mini|Gerhard Goßmann (links) und Werner Klemke, 1986

Gerhard Goßmann (* 1. November 1912 in Guben; † 25. Juli 1994 in Bad Saarow-Pieskow) war ein deutscher Graphiker und Illustrator. Er wurde insbesondere durch seine Illustrationen von Abenteuer- und Jugendbüchern bekannt.

Leben mini|Denkmal für Gerhard Goßmann (1912–1994) – Statue von Robert Metzkes, 2009, in Fürstenwalde/Spree mini|Tafel zum Denkmal Gerhard Goßmanns von Robert Metzkes Goßmann wuchs ab 1917 in Fürstenwalde/Spree auf. Zwischen 1928 und 1932 absolvierte er eine Lehre als Schrift- und Chromolithograph in Berlin und besuchte im Abendstudium Zeichenkurse an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Charlottenburg.Marcus Kenzler: Der Blick in die andere Welt – Einflüsse Lateinamerikas auf die Bildende Kunst der DDR. LIT, Juli 2012, Seite 786 Von 1932 bis 1935 studierte er an der Höheren Graphischen Fachschule Berlin. Seit 1935 widmete er sich der Buchgestaltung, unter anderem für die Verleger Rowohlt und Kiepenheuer. Bekannt wurden seine Umschlagillustrationen für die deutsche Ausgabe des Erfolgsromans Vom Winde verweht. Während des Zweiten Weltkriegs war er als Soldat in Skandinavien stationiert.

Ab 1945 arbeitete er zunächst als Lehrer für Kunsterziehung, ab 1955 als freischaffender Graphiker. Insbesondere durch seine detailgenauen, doch lebendigen, phantasie- und stimmungsvollen Illustrationen sowohl von klassischen Jugend- und Abenteuerbüchern der Reihe Spannend erzählt als auch von Klassikern der Weltliteratur wurde er einem breiten Publikum bekannt. Der Künstler verwendete zumeist die Federzeichnung, beherrschte aber auch die Lithographie und die Radierung, später wandte er sich mehr der Malerei zu. Er illustrierte an die 250 Werke der Weltliteratur. 1968 schuf Goßmann in Zusammenarbeit mit der Meißner Porzellanmanufaktur die Maxim-Gorki-Stele in Bad Saarow. Beidseitig sind 384 Fliesen unter dem Motiv Lied vom Sturmvogel angebracht. Das Poem hatte Maxim Gorki 1901 nach einer Studentendemonstration in Sankt Petersburg, die durch das brutale Eingreifen der Polizei in einem Massaker endete, verfasst. Die Stele steht vor der Maxim Gorki Schule in der Pieskower Straße 31 und wurde 2013 in die Liste der Baudenkmale aufgenommen.Bettina Winkler:

Goßmann war Mitglied und ab 1977 Ehrenmitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Er hatte in der Zeit der DDR eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. 1956 in München und Berlin an der Gesamtdeutschen Graphikausstellung Ein Bekenntnis zum Leben und 1958/1959, 1962/1963 und von 1972 bis 1983 an der Vierten und Fünften Deutschen Kunstausstellung und der V II. bis IX. Kunstausstellung der DDR in Dresden. Im Stadtmuseum Fürstenwalde ist dem Künstler seit 1991 eine Sonderausstellung gewidmet. Seine im Jahr 2002 aus dem Nachlass herausgegebene Autobiographie erschien unter dem Titel Geboren 1912. In der Fußgängerzone Am Markt steht seit 2009 ein Bronze-Denkmal von Robert Metzkes.

Die Stadt Fürstenwalde unterhält ein Gerhard Gossmann-Archiv, dem 2013 u. a. ein Konvolut aus 574 Kunstwerken, Zeichnungen, Grafiken, Radierungen, Tafelbildern, Illustrationen in Büchern, Aquarelle und Mischtechniken auf Papier, zugeordnet wurde. Ein umfangreiches Depositum künstlerischer Arbeiten Goßmanns befinden sich in der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin.

Ehrungen 1960: Kunstpreis des Bezirks Frankfurt/Oder für Buchillustrationen 1972: Vaterländischer Verdienstorden in Bronze 1977: Heinrich-von Kleist-Kunstpreis des Rates der StadtNach anderen Angaben des Bezirks. Frankfurt/Oder (erster Preisträger neben Wieland Förster) 1979: Vaterländischer Verdienstorden in Silber 1982: Nationalpreis der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur 1986: Käthe-Kollwitz-Preis mehrfach Auszeichnung seiner Bücher als Schönste Bücher der DDR Ehrenbürgerschaft der Stadt Fürstenwalde (postum) die Gerhard-Goßmann-Grundschule in Fürstenwalde trägt seinen Namen

Werkbeispiele Siehe auch Bildindex der Kunst & Architektur

Buchillustrationen Anton Mayer / Pseudonym Johannes Reinwaldt: Walther von der Vogelweide. Ein Minnesänger-Roman. Berlin: Volksverband der Bücherfreunde 1935 Margaret Mitchell: Vom Winde verweht. Hamburg: Verlag Henry Goverts 1937 (u.ö.) E. T. A. Hoffmann: Knarrpanti. Berlin: Verlag Das neue Berlin 1952 (u.ö.) James Fenimore Cooper: Der letzte Mohikaner. Berlin: Verlag Neues Leben 1954 Die Wunderblume. Märchen aus der Sowjetunion. Berlin: Verlag Kultur und Fortschritt 1955 James Fenimore Cooper: Pfadfinder. Berlin: Verlag Neues Leben, 1955 Daniel Defoe: Robinson Crusoe. Berlin: Verlag Neues Leben 1957 (u.ö.) Die Zauberkappe. Georgische Märchen. Berlin: Verlag Kultur und Fortschritt 1957 Miguel de Cervantes: Don Quijote. Berlin: Kinderbuchverlag 1959 Wilhelm Hauff: Die schönsten Märchen von Wilhelm Hauff. Verlag Neues Leben, Berlin, 1961 Charles Dickens: David Copperfield. Berlin: Verlag neues Leben 1960 Jules Verne: Keraban, der Starrkopf. Verlag Neues Leben, Berlin, 1967 James Fenimore Cooper: Wildtöter. Berlin: Verlag Neues Leben 1969 ff. (Spätere Lizenzausgaben im Heyne-Verlag) Walter Krämer: Wunder der Welt. Urania-Verlag, Leipzig – Jena – Berlin, 1971 Kurt David: Der Bär mit dem Vogel auf dem Kopf. Geschichten und Bilder aus der Mongolei. Der Kinderbuchverlag Berlin, 1977 Karl Wilhelm Salice-Contessa: Fantasiestücke eines Serapionsbruders. Berlin: Unionsverlag 1977 Götz Richter: Tropengewitter. Der Kinderbuch-Verlag, Berlin, 1980 Günter Alder (Hrsg.): Er war mein Freund, mein Kampfgefährte. Lyrik aus dem vaterländischen Krieg. Militärverlag, Berlin, 1987 Gossmanns Kindereien und lustige Gedichte. Berlin: Kinderbuchverlag 1988 Gustav Schwab: Griechische Heldensagen. Berlin: Altberliner Verlag 1989

Postume Einzelausstellungen (unvollständig)

2012 Fürstenwalde, Haus Brandenburg (Werke aus der Privatsammlung von Hans-Dieter Winkler, Chorin) 2012 Fürstenwalde, Kunstgalerie Fischmühle („Bilder für Bücher“) 2013 Chorin, Abthaus des Klosters Chorin („Gerhard Goßmann zum 100. Geburtstag“)

Literatur (Auswahl)

Eberhard Hölscher: Eberhard Gossmann. In: Gebrauchsgraphik, Jg. 11 (1934), Heft 5, S. 14–19 (Digitalisat). Günter Hess: Erlebte Wirklichkeit und gestaltete Phantasie: vom vielseitigen Schaffen Gerhard Goßmanns. In: Bildende Kunst, Berlin; 1960, 464–469. Ursula Vogel: Angeregt von Gogols Werk: zu neueren Arbeiten von Gerhard Gossmann. In: Bildende Kunst, Berlin; 1970, S. 315–320.

Ralf Parkner: Erinnerungen eines Sammlers an Gerhard Goßmann. In: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. Wiesbaden; 3/2001, S. 60–68 Saur. Allgemeines Künstlerlexikon. Band 59, 2008, S. 191/192 Goßmann, Gerhard. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin, 2010, S. 269/270.

Weblinks

Gerhard Gossmann - Suche arthistoricum https://www.gerhard-gossmann.de/

Einzelnachweise

Kategorie:Grafiker (Deutschland) Kategorie:Illustrator (Deutschland) Kategorie:Buchgestalter (Deutschland) Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur Kategorie:Träger des Vaterländischen Verdienstordens in Silber Kategorie:Ehrenbürger im Landkreis Oder-Spree Kategorie:Person (Fürstenwalde/Spree) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 1994 Kategorie:Mann