mini|Liebfrauenkirche von Westen: Fassade zwischen den Türmen Ende des 19. Jh. umgestaltet, ebenso der untere Bereich der rechten Seitenfront mini|Liebfrauenkirche und Rathaus Die Kirche Unser Lieben Frauen steht nordwestlich des Marktplatzes in Bremen am Platz Unser Lieben Frauen Kirchhof. Sie ist nach dem Dom die älteste Kirche der Stadt und war die erste Pfarrkirche außerhalb des Dombezirks, damit dann auch Ratskirche. Sie steht unter Denkmalschutz seit 1917. in der Datenbank des Landesamtes für Denkmalpflege Bremen

Geschichte mini|hochkant=1|1876, zwischen den Türmen noch kein Giebel, keine Rosette, kein Portal Die heutige evangelische Gemeinde der Kirche nennt sich selber Gemeinde von Unser Lieben Frauen. Der Platz um das Gebäude heißt offiziell Unser-Lieben-Frauen-Kirchhof und umgangssprachlich Liebfrauenkirchhof.

Quellenlage Adam von Bremen schrieb über Bischof Willerich, er habe in Bremen drei Kirchen erbaut und dabei den dem heiligen Petrus geweihten hölzernen Dom durch einen Steinbau ersetzt (domum sancti Petri, de lignea lapideam fecit). Den Leichnam Willehads habe er daraus in die von ihm gebaute südliche Kapelle umgebettet (et corpus sancti Willehadi exinde translatum in australi, quod fecit, oratorio recondidit).Adam von Bremen Liber I, capitulum XVIII (Willericus) In Unwans Amtszeit (1013–1029) seien Kirchenbauten aus dem Holz heiliger Haine errichtet wurden. Unwan habe befohlen, die Basilika des heiligen Vitus außerhalb der Stadt zu errichten (basilicam sancti Viti extra oppidum construi) und die niedergebrannte Kapelle des heiligen Willehad zu reparieren (capellam sancti Willehadi combustam iussit reparari).Adam von Bremen, Liber II, capitula XLVII-XLVIII (Unwanus – um 1100) Während die Wilhadikapelle recht eindeutig zu identifizieren ist, wurde die Veitskirche also von Erzbischof Unwan um 1020 entweder völlig neu oder an neuer Stelle errichtet. Unwans St.-Veits-Kirche ist mit Sicherheit die heutige Liebfrauenkirche, aber die Bezeichnung „Basilika“ wurde auf sie nur zu einer Zeit verwendet, als es noch keine etablierte Bauterminologie gab. Dies bestätigt die Gründungsurkunde der Stephanikirche von 1139, in der die heutige Liebfrauenkirche als „Marktkirche St. Veit“ erwähnt wird.Bremisches Urkundenbuch. I. Nr. 89 (S. 38): … ecclesiam sancti Viti, que est forensis … (brema.suub.uni-bremen.de).

In der Dilich-Chronik steht nicht im Chronikon (Geschichtsteil), sondern in der Gegenwartsbeschreibung, das westlich des Doms gelegene, mit zwei Türmen geschmückte Templum Beatae Virginis („Liebfrauentempel“) sei 1160 von drei frommen Brüdern gestiftet worden.Dilich-Chronik, S. 33/34 Wiewohl eine Erneuerung im 12. Jahrhundert nicht unwahrscheinlich ist, bezog sich die Jahreszahl 1160 nicht auf einen Vorgängerbau, sondern war eine Fehleinschätzung der mit hoher Wahrscheinlichkeit im frühen 13. Jahrhundert errichteten heutigen Hallenkirche.

In einem päpstlichen Schreiben von 1220 heißt sie dann „Sancta Maria Bremensis“.Bremisches Urkundenbuch I. Nr. 120 (S. 143), Schlichtungsauftrag Papst Honorius’ vom 9. September 1220: „… plebano sanctae Mariae Bremensis …“ Wie auch andernorts, wurde die Heilige Maria als „Unsere Liebe Frau“ bezeichnet. Dies ist der erste Beleg für die Umwidmung des Patroziniums an die Gottesmutter Maria. Lange Zeit wurde angenommen, sie sei schon früher vorgenommen worden. Unlängst wurde dargelegt, Umwidmung und Umbau zur frühgotischen, annähernd quadratischen Vierstützenhalle seien eine Initiative des ehrgeizigen Erzbischofs Gerhards II. gewesen, der 1219 sein Amt antrat.Georg Skalecki: Die Kirche Unser Lieben Frauen in Bremen - Ein frühgotischer Zentralbau von 1220. In: INSITU - Zeitschrift für Architekturgeschichte. 12. Jg., Worms 2020, S. 159–180. Seine Schwester Gertrud ließ als Äbtissin der Reichsabtei Herford gleichzeitig das dortige Münster zur Hallenkirche mit frühgotischen Gewölben umbauen.mini|Südturm von Westen: Eckquader ordent­licher als Wand­flächen; Turm­portal Ende 19. Jh. verkleinert, dabei neue Feldsteinzone Vorgängerbauten unbekannter Gestalt mini|Eckquader an der linken Kante der Ostwand des Südturms Um 1100 wurde an das damalige Kirchenschiff ein Turm gebaut, der heutige Südturm. Er ist der wohl älteste erhaltene Teil der Kirche. Für die Ausstattung einer hölzernen Kirche mit einem steinernen Turm gibt es damals den Dom zu Verden als Parallelfall. Für ein steinernes Kirchenschiff von St. Veit in jener Zeit gibt es weder archäologische noch schriftliche Hinweise.Uwe Bölts: Die Baugeschichte der Liebfrauenkirche. Magisterarbeit. In: Dietmar von Reeken (Hrsg.): Unser Lieben Frauen – Die Geschichte der ältesten Kirchengemeinde Bremens … Edition Temmen, 2002, ISBN 3-86108-677-8, S. 185–259. (Staatsarchiv Bremen: Ag-266, im Magazin) Allerdings beweist die Erwähnung von Bauholz durch Adam von Bremen nicht, dass die Kirche nach ihrer Erneuerung im 11. Jahrhundert ganz aus Holz bestanden habe. Brandspuren an den oberen Geschossen des Südturms machen deutlich, dass die Kirche nach seiner Errichtung einen Brand erlitten hat. Da der Turm auf der Außenseite mit Backstein im Klosterformat repariert wurde, dürfte sich dieser Brand nicht lange vor der Errichtung der heutigen Kirche ereignet haben.

An den Außenseiten des Südturms gibt es einen auffälligen Unterschied zwischen seiner ganz aus sorgfältig zurechtgehauenen Sandsteinquadern bestehenden Nordseite und den drei übrigen Seiten. Deren Wandflächen bestehen aus nur grob zugehauenen Sandsteinquadern, aber die Eckquader an den Kanten wurden mit großer Sorgfalt vorbereitet. Diese Unterschiede zwischen den Turmwänden legen nahe, dass die gemeinsame Wand von Turm und Schiff entgegen langjährigen Vermutungen nicht die Ostwand des Turms war, sondern seine Nordwand.

Außer am Südturm findet sich Mauerwerk aus Zeiten vor dem 13. Jahrhundert nur im Beinkeller und auf der Innenseite der Nordwand des Schiffs über dem Beinkeller. Teils ist es kleinformatiger Feldstein, teils leidlich sorgfältig bearbeitete Sandsteinquader.

Vermutungen, die Nordfassade des Schiffs (und der anschließenden unteren Geschosse des Nordturms) sei in zwei oder drei weit auseinander liegenden Kampagnen des 12. und 13. Jahrhunderts entstanden und daher verschiedenen Bauten zuzuordnen, halten der genauen Betrachtung aller Wandabschnitte nicht stand.

Die Apsis-Anschlussbögen in den Ostwänden der Seitenschiffe und das dazu passende 1963 an der Ostwand des Nordseitenschiffs freigelegte Apsisfundament gehören in Form und Stil zur Erstversion der Hallenkirche, also vor der Errichtung des Langchors. Entsprechende Rundapsiden an Kirchenräumen mit spitzbogigen Rippengewölben finden sich auch in der Stiftskirche Bassum und in der Marienkirche in Barsinghausen am Deister. Auch der gleichzeitig mit der Liebfrauen-Hallenkirche (oder kurz danach) errichtete Erstbau der Bremer Martinikirche hatte Apsiden. mini|Vorderes West­joch, Wand des Süd­turms: über­all ordent­liche Sand­stein­quader, Balken­löcher einer zeit­weilig hier an­gebauten Holzd­ecke und eine wieder ver­mauerte Verbindungstür Der Beinkeller hat einen Mittelpfeiler, der ein Kreuzgratgewölbe von vier Jochen nstützt. Der Keller wurde noch im 15. Jahrhundert als Beinkeller genutzt. Vom Gebäude darüber sind möglicherweise große Teile der Nordwand in der heutigen Wand des Nordschiffs erhalten (s. u.). Seine ursprüngliche Funktion ist unbekannt. Am verbreitetsten ist die Annahme, es sei eine Karnerkapelle gewesen. Auch ein Privathaus, das samt Keller zunächst nichts mit der Kirche zu tun gehabt habe, wird diskutiert. Daneben gibt es die Möglichkeit einer asymmetrischen Erweiterung des Gottesdienstraums der Kirche; derartige Erweiterungen wurden zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Regionen errichtet, beispielsweise um 1500 an der Andreaskirche in Riede, 15 km südöstlich der Bremer Altstadt. Je nach ursprünglicher Lage des Kirchenschiffs kann der Keller auch unter dem östlichen Teil der Kirche gegraben worden sein. Das erklärt allerdings nicht, warum nur auf ihm die Nordwand Material von Vorgängerbauten enthält.

Aufteilung des Kirchspiels

Auf Ermahnung durch Papst Gregor IX. wurde am 31. Juli 1227 die inzwischen stark angewachsene Liebfrauenpfarrei aufgeteilt, zwischen Sögestraße und Brill entstand das Kirchspiel Sankt Ansgarii, flussaufwärts an der Weser das Martinikirchspiel.Bremisches Urkundenbuch. 1. Band , Lieferung 2-3: Urkunden bis 1300. S. 171ff., Urkunde Nr. 150 von 1229. Da schon 1139 die Pfarrei auf dem Stephaniberg gegründet worden war,Bremer Urkundenbuch 27. August 1139: Erzbischof Adalbero (II.) verlegt das Wilhadikapitel auf den Stephaniberg und erteilt der Kirche, die die Bremer Bürger dort zu bauen versprochen haben, das Pfarrrecht innerhalb der Stadt für alle Bürger, die vom Haus Elverici bis zum Stephaniberg wohnen, sowie für die Dörfer Utbremen und Walle. gab es in der Bremer Altstadt seither vier Pfarrkirchen. Zusätzlich wurde später zeitweise die Wilhadikapelle als Pfarrkirche für die Laienbewohner des Dombezirks genutzt.

Hallenkirche mini|Oben das dekorierte Südostjoch, in der unteren Bild­hälfte die drei unter­ein­ander gleich­artigen acht­rippigen Joche mit Scheitel­ringen ohne weiteres Dekor Möglicherweise schon ab 1220, also mit einem Baubeginn knapp vor der um 1224 begonnenen Einwölbung des Bremer Doms, wurde die Liebfrauenkirche dann im frühgotischen Stil als die heutige Hallenkirche errichtet. Es war, nach dem 1206(d)Erstes Dendrodatum des Kirchenschiffs der Stadtkirche in Gadebusch, Ralf Gesatzky, siehe Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 1. Auflage. Lukas Verlag, 2014, ISBN 978-3-86732-131-0, Tabelle auf S. 362. errichteten romanischen Schiff der Stadtkirche im mecklenburgischen Gadebusch die wohl zweite Vierstützenhalle in Norddeutschland und mithin die erste gotische.

Die neun Joche der Halle sind mit Domikalgewölben nach dem Vorbild der angevinischen Gotik der Kathedrale von Poitiers gedeckt. Über drei der vier Eckjoche und dem Mitteljoch haben diese Gewölbe acht Felder und einen Scheitelring. Wäre auch das Nordwestjoch so gestaltet, ergäbe sich ein Schachbrettmuster aus fünf achtteiligen und vier vierteiligen Gewölben. Das südöstliche (also dem einzigen „einfachen“ Eckjoch diagonal gegenüberliegende) Joch zeigt einerseits mit Lilienpalmetten im Scheitelring die aufwändigste Gestaltung, andererseits weist es eine gar nicht repräsentative Unregelmäßigkeit auf; seine vier Quadranten haben so unterschiedliche Höhenreliefs, dass der Scheitelring schief hängt, siehe Galerie dazu in WM Commons.

Allein der Wandpfeiler in der Nordwestecke der Halle enthält nur einen einzigen runden Dienst, die Vorlage der Diagonalrippe, denn der Schildbogen an der westlichen Schmalseite des Nordschiffs ist im Unterschied zum östlichen und zu beiden Enden des Südschiffs nicht mit einem begleitenden Rundstab geschmückt.

Das Westjoch des Mittelschiffs ist nach Westen hin höher als zu den drei benachbarten Hallenjochen. Nach Westen ist dieses Joch durch eine Art Triumphbogen mit dem Joch zwischen den Türmen verbunden. Im Süden beginnt dessen Öffnung mehr als einen Meter nördlich des Wandpfeilers, der den Scheidbogen trägt (im Foto rechts neben der Orgel). Im Norden ist der Rundstab des „westlichen Triumphbogens“ hingegen Teil des Pfeilers an der Ecke des Nordturms, an dem auch der westlichste Scheidbogen des Nordschiffs fußt. Die Kämpfer dieses „westlichen Triumphbogens“ liegen höher als die aller anderen Bögen der Halle und sind als einzige nicht durch Kapitelle betont. Unterhalb der Empore ist diese Konstruktion teilweise durch eine neuzeitliche Ziegelwand verborgen, seit das Joch zwischen den Türmen unterhalb der Empore als Windfang dient.