Die Obere Ruhrtalbahn ist eine 138 Kilometer lange, nicht elektrifizierte Hauptbahn, die vom Bahnhof Schwerte (Ruhr) durch das Hochsauerland zum Bahnhof Warburg (Westfalen) verläuft. Sie ist die südliche der Ost-West-Strecken, die das Ruhrgebiet mit dem ländlichen Raum Richtung Paderborn-Kassel verbindet und verlief ursprünglich durchgängig zweigleisig. Die Kursbuchstrecke 435 umfasst auch den Abschnitt Hagen–Schwerte, welcher Teil der Verbindung Hagen–Hamm ist.
Die nur noch westlich des Elleringhauser Tunnels am Bahnhof Brilon Wald zweigleisige Strecke verläuft in den Tälern der Ruhr sowie (östlich des Elleringhauser Tunnels) der Hoppecke und der Diemel. Dem erstgenannten Fluss folgt sie zwischen Olsberg und Schwerte. Der Schienenpersonenfernverkehr befuhr die Strecke bis Dezember 2003Kursbuch 2003: D 2641, D 2640 und ist seither komplett eingestellt worden. Im Nahverkehr sind Regional-Express-Züge von Hagen nach Warburg und von Dortmund nach Bestwig (alternierend weiter nach Winterberg oder Brilon Stadt) jeweils im Stundentakt unterwegs. Hinzu kommen saisonal Verstärker- und Sonderzüge im Wochenend- und Wintersportverkehr, insbesondere nach Willingen.
Geschichte
mini|links|Bahnhof Arnsberg vor der Sanierung mini|links|Ehemaliger Bahnhof Wrexen
Im Jahre 1856 wurde ein Komitee aus Vertretern der damaligen Kreise Meschede, Brilon, Arnsberg, Soest und Iserlohn sowie der kreisfreien Städte Dortmund und Hamm gegründet, das sich für den Bau einer Eisenbahnstrecke durch das Hochsauerland einsetzte. Unter anderem hatte der Werler Bürgermeister Franz Wilhelm Clöer für die Streckenführung Werl–Arnsberg–Meschede–Warburg geworben, der Präsident des Regierungsbezirks Arnsberg, Friedrich Wilhelm von Spankeren, bevorzugte jedoch die Strecke Hagen–Warburg. Die Generalversammlung der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft beschloss in ihrer Generalversammlung vom 30. Juni 1866 den Bau dieser Strecke, für die eine Konzessionszusage schon vorlag. So erklärt sich, dass die Konzession schon am 1. Oktober 1866 erteilt wurde.
Am 1. Juni 1870 wurde das Teilstück von Schwerte nach Arnsberg, am 18. Dezember 1871 der Abschnitt Arnsberg–Meschede und am 1. Juli 1872 die Strecke von Meschede nach Nuttlar eröffnet. Am 6. Januar 1873 folgte schließlich das letzte Teilstück von Nuttlar nach Warburg, dort bestand bereits seit 1849 Anschluss nach Kassel.
Die Kernstadt Brilons wurde nicht an die Strecke angeschlossen (topographische Gründe machten dies unmöglich), stattdessen wurde der etwa sieben Kilometer südlich gelegene Bahnhof Brilon Wald angelegt. Das Zentrum Brilons wurde am 1. Juli 1900 mit der Oberen Ruhrtalbahn verbunden; von dort aus bestanden Schienenverbindungen nach Paderborn und Geseke (über Büren) sowie nach Soest und Lippstadt (über Belecke).
Während des Zweiten Weltkrieges war die Strecke für die Logistik zwischen dem Ruhrgebiet und den Nachschubverbindungen nach Osten gut ausgelastet, zumal sich die Gleise wegen der Einschnitte und Tunnel weitgehend außer Sicht der Tiefflieger befanden. Der Verkehr war so eng, dass zeitweise auf Sicht gefahren wurde. Diese war in Warburg an die heute so genannte Mitte-Deutschland-Verbindung angebunden. Als der Verkehr in den Osten nach dem Zweiten Weltkrieg wegfiel, fuhren auch auf dieser Strecke weniger Züge.
Von Herbst 1944 bis April 1945 wurde die Obere Ruhrtalbahn wiederholt durch Bomber und später auch durch tieffliegende Jagdbomber und Jagdflugzeuge angegriffen.Werner Bühner: Bomben auf Arnsberg: 1940–1945. Becker, Arnsberg 1995, ISBN 3-930264-04-8. (Städtekundliche Schriftenreihe über die Stadt Arnsberg 21) Im Frühjahr 1945 war Hauptziel das Arnsberger Viadukt, welches vom 9. Februar bis 19. März 1945 siebenmal angegriffen wurde. In den Berichten US Strategic Bombing Surveys (USSBS, Bestandsaufnahmen der strategischen Bombardierung) vom 10. Oktober 1945 sind unter dem Punkt Railway Viaduct at Arnsberg Germany 1818 Bomben auf das Viadukt erwähnt. Bei dem letzten Angriff am 19. März wurde das Bauwerk mit nur 18 Bomben zerstört. Dabei warfen britische Avro-Lancaster-Bomber neben sechs „Grand-Slam-Bomben“, mit 10 Tonnen der größte und schwerste bisher im Krieg eingesetzte Bombentyp, weitere zwölf je 5,4 Tonnen schwere „Tallboys“ ab. Diverse Brücken und größere Bahnhöfe wie z. B. Bestwig, Meschede und Schwerte wurden massiv angegriffen und mit der umliegenden Bebauung zerstört.
Bereits seit 1968 gab es zwischen den Bahnhöfen Bredelar und Marsberg sowie Scherfede und Warburg nur noch einen eingleisigen Zugbetrieb. Ab 1984 wurde auf dem gesamten östlichen Streckenabschnitt zwischen Brilon Wald und Warburg das zweite Streckengleis abgebaut.Sauerlandkurier vom 1. Juni 2014
In den Jahren seit 2009 gab es auf der Strecke sehr viele Oberbausanierungen. Zuletzt wurde die Ruhrbrücke in Freienohl erneuert und im August 2009 fertig gestellt.
Im Jahre 2010 wurden Planungen bekannt, dass drei Tunnel auf dem Streckenabschnitt zwischen Arnsberg und Brilon Wald saniert werden sollen: der Glösinger Tunnel (687 Meter), der Freienohler Tunnel (650 Meter)Glösinger und Freienohler Tunnel auf bauprojekte.deutschebahn.com, abgerufen am 28. Juli 2022. und der Elleringhauser Tunnel (1393 Meter). Im letztgenannten Bauwerk bestand ein Begegnungsverbot für Züge. Im August 2012 wurde bekannt, dass DB Netz plane, die drei Tunnel und einen dazwischen liegenden Streckenabschnitt im Rahmen einer Sanierung auf ein Gleis zurückzubauen. Dies hätte eine Kapazitätsminderung zur Folge, da so eine Strecke von 3,8 Kilometern Länge eingleisig betrieben würde. In einer Untersuchung hat DB Netz eine Kapazitätsmehrung durch eine zusätzliche Blockstelle in Olsberg und der Beseitigung von mehreren höhengleichen Bahnsteigübergängen aufgezeigt. Daher wurde eine zweigleisige Tunnelsanierung für unnötig angesehen. Dies wurde von verschiedenen Stellen kritisiert.
Das Angebot einer finanziellen Beteiligung des Aufgabenträgers in Höhe der Hälfte der Mehrkosten hat DB Netz im Frühjahr 2015 abgelehnt. Im Juni 2015 zeichnete sich eine Annäherung über eine Erhöhung der Beteiligung des Aufgabenträgers und Bestellung von Mehrverkehren ab. In einem Absichtspapier vom August 2015 haben sich DB Netz AG und der NWL darauf verständigt, dass zwei Tunnel zweigleisig saniert werden. Der Elleringhauser Tunnel war davon ausgenommen. Der NWL unterstützte dabei die Erneuerung mit maximal 15 Millionen Euro und bestellte Mehrverkehre, während die DB Netz AG die Mehrkosten für die Sanierung ohne vollständige Sperrung während des Bauzeitraums übernimmt. Dazu wird die sog. Tunnel-in-Tunnel-Methode mit einem Schutztunnel um das mittige Baugleis angewendet.
2024 musste der Streckenabschnitt zwischen Scherfede und Warburg für vier Monate gesperrt werden, da Streckeninspektoren Tunneleingänge von Dachsbauen auf einer Länge von zwei Kilometern im Bahndamm gefunden hatten. Die Baue wurden mit Beton verschlossen. Die Tiere konnten die Höhlen zuvor ungestört graben, da der Streckenabschnitt wegen Bahnsteigarbeiten gesperrt war. Seit Juli 2024 kann der Abschnitt wieder mit verminderter Geschwindigkeit befahren werden.https://www.wa.de/nordrhein-westfalen/hagen-kassel-dachse-bahnstrecke-sperrung-nrw-brilon-warburg-oepnv-re17-92988932.htmlhttps://www.radiohochstift.de/nachrichten/kreis-hoexter/detailansicht-hx/keine-dachsbauten-mehr-an-warburger-bahnstrecke.html
Bauarbeiten
Die Bauarbeiten am Elleringhäuser Tunnel haben im September 2022 begonnen und sollten ursprünglich bis 2026 abgeschlossen werden. Bei der Baustelleneinrichtung musste der Tunnel statt der geplant drei Monate für fast sechs Monate gesperrt werden.https://www.deutschebahn.com/de/presse/presse-regional/pr-duesseldorf-de/presseinformationen-regional/Elleringhauser-Tunnel-Ab-Montag-20-November-wieder-Zuege-zwischen-Bestwig-Bigge-und-Brilon-12456928https://www.lok-report.de/news/deutschland/aus-den-laendern/item/35974-nrw-bauarbeiten-zur-erneuerung-des-elleringhauser-tunnels-starten.html Im Juni 2024 gab DB InfraGO bekannt, dass es zu erheblichen Verzögerungen und Änderungen im Umbaukonzept kommt. Nach Validierung des Bestandstunnels und den Ausführungsplanungen hat sich ergeben, dass die Ausbruchlinie vergrößert werden muss und dadurch in Teilen die Teerabdichtung tangiert wird. Hierdurch kann das geplante Sperrpausenkonzept nicht aufrechterhalten werden. Der neue Bauablaufplan sieht eine zusätzliche Sperrpause im Jahr 2028 vor. Ab 2025 muss außerdem die nächtliche Sperrpause von 6,5 auf zehn Stunden verlängert werden. Die vollständige Fertigstellung verschiebt sich auf das Jahr 2029.https://hochsauerlandkreis.ratsinfomanagement.net/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZWojjGAmtfT5bdMgwA5v35crTkreX4eHoWObjGXjGBYY/Praesentation_Tunnelerneuerung.pdf
Die Arbeiten am Glösinger und Freienohler Tunnel sollen ab 2025 folgen. Während des Umbaus soll in Oeventrop eine Überleitstelle und ein bauzeitliches Stellwerk errichtet werden. Im Planungsprozess hat sich ergeben, dass die bestehende Stellwerkstechnik nicht zweimalig umgebaut werden kann. Der Streckenabschnitt Meschede – Arnsberg soll daher nach Abschluss der Arbeiten ein neues Stellwerk erhalten.https://hochsauerlandkreis.ratsinfomanagement.net/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZWojjGAmtfT5bdMgwA5v35crTkreX4eHoWObjGXjGBYY/Praesentation_Tunnelerneuerung.pdf
Im Rahmen der Sanierung des Elleringhauser Tunnels wurde 2023 in Olsberg der Blockabschnitt zwischen Nuttlar und Brilon Wald geteilt. Hierdurch können die Streckenkapazität gesteigert und die minimalen Zugfolgezeiten reduziert werden. Seit der Aufhebung des Bahnhofs Olsberg im Jahr 1982 war eine Weiterfahrt in Nuttlar erst möglich, wenn der vorherige Zug Brilon Wald erreicht hatte.
Im Rahmen der „Modernisierungsoffensive 2“ (MOF 2) des Landes NRW wurden alle Stationen zwischen Schwerte und Olsberg bis auf Oeventrop bis 2017 modernisiert und barrierefrei hergerichtet. Die Bahnsteige wurden dazu vollständig erneuert und auf eine Höhe von 76 Zentimetern über Schienenoberkante gebracht. Dabei entfielen in Bestwig, Freienohl, Neheim-Hüsten und Wickede die Zwischenbahnsteige samt Zugängen über die Gleise. Durch diese Maßnahme wurden Streckenkapazität und Betriebsqualität gesteigert, da auch Personenzüge in den Bahnhöfen kreuzen können. Zuvor musste aus Sicherheitsgründen ein Zug vor den Bahnhöfen warten. Außerdem konnte hierdurch die Bahnsteigaufsicht entfallen. Die Modernisierung der Stationen Olsberg, Bestwig und Arnsberg wurde bereits abgeschlossen. Danach wurden die Bahnsteige in Fröndenberg, Wickede, Freienohl und Meschede modernisiert. Die Stationen Brilon Wald und Scherfede sind dem Nachfolgeprogramm enthalten, welches sich in der Umsetzung befindet.
Bei den Stationen Oeventrop und Marsberg wurden die Planungen für den barrierefreien Ausbau begonnen, um sie schnell in künftige Ausbauprogramme positionieren zu können. Die Modernisierung der Bahnsteige in Oeventrop sollte ursprünglich im Jahr 2023 umgesetzt werden. In dem durchgeführten Ausschreibungsverfahren hat sich allerdings keine Baufirma gefunden, die die Arbeiten ausführen möchte. Daher muss ein neues Zeitfenster zur Umsetzung der Arbeiten geplant werden.https://www.wp.de/staedte/arnsberg/article239112205/Bahnhof-Oeventrop-Darum-wird-die-Modernisierung-verschoben.html 2023 wurde der Bahnsteig in Beringhausen ersetzt, ohne ihn auf die sonst übliche Höhe von 76 cm zu erhöhen. 2024 wurde mit der Modernisierung der Stationen Westheim, Hoppecke und Bredelar begonnen.https://www.deutschebahn.com/de/presse/presse-regional/pr-duesseldorf-de/presseinformationen-regional/Barrierefreier-Ausbau-startet-Symbolischer-Baubeginn-an-vier-Bahnhoefen-im-Sauerland-12719564
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Elektrifizierung