mini|hochkant=1.3|Wandtafel in einer Ausstellung über die Arbeit der Propaganda-Abteilung in Belgien, um Dezember 1941 / Januar 1942

Die nationalsozialistische Propaganda (auch NS- oder Nazi-Propaganda) war eine der zentralen Aktivitäten der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Sie diente während der Weimarer Republik dem Ziel der Machtübernahme, in der Zeit des Nationalsozialismus im Deutschen Reich der „Verwirklichung des kulturellen Willens des Führers“ und der „Durchdringung des gesamten deutschen Volkes mit der nationalsozialistischen Weltanschauung“. Zum Zweck der Propaganda wurden Presse, Rundfunk und Film eingesetzt.vgl. Organisationsbuch der NSDAP. Hrsg. von der Reichspropagandaleitung der NSDAP. 3. Auflage. Franz-Eher-Verlag, 1937, S. 295. archive.org, abgerufen am 27. Februar 2020.

Zentrale Themen der nationalsozialistischen Propaganda waren die sogenannten Novemberverbrecher und das Versailler Diktat, die Konspiration des angeblichen Weltjudentums und der damit eng verbundene Antikommunismus (Kampf gegen den jüdischen Bolschewismus), die Ideologie der Volksgemeinschaft, die Verherrlichung der Gefallenen der Bewegung und das Heldengedenken, das nationalsozialistische Frauenbild sowie der bedingungslose Führerkult um Adolf Hitler als Diktator. Direkt zur Kriegsvorbereitung dienten die Revision der deutschen Gebietsverluste infolge des Friedensvertrags von Versailles unter dem Schlagwort Heim ins Reich und die Legende, Deutschland sei ein Volk ohne Raum und müsse sich Lebensraum im Osten erobern.

Methodisch konzentrierte sich die Propaganda der Nationalsozialisten auf wenige Themen, die sie zu einprägsamen, an die Gefühle appellierenden Parolen verarbeitete. Sie folgte damit den Leitvorstellungen von Propaganda, die Adolf Hitler schon in seinem in den Jahren 1924 bis 1926 verfassten Grundlagenwerk Mein Kampf beschrieben hatte: „Gerade darin liegt die Kunst der Propaganda, dass sie, die gefühlsmäßige Vorstellungswelt der großen Masse begreifend, in psychologisch richtiger Form den Weg zur Aufmerksamkeit und weiter zum Herzen der breiten Masse findet.“Adolf Hitler: Mein Kampf. München 1933, 6. Kapitel: Kriegspropaganda, S. 198.

Wichtige Verbreitungsmittel der NS-Propaganda waren Bücher und Zeitungen, aber auch neue Medien wie Rundfunk und Film. Die Filmpolitik war sogar ein zentraler Bestandteil der Propaganda. Eine herausragende Rolle spielten zudem öffentliche Versammlungen und Aufmärsche, der Schulunterricht sowie eigene Organisationen wie die Hitlerjugend (HJ) oder der Bund Deutscher Mädel (BDM), aber auch materielle Begünstigungen gegenüber der Bevölkerung. Eine wesentliche Institution für die Verbreitung und Kontrolle nationalsozialistischer Propaganda war das von Propagandaminister Joseph Goebbels geleitete Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda.

Entwicklung

Leitlinien nationalsozialistischer Propaganda in Hitlers Mein Kampf In seinem 1924–1926 geschriebenen Buch Mein Kampf entwickelte Hitler bereits die wesentlichen Grundmuster und Leitlinien für die spätere nationalsozialistische Propaganda.Adolf Hitler: Mein Kampf. München 1939, Kapitel „Kriegspropaganda“, Band I, S. 193 ff. Propaganda müsse sich vornehmlich an das Gefühl richten und nur sehr bedingt an den Verstand. Sie habe „volkstümlich zu sein und ihr geistiges Niveau einzustellen auf die Aufnahmefähigkeit der Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt“.Adolf Hitler: Mein Kampf. München 1938, S. 197. Es sei „falsch, der Propaganda die Vielseitigkeit etwa des wissenschaftlichen Unterrichts geben zu wollen“.Adolf Hitler: Mein Kampf. München 1938, S. 198. Hitler bekennt sich deutlich zum manipulativen Umgang von Propaganda mit Objektivität und Wahrheit. Propaganda habe „nicht objektiv auch die Wahrheit, soweit sie den anderen günstig ist, zu erforschen, um sie dann der Masse in doktrinärer Aufrichtigkeit vorzusetzen, sondern ununterbrochen der eigenen zu dienen“.Adolf Hitler: Mein Kampf. München 1938, S. 200.

Als ein wesentliches Prinzip einer sich an die breite Masse der Bevölkerung richtenden Propaganda formuliert Hitler die Beschränkung auf wenige Themen, Gedanken und Schlussfolgerungen, die beharrlich wiederholt werden müssten.„Jede Abwechslung darf nie den Inhalt des durch die Propaganda zu Bringenden verändern, sondern muß stets zum Schlusse das gleiche sagen.“ (Adolf Hitler: Mein Kampf. München 1938, S. 203); Propaganda hat sich „auf wenig zu beschränken und dieses ewig zu wiederholen. Die Beharrlichkeit ist hier (…) die erste und wichtigste Voraussetzung zum Erfolg.“ (Adolf Hitler: Mein Kampf. München 1938, S. 202.)

Victor Klemperer schilderte später den Umgang der Nationalsozialisten mit Sprache in seinem Werk LTI – Notizbuch eines Philologen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Rhetorik der Nationalsozialisten die Menschen weniger durch einzelne Reden, Flugblätter oder ähnliches beeinflusst habe als vielmehr durch die stereotype Wiederholung der immer wieder gleichen, mit nationalsozialistischen Vorstellungen besetzten Begriffe und Floskeln.

Nationalsozialistische Propaganda vor 1933

Organisation Im Zuge der Neugründung der NSDAP im Jahr 1925 und ihrer organisatorischen Festigung wurde das Amt des Reichspropagandaleiters der NSDAP aufgebaut.Reichspropagandaleiter der NSDAP. Die Entwicklung des Amtes des Reichspropagandaleiters bis zur Machtübernahme. European Holocaust Research Infrastructure EHRI, abgerufen am 27. Februar 2020. Zunächst erfolgte der vertikale Ausbau der Propagandaarbeit, vor allem der so genannten Propagandazellen bei den Gauleitungen und Ortsgruppen. Die von dem stellvertretenden Reichspropagandaleiter Heinrich Himmler 1928 ausgearbeiteten Richtlinien für Propagandaaktionen sollten besonders zur Vorbereitung und Durchführung von nationalsozialistischen Großveranstaltungen als Kernstück nationalsozialistischer Propaganda dienen.Albrecht Tyrell (Hrsg.): „Führer befiehl…“. Selbstzeugnisse aus der Kampfzeit der NSDAP. Dokumentation und Analyse. Düsseldorf 1969, S. 255 ff.

Nach Hermann Esser und Gregor Strasser übernahm 1930 Joseph Goebbels das Amt des Reichspropagandaleiters, zusätzlich wurde er am 14. März 1933 Chef des neu gegründeten Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Erstmals im Reichstagswahlkampf 1930 und später bei den Wahlen im Juli und im November 1932 betrieb die NSDAP Wahlpropaganda, die bisher in Deutschland in dieser professionellen Form nicht bekannt war, beispielsweise durch den Einsatz ausgebildeter Reichsredner.

Die Propagandaleitung war organisatorisch der Reichspropagandaleitung der NSDAP zugeordnet und in der Münchener Parteizentrale (Braunes Haus) ansässig. Nach 1933 wurde eine Verbindungsstelle in Berlin eingerichtet, so dass sich allmählich ein Teil der Arbeit dorthin verlagerte.

Inhalte Nach dem gescheiterten Hitlerputsch in München vom November 1923 legte Hitler für die NSDAP eine neue Marschroute fest. Sie besagte, dass die Putschtaktik durch eine neue Legalitätstaktik abgelöst werden sollte, um auf legalem Weg an die Regierungsgewalt zu kommen. Um dies zu erreichen, musste sie das Bild einer radikalen Splittergruppe abstreifen und sich eine Massenbasis verschaffen. Die Organisationsarbeit der demokratischen Parteien sollte dabei als Vorbild gelten. Politische Gegner wie auch der Parlamentarismus sollten mit deren eigenen Waffen geschlagen werden.

Um eine „Mobilisierung der Massen“ zu erreichen, wurde das Schwergewicht der politischen Arbeit auf die Propaganda gelegt. Hitlers bereits in Mein Kampf entwickelte Prinzipien Beschränkung auf wenige Themen und Schlagworte, geringer geistiger Anspruch, Abzielen auf das gefühlsmäßige Empfinden der Massen,Goebbels schreibt exemplarisch in seinem Tagebuch am 4. September 1932: „Ich mache in einem Leitartikel scharfe Ausfälle gegen die ‚vornehmen Leute‘. Wollen wir die Partei intakt halten, dann müssen wir jetzt wieder an die primitiven Masseninstinkte appellieren.“ Zit. bei Ralf Georg Reuth (Hrsg.): Joseph Goebbels Tagebücher, 2. Bd., Piper, München, S. 696. Vermeidung von Differenzierungen, und die tausendfache Wiederholung der jeweiligen Glaubenssätze bestimmten nun das Vorgehen der nationalsozialistischen Propaganda, die so zu einer höchst erfolgreich eingesetzten Waffe des NS-Apparates wurde.

Nationalsozialistische Propaganda war auch ein Gegenkonzept zu den Methoden der demokratischen Parteien, deren politische Werbung sich stärker auf rationale Argumentation stützte. NS-Propaganda setzte demgegenüber auf den gewollten Verzicht von Erklärungen, einen Appell an das Irrationale und auf das emotionsgeladene Freund-Feind-Klischee. Die Kundgebungsreden, die bis 1933 das wichtigste Agitationsinstrument der Nationalsozialisten waren, hatten daher nicht die Aufgabe, anhand konkreter Pläne das Wahlprogramm und die politischen Ziele des Nationalsozialismus zu erläutern, sondern es sollte ein – im Einzelnen gar nicht definierter – „allgemeiner Glaube an den Nationalsozialismus“ vermittelt werden. Hinsichtlich möglicher Zukunftsperspektiven verfuhren die Propagandisten nach dem Rezept, allen alles zu versprechen und dabei konkrete Festlegungen zu vermeiden.

Zu den Bemühungen der NSDAP um Einfluss in der schwer zu erobernden katholischen Rheinprovinz, Bereich unterer Niederrhein, vermerkte ihr Oberpräsident Johannes Fuchs 1930 dienstlich:

Inhaltlich diversifizierte die Partei ihre Propaganda in den Jahren des Aufstiegs und sprach die unterschiedlichen soziokulturellen Milieus mit jeweils unterschiedlichen Angeboten an. Mit, wie der Historiker Hans-Ulrich Wehler es nennt, „nacktem Populismus“ versprach sie jedem, was er hören wollte, und konnte so unter den städtischen Mittelschichten, unter kleinstädtischen und Landarbeitern Anhänger und in der Oberschicht Anhänger gewinnen. Obwohl sich das Arbeitermilieu in den Großstädten und das traditionelle katholische Milieu als einigermaßen resistent erwiesen, gelang es der NSDAP, zur – wie Hitler es nannte – „deutschen Volkspartei“ zu werden. Überwölbende Themen waren dabei die Weltwirtschaftskrise und die Reparationen: Im Sommer 1929 arbeitete die Partei mit der DNVP und dem Stahlhelm am Reichsausschuss für das Volkbegehren gegen den Young-Plan teil, was ihr erhebliche nationale Reputation einbrachte. Ein Topos fehlte aber weitgehend in der NS-Propaganda der Jahre 1930–1932: der rabiate Antisemitismus. Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der Reichstagswahl 1928 wurde dieser Kernbestandteil des Parteiprogramms von der Parteiführung in den Hintergrund gerückt, da er auf breite Wählerschichten abstoßend wirkte.Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949 C.H. Beck Verlag, München 2003, S. 567 ff.; ähnlich Henning Köhler: Deutschland auf dem Weg zu sich selbst. Eine Jahrhundertgeschichte. Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-89850-057-8, S. 232. Laut Hans Mommsen waren in den frühen 1930er Jahren von der DNVP zeitweise mehr antisemitische Slogans zu hören als von den Nationalsozialisten.Hans Mommsen: Das NS-Regime und die Auslöschung des Judentums in Europa. Wallstein, Göttingen 2014, S. 23 f.

Der Historiker Andreas Wirsching sieht dagegen den Antisemitismus auch in der Aufstiegsphase weiterhin im Zentrum der NS-Propaganda. Er verweist auf den Kurfürstendamm-Krawall, bei dem am 12. September 1931 1.000 SA-Leute jüdische Passanten auf der Prachstraße des Berliner Westens beschimpften und misshandelten. In Goebbels′ Angriff findet Wirsching fünf antisemitische Topoi: die Vorstellung des angeblich „jüdischen“ Bolschewismus, das Klischee des Geldjuden, der sich durch Schiebereien und unlautere Warenhausgeschäfte mitten in der Wirtschaftskrise bereichere, das Bild des Juden als Verbrecher (hier griff man auf die kaiserzeitliche Polemik gegen Einwanderung von Ostjuden zurück),