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Das Augustinerkloster in Erfurt ist ein ab 1277 erbautes ehemaliges Kloster der Augustiner-Eremiten, in dem Martin Luther zwischen 1505 und 1511 als Mönch lebte. (Im Löwen- und Papageien-Fenster der Chorfenster der Augustinerkirche des Klosters befindet sich das Vorbild der Lutherrose.) Nach der Reformation ging das Kloster 1525 in den Besitz der Evangelischen Kirche über; 1559 wurde es von der Stadt Erfurt säkularisiert. Im Jahr 1945 wurden Teile des Klosters bei einem Luftangriff zerstört, jedoch bald soweit wieder aufgebaut, dass die Anlage einer neuen Nutzung zugeführt werden konnte, sie wurde offizielle Luther-Gedenkstätte und Teile dienten als Predigerschule. Nach der Wende, um 1994 wurde das Augustinerkloster Dienstsitz der Propstei Erfurt-Nordhausen. Das Gebäude wird vor allem als Tagungs- und Begegnungszentrum genutzt.Zeitreise. Das Augustinerkloster, Sendung des MDR, abgerufen am 28. Juli 2021. Das Kloster wurde ab dem Jahr 2000 umfassend restauriert und modernisiert. Es ist anerkanntes Kulturdenkmal nach dem Thüringer Denkmalschutzgesetz.

Geschichte Anfänge und Ausbau

mini|Blick durchs Mittelschiff mini|Augustinerkloster im 16. Jahrhundert Seit 1266 gab es eine Niederlassung der Augustiner-Eremiten in Erfurt. Diese wurden ab 1273 nach Streitigkeiten mit der Stadt zeitweise vertrieben, kehrten jedoch 1276 endgültig zurück. Sie wählten als Sitz die um 1131 errichtete Kirche St. Philippi und Jacobi an der Comthurgasse. 1277 begann der Aufbau des Klosters. Die Mittel für die umfangreichen Bauarbeiten wurden in den zurückliegenden Jahrhunderten durch Almosen und den Verkauf von Ablässen aufgebracht. Bis 1518 wurde so der Bau der Bibliothek, Katharinenkapelle, des Kapitelsaals, des Kirchturms, eines Kreuzgangs, des Langhauses, der Waidhäuser und des Neuen Priorats zwischen Bibliothek und Waidhäusern finanziert. Besonders bemerkenswert an den erhaltenen Bauten sind die zwischen 1310 und 1340 hergestellten Farbglasfenster der Kirche sowie die Außenkanzel, die bezeugt, dass seinerzeit für große Menschenmengen Predigten auch im Freien abgehalten wurden.

Bedeutend war die Schule des Klosters. In ihr wurde, begründet von Heinrich von Friemar (dem Älteren), das Studium generale angeboten. Ab Anfang des 14. Jahrhunderts folgte dazu auch der Aufbau der Klosterbibliothek. 1516 wurde das Bibliotheksgebäude fertiggestellt. Zwischen 1505 und 1511 gehörte Martin Luther dem Kloster an. 1507 wurde er zum Priester geweiht und las hier am 2. Mai 1507 seine erste Messe.

Reformation mini|Bibliothek und Studierstuben im Dormitorium Johannes Lang, ein guter Freund Luthers, wurde 1522 Prior des Klosters und bereitete in Erfurt und Umgebung die Reformation vor. Noch im selben Jahr trat Lang zusammen mit vielen der Mönche aus dem Orden aus. 1525 wurde die Kirche der Johannesgemeinde übergeben. 1556 starb der letzte Mönch. Endgültig säkularisiert wurde das Kloster 1559.

Ab 1561 wurden Westflügel und Priorat vom Ratsgymnasium der Stadt genutzt. Dafür wurde das Dormitorium in Unterkünfte für die Schüler umgebaut. Die Schule bestand bis 1820. Die Klosterbibliothek wurde im Verlauf der Reformation beschädigt, lebte aber 1646 wieder auf, als die Bibliothek des Evangelischen Ministeriums hier einzog. Das evangelische Waisenhaus nutzte ab 1669 einen Teil des vormaligen Klosters.

Die Augustinereremiten siedelten sich Mitte des 17. Jahrhunderts wieder in Erfurt an, allerdings an anderer Stelle: Sie bauten den neben der Wigbertikirche gelegenen Valentinerhof zu einem Kloster um. 1822 wurde auch dieses Kloster aufgelöst.

19. Jahrhundert mini|Grundriss der Augustinerkirche 1890 Das Neue Priorat wurde, da es baufällig war, und die Mittel zur Renovierung fehlten, 1821 abgerissen. Der Westflügel des Klosters wurde ab dieser Zeit, nach Ende der Schule, zusammen mit dem Alten Priorat, der Bibliothek und den Waidhäusern vom Martinsstift genutzt, einer Einrichtung, die sich um die Erziehung von Waisen bzw. von verwahrlosten Kindern kümmerte. 1840 bis 1846 wurden der Westflügel und das Priorat nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel umgebaut, wobei der Verbindungsgang zwischen Westflügel und Bibliothek errichtet wurde. Diese Renovierung und Modernisierung blieb jedoch vorerst Stückwerk; die Kirche selbst musste 1844 wegen Baufälligkeit geschlossen werden.

Eine Verbesserung brachte erst ein Bittbrief an König Friedrich Wilhelm IV. Mit von ihm bewilligten Mitteln wurde die Kirche 1848, nach dem Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung, im neugotischen Stil zum Sitz des Erfurter Unionsparlaments umgebaut. Zu den Mitgliedern dieses Parlaments gehörte auch Otto von Bismarck. Nach dem Ende des kurzlebigen Parlaments wurden die Räumlichkeiten ab 1852 wieder zum Sakralbau, die Kirche 1854 von neuem geweiht.

20. Jahrhundert mini|Keller der 1945 bombenzerstörten Augustinerbibliothek im Jahre 2005 mini|Ort der Stille (2019) im früheren Luftschutz-Keller (267 Bombentote)

Rekonstruktion 1936 bis 1938 1936 bis 1938 erfolgte die Rekonstruktion der Kirche im Stil des 14. Jahrhunderts und eines Teils des Klosters unter Leitung des Architekten Theo Kellner in Verbindung Hermann Giesau und Charles Crodel, der eine taubenblaue Deckenbemalung und ein Westfenster schuf. Im Wesentlichen ist die Kirche nach Beheben der schweren Kriegsschäden noch heute in diesem Zustand zu sehen. Auch das Erdgeschoss des Bibliotheksgebäudes wurde umgestaltet, um es für museale Zwecke zu nutzen. Die Realisierung weiterer Planungen verhinderte der Krieg.

Zerstörung 1945 Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde im Rahmen der Luftangriffe auf Erfurt am 25. Februar 1945 der gesamte Klosterbereich durch einen britischen Bombenangriff mit zwei Minenbomben erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Völlig zerstört wurden das Bibliotheksgebäude und die Waidhäuser durch Volltreffer, schwer beschädigt die Klausur, insbesondere das Winterrefektorium mit dem alten Priorat, der südliche Teil des Westflügels und der Verbindungsbau zur Bibliothek. Stark beschädigt waren auch die Kirche, der Kreuzgang, das Waisenhaus und das Gästehaus. Alle stehengebliebenen Gebäude verloren durch den Luftdruck der Detonationen ihre Dächer, Fenster und Türen, so auch die Augustinerkirche selber. Deren hölzernes Spitztonnengewölbe hatte sich erheblich verschoben.

Kunstschutz: Die vier äußerst wertvollen Buntglasfenster des Altarraums aus dem 14. Jahrhundert blieben nur durch rechtzeitige Auslagerung in die Dorfkirche Hohenfelden erhalten. Die Sandsteinfiguren bedeutender Erfurter Persönlichkeiten auf Epitaphen im Innenraum waren durch Ummauerung geschützt worden.

Die große Walcker-Orgel erlitt geringere, die kleinere beträchtliche Schäden.Siegfried Hotzel: Der Wiederaufbau des Erfurter Augustinerklosters. In: Erfurter Heimatbrief. Nr. 23, Dezember 1971, S. 28 f.

Zahlreiche Erfurter, überwiegend Frauen und Kinder – viele aus dem evangelischen Waisenhaus –, hatten in dem als öffentlicher Luftschutzraum ausgewiesenen Keller der Kloster-Bibliothek Zuflucht gesucht. 267 Menschen fanden bei dem Luftangriff den Tod. Aus den Trümmern konnte durch ein Rettungskommando aus Soldaten des Erfurter Panzerregiments als einzige Überlebende ein 7-jähriges Mädchen befreit werden, das einen Arm verlor.Rudolf Zießler: Bezirk Erfurt. In: Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg. Band 2. Henschel, Berlin 1978, S. 475–477. Unter den Toten war auch Theodor Mundle, Pfarrer der Augustinergemeinde. Der Keller wurde in den Jahren darauf der „Todeskeller“ genannt. Eine Tafel mit den Namen der Opfer an der Klosterruine erinnerte die Besucher bis zu ihrer Entfernung im Jahre 2010 weiter an die Tragödie. Hingegen wurde eine Tafel an der Außenmauer des Klosters, die auf den „angloamerikanischen Terrorangriff“ hingewiesen hatte, bereits während der Wende 1990 beseitigt.

Verloren ging bei dem Luftangriff vollständig die künstlerische Ausstattung des Bibliotheksgebäudes, darunter des Betsaals für die Waisenkinder. Auch ein großer Teil der wertvollen Bücher des Martinsstifts wurde vernichtet. Diese Bibliothek hatte 3200 Bände umfasst. Durch Auslagerung in Dorfkirchen in der Nachbarschaft von Erfurt sind hingegen die Buchbestände des Evangelischen Ministeriums weitgehend gerettet worden.Helmut Wolf: Erfurt im Luftkrieg 1939–1945. Schriften des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt, Erfurt 2005, S. 176 f. Verluste traten bei der zeitweiligen Lagerung der Bücher im Freien nach der Rückführung auf.

Der Erfurter Rechtsanwalt Selmar Bühling vertrat nach 1945 die Gemeinde und das Kloster gegen Besitzansprüche der Stadt Erfurt und des Landes Thüringen, bis er 1949 aus politischen Gründen nach West-Berlin floh.

Wiederaufbau Schon kurz nach Ende des Kriegs begann unter großen Schwierigkeiten der Wiederaufbau der zerstörten und beschädigten Gebäude. Daran hatte der frühere Wehrmachtspfarrer Siegfried Hotzel erheblichen Anteil, der von April 1945 bis zu seiner Pensionierung 1960 die Augustinergemeinde betreute.Rudolf Mohr, Klaus Ranglack, Christine Riesterer: Erfurt unterm Sternenbanner. Erfurt 1995, S. 21–23. Die Enttrümmerung erfolgte durch einen Bautrupp angelernter politisch belasteter Männer unter Leitung des Architekten Jakob Wassum. Die Leitung des Wiederaufbaues hatte der bekannte Erfurter Architekt Theo Kellner inne, ihm zur Seite stand der Stadtbaurat Karl Tetzner. Als Kellner nach Frankfurt am Main ging, übernahm Tetzner voll die Aufbauleitung. Er wurde unterstützt von der Architektin Käthe Menzel-Jordan und dem Bauingenieur Richard Fischer. mini|hochkant|Lutherzelle 1946 bis 1957 wurden die Kirche, der Kreuzgang, der Ostflügel und das Gästehaus wiederhergestellt. 1947 konnten auch die wegen der Luftangriffe ausgelagerten vier mittelalterlichen Kirchenfenster im Bereich des Hohen Chors wieder eingesetzt werden, mit Hilfe des aus Prag geflohenen Hajna, Spezialist für Kirchenfenster. Beide Orgeln wurden unter Leitung des Orgelbaumeisters Laux aus Gispersleben mit Ersatzteilen aus Westdeutschland wiederinstandgesetzt. Die Lutherzelle war durch Beschädigung undicht geworden, wurde vom Schwamm erfasst, gesperrt, abgebrochen und dann wieder aufgebaut: in klösterlicher Schlichtheit, wie sie sich auch heute zeigt.Siegfried Hotzel: Der Wiederaufbau des Erfurter Augustinerklosters. In: Erfurter Heimatbrief, Nr. 23, Dezember 1971, S. 29–41.

Weitere Ereignisse 1960 zog die Evangelische Predigerschule in das Kloster ein, die bis 1993 bestand. 1980 wurde auf dem Gelände des Klosters eine Ausstellung über Martin Luther eingeweiht. Im selben Jahr zog auch die Bibliothek des Evangelischen Ministeriums ein. Da der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker das Augustinerkloster als eine von vier Luthergedenkstätten der DDR anerkannt hatte, kam es nicht zum vorgesehenen Abriss des Westflügels und dem Bau eines Schwimmbads auf dem Gelände des Augustinerklosters. 1988 wurde ein kirchliches Tagungsheim eröffnet, finanziert aus einem Kirchenbauprogramm in der DDR.

Am 28. September 1989 fand im Rahmen der Friedlichen Revolution in der Kirche mit nahezu 1000 Besuchern ein Informationsabend der damals noch oppositionellen Sammlungsbewegung Demokratischer Aufbruch statt, bei dem der Pfarrer und spätere SPD-Bundestagsabgeordnete Edelbert Richter die Ziele der Bewegung erläuterte. In den Jahren 1989 und 1990 gab es noch weitere politische Veranstaltungen in der Kirche.

Seit 1990 Umfassende Rekonstruktion und neue Nutzungen Erst nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde der Dienstsitz der Propstes des Sprengels Erfurt in das Alte Priorat verlegt.

mini|hochkant|Neubau der Bibliothek mini|Kreuzgang 1996 bezogen die ersten vier Schwestern der evangelischen Communität Casteller Ring Räume des Klosters, womit eine Nutzung, ähnlich dem ursprünglichen Zweck, wiederhergestellt war. Die Communität zog sich jedoch Ostern 2011 wieder aus Erfurt zurück.alt-katholisch.net