Diese Übersicht zu Frauen in der Politik sammelt bekannte Politikerinnen, die ein politisches Amt innehaben oder innehatten. In demokratisch organisierten Gesellschaften setzt dies das passive Wahlrecht voraus (vergleiche Frauenwahlrecht).

Zur politischen Beteiligung und Teilhabe von Frauen (empowerment) gibt es zwei weltweite Indizes (Kennzahlen): Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) berechnet den Gender Inequality Index (GII) zur „geschlechtsspezifischen Ungleichheit“, bei dem einer der fünf Indikatoren den Anteil an weiblichen Parlamentssitzen betrifft (siehe Liste mit 193 Ländern). Das Weltwirtschaftsforum berechnet jährlich den Global Gender Gap Index (GGGI) zum Gender-Gap bei der Gleichstellung der Geschlechter, bei dem drei Indikatoren political empowerment bemessen: die Anteile der Parlamentarierinnen und der Ministerinnen und die Amtsjahre von Staatschefinnen in den letzten 50 Jahren.

Die folgende Kurzliste vergleicht die drei D-A-CH-LänderEinzelwerte der drei D-A-CH-Länder: Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP): Germany, In: hdr.undp.org. Stand Oktober 2019; alle abgerufen am 17. Februar 2020 (englisch; Übersicht aller 189 UN-Länder). mit dem 2018 führenden Land Ruanda und dem Weltdurchschnitt (ø) sowie den Einzelergebnissen des GGGI 2020:UNDP: Share of seats in parliament (% held by women) In: hdr.UNDP.org. Stand: 11. April 2019, abgerufen am 17. Februar 2020 (englisch).World Economic Forum: The Global Gender Gap Report 2020. Cologny/Genf, 17. Dezember 2019, ISBN 978-2-940631-03-2, S. 75: Austria, S. 169: Germany, S. 299: Rwanda sowie S. 325: Switzerland (englisch; PDF: 25 MB, 371 Seiten auf weforum.org; interaktiver Data-Explorer).

Land Parlamentssitze  (GII 2018) Politische Teilhabe  (GGGI 2020) 👩 % # (+/−) 2017 2010 1995 👩 % Ministerin Chefin P-Index # Ruanda 55,7 % 1 (0) 55,7 % 50,9 % 17,1 % 61,3 % 51,9 % 0,7 Jahre 0,563 4 Österreich 34,8 % 29 (+2) 33,6 % 28,3 % 24,7 % 37,2 % 38,5 % 0,6 Jahre 0,344 30 Deutschland 31,5 % 42 (−4) 31,5 % 31,7 % 25,5 % 30,9 % 40,0 % 14,1 Jahre 0,477 12 Schweiz 29,3 % 51 (−5) 29,3 % 27,6 % 20,3 % 32,5 % 42,9 % 7,0 Jahre 0,407 19 weltweit ø 22,1 % 92 (−7) 21,4 % 17,9 % 10,6 % 23,0 % 20,1 % 8,0 Jahre 0,239 53

Deutschland Überblick ab 1918

mini|links|Weibliche Stadtverordnete in Berlin, 1919: Martha Hoppe, Helene Schmitz, Martha Wygodzinski, Martha Shiroa, Liesbeth Riedger, Anna Kulicke

Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde im November 1918 vom Rat der Volksbeauftragten beschlossen, erstmals Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu verleihen. Wahlberechtigt waren nach der Verordnung alle deutschen Frauen, die am Wahltag das 20. Lebensjahr vollendet hatten. Am 19. Januar 1919 wurde die Weimarer Nationalversammlung in allgemeinen Wahlen gewählt, darunter erstmals ein Frauenanteil von 8,7 % (37 von 421 Sitzen). In den folgenden sechs Wahlperioden pendelte sich der Anteil um etwa 6 % ein (siehe auch Liste der Frauen in den Landtagen der Weimarer Republik). Nach der Reichstagswahl März 1933, die auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten folgte, sank der Frauenanteil auf nicht ganz 4 %.Mechtild Fülles: Frauen in Partei und Parlament. Verlag für Wissenschaft und Politik, Köln 1969, S. ??. Noch vor der ersten Sitzung wurde die KPD zerschlagen, im Juni die SPD verboten und die restlichen Parteien lösten sich mehr oder weniger selbst auf. Im Juli wurde dann das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien verkündet. Somit gab es zur Reichstagswahl November 1933 nur noch die Einheitsliste der NSDAP. Und diese hatte schon am 21. Januar 1921 beschlossen, dass Frauen weder Mitglieder der Parteiführung noch eines leitenden Ausschusses werden können.Elisabeth Perchinig: Zur Einübung von Weiblichkeit im Terrorzusammenhang: Mädchenadoleszenz in der NS-Gesellschaft. Doktorarbeit Universität Salzburg 1988. Profil, München 1996, ISBN 978-3-89019-382-3, S. 45. Damit hatten die Frauen indirekt bis 1945 das passive Wahlrecht verloren, was sich vor allem in einer radikalen Re-Maskulinisierung der Politik auswirkte (siehe Frauen im Nationalsozialismus).Kirsten Heinsohn: Konservative Parteien in Deutschland 1912 bis 1933: Demokratisierung und Partizipation in geschlechterhistorischer Perspektive (= Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 155). Doktorarbeit Universität Hamburg 2006. Droste, Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-7700-5295-0, S. 255.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Deutschland politisch neu aufgebaut werden. 1948 wurde der Parlamentarische Rat einberufen, um eine neue Verfassung auszuarbeiten. Unter den 65 Abgeordneten waren 4 Frauen, die sogenannten Mütter des Grundgesetzes: Friederike Nadig (SPD), Elisabeth Selbert (SPD), Helene Weber (CDU) und Helene Wessel (Zentrum).Daten-Übersicht: Frauenwahlrecht – Bundestagswahl 2017. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Dezember 2017, abgerufen am 8. Dezember 2019. Auf Kommunalebene war Luise Albertz (SPD) in Oberhausen mit Amtszeiten von 1946 bis 1948 und von 1956 bis 1979 die erste Oberbürgermeisterin einer deutschen Großstadt.

Minna Faßhauer war vom 10. November 1918 bis zum 22. Februar 1919 in der „Sozialistischen Republik Braunschweig“ Volkskommissarin für Volksbildung und gilt damit als erste deutsche Ministerin. 1953 wurde Hilde Benjamin Justizministerin der Deutschen Demokratischen Republik. 1961 wurde Elisabeth Schwarzhaupt (CDU) die erste Bundesministerin in der Bundesrepublik Deutschland.

Wie die Politikerin Liselotte Funcke in einem Interview mit der taz berichtete, wurde es in Deutschland in „konservativen Kreisen“ noch bis in die 1960er-Jahre hinein als „anstößig“ empfunden, dass sich Frauen auf Wahlplakaten abbilden ließen und sich „zur Schau stellten“.

1972 wurde Annemarie Renger die erste Präsidentin des Deutschen Bundestages. Dieses Amt übte sie bis 1976 aus und war anschließend für vier weitere Wahlperioden (bis 1990) eine der stellvertretenden Bundestagspräsidenten. Von 1988 bis 1998 hatte mit Rita Süssmuth erneut eine Frau das formell zweithöchste Staatsamt in der Bundesrepublik inne. 1990 war Sabine Bergmann-Pohl in ihrer Eigenschaft als Volkskammerpräsidentin letztes Staatsoberhaupt der DDR. Von 2021 bis 2025 war Bärbel Bas (SPD) Bundestagspräsidentin, seit März 2025 hat Julia Klöckner (CDU) das Amt inne.

Von 1993 bis 2005 regierte mit Heide Simonis (SPD) zum ersten Mal eine Frau als Ministerpräsidentin in einem Land der Bundesrepublik Deutschland. Nach der Amtszeit Simonis’ wurde erst 2009 mit Christine Lieberknecht (CDU) eine zweite deutsche Ministerpräsidentin gewählt.

Mit Angela Merkel (CDU) wurde am 22. November 2005 zum ersten Mal eine Frau „Regierungschef“ eines deutschen Gesamtstaates – die weibliche Bezeichnung „Bundeskanzlerin“ war noch nicht bekannt. Durch die Wahl Hannelore Krafts (SPD) zur Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens wurde sie turnusgemäß am 1. November 2010 die erste Präsidentin des deutschen Bundesrates. Eine Bundespräsidentin gab es bisher noch nicht.

Frauenanteile in deutschen Parteien Ende 2024 hatten die im Bundestag vertretenen politischen Parteien mehr als 1,1 Mio. Mitglieder (siehe Mitgliederentwicklungen) mit Frauenanteilen zwischen 45 % bei Bündnis 90/Die Grünen und 20 % bei der FDP. Außer Linke und FDP haben die Parteien im Jahr 2024 ihren bisher höchsten Frauenanteil – die FDP hatte 25 % weibliche Mitglieder im Jahr 1996, die Linken hatte den absoluten Spitzenwert von 46 % Frauen in den Jahren 1997 und 1998:

Jahr AlleRobert Roßmann: Mitgliederzahl der Parteien: Es war nur ein Sommertraum. In: Süddeutsche.de. 29. Juli 2019, abgerufen am 8. Dezember 2019. Grüne Linke SPD CDU FDP CSU AfD 2018 1.225.800 75.311 62.016 437.754 414.905 63.912 138.354 33.516

👩  Frauenanteile der Parteimitglieder  (jeweils zum Jahresende)Daten von 1990 bis 2018 bei Oskar Niedermayer: Parteimitglieder in Deutschland: Version 2019. In: Arbeitshefte aus dem Otto-Stammer-Zentrum. Nr. 30, Freie Universität Berlin 2019, S. 6: Tabelle 1: Entwicklung der Parteimitgliedschaften 1990 bis 2018 und S. 23: Tabelle 17: Anteil der Frauen an den Parteimitgliedern 1990 bis 2018 (PDF: 1,1 MB, 95 Seiten auf fu-berlin.de). Jahr Grüne  Linke   SPD   CDU   CSU   AfD   FDP 202445,1 %40,3 %34,1 %26,6 %22,2 %21,4 %20,2 %202342,5 %37,5 %33,6 %26,5 %22,0 %20,9 %19,8 %202242,4 %36,9 %33,3 %26,5 %21,9 %20,1 %19,8 %202142,3 %36,8 %33,1 %26,6 %21,6 %18,7 %20,1 %202041,7 %36,6 %33,0 %26,6 %21,5 %18,1 %21,1 %201941,0 %36,4 %32,8 %26,5 %21,3 %17,8 %21,6 % 2018 40,5 % 36,4 % 32,6 % 26,3 % 20,7 % 17,1 % 21,6 % 2017 39,8 % 36,5 % 32,5 % 26,2 % 20,5 % 17,0 % 21,9 % 2016 39,0 % 36,9 % 32,2 % 26,1 % 20,3 % 16,0 % 22,6 % 2015 38,6 % 37,2 % 32,0 % 25,9 % 20,1 % 16,0 % 22,8 % 2014 38,5 % 37,5 % 31,8 % 25,8 % 20,0 % 23,0 % 2013 38,2 % 37,3 % 31,6 % 25,7 % 19,9 % 15,4 % 23,0 % 2012 37,8 % 37,7 % 31,5 % 25,6 % 19,5 % 23,0 % 2011 37,3 % 37,3 % 31,3 % 25,6 % 19,3 % 23,0 % 2010 37,1 % 37,3 % 31,3 % 25,6 % 19,1 % 22,8 % 2009 37,4 % 37,2 % 31,2 % 25,5 % 18,9 % 22,6 % 2008 37,4 % 37,6 % 31,1 % 25,5 % 18,9 % 22,8 % 2007 37,4 % 39,1 % 30,9 % 25,4 % 18,8 % 22,8 % 2006 37,1 % 44,4 % 30,7 % 25,3 % 18,4 % 23,0 % 2005 37,1 % 44,9 % 30,4 % 25,3 % 18,2 % 23,2 % 2004 37,0 % 45,8 % 30,2 % 25,2 % 17,9 % 23,4 % 2003 37,0 % 45,2 % 29,9 % 25,2 % 17,9 % 23,4 % 2002 37,2 % 45,8 % 29,7 % 25,1 % 17,7 % 23,6 % 2001 37,4 % 45,7 % 29,5 % 25,2 % 17,6 % 24,2 % 2000 45,6 % 29,4 % 25,2 % 17,4 % 24,4 % 1999 36,2 % 45,3 % 29,1 % 25,1 % 24,6 % 1998 35,9 % 46,0 % 28,9 % 25,0 % 24,8 % 1997 46,1 % 28,7 % 24,9 % 16,7 % 24,8 % 1996 28,5 % 24,9 % 25,0 % 1995 28,3 % 24,9 % 1994 45,4 % 28,0 % 24,9 % 15,8 % 1993 27,9 % 25,0 % 15,7 % 1992 27,6 % 25,2 % 15,6 % 1991 43,9 % 27,4 % 25,6 % 15,4 % 1990 27,3 % 15,3 % Jahr Grüne Linke SPD CDU CSU AfD FDP

CDU/CSU 1995 wurde auf dem 7. Bundesparteitag der CDU ein Frauenquorum vorgeschlagen, aber abgelehnt. Im Folgejahr wurde erneut abgestimmt, wobei eine Mehrheit für eine versuchsweise auf fünf Jahre befristete Einführung des Quorums erreicht wurde. Auf dem 14. Bundesparteitag 2001 wurde dann über das Frauenquorum abgestimmt und seine unbefristete Einführung beschlossen.

Im Oktober 2010 beschloss schließlich auch die Schwesterpartei CSU eine Frauenquote. Ab 2011 sind mindestens 40 % der Positionen im Parteivorstand und in Bezirksvorständen mit Frauen zu besetzen.Meldung: In: Tagesschau.de. 30. Oktober 2010, abgerufen am 8. Dezember 2019.

Bündnis 90/Die Grünen Auf der außerordentlichen Bundesversammlung in Hannover 1986 beschlossen Die Grünen in der Satzung „Frauenparität für Ämter und Wahllisten“ und führten damit eine Quote ein. Auf dem Parteitag in Köln 1994 verabschiedeten Bündnis 90/Die Grünen ein Frauenstatut mit Satzungsrang, in dem weitere Regelungen erfolgten.Listung: In: Boell.de. 8. August 2008, abgerufen am 8. Dezember 2019. Seit 1986 gilt eine „Mindestquotierung“: Die Besetzung aller ungeraden Plätze erfolgt mit Frauen, die ebenfalls auf geraden Plätzen kandidieren können.Bündnis 90/Die Grünen: Frauenstatut. Stand: 16. November 2019, S. 1 (PDF: 130 kB, 4 Seiten auf gruene.de). Neben der Quotierung von Ämtern und Mandaten regelt das Frauenstatut die paritätische Versammlungsleitung, die Möglichkeit einer Frauenabstimmung mit aufschiebendem Veto auf Versammlung sowie die Einrichtung eines Frauenrats und eines an der Bundesgeschäftsstelle angesiedelten Frauenreferats.

Bundesregierung

Ende 2019 begann Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr 15. Amtsjahr (seit November 2005) mit 7 Frauen von 16 Kabinettsmitgliedern (). Ende 2017 waren von insgesamt 18 Regierungsmitgliedern 9 Frauen (, inkl. Staatsministerinnen).

Bundesministerinnen

Frauen im Bundestag