mini|Charlotte AnderFoto: Alexander Binder. Charlotte Ander, gebürtig Charlotte Andersch (* 14. August 1902 in Berlin; † zwischen dem 1. und 4. August 1969 ebendaStandesamt Berlin-Schmargendorf, Sterbeurkunde Nr. 2085 vom 8. August 1969 (Landesarchiv Berlin)), war eine deutsche Schauspielerin der Stummfilm- und frühen Tonfilmzeit.
Leben links|mini|Charlotte AnderFotografie von Alexander Schmoll. Charlotte Andersch wurde als Tochter des Schauspielerehepaares Rudolf Andersch und Ida Perry im Berliner Stadtteil Kreuzberg geboren.Standesamt Berlin IVb, Geburtsurkunde Nr. 2077 vom 22. August 1902 (Landesarchiv Berlin) Sie wuchs in Berlin und Wien auf. Nachdem sie ihre Ausbildung an der „Marie-Seebach-Schule“ der Preußischen Staatstheater absolviert hatte, wurde sie 1920 an das Berliner Theater engagiert.Deutsches Bühnenjahrbuch 1921, S. 271 f Ihr Debüt war die Rolle der „Babuschka Opalinski“ in der Operette Der letzte Walzer (Oscar Straus) an der Seite von Fritzi Massary.Charlotte Ander: Wienerin und Berlinerin. In: Neues Wiener Tagblatt vom 12. April 1925, S. 15 . Der von ihr genannte Geburtsort ist falsch, s. Geburtsurkunde Engagements an weiteren Berliner Theaterbühnen folgten. Ihre Filmkarriere startete Ander ebenfalls 1920 mit So ein Lausbub aus der Paulchen-FilmserieSo ein Lausbub bei filmportal.de und den Filmen „Die letzte Stunde“ und „Danton“ (1921). Zahlreiche Hauptrollen in Stummfilmen und frühen Tonfilmen mit Leinwandgrößen wie Emil Jannings, Marlene Dietrich und Hans Albers folgten.
Charlotte Ander wurde 1928 in Wien von einem Auto überfahren und zog sich einen Schädelbasis-Bruch zu.Württemberger Illustrierte Zeitung, Jg. 1928, Nr. 29, [S. 2].
Ihren größten Erfolg feierte Ander 1933 mit der Rolle der Schallplattenverkäuferin Nina in dem Musikfilm „Ein Lied geht um die Welt“ an der Seite des bekannten Sängers Joseph Schmidt und ihrer Mutter Ida Perry. Das Jahr 1933 brachte eine Art Wende in ihrer Karriere als Schauspielerin. Von den Nazis als nicht „reinrassig“ angesehen, zog es sie für eine kurze Zeit nach England, wo sie für zwei Filmprojekte vor der Kamera stand. Nachdem Rollenangebote in England ausblieben, kehrte Ander trotz schwieriger Bedingungen nach Deutschland zurück, wo sie nur eingeschränkt arbeiten durfte.Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 35. Sie war Mitglied der NSBO.
Nach Kriegsende arbeitete Charlotte Ander 1948/49 als Charakterdarstellerin am Theater Baden-Baden und von 1949 bis 1956 wieder in Berlin. Ihre Filmtätigkeit nahm sie erst 1950 mit dem DEFA-Film Familie Benthin wieder auf.
Von 1922 bis 1924 war Ander mit dem Schauspieler Percy Alexander Stieda verheiratet.Standesamt Berlin-Charlottenburg I, Heiratsurkunde Nr. 1078 vom 9. November 1922 (Landesarchiv Berlin) 1941 heiratete sie den Orientteppichspezialisten Werner Grote-Hasenbalg. Anfang August 1969 wurde Charlotte Ander in ihrer Wohnung in Berlin-Wilmersdorf tot aufgefunden. Sie wurde 66 Jahre alt. Ander wurde zusammen mit ihrer Mutter und ihrem zweiten Ehemann auf dem Friedhof Wilmersdorf bestattet; das Grab ist inzwischen aufgelöst. mit Foto des GrabsteinsHelga und Karlheinz Wendtland: Geliebter Kintopp. Sämtliche deutsche Spielfilme von 1929 – 1945. Künstlerbiographien A–K. Verlag Medium Film, Berlin 1995, ISBN 3-926945-13-3, S. 11.
Filmografie 1921: Die letzte Stunde 1921: Der Streik der Diebe 1921: Die Abenteuer eines Ermordeten, 2. Teil: Der Smaragd des Badjah von Panlanzur 1921: Die große und die kleine Welt 1921: Danton 1921: Sturmflut des Lebens 1921: Trick–Track 1922: Das goldene Netz 1922: Bardame 1922: Im Kampf mit dem unsichtbaren Feind 1922: Der Liebe Pilgerfahrt 1923: Die Taifunhexe 1923: Tragödie der Liebe (4 Teile) 1923: Ein Weib, ein Tier, ein Diamant 1924: Horrido 1924: Das Geschöpf 1924: Die Bacchantin 1924: Dr. Wislizenus 1925: Pension Groonen 1925: Ein Sommernachtstraum 1925: Ein Walzer von Strauß 1925: Eine Minute vor Zwölf 1926: Die Brandstifter Europas 1926: Der lachende Ehemann 1926: Ledige Töchter 1926: Wien – Berlin 1927: Der Himmel auf Erden 1927: Liebesreigen 1927: Eine kleine Freundin braucht jeder Mann 1928: Der alte Fritz, 1. Teil: Friede 1928: Wer das Scheiden hat erfunden 1928: Die Dame und ihr Chauffeur 1928: Die beiden Seehunde 1928: Gaunerliebchen 1929: Die Nacht gehört uns 1930: Wien, du Stadt der Lieder 1930: Die zärtlichen Verwandten 1930: Nur Du 1930: Flachsmann als Erzieher 1931: Weib im Dschungel 1931: Die Firma heiratet 1931: Voruntersuchung 1931: Wenn die Soldaten… 1931: Elisabeth von Österreich 1931: Arm wie eine Kirchenmaus 1932: Chauffeur Antoinette 1932: Zwei himmelblaue Augen 1932: Rasputin, Dämon der Frauen 1932: Wenn dem Esel zu wohl ist... 1932: Das Millionentestament 1932: Goldblondes Mädchen, ich schenk Dir mein Herz 1932: Gräfin Mariza 1932: Liebe, Scherz und Ernst 1933: Ein Lied geht um die Welt 1933: Drei blaue Jungs – ein blondes Mädel 1933: Zwei im Sonnenschein 1933: Maid Happy 1934: My Song Goes Round the World 1936: Fünf Personen suchen Anschluß (Kurzfilm) 1938: Wie einst im Mai 1939: Anton der Letzte 1940: Blonde Frau übern kurzen Weg (Kurzfilm) 1950: Maharadscha wider Willen 1950: Familie Benthin 1952: Mein Herz darfst Du nicht fragen 1953: Das tanzende Herz 1954: Die Mücke 1955: Der 20. Juli 1955: Peter Schlemihl (Fernsehfilm) 1965: Es geschah in Berlin – Trickbetrüger Tubatzki (Fernsehserie) 1967: Till, der Junge von nebenan (Fernsehserie, 1 Folge)
Hörspiele 1949: Bruno Wellenkamp: Der Mann, der den Kuchen holen wollte (Fräulein Berg) – Regie: Gerd Beermann (SWF) 1949: André Birabeau: Verzeih, ich habe mich verspätet – Regie: Theodor Steiner (HR) 1961: Thierry: Pension Spreewitz (Die böse Frau Nadler, Folge 85) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)
Tonträger Von Ander gibt es lediglich 3 Titel auf Schellackplatten: Der Onkel aus Amerika, Man braucht kein Geld und Was nützt mir denn die allerschönste Landschaft, u. a. mit Fritz Fischer, aus dem Film Man braucht kein Geld, Musik: Willy Rosen. Aufgenommen am 29. August 1932, veröffentlicht auf Odeon O-11 702 und O-11 703. Es begleitet das Dajos-Béla-Tanz-Orchester.GHT-WEB BASE
Literatur Ander, Charlotte. In: Kürschners biographisches Theater-Handbuch. de Gruyter, Berlin 1956, S. 11 Frank-Burkhard Habel, Volker Wachter: Das große Lexikon der DDR-Stars. Die Schauspieler aus Film und Fernsehen. Erweiterte Neuausgabe. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002, ISBN 3-89602-391-8. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A – C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 94. Kay Weniger: ‘Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …’. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 621 f.
Weblinks
Charlotte Ander bei www.cyranos.ch auf film-zeit.de
Einzelnachweise
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