mini|200px|Logo des Deutschen Fußball- und Cricket Bundes Der Deutsche Fußball- und Cricket Bund (DFuCB) war ein Fußballverband zu Zeiten des Deutschen Reichs mit Sitz in Berlin. Er wurde 1891 von in Berlin lebenden Engländern gegründet und bestand bis 1902. Als Mitglied konnten dem Verband sowohl Fußball- als auch Cricketvereine beitreten. An der Gründungsversammlung nahmen neben den Berliner Vereinen auch Gäste aus Braunschweig, Leipzig, Hannover, Grünberg (Schlesien) und dem damals noch eigenständigen Nieder-Schönweide teil.Allgemeine Sport Zeitung (Wien), 14. Juni 1891, Seite 626, abgerufen auf ANNO – Österreichische Nationalbibliothek.
Geschichte Gründung Der DFuCB wurde am 17./18. Mai 1891 (eingetragen am 19. November 1891)Die Berliner Meisterschaften (1892 – 1900), Libero – deutsche Fußballzeitschrift Nr. 5. IFFHS, Wiesbaden, April – Juni 1990, Seite 19. in Berlin als zweiter deutscher Fußballverband nach dem Bund Deutscher Fußballspieler (BDF) gegründet. Die Gründung erfolgte als Alternative zum BDF, der vor allem auf Betreiben des BFC Germania 1888 keine ausländischen (insbesondere keine britischen) Spieler und Funktionäre zuließ und zudem den Fußball der deutschen Mentalität anpassen wollte. Erster Präsident wurde John Bloch, Vorsitzender des English Football Club und von 1892 bis 1900 Herausgeber und Chefredakteur der Wochenzeitschrift Spiel und Sport (wurde bis 1897 offiziell als amtliches Organ genannt).
Zu den „Rebellen“, die dem BDF aus Protest gegen die Beschränkungen und Ausländerfeindlichkeit schon auf dessen Gründungsversammlung nicht beitraten, kamen bis zur Gründung des DFuCB eine Reihe weiterer interessierter Clubs hinzu. Der neue Verband zählte den English Football ClubDas Gründungsjahr variiert je nach Quelle: Werner 1885, IFFHS 1890. In einem Artikel in Spiel und Sport vom 12. Mai 1894 wird als Gründungsjahr 1891 genannt., BFC Frankfurt 1885, BFC Stern 1889, BTuFC Columbia 1891, Berliner Cricket-Club 1883 und Cricket-Club Excelsior als Mitglied. Danach folgten weitere Vereine wie BFC Concordia 1890, BTuFC Allemannia 1890, BTuFC Viktoria 1889, Nieder-Schönweider Cricket-Club und BFC Teutonia 1891. Concordia und Teutonia waren zuvor Mitglied des BDF und wechselten 1891 den Verband.Hans-Peter Hock: Der Dresden Football Club und die Anfänge des Fußballs in Europa. Arete Verlag, Hildesheim 2016, Seite 42. Der English Football Club rekrutierte sich seine Mitglieder aus dem Berliner Cricket Club. Beide Vereine sind durch in Berlin lebende Briten gegründet worden.
Neben Fußball und Cricket wurde in den ersten Jahren auch Leichtathletik ausgeübt. An der Gründungsversammlung fand am 17. Mai Nachmittags ein Fußballspiel arrangiert von den Bundesclubs statt, am 18. Mai Vormittags ein Cricketspiel zwischen Grünberg und Nieder-Schönweide. Beide Spiele wurden auf dem Tempelhofer Feld ausgetragen. Zu der Zeit spielten die meisten Clubs auf dem Tempelhofer Feld (späterer Standort des Flughafens Berlin-Tempelhof) sowie auf dem Exerzierplatz zur einsamen Pappel in der Bernauer Straße (heutiger Standort des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks) – dadurch gab es praktisch keinen Heimvorteil, was auch in den Resultaten zum Ausdruck kam.
Auf dem ersten Bundestag wurde folgender Bundesvorstand gewählt: John Bloch (English FC) – Vorsitzender Ferdinand Wilhelm Fricke (DFV Hannover 1878) – Stellvertreter Bruno Grenzebach (BFC Frankfurt 1885) – 1. Schriftführer R. Wiegand (BTuFC Columbia 1891) – 2. Schriftführer A. Kruse (Berliner Cricket Club 1883) – Kassenwart P. Heyne (BFC Stern 1889) – Beisitzer A. France (CC Nieder-Schönweide) – Beisitzer
Weitere Mitglieder in der Anfangszeit waren der BTuFC vom Jahre 1890, BTuFC Deutschland, BFC Germania 1888, SC Norden-Union Berlin (vormals BFC Norden 1891), BFC Nordstern 1891, BTuFC Normannia, BFC Phönix 1893, BFC Tasmania 1890, Verein Sport Berlin und BFC Vorwärts 1890 (Vorläufer des späteren Bundesligisten Blau-Weiß 90 Berlin). Der Antrag Germanias zur Aufnahme in den DFuCB wurde am 9. März 1892 abgelehnt und erst am 5. Juni 1892, nach dem Ende der ersten Saison, zugestimmt.25 Jahre Deutscher Fußball-Bund. Jahrbuch- und Presse-Ausschuß Deutscher Fußball-Bund, Industrie-Verlag und Druckerei AG, Düsseldorf, Festschrift 1925, Seite 112. Im April 1892 trat der DFV Hannover 78 bei, am 2. Oktober 1893 der FC Hanau 93 und 1896 der Dresden English Football Club.Hans-Peter Hock: Der Dresden Football Club und die Anfänge des Fußballs in Europa. Arete Verlag, Hildesheim 2016, Seite 52. Das genaue Eintrittsdatum des FC Lipsia Leipzig ist nicht überliefert.Sport im Bild (Berlin/Wien), 22. Oktober 1897, Seite 714, abgerufen auf ANNO – Österreichische Nationalbibliothek.
Die Anfangsjahre Bei den Briten war es üblich in den Sommermonaten Cricket (deutsch: Thorball) und in der übrigen Zeit Fußball zu spielen. Diese Einteilung wurde anfangs auch vom DFuCB übernommen. In der Saison 1891/1892 wurde erstmals eine Meisterschaft ausgespielt. Acht Vereine beteiligten sich in der Ersten Klasse daran, sieben weitere Vereine in der Zweiten Klasse. Da es am Saisonende zu einem Punktgleichstand zwischen dem English FC und dem BTuFC Viktoria kam, wurde im Oktober ein Entscheidungsspiel ausgetragen. Dieses Spiel gewann der English FC und wurde somit erster Meister.
Zu einem weiteren Entscheidungsspiel kam es zwischen den Meistern der beiden bestehenden Verbände, dem BDF 1891 und dem DFuCB, welches der BFC Germania mit 3:1 gegen den English FC gewann.Henry Werner: Fußball in Berlin: Spieler – Vereine – Emotionen 1880 bis heute, Elsengold Verlag 2016, Seite 19, 167. Die Meisterschaft im Cricket wurde ebenfalls erst in einem Entscheidungsspiel entschieden, der Berliner CC schlug den BTuFC Viktoria. An der Bundesversammlung 1892 verlor sowohl der English FC als auch die Bundesauswahl gegen den Dresden English Football Club, in einem später ausgetragenen Spiel gegen die SpVgg im ATV Leipzig blieb die Bundesauswahl erfolgreich.
In der Saison 1892/93 nahmen elf Clubs an der Meisterschaft teil, die in einer Klasse ausgespielt wurde und der BTuFC Viktoria punktgleich als Meister vor dem BFC Germania beendete. Der Bundesvorstand plante danach noch ein Entscheidungsspiel des Berliner Meisters BTuFC Viktoria gegen den DFV Hannover 78 austragen zu lassen. Da dieser in den letzten Monaten aber vermehrt Rugby spielte, verzichtete Hannover auf das Spiel. Am 26. Februar 1893 kamen erstmals Tornetze beim Spiel English FC gegen den BFC Allemannia zum Einsatz. Im Cricket wurde der Berliner CC zum zweiten Mal Meister.
Ab 1893 traten erstmals die aus der Zeit des BDF bekannten Spannungen auf. Die Vereine BFC Germania und BFC Frankfurt versuchten durch antisemitische Äußerungen Stimmung gegen den Vorsitzenden John Bloch und den English FC zu machen. Am 7. März 1894 trat der English FC aufgrund der zunehmenden anti-englischen Haltung in einigen Vereinen im nationalistischer werdenden Deutschen Reich aus dem DFuCB aus. Gleichzeitig kam es noch zum Rückzug Blochs als Bundesvorsitzender.Hans-Peter Hock: Der Dresden Football Club und die Anfänge des Fußballs in Europa. Arete Verlag, Hildesheim 2016, Seite 47.
Einige Mitglieder wechselten daraufhin zum Berliner Cricket Club. Am 22. Januar 1894 war bereits der BFC Frankfurt aus dem Verband ausgetreten, durfte aber weiterhin noch als Gast an den Verbandssitzungen teilnehmen, bevor er am 13. Mai 1894 endgültig ausgeschlossen wurde (der Verein ist Mitbegründer des im November 1894 entstandenen Allgemeinen Deutschen Sport Bunds). Der Grund hierfür war, der Antrag auf ein Wiederholungsspiel wegen eines Fehlers des Schiedsrichters wurde vom Vorstand abgelehnt. Die Erste Klasse 1893/94 startete mit sechs Vereinen, wovon zwei während der Saison austraten. Meister wurde zum zweiten Mal der BTuFC Viktoria, wieder vor dem BFC Germania.
In der Zweiten Klasse wurden die Frage nach der Meisterschaft erst auf dem ordentlichen Bundestag nach Ende der Saison entschieden. Im Sommer trat der BFC Phönix aus dem Verband aus. Damit zogen sich auch gleichzeitig Funktionäre und Förderer des Fußballs aus dem jungen Verband zurück, die Verbandssitzungen wurden nur von wenigen Vertretern der Mitgliedsvereine besucht, sodass ständig neue Besetzungen von Vorstandspositionen die Folge waren. Der Berliner CC gewann in diesem Jahr das dritte Mal in Folge die Cricket-Meisterschaft.
Auf dem Höhepunkt Vom Verband waren noch zwei Spiele um die Bundesmeisterschaft in Berlin geplant, bei denen der Sieger der Berliner Meisterschaft gegen die Vereine DFV Hannover 78 und FC Hanau 93 spielen sollte. Hannover erklärte sofort seinen Verzicht. An der Bundesversammlung vom 30. April 1894 teilte der FC Hanau schriftlich mit, er überlässt dem Vorstand die Bestimmung des Wettspiels gegen Viktoria, verbunden mit der Bitte, dies in Hanau stattfinden zu lassen. Der Bundesvorstand entschied darauf, das Spiel werde demzufolge nicht ausgetragen. Danach teilte Hanau mit, doch auf dieses Spiel zu bestehen. Dadurch veranlasst gab der Bundesvorstand seinen Beschluss wieder auf und setzte das Spiel auf den ersten Pfingstfeiertag in Berlin an. Später erklärte Hanau aus wirtschaftlichen Gründen seinen Verzicht.Im Sommer 2007 kam es zu einer symbolischen, um 113 Jahre verspäteten Neuaustragung mit Hin- und Rückspiel. Das Hinspiel in Hanau endete 3:0 für Viktoria, das Rückspiel in Berlin 1:1.
1894 war die Zusammenarbeit mit der in Baden-Baden ansässigen Süddeutschen Fußball-Union (SDFU) verstärkt worden. Die Vorstandsmitglieder Bruno Grenzebach und Georg Leux traten auch in den Vorstand der SDFU ein. Zum Jahreswechsel 1894/1895 unternahm die Bundesmannschaft, bestehend aus 12 Spielern und mehreren Begleitern, erstmals eine Tour nach Süddeutschland und trug dort vier Spiele aus (gegen Hanau 14:0, Karlsruhe 5:1 und 6:0, Frankfurt 9:0). Die Spielkleidung wurde von der Sportartikelfirma Steidel gestiftet. Es fehlten allerdings die Spieler von Viktoria, da zu dieser Zeit bereits ein Privatspiel in Dresden vereinbart war. Der vorgesehene Anschluss der Süddeutschen kam aber letztendlich auf Grund von überzogenen Forderungen seitens der Berliner nicht zustande.
In der Meisterschaft 1894/95 spielten je sieben Vereine in der Ersten und Zweiten Klasse. Meister wurde zum dritten Mal in Folge der BTuFC Viktoria, diesmal vor dem BTuFC Allemannia. Über die diesjährige Cricket-Meisterschaft liegen keine Ergebnisse vor. Nachdem der DFuCB durch die Auflösung des BDF kurzzeitig der einzige Fußballverband in Berlin war, existierte mit dem Thor- und Fußballbund Berlin in dieser Saison wieder eine Konkurrenz. Dieser Verband bestand allerdings nur für ein Jahr. Doch bereits ab 1896 veranstaltete auch der Allgemeine Deutsche Sport Bund eine eigene Meisterschaft, die dann nach zwei Jahren wieder eingestellt wurde.
Die Saison 1895/96 endete mit dem vierten Meistertitel für den BTuFC Viktoria, gefolgt vom BFC Germania. Dieses Jahr spielten je acht Vereine in der Ersten und Zweiten Klasse, wobei der BFC Hertha (heute Hertha BSC) den Aufstieg in die Erste Klasse schaffte. Im Sommer gewann der BTuFC Viktoria auch die Meisterschaft im Cricket. Der Verband plante für die Olympischen Spiele 1896 in Athen die Entsendung einer deutschen Fußballmannschaft. Zum Kapitän der Mannschaft war Paul Laube vom BTuFC Viktoria bereits ernannt. Die Teilnahme kam aber wegen ausbleibender Vorschüsse letztendlich nicht zu Stande.