mini|270px|Langenhessen

Langenhessen ist ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Werdau im sächsischen Landkreis Zwickau. Die ehemalige Landgemeinde wurde am 1. Januar 1997 nach Werdau eingemeindet. Der Ortsteil hat den Status einer Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung und damit gemäß seiner Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.

Geografie Lage Langenhessen liegt im Tal der Pleiße, zwischen der Stadt Werdau und der Gemeinde Neukirchen, im Erzgebirgsvorland und im Westen des Erzgebirgsbeckens. Nordwestlich des Orts befindet sich die Talsperre Koberbach.

Nachbarorte

Geschichte Urkundlich wurde der Ort erstmals im Jahr 1270 als „Hessen“Werner Querfeld: Die ältesten schriftlichen Erwähnungen der Orte des Kreises Werdau, in: Regionalgeschichtliche Beiträge aus dem Bezirk Karl-Marx-Stadt, Heft 3, Karl-Marx-Stadt 1981, S. 74. erwähnt, 1551 als Langenhessen. Die Mehrzahl der ersten Ansiedler an dieser Stelle sind demnach aus dem Lande Hessen gekommen, wahrscheinlich vom Westhang der unwirtlichen Hohen Rhön. Aber auch aus dem Ostgebiet der Franken und aus Bayern gab es Ansiedler. Der Ort gehörte zur Zeit seiner Gründung den Vögten von Weida. Heinrich von Weida schenkte ihn mitsamt den Kircheneinkünften der Kartause Martinstal bei Crimmitschau. Die Besiedlung erfolgte in mehreren Wellen. Die Bauerngüter wurden als sogenannte Waldhufen zu beiden Seiten der Pleiße angelegt.

Langenhessen litt in den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts und in den ersten Jahren des 17. Jahrhunderts wiederholt an Pestepidemien, besonders im Jahr 1633. Auch der Dreißigjährige Krieg ging nicht spurlos vorüber. Im Jahre 1633 zog Wallenstein von Zwickau aus den Schweden entgegen, wobei auch Langenhessen viel Leid erlitt. Außerdem war Langenhessen um 1659 von der Hexenverfolgung betroffen. Anna, Frau von Bernhard Seidel, geriet in einen Hexenprozess.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 633f.

Die Haupterwerbszweige des Ortes waren anfangs die Landwirtschaft und ländliches Handwerk. Mit Beginn der Industrialisierung fanden viele Leute in den neu gegründeten Textil- und Holzbearbeitungsbetrieben Arbeit. Die Grundherrschaft über Langenhessen lag bis ins 19. Jahrhundert anteilig bei mehreren Rittergütern und Kirchen. Ein Teil unterstand als Amtsdorf direkt dem Amt Zwickau. Langenhessen gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Zwickau.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 64 f. 1856 wurde Langenhessen dem Gerichtsamt Werdau und 1875 der Amtshauptmannschaft Zwickau angegliedert. Im Jahr 1920 wurde Langenhessen der Amtshauptmannschaft Werdau zugeordnet. Durch die Auflösung der Amtshauptmannschaft Werdau kam die Gemeinde Langenhessen im Jahr 1933 wieder an die Amtshauptmannschaft Zwickau, die ab 1939 Landkreis Zwickau genannt wurde.

Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Gemeinde Langenhessen im Jahr 1952 zum Kreis Werdau im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Werdau fortgeführt wurde und 1994 im Landkreis Zwickauer Land, mit Sitz des Landrates in der Großen Kreisstadt Werdau, aufging. Am 1. Januar 1997 wurde Langenhessen in die Große Kreisstadt Werdau, Kreis Werdau eingemeindet.

Nach der Wiedervereinigung mussten auch in Langenhessen unter anderem vier Textilbetriebe, ein Mühlenbau, ein Sägewerk und kleinere Firmen schließen. Gleichzeitig entstand 1995 entlang der Crimmitschauer Straße ein großes Gewerbegebiet für sich neu ansiedelndes Gewerbe. 1991 eröffnete das bis heute bestehende Autokino und 1998 das Koberbachzentrum. In die ehemalige Schule zog 2010 der Kindergarten ein.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl:

1818 bis 1948 1818: 809 1830: 980 1861: 1.152 1885: 1.449 1890: 1.821 1905: 2.269 1938: 2.778 1942: 2.800 1945: 3.105 1948: 3.200 1949 bis 1994 1951: 3.400 1965: 2.814 1971: 2.693 1974: 2.599 1981: 2.326 1985: 2.208 1987: 2.148 1991: 1.887 1993: 1.900 1994: 1.886 1995 bis 2004 1995: 2.021 1996: 2.022 1997: 2.053 1998: 2.078 1999: 2.061 2000: 2.033 2001: 2.031 2002: 2.006 2003: 1.980 2004: 1.983 2005 bis 2014 2005: 1.947 2006: 1.928 2007: 1.915 2008: 1.873 2009: 1.844 2010: 1.782 2011: 1.738 2012: 1.742 2013: 1.726 2014: 1.698 2015 bis 2024 2015: 1.717 2016: 1.673 2017: 1.666 2018: 1.668 2024: 1.600 Datenquelle: Chronik der Gemeinde Langenhessen

Sehenswürdigkeiten

Kirche mini|180px|links|Die Kirche St. Johannis in Langenhessen mini|270px|Innenraum der Kirche, geschmückt zum Erntedankfest

Die Kirche St. Johannis in Langenhessen ist eine im Kern romanische Saalkirche mit wertvollem gotischem Schnitzaltar. Nach einer alten Sage soll der älteste Teil der Kirche eine Johannes, dem Täufer geweihte Wallfahrtskapelle gewesen sein. Seit der Reformation 1517 ist sie die evangelische Pfarrkirche von Langenhessen.

Koberbachtalsperre Nordwestlich, an der Grenze zu Langenbernsdorf liegt die Talsperre Koberbach. Ab 1926 als Brauchwassertalsperre gebaut, dient sie heute dem Hochwasserschutz und bietet viele Möglichkeiten zur Erholung als Badesee, mit einem Freibad, Camping und Autokino.

Eisenbahnviadukt Ein verkehrsgeschichtliches Denkmal ist das Langenhessener Eisenbahnviadukt der Bahnstrecke Leipzig–Hof. Es wurde 1842 bis 1845 zweigleisig mit 171,31 Meter langer Gewölbereihe errichtet.

Persönlichkeiten

In Langenhessen geborene Persönlichkeiten Gotthard Schuster (1674–1761), evangelischer Theologe und Kirchenlieddichter Siegfried Leberecht Crusius (1738–1824), Buchhändler und Verleger Alfred Tröger (1898–1974), Maler und Grafiker Sören Kristensen (* 1964), Oberbürgermeister von Werdau

Persönlichkeiten, die In Langenhessen leben oder gelebt haben Gudrun Unterstab (1940 – 2020), Keramikerin Ralf Unterstab (* 1937), Keramiker

Literatur Die Ephorie Werdau. In: Neue sächsische Kirchengalerie, Arwed Strauch, Leipzig 1905 Digitalisat, Kapitel: Die Parochie Langenhessen Seite 218 ff. Landratsamt Werdau (Hrsg.): Der Landkreis WERDAU. Wissenswertes aus Vergangenheit und Gegenwart. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1994, ISBN 3-89264-886-7, S. 41–49. Freie Presse vom 21. September 2016 In Langenhessen steckt viel von Hessen und Bayern

Weblinks

Werdaus schöne Ortsteile In: Webauftritt der Stadt Werdau.

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Zwickau Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Zwickau) Kategorie:Gemeindeauflösung 1997 Kategorie:Werdau Kategorie:Waldhufendorf