mini|Chanel-Boutique an der Pariser Place Vendôme mit Spiegelung des Ritz-Hotels im Schaufenster

Chanel (französisch []) ist ein von Coco Chanel mit der Eröffnung einer Chanel-Boutique 1913 in Deauville, elle.de, 20. März 2013. gegründeter Modekonzern mit Sitz in Neuilly-sur-Seine bei Paris.

Heute gehört Chanel weltweit zu den größten und bedeutendsten Unternehmen in der Mode- und Kosmetikbranche. Neben Haute Couture und Prêt-à-porter für Damen produziert Chanel für Damen und zum Teil auch für Herren hochpreisige Uhren, Schmuck, Brillen, Accessoires, Parfüm und Kosmetik im Luxusgüter-Segment.

Beschreibung Das Haus Chanel war ab den 1910er Jahren Wegbereiter einer damals ungewohnt funktionell-lässigen und dennoch weiblich-eleganten Damenmode des oberen Preissegments. Chanel fertigte leichte Blusen, luftige Oberteile, weit geschnittene Damenhosen oder wadenlange Röcke aus bequemen Stoffen im zumeist schlichten und oftmals aus der Herrenmode entlehnten Design, das die Frauen dieser Zeit aus engen Korsetten, Miederkleidern und steifen Röcken mit nicht selten opulenten Verzierungen befreite. Coco Chanels Einfluss auf die Welt der Damenmode wirkte zugleich stilbildend und emanzipatorisch. Ikonen der Marke Chanel sind unter anderem das „kleine Schwarze“, wattierte Lederhandtaschen mit Steppnähten und Metallgliederketten sowie das Chanel-Kostüm mit bordiertem, kragenlosem Tweed-Jäckchen und ausgestelltem Rock. Das 1922 auf den Markt gebrachte Parfüm Chanel Nº 5 gilt als das meistverkaufte der Welt.

Spätestens ab den 1970er Jahren wurde die Marke Chanel mit wohlhabenden, älteren Damen assoziiert.Chanel – Greatest Hits fr.de, 14. August 2009. Dies änderte sich erst ab Mitte der 1980er Jahre unter der Regie von Karl Lagerfeld, der von 1982Karl Lagerfeld ist tot – Nachruf auf den größten Mode-Revolutionär unserer Zeit vogue.de, 19. Februar 2019.Karl Lagerfeld obituary theguardian.com, 19. Februar 2019. bis 2019 die Modekollektionen des Hauses als moderne Interpretationen von Coco Chanels Erbe entwarf. Ihm wird zu großen Teilen zugutegehalten, dass sich das damals angestaubte Pariser Modehaus spätestens ab Ende der 1990er Jahre in einen internationalen Milliarden-Konzern verwandelte. Auf Lagerfeld folgte seine langjährige Mitarbeiterin Virginie Viard, die bis Juni 2024 als Kreativdirektorin der Marke tätig war. Seit 2025 ist Matthieu Blazy künstlerischer Leiter von Chanel. Zuvor war er Kreativdirektor von Bottega Veneta.

Chanel ist ein privat geführtes Unternehmen, das vollständig den Franzosen Alain und Gérard Wertheimer gehört, den Enkeln Pierre Wertheimers (1888–1965), eines einstigen Geschäftspartners von Coco Chanel.Moderiese ohne Karl Lagerfeld: Wie es für Chanel weitergeht handelszeitung.ch, 19. Februar 2019. Im Geschäftsjahr 2017 betrug der Gesamtumsatz von Chanel 9,62 Milliarden US-Dollar.Chanel bricht sein Schweigen, faz.net, 22. Juni 2018.

Geschichte Coco Chanel

mini|links|Schattenriss von Gabrielle Chanel 1909 eröffnete Coco Chanel, eine gelernte Näherin, im 17. Arrondissement auf dem 160, Boulevard Malesherbes in Paris in der Stadtwohnung ihres damaligen Geliebten, Étienne Balsan, ein Hutatelier mit eleganten, schlichten Hüten für wohlhabende Damen.Chanel, le luxe et le secret, lexpress.fr, 29. August 1996. In den Zeiten der Belle Époque waren Damen der besseren Gesellschaft opulent verzierte Hüte gewohnt. Da sich Chanels moderne, minimalistische Hutkreationen in ihrem erweiterten Bekanntenkreis der Pariser High Society rasch größter Beliebtheit erfreuten, erwarb sie 1910 mit finanzieller Unterstützung ihres nächsten Geliebten, Arthur „Boy“ Capel, ein Anwesen in der Pariser Rue Cambon 21 im 1. Arrondissement und eröffnete dort unter dem Namen „Chanel Modes“ ein Hut-Atelier,Chanel from A to Z: Cambon, chanel.com, 31. August 2015. gegenüber der Rückseite des Hotel Ritz, in dem sie ab 1937 eine Suite beziehen sollte. Es folgten 1913 eine Mode-Boutique mit legerer Sportbekleidung im mondänen Deauville und 1915 ein Couture-Geschäft im schicken Badeort Biarritz, wo Coco Chanel eine für die Zeit ungewöhnlich sportlich-lässige, dennoch elegante Damenmode anbot. Im Jahr 1916 präsentierte sie erstmals eine komplette Couture-Kollektion, und Chanel-Mode wurde in der amerikanischen Vogue thematisiert. 1918 eröffnete Coco Chanel in der Rue Cambon 31 einen Haute-Couture-Salon. In der Nr. 31 befinden sich bis heute unter anderem das Haupt-Atelier von Chanel und ein Flagship-Store. Hier richtete sich Chanel später auch eine Wohnung ein (allerdings ohne Schlafzimmer, da sie stets in ihrer Zwei-Zimmer-Suite im Ritz gegenüber nächtigte), die bis heute erhalten ist. 1919 trat Chanel dem Pariser Haute-Couture-Verband, Chambre Syndicale de la Couture Parisienne, bei. In den folgenden Jahren erwarb Mademoiselle, wie die zeitlebens unverheiratete Chanel genannt wurde, sukzessive die Immobilien mit den Hausnummern 29, 25, 23 und schließlich 27 in der Pariser Rue Cambon, sodass ihr letztendlich dort eine ganze Häuserreihe gehörte. Die Hausnummer 19 ist seit 2013 ebenfalls im Besitz des Unternehmens., luxurystylemagazine.com, 13. April 2013. Das Gründungsdatum des Unternehmens gibt das Haus Chanel selbst mit der Boutique-Eröffnung im Jahr 1913 in Deauville an und feierte im Jahr 2013 dementsprechend sein 100-jähriges Bestehen.Karl Lagerfeld to Celebrate Chanel’s 100th Anniversary by Directing Keira Knightley.

mini|Jersey-Kleider von Chanel aus dem Jahr 1917 Ähnlich wie bei Modeschöpfer-Kollege Jean Patou bestand bei Chanel der typische Look – im Gegensatz zur konservativ-opulenten, steifen Damenmode jener Zeit – aus schlichten, androgynen Schnitten mit fließenden, weichen Stoffen und tiefsitzenden Taillen, wie es in den 1920er Jahren für junge, emanzipierte Frauen der letzte Schrei war. Inspiriert von Sportbekleidung für Damen und dem maritimen Stil der Badeorte, machte sich Chanel mit jugendlichen Blusen, eleganten Blazern, dreiteiligen Kostümen, weiten Hosen und Pailletten-Tops in einfarbig-dezenten Tönen in der Pariser Modewelt rasch einen Namen. Auch ihr bis dahin nur bei Unterwäsche gekannter Einsatz von weichem Baumwoll-Jersey in der Damengarderobe – ursprünglich aus Kostengründen und wegen der Ressourcenknappheit in der Zeit um den Ersten Weltkrieg eine Notwendigkeit – verhalf ihr bald zu internationaler Anerkennung.Königin der Haute Couture, Die Zeit, 12. August 2009. 1925 kreierte sie erstmals ein Kostüm mit Cardigan ohne Revers aus gepaspeltem Tweed, das eine Ikone der Chanel-Mode und später etwa als mit Bordüren abgesetztes Bouclé-Kostüm zahlreich variiert wurde. Besondere Merkmale der Tweed-Jacke sind aufgesetzte Taschen, Schmuckknöpfe mit Chanel-Logo und eine für die optimale Passform innen in den Saum eingenähte Metallkette. Ab 1926 erregte Coco Chanel mit ihrem Klassiker, dem „kleinen Schwarzen“ (frz.: petite robe noire), einem knielangen schwarzen Abendkleid – in einer Zeit, in der kurze Rocklängen noch immer ungewohnt waren – erneut große Aufmerksamkeit in der Modebranche und kreierte somit eines der bedeutendsten Kleidungsstücke des 20. Jahrhunderts. Bald wurde der Chanel-Stil von allen Seiten kopiert, was allerdings nur noch mehr zum Prestige des Hauses beitrug. Coco Chanel entwarf auch Schmuckkollektionen, ab 1924 in einem eigenen Studio – sie gilt als Erfinderin des Modeschmucks – wobei sehr häufig lange Perlen-Ketten zum Einsatz kamen. Ab 1926 entwarf Mademoiselle unter anderem für die Regisseure Jean Cocteau und Charles Dullin Bühnenkostüme.

Die Parfümsparte von Chanel wurde 1924 als Societé des Parfums Chanel in Neuilly-sur-Seine – wo sich bis heute der Firmensitz des Unternehmens Chanel befindet – etabliert, nachdem bereits 1921 von Coco Chanel zusammen mit dem Chemiker und Parfümeur Ernest Beaux (1881–1961) aus Grasse das berühmte Parfüm Chanel Nº 5 sowie eine Reihe anderer, später eingestellter Parfüms (Nº 11, Nº 14, Nº 20, Nº 21, Nº 27, Nº 55) lanciert worden war. An der Komposition des Parfüms hatte Coco Chanel selbst mitgewirkt, schließlich das fünfte Exemplar der ihr vorgelegten Duftproben ausgewählt (daher der Name des Parfüms) und auch den minimalistischen Flacon selbst entworfen. Der französische Geschäftsmann Pierre Wertheimer (* 8. Januar 1888; † 24. April 1965) und sein Bruder Paul (* 22. Juni 1883), Eigentümer des international agierenden Kosmetik-Konzerns Bourjois aus Pantin, brachten die finanziellen Möglichkeiten, die Fabrikationsstätten für Parfüm, die kaufmännische Expertise und die nötigen Geschäftsverbindungen in das Unternehmen mit ein und hielten dadurch 70 % an der von der Mode-Sparte des Hauses Chanel getrennt tätigen Firma. Coco Chanel selbst besaß lediglich 10 % der Anteile, und der Gründer der Galeries Lafayette Théophile Bader – ein Freund des Vaters der Wertheimers, welcher die Begegnung mit Coco Chanel 1923 in Deauville initiiert hatte – hielt 20 %. Mit Bader war Chanel über ihren Modesalon und das Parfüm Nº 5 bereits geschäftlich verbunden und befreundet gewesen. 1924 wurde erstmals Make-up von Chanel auf den Markt gebracht. 1926 wurde die erste Chanel-Boutique in Mayfair in London eröffnet. 1928 erschienen erstmals Tweedkostüme aus in Schottland gefertigten Stoffen von Chanel. Coco Chanel versuchte in den 1930ern vergebens, durch gerichtliche Klagen ihre Besitzanteile an Parfums Chanel zu erhöhen.

mini|links|Nr. 31, rue Cambon in Paris (2014) Ab 1930 stattete Chanel auf Einladung von Samuel Goldwyn für einige Wochen die Leinwand-Stars von United Artists in Hollywood aus. Im November 1932 präsentierte Coco Chanel in ihrer seit 1923 gemieteten Privatwohnung in der 29, Rue du Faubourg Saint-Honoré in Paris unter dem Namen „Bijoux de Diamants“ eine Schmuckkollektion mit Diamanten. 1935 zählte Chanel 4.000 Angestellte und verkaufte 28.000 Kleidungsstücke, obwohl das Unternehmen die Weltwirtschaftskrise 1929 besonders auf dem amerikanischen Markt zu spüren bekommen hatte. Auf der Rue Cambon gab es zu dieser Zeit fünf Chanel-Boutiquen für die unterschiedlichen Produktkategorien des Hauses.

Im September 1939, nachdem der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, stellte Coco Chanel die Haute-Couture-Mode ein und verkaufte vorübergehend nur noch Parfüm und Accessoires in der Nummer 31. 1940 emigrierte die aus dem Elsass stammende, jüdische Familie Wertheimer über Brasilien in die Vereinigten Staaten; die Anteile an Parfums Chanel wurden bis zu ihrer Rückkehr nach dem Weltkrieg pro forma von dem befreundeten Flugzeug-Hersteller Félix Amiot übernommen und danach an Pierre Wertheimer zurückgegeben, ohne dass Coco Chanel die Besitzverhältnisse beeinflussen konnte.

Chanel zog nach Vorwürfen, sie habe mit den Nationalsozialisten kollaboriert, bis 1954 in die Schweiz. Nach finanziellen Auseinandersetzungen und persönlichen Streitigkeiten mit Pierre Wertheimer einigten sich Coco Chanel und er 1947 auf eine weitere geschäftliche Zusammenarbeit, wobei Wertheimer sich die Rechte an allen Produkten der Marke Chanel sicherte und Coco Chanel eine Einmalzahlung von umgerechnet 350.000 Dollar sowie eine fortwährende Umsatzbeteiligung von 2 % (entsprach bis zu einer Million Dollar pro Jahr) zugestand, um einen Prozess oder einen Alleingang Coco Chanels zu vermeiden. 1954 übernahmen die Wertheimers auch den 20-%-Anteil von Théophil Bader sowie die Modesparte des Unternehmens. Seither ist das gesamte Unternehmen Chanel in der Hand der Familie Wertheimer. Die Haute Couture – damals dominiert von Konkurrenten wie Dior, Fath oder Balenciaga – wurde unter der Regie der mittlerweile 70-jährigen Coco Chanel im Hause Chanel wiederbelebt. Am 5. Februar 1954 präsentierte Coco Chanel in der Rue Cambon ihre erste Modenschau nach dem Krieg. Die Kollektionen waren nach anfänglichen Schwierigkeiten – die französische Presse spottete zunächst über das fortgeschrittene Alter der Modeschöpferin und verriss die ersten von ihr präsentierten Modelle in Kritiken – auch durch das Amerika-Geschäft äußerst erfolgreich und beflügelten im Nebeneffekt den Umsatz des Parfümgeschäfts.