mini|hochkant=1.55|Gebäude am Hafen, im Hintergrund Schloss Rapperswil und rechts die Stadtpfarrkirche St. Johann
Rapperswil ist eine Stadt in der politischen Gemeinde Rapperswil-Jona im Südwesten des Schweizer Kantons St. Gallen. Rapperswil liegt am östlichen Ufer des Zürichsees. In Rapperswil beginnt der Seedamm nach Hurden. Beim Seedamm im Zürichsee findet sich ein Dreikantonseck (St. Gallen, Schwyz und Zürich) ().
Rapperswil ist als «Rosenstadt» bekannt. Im Wappen sind zwei rote Rosen zu sehen, und die Rosengärten in Rapperswil sind eine Attraktion für Besucher. Auch wegen der Lage am See, der Altstadt und Knies Kinderzoo ist Rapperswil ein beliebter Ausflugsort.
Wappen Das Stadtwappen zeigt auf silbernem Grund zwei rote Rosen mit goldenen Butzen und ebenfalls roten, entgegengeasteten Stielen. Es ist dem Dreirosenwappen der Rapperswiler Grafen nachempfunden. Rapperswil wird daher auch die «Rosenstadt» genannt.
Zur Entstehung der Wappen: Der Toggenburger Diethelm VI. soll zwischen 1180 und 1195 Guta von Rapperswil geheiratet und die Grafschaft Uznach sowie eine Rose aus dem Rapperswiler Wappen als Mitgift erhalten haben. Das alte Wappen der Freiherren von Rapperswil hatte drei Rosen, das Einrosenstädtchen Uznach führt noch heute eine Rose im Wappen.
Auf die Grafen von Rapperswil geht auch das Wappen von Altendorf zurück, das eine Rose zeigt.. Website des Kantons Schwyz.
Im Jahr 1512 erhielt die Stadt von Papst Julius II. eigens ein wertvolles Juliusbanner für die 1508–1510 im Grossen Pavier-Feldzug geleisteten Dienste zur Vertreibung der Franzosen.Winfried Hecht: Das Juliusbanner des zugewandten Ortes Rottweil. In: Der Geschichtsfreund: Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz. 126/7 (1973/4), doi:10.5169/seals-118647. In diesem Banner wurden ebenfalls die beiden Rosen dargestellt, aber in Gold statt in Rot.
Die beiden roten Rosen aus dem Wappen von Rapperswil tauchen auch im ehemaligen Wappen von Jona auf, ebenso im neuen Wappen von Rapperswil-Jona.
Geschichte
Entwicklung des Tourismus mini|Der Schaufelraddampfer «Stadt Rapperswil»
Auslöser der touristischen Entwicklung war die Ankunft des ersten Dampfschiffs «Minerva» vor der Stadt Rapperswil am 29. Juli 1835.
Der Rorschacher Bürger Franz Carl Caspar, Gründer der «Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Bodensee und Rhein», war auch daran interessiert, auf dem Zürichsee und dem Walensee die Dampfschifffahrt einzuführen, zusammen mit dem Schaffhauser Johann Jakob Lämmlin als technischem Fachmann. Die beiden Pioniere gründeten am 19. März 1834 die Gesellschaft «Caspar und Lämmlin, Unternehmer der Dampfschifffahrt auf dem Zürcher- und Walensee». Bei der Maschinenfabrik William Fairbairn in Manchester bestellten sie den ersten Zürichseedampfer namens «Minerva».Quelle: . Website der Stadt Opfikon. Im November 1834 verliess die «Minerva» die englische Ostküste und gelangte über die Nordsee und den Rhein nach Basel. Dort wurde sie zerlegt und mit fünf Fuhrwerken an den Zürichsee transportiert.
Aus dieser ersten touristischen Erschliessung des Zürichseegebiets entstand die heutige Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG, seit 1957), deren Flotte aus insgesamt 17 Schiffen (Stand 2007) auf dem Zürichsee, dem Obersee und auf der durch die Stadt Zürich führenden Limmat den fahrplanmässigen, ganzjährigen Personenverkehr garantiert. Auf den Kursschiffen sind die üblichen ZVV-Zonenbillette gültig, dies schliesst auch den Personentransport bei der selbständig auftretenden ZSG-Limmatschifffahrt und der eigenständigen Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen ein.
Mit dem ersten Dampfschiffverkehr einher ging der Bau der seeseitigen Gasthöfe «Schwanen», «Steinbock», «Schwert», «Bellevue», «Anker» und «Du Lac».
Zur Steigerung des Tourismus und zur Erstellung von Quaianlagen wurde 1867 der «Einwohnerverein» gegründet, danach folgten «Verschönerungsverein» (1886) und «Verkehrsverein» (1892), die sich 1892 zusammenschlossen. Die 1886 begonnene Anlage der «Bühler-Allee» um das Kapuzinerkloster und den Burghügel ist der Initiative von Johann Heinrich Bühler-Honegger zu verdanken, der Industrieller, Gründungsmitglied der Südostbahn, Nationalrat und seinerzeit wichtigster Steuerzahler der Stadt war.
Eisenbahn Bereits 1859 verkehrte die erste Dampfeisenbahn in Rapperswil – als Knotenpunkt der Bahnlinien von Rapperswil nach Rüti und von Rapperswil nach Schmerikon. Drehscheibe und Kräne ermöglichten ab 1859 den Güterumschlag auf die Schiffe am Fischmarktplatz.
Die beiden Bahnlinien links und rechts des Zürichsees entstanden erst 1875 respektive 1894.
Rapperswil ist seit 1877 ein wichtiger Knotenpunkt der heutigen Südostbahn (SOB). 1877 wurde die erste der beiden Vorläuferinnen der «alten» Südostbahn gegründet, die Wädenswil-Einsiedeln-Bahn (WE). Bereits 1878 folgte die Zürichsee–Gotthardbahn (ZGB), die die Bahnstrecke über den gleichzeitig eröffneten Seedamm von Rapperswil errichtete.
Am 1. Januar 1890 entstand die Schweizerische Südostbahn mit Sitz in Wädenswil durch die Fusion der WE und der ZGB. Das Streckennetz umfasste auch die Strecke Rapperswil–Pfäffikon SZ. Im Jahr 1891 wurde die Verbindung zur Gotthardbahn eröffnet und damit auch die Seedammlinie mit dem Stammnetz der SOB verbunden. Ab 1913 gab es eine Eisenbahner-Wohnbaugenossenschaft.
mini|Bahnhof Rapperswil, Fotografie um 1895. Zentralbibliothek Zürich, Graph. Sammlung.
Der legendäre Arlberg-Orient-Express fuhr von 1931 bis 1939 von Bukarest, Budapest, Wien über Rapperswil nach Zürich und weiter nach Basel, Paris und Calais, allerdings ohne planmässigen Halt.
Wegen der verschiedenen Berührungspunkte arbeiteten sowohl die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) als auch die SOB schon früh mit den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) zusammen. Die durchgehenden Züge von Romanshorn über Rapperswil und Arth-Goldau nach Luzern wurden bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam betrieben und werden seit 1992 unter dem Namen Voralpen-Express geführt.
Das heutige Bahnhofsgebäude des Bahnhofes Rapperswil im Stil der Neurenaissance wurde 1894–1895 nach den Plänen von Architekt Karl August Hiller erbaut.Leza Dosch: Die Bahnhöfe Rapperswil SG und Glarus (= Schweizerische_Kunstführer. Nr. 895, Serie 90). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2011, ISBN 978-3-03797-028-7.
Jona erhielt seinen Anschluss an die Bahn sehr spät. Zwar wurde eine erste, völlig abgelegene, Bahnstation 1910 zwischen Wurmsbach und BollingenBollingen SBB. an der Bahnstrecke Rapperswil–Ziegelbrücke erstellt, als in der Folge des Baus der Rickenbahn diese in der Streckenmitte mit einer Kreuzungsstation ausgerüstet werden musste.Ein Bahnhof wie im Bilderbuch. In: gleisplaene-schweiz.ch. 1985. Der Verkehr wickelte sich jedoch fast ausschliesslich über den zentral gelegenen Bahnhof Rapperswil ab. Erst 1979 erhielt Jona zwei SBB-Haltestellen: Jona-Dorf (Rapperswil–Uster–Zürich) und Kempraten (Rapperswil–Meilen–Zürich). Etwas später kam die Haltestelle Blumenau dazu (Rapperswil–Uznach). Beim Fahrplanwechsel 2004 wurde die Station Bollingen stillgelegt und wird seither als automatische Kreuzungsstation ohne fahrplanmässigen Halt betrieben.
Bevölkerungsentwicklung + Bevölkerungsentwicklung Jahr 1850 1900 1950 1970 2000 2006 Einwohner 1954 3414 5597 8713 7421 7601
Fusion mit Jona mini|300px|Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2007
Wohnbevölkerung und Wirtschaft von Rapperswil konnten sich auf Grund der räumlichen Begrenzung auf gerade nur 1,72 km² Stadtgebiet nur sehr beschränkt entwickeln, und Rapperswil war mit dem flächenmässig zwölfmal grösseren Jona im Verlauf des späten 20. Jahrhunderts baulich zusammengewachsen. Die Grenze verlief fliessend und war aus der Luft kaum auszumachen.
Nach früheren erfolglosen Versuchen bejahte die Bevölkerung 2003 an einer Volksabstimmung eine Fusion der Gemeinden Rapperswil (2001: 7400 Einwohner; Ja-Anteil 82 %) und Jona (2001: 17'100 Einwohner; Ja-Anteil 52 %). Die Fusion zur Gemeinde Rapperswil-Jona fand am 1. Januar 2007 statt. Der Fusionsvertrag wurde im Frühling 2005 von der Bevölkerung beider Gemeinden angenommen. Rapperswil und Jona haben Ende 2024 zusammengenommen rund 28'800 Einwohner. Rapperswil-Jona ist somit nach der Stadt St. Gallen die zweitgrösste Gemeinde des Kantons.
Sehenswürdigkeiten (Auswahl)
Nachstehend sind nur einige der zahlreichen Rapperswiler Sehenswürdigkeiten kurz erwähnt:
Schloss Rapperswil
hochkant|mini|Schloss Rapperswil, der Zeitturm und das doppelte Tor
Schloss Rapperswil, auf einem felsigen weit in den Zürichsee reichenden Sporn zwischen 1220 und 1230 errichtet, ist von drei Seiten von Wasser umgeben und war so während Jahrhunderten bestens geschützt. Weithin mit seinen hohen Türmen sichtbar, dominiert es das Stadtbild der darunter liegenden Altstadt des Städtchens Rapperswil.
Von seinem neuen Platz aus konnte der kurz darauf zum Graf ernannte Rudolf die Wasserstrasse von Zürich Richtung Bündnerpässe sowie die Pilgerströme zum Kloster Einsiedeln und den Querverkehr über die Seeenge beim Seedamm von Rapperswil überwachen. Das heutige Schloss bildet ein fast gleichseitiges Dreieck, wobei jede Ecke mit einem Turm verstärkt ist. Der höchste Turm im Südwesten wird Bergfried oder auch Gügeliturm genannt und war lange Zeit der Sitz des Hochwächters. Der fünfeckige Zeitturm im Osten beherbergt drei Glocken, und neben einer Sonnenuhr zeigen zwei grosse Zifferblätter die Uhrzeit an. Zwischen diesen beiden Türmen befindet sich in südöstlicher Lage das wuchtige Schlossgebäude. Daneben führen von den beiden Ecktürmen Wehrgänge zum dritten Turm im Nordwesten, dem Pulverturm.
Auf der Burgterrasse, dem Lindenhof, befindet sich seit 1868 die polnische Freiheitssäule, als Zeichen der schweizerischen Verbundenheit mit Völkern, die um ihre Freiheit ringen. Die Terrasse gewährt zudem einen beeindruckenden Ausblick auf die Altstadt, den Zürichsee, auf den Seedamm und die in der Ferne liegenden Alpen. Auf der Nordseite zieht sich ein betreuter Hirschpark mit 10–15 Damhirschen hinunter gegen den See, welcher an die Sage der Stadtgründung erinnern soll.
Im Schloss befindet sich ein Restaurant, das die Gäste zu besonderen Anlässen auch im kleinen Rittersaal bewirtet.
Altstadt
In der Altstadt stehen zahlreiche sehenswerte Gebäude, beispielsweise die Stadtpfarrkirche St. Johann und das Rathaus. Ferner sind Reste der Stadtbefestigung von Rapperswil erhalten.
Fischmarktplatz und Hafen
mini|Der Fischmarktplatz
Der offene Fischmarktplatz und die Anlagen am See mit den zahlreichen Gasthöfen, Restaurants und Bars sind mit dem aufkommenden Tourismus nach 1834 entstanden. An der Stelle des heutigen Fischmarktplatzes befand sich bis 1837 der mittelalterliche befestigte «innere Hafen», der zusammen mit dem überwiegenden Teil der Stadtbefestigung ab 1834 geschleift wurde. Noch bis 1859 (Inbetriebnahme des steinernen Seedamms und der Bahnlinie) führte der Holzsteg von Hurden zum ehemaligen südlichen Brückentor beim damaligen Fischmarkt. Der Verkehr, mehrheitlich Kaufleute und Pilger, durch die Stadt Rapperswil verlief bis in die 1830er-Jahre vom östlichen Halstor über den Hauptplatz durch die Fischmarktstrasse zum befestigten Tor am Fischmarkt (Gasthöfe «Hecht» und «Hirschen»). Das Südtor am heutigen Übergang vom Fischmarktplatz zur Seedammstrasse war die Hauptpassage zum Holzsteg nach Hurden. Befestigungsmauern schützten bis 1834 den inneren Hafen, der im Bereich des heutigen Parkhauses lag und wiederum durch das hölzerne Fallgatter im 1610 ausgebauten Schutzgatterturm die Schiffszufahrt sperrte.