Die griechischen Streitkräfte () sind das Militär der Hellenischen Republik.
Teilstreitkräfte Heer: Griechisches Heer () Marine: Griechische Marine () Luftwaffe: Griechische Luftstreitkräfte ()
Die griechische Küstenwache () ist in Friedenszeiten der zivilen Kontrolle des Ministeriums für Handelsschifffahrt unterstellt. Im Kriegsfall steht sie unter dem Kommando des Verteidigungsministeriums.
Oberbefehlshaber Der Präsident der Hellenischen Republik ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
Wehrpflicht In Griechenland gilt weiterhin eine Wehrpflicht für Männer zwischen 18 und 45 Jahren, die Dienstzeit beträgt je nach Teilstreitkraft in der Regel 9 bis 12 Monate und kann sich je nach Bedarf ändern. Für Frauen gilt keine Wehrpflicht, sie können jedoch ohne Einschränkungen dem Militär beitreten.
Geschichte mini|Kreuzer Georgios Averoff, Flaggschiff der griechischen Marine in den Balkankriegen, im Museum (2006)
Die griechische Armee und Kriegsmarine gibt es seit den Unabhängigkeitskriegen gegen die Osmanen im Jahr 1821. Die erste Militärakademie wurde in Nafplion, der ersten griechischen Hauptstadt, durch Ioannis Kapodistrias gegründet, und trägt seitdem den Namen „Evelpidon-Militärakademie“. Im September 1912 wurden die Luftstreitkräfte als dritte Teilstreitkraft gegründet. Die griechischen Streitkräfte kämpften in den Balkankriegen 1912/1913 erfolgreich gegen die osmanische Armee und Bulgarien und konnten das griechische Staatsterritorium nahezu verdoppeln. Im Ersten Weltkrieg nahm das Königreich Griechenland an der Seite der Entente teil und anschließend, 1919, an der Expedition der Entente in den Wirren des Russischen Bürgerkriegs. Im Jahr 1919 entsandte Griechenland eine Armee nach Kleinasien.
Der erneute Griechisch-Türkische Krieg endete im Herbst 1922 mit einer schweren griechischen Niederlage (der „kleinasiatischen Katastrophe“). Im Zweiten Weltkrieg lehnte Griechenland unter dem Diktator Ioannis Metaxas am 28. Oktober 1940 ein italienisches Ultimatum zur Kapitulation ab, konnte die italienischen Truppen schlagen und bis hinter die albanische Grenze zurückdrängen. Der Angriff der deutschen Wehrmacht und der bulgarischen Streitkräfte im April und Mai 1941 (Balkanfeldzug) brach den griechischen Widerstand. Teilen der Armee gelang die Flucht nach Ägypten; sie setzten den Kampf gegen die Achsenmächte an der Seite des britischen Expeditionskorps in Afrika fort. Nach dem Abzug der Deutschen 1944 fand von März 1946 bis Oktober 1949 der griechische Bürgerkrieg statt.
Griechische Truppenteile nahmen von 1951 bis 1955 am Koreakrieg teil.unc.mil: Greece; Zitat: Griechenland ist seit dem 18. Februar 1952 Vollmitglied der NATO. 1967 ergriff ein Militärregime unter Georgios Papadopoulos die Macht. Der andauernde Zypernkonflikt und die folgende Invasion der türkischen Streitkräfte auf Zypern führten im Juli 1974 zum Zusammenbruch der Militärdiktatur und zur Rückkehr zur Demokratie unter Konstantin Karamanlis. Griechenland gab jahrelang einen sehr hohen prozentualen Anteil des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungszwecke aus, der knapp unter/über dem prozentualen Anteil der Türkei lag. Hauptgrund ist die wahrgenommene Bedrohung Griechenlands durch die Türkei. Die Türkei droht mit dem casus belli, falls Griechenland den einseitig und durch die Türkei nicht ratifizierten Vertrag der Ausdehnung der Hoheitsgebiete auf dem Meer auf 12 Seemeilen umsetzt. Weiterhin kommt es zu häufigen Luftraumverletzungen und teilweise auch Überflügen über griechische Inseln. Alleine während eines Fluges der damaligen griechischen Außenministerin Dora Bakogianni zählte man 29 Luftraumverletzungen durch die Türkei. Bei einem Abfangversuch verunglückte 2006 ein griechischer Pilot.
Im Januar 2015 stürzte eine griechische F-16 bei einem NATO-Übungsflug in Spanien auf den Luftwaffenstützpunkt Los Llanos und tötete dabei 11 Menschen.SDA: Elftes Todesopfer nach Absturz von NATO-Kampfjet in Spanien. In: Blick.ch, 28. September 2018
Kriege, an denen die griechischen Streitkräfte beteiligt waren: 280px|mini|Griechische Soldaten in Smyrna, 1919 Griechische Revolution (1821–1829) Türkisch-Griechischer Krieg (1897) Erster Balkankrieg (1912–1913) Zweiter Balkankrieg (1913) Erster Weltkrieg Makedonische Front (1916–1918) Russischer Bürgerkrieg (1919) und die Alliierte Intervention Griechisch-Türkischer Krieg (1919–1922) Zweiter Weltkrieg Griechisch-Italienischer Krieg (1940–1941) Deutsche Invasion in Griechenland während des Balkanfeldzuges (1941) Luftlandeschlacht um Kreta (1941) Nordafrika-Front (1941–1943) Italien-Front (1944) Griechischer Bürgerkrieg (1946–1949) Koreakrieg (1950–1953) Türkische Invasion im Zypernkonflikt (1974) Zweiter Golfkrieg (1990–1991) Krieg in Afghanistan (2001)
Militärbudget mini|Weltweite Rüstungsausgaben 2008
Die griechischen Militärausgaben zwischen 2005 und 2025 nach Angaben der Europäischen Verteidigungsagentur:
+ Militärbudget Griechenland Jahr in Mio. € in %/BIP20256915 2,78 %20246539 2,75 %20236223 2,82 %20228054 3,87 %20216578 3,60 %20204837 2,93 %20194320 2,38 %20184560 2,54 %20174208 2,38 %20164190 2,41 %20154073 2,31 % 2014 4956 2,75 % 2013 3060 1,68 % 2012 3272 1,69 % 2011 3604 1,73 % 2010 4756 2,07 % 2009 6023 2,54 % 2008 6192 2,55 % 2007 5579 2,44 % 2006 5240 2,68 % 20054956 2,49 %
Claas Tatje schrieb im Januar 2012 für Die Zeit: Claas Tatje: Schöne Waffen für Athen. In: Die Zeit, Nr. 2/2012 Im Februar 2012 berichtete auch die Tagesschau (bzw. berichteten die Tagesthemen) kritisch darüber, dass die griechischen Streitkräfte bis dahin von allen Sparanstrengungen ausgeklammert worden waren.Marion von Haaren, ARD Brüssel: Militär statt Mindestlohn. In: tagesthemen, 15. Februar 2012 Ebenfalls im Februar 2012 titelte Bernhard Fischer im Schweizer Tages-Anzeiger: Sein Beitrag zitiert einen Rüstungsexperten der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik und betont: Bernhard Fischer: Milliarden für griechische Armee. In: Tages-Anzeiger, 20. Februar 2012
Für das Jahr 2020 kündigte das Verteidigungsministerium eine Erhöhung des Militärbudgets auf 5,4 Milliarden Euro an. Dazu sollen die Gelder für Rüstungsprogramme von 500 Millionen auf 2,5 Milliarden Euro angehoben werden.
Truppenstärke und Ausrüstung Truppenstärke Während des Kalten Krieges hatten die Streitkräfte eine Sollstärke von 210.000 Soldaten. Danach wurde die Personalstruktur angepasst. Die griechischen Streitkräfte bestehen aus Berufssoldaten, Soldaten auf Zeit und Wehrpflichtigen. Wehrpflichtige dienen in den Streitkräften 9 bis 12 Monate lang, und Soldaten auf Zeit () verpflichten sich (Stand 2025) für mindestens fünf Jahre. Ziel der Streitkräfte ist es, in absehbarer Zeit eine reine Berufsarmee zu werden. Das griechische Verteidigungsministerium ist einer der größten Arbeitgeber im Land und beschäftigt etwa 17.000 zivile Mitarbeiter. Alle Laufbahnen der griechischen Streitkräfte sind für Frauen uneingeschränkt geöffnet. 2008 gehörten den Streitkräften etwa 7000 Frauen an. Das Heer war die größte Teilstreitkraft mit 102.000 aktiven Soldaten und 150.000 in der Reserve. Die Luftstreitkräfte war die zweitstärkste Teilstreitkraft mit 33.000 aktiven Offizieren, Unteroffizieren, und Soldaten. Weitere 30.000 befanden sich in der Reserve.
Die Marine gilt als der traditionsreichste Teil der griechischen Streitkräfte mit 21.000 Mann aktivem Personal und 10.000 Reservisten.
Ausrüstung Griechenland gab im Zeitraum von 1996 bis 2005 für Rüstungszwecke etwa 25 Milliarden Euro aus, von 2005 bis 2010 waren 52 Milliarden Euro eingeplant. Die griechische Rüstungsindustrie soll mittels multinationalen Synergien mit etwa 40 % daran beteiligt werden. Griechenland ist der größte Rüstungsimporteur Europas. In den vergangenen Jahren haben die griechischen Streitkräfte einen großen Teil ihrer Ausrüstung modernisiert und den unterschiedlichen Anforderungen angepasst. Dabei geht es vor allem darum, die Streitkräfte für die nationale Verteidigung und für Auslandseinsätze entsprechend auszustatten. Zu diesem Zweck werden bestehende Waffensysteme angepasst und neuartige Systeme beschafft. Aufgrund des schnellen technischen Fortschritts und der geographischen Besonderheiten Griechenlands ist die Ausrüstung nicht homogen.
Die griechischen Streitkräfte verfügten im Jahr 2000 über 700 Fluggeräte, 5000 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, 400 Artilleriesysteme, 400 Flugabwehrsysteme und 120 maritime Waffensysteme. Im Rahmen der beschlossenen neuen Strukturierung der griechischen Streitkräfte, unter anderem im Rahmen der Verringerung der Reserveeinheiten um etwa 50 %, wurden in den Jahren 2000–2010 etwa 1210 Kampfpanzer und 671 Artilleriesysteme, einige Schnell- und U-Boote, eine Reihe von Flugzeugen sowie diverse andere Waffensysteme ausgemustert. Durch diese Maßnahme plante das griechische Verteidigungsministerium, jährlich etwa 250–300 Millionen Euro einzusparen. Folgende Waffensysteme wurden bzw. werden ausgemustert (Stand Januar 2008): Alle Kampfpanzer vom Typ M60A1/A3 Kampfpanzer M48A5 Kampfpanzer Leopard 1 V,1GR Schützenpanzer BMP-1 Feldhaubitze M114 Feldhaubitze M101 Panzerhaubitze M110 Panzerhaubitze M109 A1/A2 Vier Schnellboote „“ Torpedoboote Vier Fregatten der Knox-Klasse Drei Unterseeboote vom Typ 209 Kleinere Versorgungsschiffe Zwölf Hubschrauber Augusta Bell 212 Alle Kampfflugzeuge vom Typ Vought A-7 Corsair Kampfflugzeuge F-4 Phantom Trainingsflugzeuge T-2E Buckeye Hubschrauber UH-1H Luftabwehrraketensystem Nike Hercules Diverse Handwaffen
Luftstreitkräfte
In einer Sitzung des zuständigen Gremiums (Regierungsrat der nationalen Verteidigung) im Frühjahr 2008 wurde beschlossen, bis zum Jahr 2015 für die Luftstreitkräfte etwa 10 Milliarden Euro bereitzustellen. Mit diesem Budget sollten schnellstmöglich neue Jagdflugzeuge beschafft und die Flotte der älteren F-16-Jäger modernisiert werden. Die Planung der Luftstreitkräfte sah u. a. etwa 400 Millionen Euro für die Kampfwertsteigerung der F-16 (Block 30) sowie ca. 1,5 Milliarden für die Kampfwertsteigerung der F-16 (Block 50, 52+) auf die Version 52+ Advanced vor. Darüber hinaus werden die 25 Mirage 2000 für etwa 1,2 Milliarden Euro auf den Stand MK-5 gebracht. Sowohl für die Beschaffung weiterer 20 F-16 als auch für ein neues Ausbildungsflugzeug sollen jeweils 1 Milliarde Euro bereitgestellt werden. Letzteres wird bereits seit einiger Zeit von der griechischen Luftstreitkräfte gesucht, weshalb Kooperationsvereinbarungen zwischen der griechischen, italienischen und koreanischen Rüstungsindustrie getroffen wurden.
Das übrige Budget von etwa 5 Milliarden Euro sollte dem Erwerb von Kampfflugzeugen der vierten Generation dienen. Geplant war, in einer ersten Phase 40-60 Maschinen und ab dem Jahr 2015 weitere 80 Maschinen zu bestellen. Für die Zeit ab dem Jahr 2015 waren noch einmal mehr als 5 Milliarden Euro zur Modernisierung der Luftstreitkräfte vorgesehen. Griechischen Experten zufolge war geplant, 60 Dassault Rafale und ab 2015 80 F-35 Joint Strike Fighter zu bestellen. Durch die Finanzkrise wurden die Pläne zur Beschaffung von neuen Flugzeugen verschoben. Griechenland hat in den letzten Jahren Dassault Rafale beschafft und modernisiert seine F-16-Flotte. Weitere Beschaffungen moderner Kampfflugzeuge sind Bestandteil laufender Planungen.
Bis März 2023 sollen den Luftstreitkräften 18 Mehrzweckkampfflugzeuge des Typs Rafale im Wert von 1,92 Milliarden zugeführt werden. Ebenso sollen bis 2027 die vorhandenen F-16 Flugzeuge in Zusammenarbeit mit Lockheed modernisiert werden.
Stand: Ende 2012