aufschwung der späteren 1930er Jahre waren erfolgreiche Geschäftsleute zum Teil eng mit NSDAP-Funktionären in Kappeln verbunden. 1936 ließ der Getreidehändler Peter Kruse den großen, auch heute noch stadtbildbeherrschenden, mit Klinker verkleideten Stahlbeton-Getreidespeicher am Hafen errichten. Kruse gehörte auch das ‚Strandhotel‘ in Kappeln, das die Kappelner Deutsche Arbeitsfront zum DAF-Erholungsheim umbauen wollte, dafür aber keinen Zuschuss aus Berlin bekam. Die DAF-Ortsgruppe erhielt aber bei ihren Plänen 1935 Unterstützung durch den Freund und Kunstverkäufer des zuvor aus Berlin in die Region gekommenen Malers Gerhart Bettermann, Walter Reichart. Reichart erwies sich bald als Hochstapler in NSDAP-Kreisen und wurde 1935 verurteilt. 1936 erhielt Gerhart Bettermann den Auftrag, den Rathaussaal in Kappeln auszumalen. Die Stadt hatte vorher hierfür eine „anonyme Spende“ erhalten, die tatsächlich aber von Peter Kruse stammte, der von den DAF-Plänen profitierte.Matthias Schartl: „mein oberstes Prinzip ist die Ehrlichkeit“, Der Maler Gerhart Bettermann und seine angebliche Flucht nach Schleswig-Holstein. In: Grenzfriedenshefte, 1/2011, S. 14 ff. Die Einweihung der Wandmalerei, in der zwei zentrale Figuren den Arm zum Hitlergruß erhoben, wurde in einer Sonderbeilage der örtlichen Zeitung Schleibote von einem hohen NSDAP-Kulturfunktionär als „vorbildlich“ bezeichnet.Der Makel im Lebenslauf, Flensburger Tageblatt vom 20. November 2010. Die Schüler der Klaus-Harms-Schule, die zuvor schon das Recht erworben hatte, die Fahne der Hitlerjugend zu hissen, wurden vom Künstler selbst durch den Rathaussaal geführt, dessen Decke mit Hakenkreuzornamenten geschmückt war.Nicolaus Schmidt: Die Ausmalung des Kappelner Rathaussaales 1937 – die andere Seite der Biografie des Gerhart Bettermann. In: Kunstgeschichte, Open Peer Reviewed Journal, Artikel 2011, Abs. 6 ff.
Schon 1933 waren einzelne Arbeiter, die gegen die Gleichschaltung protestiert hatten, „in Schutzhaft“ genommen worden. Die schärfsten Aktionen der örtlichen und überörtlichen NSDAP-Kader richteten sich gegen die in Kappeln lebenden Juden.
Die Verfolgung der Juden mini|Stolpersteine für die Familie Eichwald Seit ungefähr 1800 lebten zwei Familien jüdischen Glaubens in Kappeln. Es gab aber keine jüdischen Einrichtungen dort. Der jüdische Religionsunterricht wurde von dem in Friedrichstadt ansässigen Bezirksrabbiner erteilt, der dafür nach Kappeln fuhr. 1933 wohnte in Kappeln nur eine Familie jüdischen Glaubens, die in dem Doppelhaus Mühlenstraße 36 wohnte. Das war der 1863 geborene Alfred Eichwald mit seiner Frau Emma, geborene Lazarus, seinen erwachsenen Söhnen mit Familien und der 1895 geborenen Tochter Jeanette. Die Eichwalds hatten sich mit viel Fleiß und Ausdauer eine bürgerliche Existenz in Kappeln aufgebaut. Der 1890 geborene Sohn Richard führte in dem Haus unter der Firma „Eichwald & Siebel“ einen Tabakwarenladen, der 1889 geborene Sohn Arthur ein Textilgeschäft unter dem Namen „Alfred Eichwald“.Bernd Philipsen: Zwischen Integration und Deportation. Das Leben und die Leidensgeschichte der jüdischen Familie Eichwald in Kappeln. In: Heimatverein (Hrsg.): Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln 1999. Kappeln 1999, S. 119 f., Fußnoten 23, 24, 25. Die Eichwalds genossen ein hohes Ansehen in der Stadt. Richard Eichwald war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kappelns. Alfred Eichwald, der Großvater, war Mitglied des Guttemplerordens zum Kampf gegen den Alkohol. Richard Eichwald war mit hohen Auszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekommen.Bernd Philipsen: Der 9./10. November 1938 in Kappeln. Die „Reichskristallnacht“ in einer schleswig-holsteinischen Kleinstadt. In: Grenzfriedensbund (Hrsg.): Jüdisches Leben und die Novemberpogrome in Schleswig-Holstein. Grenzfriedensbund, Flensburg 1988, S. 55 f.