mini|Blick auf die Stadt Bergama (lateinisch Pergamum, griechisch Pergamon) ist eine Stadtgemeinde (Belediye) im gleichnamigen Ilçe (Landkreis) der Provinz Izmir in der türkischen Ägäisregion und gleichzeitig ein Stadtbezirk der 1984 gebildeten Büyükşehir belediyesi İzmir (Großstadtgemeinde/Metropolprovinz). Seit der Gebietsreform ab 2013 ist die Gemeinde flächen- und einwohnermäßig identisch mit dem Landkreis.
Bergama ist der größte Kreis/Stadtbezirk der Provinz/Beyşehir Izmir und liegt in ihrem Norden. Dort grenzt Bergama an die Provinz Balikesir. Am nordöstlichen Stadtrand, östlich des Burgbergs (Akropolis), befindet sich die Kestel-Talsperre.
In der Antike befand sich hier die Stadt Pergamon, im Hellenismus die Hauptstadt des Reichs der Attaliden, das sich über große Teile des westlichen Kleinasiens erstreckte. Ihre Ruinen sind Forschungsgegenstand von Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts.
Verwaltung Der Kreis (Ílçe bzw. Kaza als Vorgänger) existierte schon vor Gründung der Türkischen Republik 1923. Zur ersten Volkszählung (1927) lebten hier 64.129 Menschen (auf 2.650 km² Fläche) in 170 (!) Dörfern, 13.868 Menschen wohnten im Verwaltungssitz.Population de la Turquie - Recensement 1927 (französisch) Seit der Reform der Großstadtkommunen in der Türkei sind exakte Daten zur Einwohnerzahl von städtischen Zentren dort kaum noch möglich. Das System der Großstadtkommunen (Büyükşehir Belediyesi) in der Türkei wurde erstmals 1984 eingeführt. Die entscheidende Gebietsreform, wodurch die Struktur der Großstadtkommunen grundlegend verändert wurde, wurde 2012 per Gesetz (Nr. 6360) verabschiedet und trat am 30. März 2014 in Kraft. Damit stieg die Gesamtzahl der Großstadtkommunen in der Türkei auf 30 an. Alle Dörfer (Köy) und kleineren Gemeinden (Belde) innerhalb dieser 30 Provinzen verloren ihren rechtlichen Status (durch Auflösung der Dörfer/Köy) und wurden zu Stadtvierteln (Mahalle) der jeweiligen Kernbezirke (urbane Mahalle). Weil in der Türkei seit der Gebietsreform alle Dörfer offiziell als Stadtteile (Mahalle) zählen, wird statistisch meist nur noch die Bevölkerung des gesamten Landkreises (İlçe) ausgewiesen, nicht mehr der der eigentlichen Stadt. Diese Reform brachte fundamentale administrative Änderungen mit sich, auch für Bergama:
Da Bergama seit der türkischen Gebietsreform eine Großstadtkommune (Büyükşehir Belediyesi) ist, gibt es rechtlich keine formelle Trennung mehr zwischen dem eigentlichen Stadtzentrum (İlçe Merkezi) und den Dörfern des Landkreises; der gesamte Landkreis gilt statistisch als eine Gemeinde. Der offizielle Stand für den gesamten Landkreis Bergama lag am 31. Dezember 2025 bei 107.549 Einwohnern. Die Kernstadt von Bergama (das eigentliche städtische Zentrum am Fuß der antiken Ruinen von Pergamon) hatte laut Hochrechnungen für das Jahr 2025 eine Einwohnerzahl von rund 73.000 bis 75.000 Menschen. Der urbane Kernbereich, bestehend aus den klassischen zentralen Stadtvierteln (18 Mahalle, u. a. Atatürk, Zafer, Turabey, Fevzipaşa, Ertuğrul) umfasst schätzungsweise etwa 55.000 bis 60.000 Einwohner (basierend auf aktuellen demografischen Verteilungen der urbanen Mahalle).
(Bis) Ende 2012 bestand der Landkreis neben der Kreisstadt aus fünf Stadtgemeinden (Belediye) Ayaskent, Bölcek, Göçbeyli, Yenikent und Zeytindağ sowie 114 Dörfern (Köy) in sechs Bucaks (Amtsbezirken, Dereköy, Göçbeyli, İsmailli, Yukarıbey, Zeytindağ und Merkez). Die Dörfer wurden während der Verwaltungsreform 2013/2014 in Mahalle (Stadtviertel/Ortsteile) überführt, ebenso wurden die 14 Mahalle der o. g. fünf Mahalle zu jeweils einem vereinigt. Die 18 Mahalle der Kreisstadt blieben unverändert erhalten. Durch die Herabstufung der Belediye und Dörfer zu Mahalle stieg deren Zahl auf 137 an. Ihnen steht ein Muhtar als oberster Beamter vor. Ende 2020 lebten durchschnittlich 766 Menschen in jedem Mahalle, Fatih Mah. (17.042 Ew.) und Maltepe Mah. (11.274 Ew.) waren darunter die bevölkerungsreichsten.Bergama Mahalle Muhtar Telefonları – Mahalle und Muhtare
Geschichte Zur Geschichte im Altertum und zur Grabungsgeschichte siehe vor allem den Artikel Pergamon.
Die Stadt Bergama gehört zu den wenigen historischen Städten in der Türkei, in denen sich die antiken, die osmanischen und junge türkische Strukturelemente eng miteinander verzahnen. Dank der geringen modernen Überprägung der Altstadt bis ins späte 20. Jahrhundert weist sie im Gefüge ihres Erscheinungsbildes aufschlussreiche Indizien über ihren bewegten Entwicklungsgang auf.
Einblicke in die Antike links|mini|Bereits im 3. Jh. v. Chr. war eine kleine befestigte Akropolissiedlung auf dem Andesitfelsen nördlich der heutigen Stadt entstanden, deren Umfang sich etwa mit dem der Burgmauer von Pergamon deckt. mini|Bergama: Reste eines römischen Stadttors am Anstieg zur Akropolis. Die Ruinenstätten Bergamas geben dank der Untersuchung durch Carl Humann und Wilhelm Dörpfeld zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein anschauliches Bild der Stadtentwicklung bis zur osmanischen Zeit, die uns bis zum Ende des 19. Jahrhunderts u. a. durch Alexander Conze, Johannes Heinrich Mordtmann und Heinrich Gelzer eindrucksvoll vermittelt wurden. Bereits im 3. vorchristlichen Jahrhundert war eine kleine befestigte Akropolissiedlung auf dem Andesitfelsen nördlich der heutigen Stadt zwischen Selinos (Bergama Çayı) und Ketios (Kestel Çayı) entstanden, deren Umfang sich etwa mit dem der Burgmauer von Pergamon deckt. Mit dem Erstarken der pergamenischen Macht zu Anfang des 2. Jahrhunderts vor Christus erfolgte eine erste Erweiterung bis zur Attalischen Mauer nach Süden. Die zunehmende Blüte des pergamenischen Reiches dokumentierte sich in einer weiteren Ausdehnung der Stadt weiter nach Süden etwa um die Mitte des 2. vorchristlichen Jahrhunderts. So reichte Pergamon damals fast bis in die vorgelagerte Ebene. Der Selinos und die sogenannte Eumenische Mauer bildeten die Siedlungsgrenze. Bereits nach den Wirren um Mithridates (ab etwa 133 v. Chr.) kam es zu einem erneuten bescheidenen Stadtwachstum über diese Grenzen hinaus bis in die flachen Bereiche südwestlich des Selinos. Im 2. Jahrhundert n. Chr. soll die Stadt 120 000 Einwohner gehabt haben. Einige geben auch 180 000 Einwohner an. Während der frühen römische Kaiserzeit bis etwa zur Mitte des 3. nachchristlichen Jahrhunderts erreichte die Siedlungsfläche offensichtlich das Asklepieion. Dabei blieben die ebenen Gebiete zwischen Selinos und Ketios siedlungsfrei. Dieses weite Vorpreschen der Stadt als offene Plananlage in die Ebene und die westlichen Hügelbereiche ist Indiz der Blüte- und Friedenszeit des römischen Imperiums. Pergamon war zur bedeutendsten Stadt der Provinz Asia aufgestiegen.
Spätantike und Zeit der anatolischen Fürstentümer Zahlreiche Unsicherheitsfaktoren während der späten Kaiserzeit (Aufstände der Armee, häufiger Regentenwechsel, Bürgerkrieg, Goteneinfälle, Arabisch-Byzantinische Kriege u. a.) führten bald zu einer Reduktion der Siedlungsfläche. Die römische Unterstadt wurde zunehmend aufgegeben. Die Bewohner zogen sich aus der offenen Stadt in der schlecht zu verteidigenden Ebene aus Sicherheitsgründen fast vollständig auf die steile, leichter zu verteidigende Akropolis bis hinauf auf den halben Akropolisberg weit hinter die Eumenische Mauer zurück, wo die restaurierte Attalische Mauer genügend Schutz bot. Da sie damals den zweitwichtigsten Bischof der Region und einen byzantinischen Kaiser stellte (Philippikos, 711–713 n. Chr.), dürfte die Stadt aber immer noch recht volkreich und von großer Bedeutung gewesen sein, selbst wenn mit einer Abnahme der Bevölkerung während dieser Zeit wohl zu rechnen war.
Der Arabereinfall Anfang des 8. Jahrhunderts brachte dann aber eine gewaltige Zäsur der Stadtentwicklung und markierte den endgültigen Übergang Pergamons von einer antiken Metropole zu einer stark reduzierten, rein defensiven byzantinischen Festungsstadt. Große Teile der antiken Bausubstanz wurden aufgegeben. Nach der Zerstörung der Stadt 716 nach Christus hinterließen die Araber Pergamon als weitgehend menschenleeren Trümmerhaufen. Dezimierung der Bevölkerung zwang zu einem erneuten Rückzug in eine Position, die eine bessere Verteidigung bei weiterer Bedrohung ermöglichte. Während der folgenden sogenannten Isaurischen Epoche (717–802 n. Chr.) schrumpfte Pergamon auf ein kleines „Kastron“ weit zurück auf die Höhe der Akropolis mit der Byzantinischen Mauer als neuer Südgrenze. Die Stadt wurde damit fast auf das Maß der ersten Ansiedlung (Burgmauer) reduziert. Der niedrige Rang Pergamons als Bischofssitz in jener Zeit zeigt, dass die Araber der ehemals ersten Stadt der Provinz Asia einen tödlichen Schlag versetzt hatten. Sie sollte sich davon nie wieder völlig erholen. Erst das 11. und 12. Jahrhundert brachte der Stadt wieder die zum Aufschwung notwendige Atempause. Unter den Komnenen rückte sie erneut weit die Flanken des Akropolisberges hinab bis zur sogenannten Römischen Mauer. Während die Unterstadt weiterhin dem Verfall preisgegeben blieb, begann eine neue Blütezeit, als Pergamon als Metropolis den höchsten Verwaltungsrang (Neocastra) der Region erhielt und als gut bevölkert und wohlhabend bezeichnet wurde. Allerdings wurde in Pergamon gleichzeitig im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die eindringenden turkmenischen Nomadengruppen im 13. Jahrhundert ein Ausbau der hochgelegenen Burg erheblich stärker in Angriff genommen als der befestigten Wohnstadt, deren Mauern bald kaum noch Schutz boten. links|mini|Wochenmarkt in Bergama beim Güdük Minare aus der Karesi-Beylik-Zeit (Anfang 14. Jh.) Nach der historischen Schlacht von Manzikert (1071), bei der die Seldschuken das Byzantinische Reich besiegten, drangen turkmenische Stämme immer weiter nach Westanatolien vor. Pergamon, das damals unter byzantinischer Herrschaft stand, litt stark unter diesen Vorstößen und den damit einhergehenden Verwüstungen. Dennoch gelang es den Byzantinern unter der Dynastie der Komnenen vorerst, die Stadt als wohlhabenden Stützpunkt zu halten. Nachdem allerdings die Rum-Seldschuken im 13. Jahrhundert durch den Einfall der Mongolen geschwächt wurden, zerfiel Zentral- und Westanatolien in zahlreiche unabhängige Grenzfürstentümer, die sogenannten Anatolischen Beyliks. In diesem Zusammenhang nutzte nach dem Sieg der Türken über byzantinische Truppen das Beylik der Karesioğulları (Karası; Karasu) das Machtvakuum, eroberte 1301/1302 die Stadt Pergamon und beendete dort die jahrhundertelange byzantinische Herrschaft. Danach blieb die dortige Burgfestung wichtigster Bestandteil der Stadt zur Verteidigung gegen die sich ausbreitenden Osmanen. Zugleich siedelten sich in ihrem Umfeld aus dem Osten kommende turkmenische Bevölkerungsgruppen an, sowohl Turkmenen, die unter dem Befehl von Ece Halil vor den Mongolen geflohen waren, als auch Çepni-Turkmenen aus dem Stamm der Oghusen. Bergama verblieb etwa 40 Jahre lang unter der Herrschaft des Fürstentums der Karasıoğulları. Unter der Verwaltung von Karası Bey Yahşi Han wurden verschiedene wohltätige Stiftungen (*Waqfs*) gegründet und städtebauliche Maßnahmen eingeleitet. Ibn Battuta, der Pergamon 1330 besucht hatte, beschrieb den Ort als ruiniert mit einer großen festen Burg, als ein typisches Merkmal dieser Epoche, in der man derartige Kastelle als Stützpunkte für Truppen weiterbetrieb. Die eigentliche Stadtmauer wurde geschleift, oder man ließ sie einfach verfallen. 1345 ging Pergamon in osmanischen Besitz über. Als Festung, wie unter Byzanz und Karası, hat der Ort danach zunächst keine Bedeutung mehr.
Früh-osmanische Entwicklung