mini|Kinder mit rotem Haar mini|Zwei Mädchen mit rotblondem und dunkelrotem Haar, Breda 2011 mini|Der Schauspieler Seth Green, 2010

Rot ist eine Haarfarbe, die von dunklem Mahagonibraun über Kupferrot und Orange bis zu rötlichen Goldtönen variieren kann. Die hellen Varianten nennt man Rotblond. Die Übergänge in Richtung Kastanienbraun auf der einen Seite und Goldblond auf der anderen Seite sind fließend. Genaue Definitionen und Bezeichnungen der diversen Farbvariationen sind nicht immer ganz einfach und können besonders in den aufgezeigten Randbereichen sowohl kulturell als auch individuell differieren, wie auch die Wahrnehmung anderer Haar- und Augenfarben je nach Umfeld anders ausfallen kann (so wird die gleiche Haarfarbe in südlichen Ländern oft als heller wahrgenommen als etwa in Nordeuropa oder Norddeutschland).

Die Anlage für rotes Haar wird Rutilismus genannt. Nur etwa ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung haben naturrotes Haar. Die häufigste Ursache ist eine Variation auf dem Chromosom 16, die zu einer Veränderung des Proteins MC1R führt (eines Melanocortinrezeptors). Anstatt des dunkleren Melanins befindet sich infolgedessen Phäomelanin in Haut, Haaren und Augen. Die empfindlichere helle Haut verträgt nur wenig oder kaum Sonneneinstrahlung und neigt vermehrt zu Sonnenbrand und Sommersprossenbildung. In puncto Lichtempfindlichkeit sind viele Rothaarige im Vergleich zu Personen anderer Haarfarben daher dem Albinismus vergleichsweise nah.

Rötliches Haar, vor allem eines Rotblondtones, kann mit der Zeit nachdunkeln, wenn auch meistens nicht so stark wie blondes Haar. Rothaarige Menschen haben somit als Kinder häufig etwas helleres Haar als im Erwachsenenalter; die Haarfarbe kann dann unter Umständen auch etwas matter und weniger leuchtend wirken. Rothaarige ergrauen meistens wesentlich später als Dunkelhaarige, oft erst mit weit über 50 Lebensjahren.

Die Gesichts- und Körperbehaarungen rothaariger oder rotblonder Menschen stimmen nicht immer in der Farbe mit dem Haupthaar überein, beispielsweise können Augenbrauen oder Wimpern dunkler oder heller sein. Bei Männern kann auch das Phänomen eines roten oder rötlichen Bartes auftreten, obgleich die Haupthaarfarbe anders ist (z. B. blond, dunkelblond oder braun). Das wohl berühmteste Beispiel hierfür ist Kaiser Friedrich I., der wegen seines roten Bartes als Barbarossa („Rotbart“) in die Geschichte einging.

Bei manchen Menschen, die von Natur aus eigentlich anderer Haarfarbe sind, besonders bei einigen Brünetten, zeigt sich bei Sonnenschein oder speziellen Lichtverhältnissen ein rötlicher Schimmer auf dem Haar – hier spricht man jedoch nicht von „rotem Haar“.

Auch im Tierreich kommen verschiedene Rotfärbungen der Haare vor, etwa bei Eichhörnchen, Rehen, Füchsen, Pferden, Katzen, Hunden. Bei Säugetieren spricht man von der Fellfarbe.

Begriff mini|hochkant|Ein rötliches Blond heißt im Englischen strawberry blond („erdbeerblond“)

In der deutschen Sprache wird die Benennung der roten Haarfarbe nicht von der Farbe Rot unterschieden. In einigen anderen Sprachen gibt es hingegen unterschiedliche Wörter für die Farbe und die Haarfarbe, so ist etwa das französische Wort für die Farbe Rot rouge, während die Haarfarbe als roux, im Femininum als rousse bezeichnet wird. Ähnlich nennt man im Portugiesischen die Haarfarbe ruivo, die Farbe Rot dagegen vermelho oder encarnado. Im Kölschen Dialekt heißt rothaarig fuss oder fussich (eigentlich: fuchs(farben), fuchsig), entsprechend eine rothaarige Person Fussiger oder Fussige, auch Fusskopp oder Fussköpp (Fuchskopf, Rotschopf), ein rothaariges Kind ist ein Füsschen (Füchschen).fussich im Mitmachwörterbuch des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte, abgerufen am 9. Mai 2018.Fusskopp -köpp im Kölsch-Wörterbuch, abgerufen am 9. Mai 2018.

Umgangssprachlich werden im Deutschen sogar helle Rotblond-Töne oder ein kastanienbraunes Haar mit nur geringem Rotanteil oft undifferenziert rot genannt. Im Englischen können verschiedene rötliche Haarfarben sprachlich teilweise deutlich voneinander unterschieden werden, so bezeichnet der Ausdruck strawberry blond (wörtlich „erdbeerblond“) einen Blondton, der nur einen ganz geringen rötlichen Stich aufweist. Sehr dunkles rotes Haar heißt englisch auburn; es kommt in südlichen Ländern, wie Italien oder Spanien, aber auch in Nordafrika oder Asien, häufiger vor als im Norden. Mit ginger („Ingwer“) wird eine Haarfarbe bezeichnet, die in Richtung Orange tendiert, doch wird die Bezeichnung auch verallgemeinernd für rotes Haar benutzt und ist tendenziell negativ besetzt.

In der Renaissance hatte man (besonders in Italien) eine Vorliebe für rötlich-blondes oder rotgoldenes Haar, daher stammt der Ausdruck „tizianrot“.

Verbreitung Deutschland In einer stichprobenhaften Befragung über natürlich vorkommende Haarfarben in Deutschland, an der mehr als 9000 Personen (ca. 73 Prozent Frauen und 27 Prozent Männer) teilnahmen, konnten die Probanden selber ihre Natur-Haarfarbe einstufen, unter anderem auch als „rot“, „rotblond“ oder „rotbraun“. Bei einer Zusammenfassung dieser drei Haarfarben und einer Aufteilung Deutschlands in drei Regionen ergibt sich folgendes Bild:Die zusammenfassenden Zahlen wurden errechnet aus den einzelnen Tabellenwerten bei Ronald Henss: Ob blond, ob schwarz, ob braun ... Präferenzen für Haarfarben. Ergebnisse einer online Untersuchung. Abschnitt Häufigkeit von Haarfarben. Henss betont, dass die Einstufung auf Eigenangaben beruht und daher kein Anspruch auf volle Repräsentativität besteht. In Norddeutschland (Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern) wählten 6,1 % der Frauen und 3,1 % der Männer eine dieser drei Haarfarben (also insgesamt 4,6 %); in Mitteldeutschland waren es 5,7 % der Frauen und 4,0 % der Männer (insgesamt 4,85 %); in Süddeutschland (Baden-Württemberg, Bayern) waren es 4,8 % der Frauen und 2,6 % der Männer (insgesamt 3,7 %).

Bei einer Aufschlüsselung nach den drei einzelnen Farben ergeben sich für die drei Regionen folgende Zahlen:Ronald Henss: Ob blond, ob schwarz, ob braun ... Präferenzen für Haarfarben. Ergebnisse einer online Untersuchung. Abschnitt Häufigkeit von Haarfarben. Als „rot“ stuften sich ein im Norden: 1,0 % der Frauen und 1,0 % der Männer (insgesamt 1 %) in der Mitte: 0,9 % der Frauen und 0,6 % der Männer (insgesamt 0,75 %) im Süden: 1,1 % der Frauen und 0,4 % der Männer (insgesamt 0,75 %) Als „rotblond“ stuften sich ein im Norden: 2,6 % der Frauen und 1,6 % der Männer (insgesamt 2,1 %) in der Mitte: 2,3 % der Frauen und 2,1 % der Männer (insgesamt 2,2 %) im Süden: 2,0 % der Frauen und 1,1 % der Männer (insgesamt 1,55 %) Als „rotbraun“ stuften sich ein im Norden: 2,5 % der Frauen und 0,5 % der Männer (insgesamt 1,5 %) in der Mitte: 2,5 % der Frauen und 1,3 % der Männer (insgesamt 1,9 %) im Süden: 1,7 % der Frauen und 1,1 % der Männer (insgesamt 1,4 %)

Aus diesen Werten ergibt sich außerdem ein ganz leichtes Gefälle in Richtung Süden, d. h. innerhalb Deutschlands nimmt die Anzahl rothaariger Menschen von Norden nach Süden hin tendenziell leicht ab.

Weltweit

mini|hochkant=1.9|Weltkarte des ursprünglichen Vorkommens roter Haare vor der europäischen Expansion (Farbe: vorherrschende Farbe, rote Muster: Anteil Rothaariger)

Rothaarige kommen in vielen Teilen der Welt vor, aber in sehr unterschiedlichen Bevölkerungsanteilen. Nach einer weltweiten Schätzung haben nur etwa zwei Prozent der Deutschen eine natürliche Rotfärbung der Haare, in den Vereinigten Staaten und England vier Prozent der Bevölkerung. In Papua-Neuguinea dagegen sind es nur etwa 0,03 Prozent.

Den höchsten Anteil an Rothaarigen gibt es in Nordeuropa, besonders im Westen, auf den britischen Inseln, darunter Schottland mit angeblich 13 Prozent (etwa 660.000 Menschen im Jahr 2005), Irland mit angeblich etwa 10 Prozent (420.000) und Wales ebenfalls mit etwa 10 Prozent (circa 290.000 Menschen). In England liegt der prozentuale Anteil der Rothaarigen hoch in den Grafschaften Cornwall, Nottinghamshire und South Yorkshire sowie in den nördlichen Counties.

Diesen sehr hohen Zahlen (für Schottland, Irland, Wales) widerspricht zumindest teilweise eine Studie von Britains DNA, die 2013 veröffentlicht wurde: Demnach hatten zu dieser Zeit ungefähr 6 Prozent der Schotten rotes Haar, in absoluten Zahlen etwa 300.000 Menschen – auch dies immer noch eine relativ hohe Quote.Auslan Cramb: Edinburgh is surprise capital of redheaded Britain and Ireland, in: The Telegraph, 24. August 2013, abgerufen am 16. Mai 2018.Britains DNA Announces the Results of the Red-Head Project (), S. 2. Von den Engländern waren etwa 4 Prozent rothaarig, umgerechnet etwa 2,1 Millionen Menschen. Nach genetischen Untersuchungen an 2.343 Menschen veröffentlichte Britains DNA auch eine erste Landkarte der Rothaarigen in den Nationen und Regionen von Großbritannien.Britains DNA Announces the Results of the Red-Head Project () Dabei stellte sich heraus, dass die Region um Edinburgh in Schottland als 'genetische Hochburg' des roten Haares gelten kann. Dort tragen 40 % der Bevölkerung eines der drei am weitesten verbreiteten Rot-Haar-Gene in sich, können also rothaarige Nachfahren haben. In Schottland als Ganzes lag die Rate bei 36,5 % (aber im hohen Norden und Westen nur 29 %), in Irland bei 34,7 % (Südirische Provinzen Leinster und Munster 38 %), in Wales bei 38 %, und in England als Ganzes bei 32,4 %. Dabei ist die Rothaar-Gen-Quote im Norden Englands in den Provinzen Yorkshire und Humberside relativ hoch bei 34,4 % – ähnlich wie in Irland. Die niedrigsten Werte hatte East Anglia (an der englischen Ostküste) mit 21 %, und die Midlands mit 26 % Trägern rothaarigen Erbgutes. Alle genannten Werte sind allerdings nur Mindestwerte, weil seltene Varianten von Rothaar-Genen gar nicht untersucht wurden – die Gesamtzahlen dürften also noch etwas höher liegen.„There are various other red-head variants, but all are rare with an allele frequency below 2 %. Therefore these estimates are minimum figures, which could rise by a few % if all rare redhead variants were included.“ In: Britains DNA Announces the Results of the Red-Head Project. (), S. 5. Es muss auch betont werden, dass es bei diesen Quoten nur um Genmaterial und Vererbung geht, die tatsächliche Zahl rothaariger Menschen ist wie erwähnt wesentlich niedriger.

Innerhalb des übrigen Europa finden sich Menschen mit roten Haaren auch in den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Polen, Frankreich, Italien, Österreich, Schweiz, Spanien, Portugal, Russland, im Baltikum und in (Süd)Osteuropa. In einer dänischen Untersuchung hatten 3,6 % aller Teilnehmer 'rotes' Haar.Dabei wurde offenbar nicht zwischen rotblond, rot oder rotbraun unterschieden. Lock-Andersen, J., Wulf, H. C. & Knudstorp, N. D. (1998). Interdependence of eye and hair colour, skin type and skin pigmentation in a Caucasian population. Acta Dermato-Venerologica, 78, 214-219.online Untersuchung", abgerufen am 15. Mai 2018. Bitte im linken Feld „Haarfarbe und Augenfarbe“ anklicken! In Italien liegt die Häufigkeit roten Haares bei 0,57 % der Gesamtbevölkerung, und zwar in allen Regionen des Landes gleichmäßig – außer in Sardinien, wo es nur 0,24 % sein sollen (Stand 2013).Luigi Luca Cavalli-Sforza, Antonio Moroni, Gianna Zei: Consanguinity, Inbreeding, and Genetic Drift in Italy. Princeton University Press, 15. Februar 2013, S. 270. Bei Juden galt rotes Haar früher als „typisch“ – in Wirklichkeit ist es jedoch auch da ein seltenes Merkmal: 1903 sollen 5,6 % der polnischen Juden rotes Haar gehabt haben.Elkind: Evrei Trudi Antropologitshes-kavo Amdilla. xxi., Moskau, 1903. 1910 hatten laut anderen Studien 3,69 % der jüdischen Frauen rotes Haar, bei jüdischen Männern fand man 10,9 % mit roten Bärten (was aber nicht das Gleiche ist wie Kopfhaar).Maurice Fishberg: Jews, race & environment. 99, Transaction Publishers, 1911, ISBN 978-1-4128-0574-2 I