Pfungen ist eine politische Gemeinde und ein Dorf im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz.

Wappen Blasonierung: Geteilt von Blau und einer gefugten silbernen Zinnenmauer, mit eingeschobener, geschweifter blauer Spitze

Geographie mini|Luftbild von Werner Friedli (1953) Pfungen liegt südlich der Töss, mit dem Dorf Pfungen auf einem Sporn des Multbergs, Hofsiedlungen im Rumstal und den im 19. Jahrhundert entstandenen Industriesiedlungen im Bruni und in der Tössniederung Neu-Pfungen (Vorbruggen).

Bevölkerung

Politik Gemeindepräsidentin ist seit dem 1. Juli 2022 Tamara Schmocker (Forum Pfungen, Stand 2023).Gemeinderat. Website der Gemeinde Pfungen.

Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Pfungen: SVP 36,03 % (−1,79), SP 18,26 % (+4,38), glp 13,07 % (+0,62), FDP 7,81 % (−1,29), Grüne 7,77 % (−3,51), Mitte 6,53 % (+0,87), EVP 4,00 % (−0,42), EDU 1,66 % (−0,98).

Geschichte Mittelalter Pfungen unter Fremdherrschaft

Die ältesten Herrscher über Pfungen waren die Freiherren von Wart. Die erste schriftliche Erwähnung geht auf das Jahr 1322 zurück. Es wird jedoch angenommen, dass sie schon früher die ganze nähere Region beherrschten. Sie besassen Dättlikon, Neftenbach und Pfungen fast vollständig und waren in diesen Ortschaften Herrscher über Boden, Kirche und die niedere Gerichtsbarkeit. In Pfungen genossen sie hohes Ansehen und waren auch oft Friedensstifter. Der Name «Wart» bedeutet «Beobachtungspunkt». Dieser Name ergibt Sinn, weil sich die Burg der Familie von Wart auf einer Erhebung oberhalb des heutigen Wasserkraftwerks in Neftenbach befand. Es handelte sich bei dieser Burg um einen Turm, auf welchem man die ganze Ebene überblicken konnte. Im Laufe der Zeit wurde nebenan ein Wohnhaus gebaut, und der Turm diente nur noch als Gefängnis. Die Freiherren übten nicht nur Macht auf die Dorfbewohner aus, sondern kontrollierten auch die Strasse von Winterthur nach Zurzach. Nach 1327 gab es häufige Besitzerwechsel bei der Herrschaft über Pfungen. Das lässt darauf schliessen, dass diese nicht besonders begehrt war. Ab 1454 kam Pfungen wieder in Familienbesitz. Hans Wellenberg und seine Nachfahren herrschten bis 1524. Hans Steiner gelang es 1524, die Herrschaft über Pfungen und Wülflingen zu kaufen. Er war kein Adeliger und fühlte sich mit seinen Untertanen verbunden. Sechs Jahre später kaufte er ausserdem das Kloster Beerenberg und besass somit ein zusammenhängendes Gebiet. Er zog sich ins ehemalige Kloster zurück und setzte sowohl in Pfungen als auch in Wülflingen Vögte ein, welche in seinem Namen regierten. Die Herrschaft über Pfungen blieb erneut in Familienbesitz.

Gesellschaftsordnung

Die Frage über die Pfungener Gesellschaftsstruktur während des Mittelalters ist nicht eindeutig geklärt. Im Zusammenhang mit den Freiherren von Wart werden «Eigenleute» erwähnt. Eigenleute waren Bauern, welche das dem Grundherren gehörende Land zwar selbstständig bewirtschafteten, jedoch einen grossen Teil ihrer Ernte abgeben mussten. Ausserdem mussten Eigenleute Frondienst leisten. 1479 wurde im ersten geschriebenen Gesetz festgelegt, dass alle Pfungener fünf Tage Frondienst zu leisten haben. Dies deutet darauf hin, dass es keine Eigenleute mehr gab, weil nur freie Bauern den zeitlich beschränkten Frondienst leisten konnten. Die Pfungener mussten während vier Tagen im Sommer und während eines Tages im Winter im Dienste des Grundherren arbeiten. Allgemein stellte der Frondienst eine grosse Belastung für die mittelalterlichen Bauern dar, da sie oft während der Saat- oder Erntezeit zur Arbeit gerufen wurden, in welcher sie auf ihren eigenen Feldern dringend benötigt worden wären. Dazu kam, dass die Pfungener Bürger für ihre Grundstücke Zinsen bezahlen mussten. Diese blieben immer gleich hoch und waren in einem Jahr mit schlechter Ernte kaum zu bezahlen.

Rechtsordnung

Zweimal im Jahr, im Mai und im Oktober, versammelten sich alle Männer, welche über 14 Jahre alt waren und mindestens drei Quadratmeter Land besassen, auf dem Lindenplatz, um bei den öffentlichen Gerichtsverhandlungen dabei zu sein. Die Ältesten des Gerichts erklärten das Gesetz. Es wurde über Generationen mündlich überliefert, es handelt sich somit um Gewohnheitsrecht. Es gab zwölf Richter, welche entweder vom Inhaber der Gerichtsbarkeit direkt bestimmt oder zumindest vorgeschlagen wurden. Zwar mussten die Richter einen Eid ablegen, dass sie sich neutral und gerecht verhalten würden, ob sie sich aber wirklich parteilos mit den Fällen auseinandersetzten, bleibt fragwürdig. Auf dem Dorfplatz wurde nur über Fälle verhandelt, welche in die Kategorie der niederen Gerichtsbarkeit fielen. Beispiele sind Regelverstösse im Wald, auf dem Feld und in Häusern sowie Streitfälle über Abgaben. Es wurden meist Bussen verhängt, welche dann der Inhaber der niederen Gerichtsbarkeit erhielt. Über schwere Verbrechen konnte nur der Inhaber der hohen Gerichtsbarkeit entscheiden. Dies waren ursprünglich die Grafen von Kyburg, dann die Grafen von Habsburg und ab 1452 die Stadt Zürich. In diesen Fällen ging es sowohl um Streitigkeiten zwischen Grundherrscher und Dorfgemeinschaften, Auseinandersetzungen mit Nachbargemeinden als auch um grössere Straffälle von Einzelpersonen (Diebstahl, Raub, Mord, Hexerei, Vergewaltigung usw.). Inhaber der hohen Gerichtsbarkeit konnten über Leibes- und Todesstrafen entscheiden.

Schloss Pfungen

mini|Schloss Pfungen von Johann Jakob Biedermann Das Schloss Pfungen bildete das Ende des Hinterdorfs, des ursprünglichen Dorfkerns Pfungens. Am Schloss gab es nur wenige Umbauten, es blieb bis zum Abbruch 1875 ein mittelalterliches Bauwerk. Die Mauern wurden damals abgetragen, um der Bahn Platz zu machen. Die Steine wurden für den Bau des Bahndamms über das Bachtobel wiederverwendet. Die meisten Gerichtsherren wohnten im Schloss; als jedoch die Stadt Winterthur über Pfungen zu herrschen begann, brauchte es einen Schlosswart, der sich um den Gebäudeunterhalt kümmerte. Der Hof des Schlosses war 31 Meter lang und 21 Meter breit und wurde von einer 90 Zentimeter dicken Mauer umgeben. Der Turm war 10 Meter hoch.

Multburg

Noch heute findet man auf dem Grat des Multbergs zwei Gräben, durch die ein Wanderweg führt. Es handelt sich dabei um Überbleibsel der Multburg. Die Burggräben wurden damals künstlich geschaffen, weil ein Angreifer so nicht direkt ans Tor bzw. an die Mauer der Festung kommen konnte. Es wird angenommen, dass die Multburg 1309 bei einem Rachefeldzug der Habsburger zerstört wurde. Die restlichen Steine wurden wahrscheinlich als Baumaterialien für Pfungener Häuser verwendet. 1953 führte das Schweizerische Landesmuseum Ausgrabungen durch.Heini Steiner: Pfungen. Ortsgeschichte und Heimatbuch. Gemeinde Pfungen, Pfungen 1954.Heini Steiner, Mario Bont: 993 Pfungen 1993. Gemeinde Pfungen, Pfungen 1993.

Kirchen Reformierte Kirche

mini|Hinterdorf mit reformierter Kirche Wann die erste Kirche in Pfungen gebaut wurde, ist nicht bekannt. Bei Grabungsarbeiten im Jahr 1964 wurden verschiedenste Mauerreste gefunden. Man fand heraus, dass die ursprüngliche Kirche immer wieder um- und ausgebaut wurde. Der Pfarrer hatte eine sehr wichtige Rolle im mittelalterlichen Dorfleben. Er vermittelte zwischen der Obrigkeit und den Dorfbewohnern. Auch kümmerte sich der Geistliche um die Armen in der Gemeinde. Er sorgte dafür, dass sie die benötigte finanzielle Unterstützung aus Winterthur bekamen. Die Pfungener Bevölkerung war nie besonders vermögend, denn die Lage der Gemeinde war früher wirtschaftlich ungünstig. Es gab lange und mühsame Zufahrtswege, und die sowieso schon ertragsarmen Äcker waren auch noch relativ schattig. 1523 kam der Beschluss aus Zürich, dass alle Priester zukünftig evangelisch predigen sollten. Der damalige Pfungener Pfarrer, Johannes Müller, war eine kämpferische Persönlichkeit. Man nimmt an, dass er die Pfungener Kirche selbstständig reformierte. Mit der Reformation wurde der Armut der Kampf angesagt. Der Grundgedanke der Reformation war, dass die Armen die Möglichkeit erhalten sollten, ihren Lebensunterhalt selber zu verdienen. Leute, die nicht arbeiten konnten, erhielten Nahrung und falls nötig auch Kleidung und Geld. Als 1770 eine Missernte zu einer grossen Hungersnot führte, organisierte der damalige Pfarrer eine öffentliche Vorratskammer, damit man auf zukünftige Ereignisse besser vorbereitet war. Die reicheren Bürger Pfungens besassen in der Kirche ihren eigenen, reservierten Platz (Kirchenstuhl). Die Stühle verfügten über Arm- und Rückenlehnen und konnten gemietet oder auf Lebenszeit gekauft werden. 1919 wurde der Friedhof an den heutigen Standort (Buckstrasse) verlegt. Vorher wurden die Pfungener vor der Kirche bestattet, dort war jedoch der Platz knapp geworden. 1967 entstand die heutige Kuhn-Orgel, nachdem die Vorgängerorgel aus dem Jahr 1948 an die katholische Kirchgemeinde Pfungen verkauft wurde.

Katholische Kirche mini|Römisch-katholische Kirche St. Pirminius von Pfungen

Die wegen der Arbeitsplätze in der Industrie zugezogenen Katholiken wünschten sich 1896 eine eigene katholische Kirche. Sie stammten aus Deutschland, Italien und den katholischen Gebieten der Schweiz. Die ersten Gottesdienste fanden in einem Fabriksaal der Wollwarenfabrik statt. Ein Pfarrer aus Bülach hielt die Gottesdienste zweisprachig in Deutsch und Italienisch. 1899 erhielten die Pfungener Katholiken ihren ersten eigenen Pfarrer, und es wurde mit dem Kirchenbau angefangen. Im Jahr 1900 gab es in Pfungen 200 Katholiken, dazu kamen im Sommer noch 300 italienische Saisonarbeiter. Die Kirche wurde 1901 fertiggestellt. 2014 hatte die Pfarrei St. Pirminius 2933 Mitglieder. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.Heini Steiner: Pfungen. Ortsgeschichte und Heimatbuch. Gemeinde Pfungen, Pfungen 1954.Katholische Kirche des Kantons Zürich (Hrsg.): Jahresbericht 2014. Zürich 2014, S. 78.

Französische Revolution Die Revolutionsjahre