Der Tunnel Bleßberg (oder Blessbergtunnel) ist der längste von 22 Eisenbahntunneln der Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt. Der Tunnel unterquert zwischen Truckenthal und Goldisthal den Hauptkamm des Hohen Thüringer Schiefergebirges mit dem Rennsteig. Namensgebend ist der 865 m hohe Bleßberg, unter dem der Tunnel knapp östlich des Gipfels hindurchführt. Mit einer Länge von 8325,8 m (Streckenkilometer 124,745 bis 133,071) ist er nach seiner Fertigstellung einer der zehn längsten Eisenbahntunnel Deutschlands.

Die Kosten des Bauwerks wurden Mitte 2011 von der Deutschen Bahn mit etwa 180 Millionen Euro angegeben.Sieben Meter pro Tag durch den Thüringer Wald. In: Thüringische Landeszeitung. 9. Juli 2011, S. 10.

Verlauf Das Südportal liegt 502,4 m über NN,Wolfgang Ellinger: (PDF; 512 kB). In: VDI Information. 3/2007, S. 18 f. das Nordportal auf einer Höhe von 593,2 m über NN. Die Gradiente steigt im Tunnel dabei zum Nordportal hin mit 1,0916 % kontinuierlich an.Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt: Abschnitt Tunnel Bleißberg. Dezember 2011. (PDF, 5 MB) Die Überdeckung liegt zwischen 6 m und 330 m.

Das Bauwerk unterquert neben dem Bleßberg (862 m) auch den Rennsteig nahe der Pechleite (838,5 m).Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (Hrsg.): Eine neue Bahn für Thüringen, Deutschland und Europa. Die Eisenbahnneubaustrecke Ebensfeld–Erfurt. Erfurt, April 1996, S. 10.

Technik Der Eisenbahntunnel hat eine lichte Höhe von 8,23 m ab Schienenoberkante sowie eine lichte Weite von 13,64 m bei einem Maulprofil mit einer Nutzquerschnittsfläche von 92 m² über Schienenoberkante. Als Oberbau ist eine Feste Fahrbahn vorhanden, der Gleisabstand beträgt 4,5 m bei einer Entwurfsgeschwindigkeit von 300 km/h.

Als Maßnahme gegen den Tunnelknall wurden zusätzliche Portalbauwerke errichtet.Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Anton Hofreiter, Dr. Valerie Wilms, Sven-Christian Kindler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (PDF; 89 kB) Drucksache 17/8213 – Kostensteigerungen bei laufenden Bedarfsplanvorhaben Schiene. Drucksache 17/8287 vom 30. November 2011. Das 31 m lange südliche Portalbauwerk wurde 2012 ausgeschrieben.D-Erfurt: Tunnelbauarbeiten. Dokument 2012/S 148-247801 vom 3. August 2012 im Supplement zum Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union. Im November 2012 wurde der Bau eines solchen Bauwerks vergebenD-Erfurt: Tunnelbauarbeiten. Dokument S 230-378470 vom 29. November 2012 im Supplement zum Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union. und 2013 hergestellt.

Geologie Der Tunnel durchquert das Thüringer Schiefergebirge im Kernbereich des Schwarzburger Sattels (vgl. Interne Gliederung des Thüringisch-Fränkisch-Vogtländischen Schiefergebirges). Damit verläuft die Tunnelröhre größtenteils in den neoproterozoischen Tonschiefern und Grauwacken der Frohnberg- und Großbreitenbach-Formation sowie in ordovizischen Tonschiefern und Zementquarziten des Unteren und Oberen Frauenbachquarzites, der dazwischenliegenden Frauenbach-Wechsellagerung und der Phycodes-Schichten. Nahe dem südlichen Portal penetriert der Tunnel die sogenannte Fränkische Linie und verläuft noch einige hundert Meter in den mitteltriassischen Kalksteinen des Unteren Muschelkalks.

Geschichte Planung Bereits 1999 war das Bauwerk mit einer Länge von 8314 m geplant.Heinz-Dietrich Könnings, Max John: Bau der längsten Eisenbahntunnel in Deutschland für die NBS zwischen Erfurt und München. In: Tunneltechnologie für die Zukunftsaufgaben in Europa. Balekma-Verlag, Rotterdam 1999, ISBN 90-5809-051-5, S. 83–95.

Bauausführung mini|links|hochkant|Südportal nach Durchbruch der Kalotte Juni 2008 mini|links|Südportal August 2008, Aufbau des Schalwagens

Der zweischalige Tunnel wurde bei 126 m² Ausbruchquerschnittsfläche mit bergmännischem Sprengvortrieb und einer Querschnittsunterteilung in Kalotte, Strosse und Sohle aufgefahren. Die Sicherung erfolgte durch Spritzbetonausbau nach der neuen österreichischen Tunnelbauweise. Der Tunnelvortrieb lief kontinuierlich rund um die Uhr bei vier Sprengungen pro Tag. Der Tunnelausbruch betrug bei den ersten beiden Baulosen ungefähr 900.000 m³ und wurde unter anderem auf einer 32,5 ha großen und maximal 14 m hohen Deponie bei Stelzen () gelagert. Die Ausbruchsmassen des Einschnittes vor dem Südportal wurden über dem Südportal zwischengelagert und Anfang 2014 endgültig auf der Deponie Galgenberg () eingebaut. Die Deponie für die Ausbruchmassen des dritten Bauloses lag bei Masserberg (). Die Herstellung des Tunnels erfolgte in drei Baulosen. Das erste Baulos umfasste den Bau des 965 m langen Querstollens. Dieser wurde in einem Jahr bis August 2006 aufgefahren und diente als Zwischenangriffsstollen. Die Kosten beliefen sich auf rund fünf Millionen Euro, die Ausbruchsmenge lag bei rund 55.000 m³.

Das zweite Baulos beinhaltete den 4643 m langen südlichen Teil des Tunnels mit dem Zwischenangriffsstollen als Hauptangriffspunkt. Dieses wurde im August 2006 für rund 63,2 Millionen Euro netto vergeben. Im Frühjahr 2011 war die Baustelle geräumt. Das dritte Baulos umfasste den 3671 m langen nördlichen Tunnelteil sowie den anschließenden Tunnel Goldberg einschließlich zweier Talbrücken und wurde für 138,8 Millionen Euro netto vergeben. Die Bahn rechnete mit einer Gesamtbauzeit von sieben Jahren.

Offiziell angeschlagen wurde der Tunnel am 4. Dezember 2006. Die Tunnelpatenschaft für den Südabschnitt hat die SPD-Politikerin Iris Gleicke übernommen, entsprechend wird die Röhre auch als Iris-Tunnel bezeichnet.

Bis Mitte Juli 2007 waren 800 m ausgebrochen.Ein langer Lulatsch. In: Neue Presse Coburg. 12. Juli 2007. Pro Sprengung wurden 1,7 bis 2,2 m ausgebrochen.Eine Stippvisite bei Bier und bei Bratwürsten. In: Freies Wort. 3. August 2007. Rund 160 Menschen arbeiteten auf der Baustelle in zwei Schichten rund um die Uhr, eine weitere Schicht hatte frei. Pro Schicht waren 16 bis 20 Menschen unter Tage. Anfang November 2007 waren über zwei Kilometer des Fahrtunnels ausgebrochen und vier der acht Notausgänge im Bau.Im Stollen Nummer 3 liegt Ammoniak in der Luft. In: Freies Wort. 7. November 2007.

Am 30. März 2008 stießen die Mineure rund 240 m vom Südportal entfernt auf eine Tropfsteinhöhle, die den Namen Bleßberghöhle erhielt. 60 m vor dem Durchschlag am Südportal wurde eine weitere Karsthöhle entdeckt. Am 3. Juni 2008 begutachteten Fachleute diese vertikal zur Tunnelröhre verlaufende Höhle, die aufgrund ihrer geringen Standsicherheit anschließend verschlossen wurde.Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Weiterer Karsthohlraum beim Bau des Bleßbergtunnels der Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt gefunden. Presseinformation vom 5. Juni 2008. Die Haupthöhle wurde im Januar 2009 für neun Tage erneut zur Erkundung geöffnet und anschließend dauerhaft verschlossen.Die Bleßberghöhle – ein Naturwunder für die Zukunft bewahren. Chronik. Fachgruppe Höhlen- und Karstforschung Sonneberg im THV e. V. Abgerufen am 17. August 2023Forscher sauer: Bahn schließt Bleßberghöhle. In: Freies Wort. 9. Oktober 2008. An ihrer höchsten Stelle befindet sich die Haupthöhle etwa zehn Meter unter dem Tunnel. Im Kreuzungsbereich zwischen Bahntunnel und Höhle wurde der Tunnel bis auf das untere Niveau der Höhle vertieft, um eine stabile Gründung zu schaffen.Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Beim Bau des Bleßbergtunnels gefundene Höhle wird überquert. Presseinformation vom 14. Januar 2009. Auf einer Länge von rund 500 m wurde im Bereich der Höhle die Tunnelschale auch im Bereich der Sohle rund ausgeführt. Darüber hinaus wurde die Sohle im Bereich der Querung der Höhle mit Gestein und Beton zusätzlich verfestigt.Tunnel bekommt ein Gesicht. In: Freies Wort. 28. Februar 2009.

Der Tunneldurchbruch in der Kalotte am Portal Süd erfolgte nach 14 Monaten Bauzeit am 14. Juni 2008. Der offizielle Durchschlag am Südportal fand am 24. Juni statt.Deutsche Bahn AG: Durchschlag Süd beim Tunnel Bleßberg in Thüringen. Presseinformation vom 24. Juni 2008. Gegen 12:45 Uhr löste die Tunnelpatin eine symbolische Sprengung aus.Drei Schläge und ein Bagger: Der Tunnel sieht nun Licht. In: Freies Wort. 25. Juni 2008. Für den ersten 4,6 km langen Bauabschnitt wurden insgesamt 70 Millionen Euro investiert. Mit der Realisierung des Südabschnittes wurde eine Arbeitsgemeinschaft von drei Unternehmen beauftragt.

Der nördlich anschließende Goldbergtunnel (1163 m) und die Saubachtalbrücke (55 m) dienten seit ihrer Fertigstellung (Rohbau) als Zufahrt zur Baustelle am Nordportal des Bleßbergtunnels. Der rund 4000 m lange Nordabschnitt wurde am 8. Juli 2009 angeschlagen.Deutsche Bahn AG: Durchschlag und Anschlag für zwei Tunnel der Eisenbahn-Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt in Thüringen. Presseinformation vom 8. Juli 2009. Mitte März 2010 waren mehr als 1050 m des Nordabschnitts vorgetriebenVon Tunnelbauern, Bohrern und einer Heiligen. In: Freies Wort. (Onlineausgabe), 13. März 2010. und Ende März die Tunnelschale des Südabschnittes fertiggestellt. Am 2. September 2010 waren 2296,5 m des Nordabschnitts vorgetrieben. Am 31. Mai 2011 war der Kalottendurchschlag und die offizielle Feier folgte am 29. Juni 2011 am Südportal.Deutsche Bahn AG: Durchschlag des Tunnels Bleßberg markiert Meilenstein bei Hochgeschwindigkeitsstrecke Nürnberg-Berlin. Presseinformation vom 29. Juni 2011.Bernd Jentsch: Bleßberg-Tunnel im Thüringer Wald durchgeschlagen. In: Thüringer Allgemeine. 30. Juni 2011.

Insgesamt entstanden mehr als 20 Kilometer Baustraßen, die nach Abschluss der Bauarbeiten teils zurückgebaut wurden, teils als Zufahrt zu den Rettungsplätzen erhalten blieben.

Im Mai 2015 waren die Schienen fertig eingebaut, die Montage des Fahrdrahts war im Gange.

Das Bauwerk galt, neben dem Tunnel Silberberg, als bauzeitbestimmend für die Neubaustrecke.Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Anton Hofreiter, Bettina Herlitzius, Winfried Hermann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. (PDF; 74 kB) Drucksache 16/13787 vom 14. Juli 2009. Die Projektleitung hatte die DB ProjektBau. (PDF; 68 kB).

Rettungskonzept Das Bauwerk weist im Abstand von maximal 1000 m acht Notausgänge auf. Der Notausgang 1 bei Streckenkilometer 125,756 ist ein 410 m langer zweispurig befahrbarer Schrägstollen mit 38 m² Ausbruchquerschnitt, der auf der Westseite bei Neundorf liegt () Der Notausgang 2 bei Streckenkilometer 126,756 ist als 965 m langer Schrägstollen ausgeführt, ebenfalls auf der Westseite liegend. Dieser Stollen mit 38 m² Ausbruchquerschnitt diente als Angriffspunkt für den Bau des Südabschnitts und ist deshalb zweispurig befahrbar. Er liegt zwischen Stelzen und Mausendorf.() Der Notausgang 3 bei Streckenkilometer 127,570 ist über einen 814 m langen einspurig befahrbaren Parallelstollen mit 28 m² Ausbruchquerschnitt an den NA 2 angebunden. Er hat drei Ausweichnischen. Der Notausgang 4 bei Streckenkilometer 128,570 ist ein 43 m tiefer Schacht auf der Ostseite des Tunnels bei Saargrund an der B 281 () Die Notausgänge 5 (Km 129,570), 6 (Km 130,395) und 7 (Km 131,220) sind über einen insgesamt 2.500 m langen, befahrbaren Parallelstollen an den NA 8 angebunden. Der Notausgang 8 bei Streckenkilometer 132,070 ist als 308,5 m langer Stollen auf der Ostseite des Tunnels angeordnet. Dieser auch als Zwischenangriffsstollen Langebach bezeichnete Stollen liegt westlich des Unterbeckens des Pumpspeicherwerkes Goldisthal (). Die Zufahrt erfolgt über einen 7 km langen Waldweg von Goldisthal.

Insgesamt entstanden Schräg- und Parallelstollen mit einer Gesamtlänge von 4477 m. Der längste dieser Stollen ist 3 km lang und verfügt über Buchten für Begegnungsverkehr. Die Feste Fahrbahn und die Stollen sind von Straßenfahrzeugen befahrbar. Im Tunnel sind im Abstand von 100 m Wendestellen vorhanden. Eine trockene Löschwasserleitung mit unterirdischen Löschwasserbehältern ist an den Tunnelportalen vorhanden.