mini|Das Gutenbergdenkmal in Mainz

Das Gutenbergdenkmal auf dem Gutenbergplatz in Mainz erinnert an den deutschen Buchdrucker Johannes Gutenberg. Das klassizistische Standbild wurde 1837 nach einem Entwurf von Bertel Thorvaldsen errichtet. Es ist das älteste Gutenbergdenkmal Deutschlands.

Entstehungsgeschichte Denkmäler, die an Johannes Gutenberg erinnern, gibt es unter anderem in Mainz, Straßburg und Frankfurt am Main. Von besonderer Bedeutung ist das Mainzer Gutenberg-Denkmal von 1837, das als das erste bürgerliche Denkmal im vollen Sinne des Wortes gilt, da es einen Bürgerlichen auf den Denkmalssockel hob und vom Bürgertum angeregt und getragen wurde. Die Entstehungsgeschichte des Mainzer Gutenberg-Denkmals von dem ersten Vorschlag, des berühmtesten Sohnes der Stadt in Form eines Monumentes zu gedenken, bis zu seiner Ausführung reicht über fast ein halbes Jahrhundert.

Den ersten Vorschlag, Johannes Gutenberg in seiner Geburtsstadt Mainz ein Denkmal zu setzen, machte Georg Christian Wedekind in der revolutionären Zeitschrift „Der Patriot“. Er schloss damit an eine Rede des Jakobiners Anacharsis Cloots an, der 1792 vor der französischen Nationalversammlung die Überführung der sterblichen Überreste Gutenbergs in das Panthéon nach Paris gefordert hatte. Cloots sah in Gutenberg einen der Ahnherren der Französischen Revolution, da dessen Erfindung der Buchdruckerkunst sie erst möglich gemacht habe. An diese Sichtweise von Gutenberg als Revolutionär wurde noch im selben Jahr in Mainz angeknüpft, wo sich unter dem Schutz des französischen Militärs eine Revolution im Kleinen abgespielt hatte. Zu einer Ausführung des Denkmals kam es jedoch nicht, da die über den Rhein heranrückenden Koalitionstruppen der Mainzer Republik ein Ende setzten.

1798 wurde Mainz Teil von Frankreich und blieb es für die nächsten 16 Jahre. Unter der französischen Herrschaft wurden die Denkmal-Pläne wieder aufgegriffen. Per Dekret von Napoléon I. durch seinen Departementbaudirektor J. F. Eustache de St. Far wurde ab 1804 zunächst der äußere Rahmen geplant. Abermals kam es jedoch nicht zu ihrer Realisierung, da die Ressourcen durch die anhaltenden Kriege anderweitig gebunden waren. Geschaffen wurde jedoch in der Nähe des Mainzer Domes der Gutenbergplatz (Place Guttemberg) als Teil einer Paradestraße mit dem Namen Grande Rue Napoléon, der bis zum heutigen Tag diesen Namen trägt und auf dem damals schon ein Denkmal vorgesehen war.

1816 wurde Mainz Teil des Großherzogtums Hessen. Die Forderungen nach einem Gutenberg-Denkmal kamen nun von Seiten der Bürgerschaft. Schließlich schlossen sich die Mainzer Casino-Gesellschaft und der Kunstverein zusammen und gaben bei dem lokalen Künstler Joseph Scholl eine mannshohe Sandsteinfigur Gutenbergs in Auftrag. Finanziert wurde diese Statue aus Spenden. Sie wurde am 4. Oktober 1827 enthüllt und stand zunächst im Innenhof der Casino-Gesellschaft, so dass sie nicht den Charakter eines öffentlichen, städtischen Denkmals, sondern den eines privaten trug. Ab Ende der 1920er Jahre stand die Statue im Eingangsbereich des „Hofes zum römischen Kaiser“, in dem das Gutenberg-Museum untergebracht ist. Seit 2019 steht die Figur im gläsernen Verbindungsgang des Museums und ist rund um die Uhr zu sehen.Das älteste Gutenberg-Denkmal der Welt kehrt in neuem Glanz zurück In: Rhein-Main.Eurokunst.com. 26. Oktober 2019.

Das Gutenberg-Denkmal von Bertel Thorvaldsen (1837) mini|Modell im Thorvaldsen-Museum Kopenhagen

Mit der Statue von Scholl wollte sich das Mainzer Bürgertum jedoch nicht zufriedengeben; sie wurde von Anfang an als Provisorium betrachtet. Kurz nach ihrer Aufstellung begannen bereits die Vorbereitungen, ein öffentliches Denkmal von europäischem Rang zu realisieren. Dazu wurde im Februar 1832 eine europäische Subskription ins Leben gerufen und Spendenlisten in deutscher, französischer und englischer Sprache wurden in alle Teile Europas versandt. Das Ergebnis deckte die veranschlagten Kosten allerdings nur etwa zur Hälfte.

Der bekannte, in Rom lebende dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen bot an, die Modelle unter seiner Aufsicht von seinem besten Schüler Herman Wilhelm Bissen gegen Materialkostenerstattung modellieren zu lassen. Gegossen wurde das Denkmal im Sommer 1836 in Paris in der Werkstatt von Charles Crozatier. Im Juli 1837 kam dann das Denkmal auf dem Gutenberg-Platz zur Aufstellung und wurde mit einem feierlichen Festakt im Rahmen eines vom 14. bis 16. August 1837 stattfindenden Gutenberg-Festes eingeweiht. Die Gesamtkosten betrugen 18.621 Gulden (ca. 11.000 Taler).Allgemeine Zeitung München vom 21. August 1887 (Beilage), S. 10ff. Die Reliefs am Sockel des Denkmals zeigen auf der linken Seite Gutenberg mit einem Knaben in der Druckwerkstatt und auf der rechten Seite Gutenberg mit einem Mann in der Setzwerkstatt. Die Tafeln auf der Vorderseite des Sockels tragen folgende Inschriften:

JOANNEM. GENSFLEISCH DE. GUTENBERG PATRICIUM. MOGUNTINUM AERE. PER. TOTAM. EUROPAM. COLLATO POSUERUNT. CIVES MDCCCXXXVII.

JOHANN GENSFLEISCH ZUM GUTENBERG, DEM MAINZER PATRIZIER, ERRICHTETEN SEINE MITBÜRGER MIT SPENDEN AUS GANZ EUROPA IM JAHRE 1837 DIESES DENKMAL.

Im Mai 2008 wurde das Denkmal wegen erheblicher Schäden am Lahnmarmor, aber vor allem wegen Rissen und Korrosion an der Bronze und selbst im stabilisierenden Kern in eine Spezialwerkstatt für Metallrestaurierung nach Regensburg gebracht. Informationen der Stadt Mainz zur Restaurierung 2008 bis 2010 Pressemitteilung vom 24. Juli 2008 der Stadt Mainz. Seitdem war der Sockel verwaist; nur eine Tafel wies auf den Verbleib der Statue Johannes Gutenbergs hin.

Zur Fastnachtskampagne 2009 wurde kurzfristig die Pappmachéfigur von Johannes Gutenberg – die sonst auf dem Motivwagen des Rheinland-Pfalz-Tag Umzuges mitfährt – umgestaltet und auf den Sockel gehievt. Anfang Dezember des gleichen Jahres wurde eine Art Adventskranz auf dem Sockel installiert, um eine weitere Besteigung durch unberechtigte Personen zu vermeiden. In: Allgemeine Zeitung. 5. Dezember 2009. Am 4. Februar 2010 kehrte das Denkmal an seinen Platz zurück. In: Allgemeine Zeitung Mainz. 4. Februar 2010.

Literatur Tobias Becker: Das Gutenberg-Denkmal in Mainz: Politische Symbolik, Öffentlichkeit und Mythenbildung. Unveröffentlichte Magisterarbeit. Ludwig-Maximilians-Universität, München 2006. Luzie Bratner: Das Mainzer Gutenbergdenkmal. Von St. Far bis Thorvaldsen. Zu Entstehung und Geschichte des Gutenbergplatzes und des Gutenbergdenkmals. Verlag der Rheinhessischen Druck-Werkstätte, Alzey 2000, ISBN 3-87854-152-X. Gedenkbuch an die festlichen Tage der Inauguration des Gutenberg-Denkmals zu Mainz, am 13., 14., 15. und 16. August 1837: nebst den Acten, die Entstehung desselben betreffend und einer kurzen Lebensbeschreibung Gutenbergs. Mainz 1837 (Digitalisat). Hans-Jürgen Imiela: Das Gutenberg-Denkmal von Bertel Thorvaldsen in Mainz. In: Gerhard Bott (Hrsg.): Bertel Thorvaldsen, Untersuchungen zu seinem Werk, und zur Kunst seiner Zeit. Köln 1977, S. 367–397. Ernst Neeb: Zur Geschichte des Mainzer Gutenberg-Denkmals. In: Aloys Ruppel (Hrsg.): Gutenberg Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens des Gutenbergmuseums in Mainz. Gutenberggesellschaft, Mainz 1925, S. 331–334. Thomas Nipperdey: Nationalidee und Nationaldenkmal in Deutschland im 19. Jahrhundert. (1968) In: Thomas Nipperdey: Gesellschaft, Kultur, Theorie: Gesammelte Aufsätze zur neueren Geschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1976, ISBN 3-525-35969-1, S. 133–173.

Siehe auch Liste der Denkmäler, Brunnen und Skulpturen in Mainz

Einzelnachweise

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