Kate Diehn-Bitt, geborene Elise Hedwig Käthe BittStandesamt Rostock, Sterberegister, Nr. 1938/1978. (* 12. Februar 1900 in Schöneberg bei Berlin; † 23. Oktober 1978 in Rostock) war eine deutsche Malerin.

Leben miniatur|Wohnhaus der Familie in Doberan

Käthe „Kate“ Bitt wurde in der damals noch selbstständigen Stadt Schöneberg geboren als Tochter des Apothekers Fritz Bitt (* 1865) und dessen Frau Elsa, geborene Rudloff (* 1873).Standesamt Berlin IVa, Eheregister, Nr. 240/1894 sowie Standesamt Schöneberg I, Geburtsregister, Nr. 306/1900. Nach ihrer Scheidung heiratete die Mutter 1906 in zweiter Ehe den jüdischen Apotheker und Chemiker Leo Glaser aus Doberan (Mecklenburg).Standesamt Doberan, Eheregister, Nr. 16/1906. Käthe Bitt besuchte die höhere Töchterschule. Von 1914 bis etwa 1916 erhielt sie Zeichenunterricht bei dem ehemaligen Corinth-Schüler Rudolf Sieger. Bis 1917 lebte sie bei ihren Eltern,Hier lebte einst die Malerin Kate Diehn-Bitt. In: Ostseezeitung, vom 11. August 2026, abgerufen am 29. August 2026 zog dann in das großelterliche Haus nach Rostock und erhielt Privatunterricht in Kunst- und Literaturgeschichte.

Im Jahr 1919 heiratete sie den Rostocker Zahnarzt Paul Diehn (Pieter). Der gemeinsame Sohn Jürnjacob wurde 1920 geboren. Von 1923 bis etwa 1925 hatte Käthe „Kate“ Diehn-Bitt Kontakt zu Emil Orlik; er riet ihr zu einem ehrlichen Naturstudium und dem Zeichnen vor dem Spiegel. 1929 nahm sie ein 1931 endendes Studium an der privaten Kunstakademie Dresden auf, einer Mal- und Zeichenschule, gegründet von Ernst Oskar Simonson-Castelli. Hier wurde Woldemar Winkler und der ehemalige Kokoschka-Schüler Willy Kriegel ihre Lehrer. 1931 ging sie nach Rostock zurück, wo sie 1933 am Brink ihr erstes Atelier einrichtete. Besonders beeindrucken ihre Menschenbilder aus den dreißiger Jahren mit ihrem klaren Aufbau, der verhaltenen Farbigkeit und tiefgründigen Zuständigkeit, die für Kate Diehn-Bitts charakterliche Entschiedenheit als Motiv für ihre Werke stehen.

1934 wurden ihre für eine gemeinsame Ausstellung Rostocker Künstler ausgewählten Arbeiten vom nationalsozialistischen „Kampfbund für Deutsche Kultur“ als „artfremd“ zurückgewiesen. 1935 hatte sie ihre erste und vorerst letzte öffentliche Einzelausstellung gemeinsam mit ihrer Freundin, der Bildhauerin Hertha von Guttenberg, in der Galerie von Wolfgang Gurlitt in Berlin. Ihre Kunst galt den Nationalsozialisten als „entartet“ – es wurde 1935 ein Arbeits- und Ausstellungsverbot verhängt.

Scheinbar zwangsläufig lebte sie zurückgezogen, arbeitete aber mit Hilfe von Freunden und Malerkollegen weiter. So brachten Hans Emil Oberländer und Heinrich Engel Farben in ihr Atelier, andere wiederum Papier, Pappen und Stifte. Oft wurden Malgründe beidseitig verwendet. Sie malte Selbstbildnisse, Bildnisse ihrer Verwandten und Freunde, Ausblicke aus dem Fenster am Brink, Haustiere, Pflanzen und Verallgemeinerungen, Themen aus ihrem begrenzten Umkreis. Zu ihren Ölbildern kamen Zeichnungen in Bleistift und Kreide, Aquarellfarben hinzu, die oft auch von aufwühlenden persönlichen Erlebnissen getragen wurden.

Nach dem Ende der Nazi-Diktatur beteiligte Kate Diehn-Bitt sich aktiv am kulturellen Aufbau. 1945 wurde sie als Mitbegründerin Sektionsvorsitzende für Bildende Kunst im Kulturbund Rostock, 1946 war sie Mitbegründerin der Sektion Bildende Kunst im FDGB. Ihre Arbeiten der ersten Nachkriegsjahre waren teilweise geprägt von nachwirkenden, vielfach sehr düsteren Erinnerungen und Gedanken der Kriegsjahre. Kate Diehn-Bitt baute dennoch auf die Zukunft. Nach einer schweren Typhuserkrankung im Jahre 1946 und einer Beweglichkeitseinschränkung (Bandscheibenvorfall) fiel Kate Diehn-Bitt in eine tiefe psychische Krise, aus der sie sich, künstlerisch nun verändert, heraus arbeitete. Als sie 1948 in Rostock ihre erste Ausstellung hatte, erhielt sie zwar positive Rezensionen, aber ihr wurde auch das kulturpolitische Etikett „nicht zukunftweisend und optimistisch“ angeheftet. Nach erfolglosen Beteiligungen an Wettbewerben zog sie sich 1950 vom öffentlichen Leben weitgehend zurück, und sie legte ihre Funktionen nieder.

Sie beschäftigte sich nunmehr mit dem Alten Testament und mit dem Thomas-Mann-Werk „Joseph und seine Brüder“. Sie verarbeitete die Gestaltungsprinzipien altägyptischer Wandmalerei. Mit Collagen gestaltete sie biblische Szenen. Es entstand auch das „Tagebuch der Kindheit“ mit 30 Farbstiftzeichnungen. Die Hinwendung zur Literatur, die sie mit Unterstützung ihres Mannes Peter Diehn, der sehr viel las, fand, gab ihr die Motive. Besonders das Schicksal der Juden beschäftigte sie. 1957 hatte Kate Diehn-Bitt begonnen mit Farb- und Aquarellstiften zu zeichnen, da sie Schwierigkeiten hatte, stehend an der Staffelei zu arbeiten.

Nach dem Tod ihres Mannes 1970 nahm die psychische Belastung wieder stark zu. In den mehreren Aufenthalten in der Rostocker Universitätsklinik - Gehlsheim, die sie selber veranlasst hatte, entstanden täglich bis zu vier Collagen.

Den Nachlass der Künstlerin mit ca. 3.000 Arbeiten und Zeitzeugnissen verwaltet die Kate Diehn-Bitt Stiftung.

Darstellung der Kate Diehn-Bitt in der bildenden Kunst der DDR Mechthild Schlenger (Mannewitz): Porträt Käthe Diehn-Bitt. (1952, Öl) Hertha von Guttenberg: Porträt Käthe Diehn-Bitt, Kunstmuseum Ahrenshoop

Werke in öffentliche Sammlungen (unvollständig)

Berlin: Neue NationalgalerieRecherche Kate Diehn-Bitt. In: Staatliche Museen zu Berlin Berlin: Alte Nationalgalerie Rostock: Kate Diehn-Bitt Stiftung Rostock: Kunsthalle Schwerin: Staatliches Museum Schwerin

Weitere Werkbeispiele

Tafelbilder

Selbstbildnis in schwarzer Unterwäsche (1932) Porträt einer Friedenskämpferin (1952, Öl)Der Bildindex der Kunst und Architektur nennt das Bild als Exponat auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung. Lt. Katalog war die Künstle-rin auf dieser Ausstellung nicht vertreten. Es ist zu vermuten, dass sie das Bild eingereicht hatte, sie aber nicht berücksichtigt wurde. Spaziergang (1952, Öl) Teterow (1952, Mischtechnik)

Zeichenkunst

Mutter und Kind

Ausstellungen (unvollständig)

Einzelausstellungen 1935: Berlin, Galerie Gurlitt 1947: Schwerin, Schweriner Landesmuseum 1968: Greifswald, Kleine Galerie des Caspar-David-Friedrich-Instituts der Universität Greifswald 1968: Stralsund, Museum Stralsund 1970: Rostock, Kunsthalle 1975: Berlin, Galerie Arkade 1980, 1983 und 1985: Rostock, Galerie am Boulevard 1981: Schwerin, Staatliches Museum („Kate Diehn-Bitt. Gemälde und Zeichnungen aus einer Berliner Privatsammlung“) 1988: Erfurt, Predigerkloster, Kunstdienst der evangelischen Kirche (Grafik und Malerei) 1990: Rostock, Galerie am Boulevard (Zeichnungen, Aquarelle, Collagen) 2000: Bad Doberan, Roter Pavillon, und Rostock, St. Marien-Kirche 2002: Rostock, Kunsthalle 2003: Ahrenshoop, Kunstkaten 2006: Weimar, Galerie Hebecker 2016: Kunstmuseum Ahrenshoop („Hier Kete! Selbst und Exotik im Werk Kate Diehn-Bit“) 2024: Kunstverein zu Rostock (Kate Diehn-Bitt - Arbeitern aus dem Nachlass) 2025: Rostock, Kunsthalle („KünstlerinSEIN - im Zusammenspiel mit Susanne Rast“)

Ausstellungsbeteiligungen 1933: Rostock, Frühjahrsausstellung der Vereinigung Rostocker Künstler 1945: Schwerin, Landesmuseum („Jahresschau 1945 der Kunstschaffenden aus Mecklenburg-Vorpommern“) 1946: Dresden, Allgemeine Deutsche Kunstausstellung 1949: Dresden, 2. Deutsche Kunstausstellung 1969 und 1974: Rostock, Bezirkskunstausstellung 1974: Berlin, Nationalgalerie („Realismus und Sachlichkeit. Aspekte der Kunst 1919–1933“) 1974: Dresden, Kupferstichkabinett („Zeichnungen in der Kunst der DDR“) 1978: Berlin, Nationalgalerie („Revolution und Realismus“) 1979: Berlin, Altes Museum („Weggefährden – Zeitgenossen. Bildende Kunst aus 3 Jahrzehnten“) 1985: Berlin („Musik in der bildenden Kunst“) 1990: Berlin, Neue Berliner Galerie im Alten Museum („Die Kunst der frühen Jahre 1945–1949“) 2025: Mannheim, Kunsthalle („Die Neue Sachlichkeit“) 2025: Chemnitz, Kunstsammlungen Chemnitz (EUROPEAN REALITIES)

Literatur Ingrid Möller: Kate Diehn-Bitt. (= Maler und Werk). VEB Verlag der Kunst, Dresden 1987 . Hans F. Schweers: Gemälde in Museen. Deutschland, Österreich, Schweiz. Teil I. Band 1. Künstler und ihre Werke. K. G. Saur, München 2008, , S. 330. Diehn-Bitt, Kate. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 148.

Kate Diehn-Bitt 1900–1978 – Leben und Werk. MCM ART Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-9804945-9-4. Kate Diehn-Bitt (1900–1978), Zeichnungen – Aquarelle – Collagen. Galerie am Boulevard, Rostock 1990, ISBN 3-910128-33-5. Katrin Arrieta, Frank Schröder: Kate Diehn-Bitt der Joseph-Zyklus und andere Arbeiten zur jüdischen Geschichte und Mythologie. Max-Samuel-Haus, Stiftung Begegnungsstätte für Jüdische Geschichte und Kultur in Rostock (Hrsg.), Rostock 2007, . Kate Diehn-Bitt 1900–1978 – Leben und Werk. Eigenverlag Kate Diehn-Bitt Stiftung, 2., überarbeitet Auflage. Rostock 2025, ISBN 978-3-9825523-0-9.

Weblinks Kate Dien Bitt bei Bildindex.de

Kate Diehn-Bitt in der Galerie: Vereinigung Rostocker Künstler Website der Stiftung Kate Diehn-Bitt

Einzelnachweise

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