The Who ist eine 1964 gegründete britische Rockband. In ihrer Musik und ihrem Auftreten vertraten sie in den ersten Jahren eine im Vergleich zu den Beatles und den Rolling Stones aggressivere Variante der britischen Rockmusik. Inxsbesondere bekannt wurden sie durch ihre Konzeptalben Tommy und Quadrophenia. Nach dem Tod von Keith Moon (1978) und John Entwistle (2002) sind Gitarrist Pete Townshend und Sänger Roger Daltrey die verbleibenden Mitglieder der Gründungsbesetzung.
Geschichte Gründung und Erfolg mit My Generation Um 1959 gründete Roger Daltrey – damals noch als Leadgitarrist – im Nordwesten Londons die Schulband The Detours mit. Zwischen 1961 und 1962 stieß zuerst der Bassist John Entwistle und dann der Gitarrist Pete Townshend dazu. Alle drei besuchten ursprünglich dieselbe Schule in Acton im Municipal Borough of Acton im heutigen Bezirk London Borough of Ealing. Wegen einer gleichnamigen Konkurrenzgruppe benannte sich die Band, die allabendlich im Goldhawk Club in Shepherd’s Bush spielte,Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book 2. Gerig, 1996, ISBN 3-87252-250-7, S. 63. im Februar 1964 um in The Who. Wenig später ersetzte der Schlagzeuger Keith Moon den wesentlich älteren Doug Sandom, und der vom Mod-Kult stark beeinflusste Publizist und PR-Manager Peter Meaden, der schon 1963 auf die Band aufmerksam geworden war, änderte den Bandnamen erneut und beschaffte einen Plattenvertrag. Unter dem Namen The High Numbers (in der Mod-Sprache Stil bezeichnend)Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book 2. 1996, S. 63. wurde im Juli 1964 die erste von Meaden geschriebene Single I’m the Face / Zoot Suit veröffentlicht. Die Band blieb jedoch erfolglos (von ihrer ersten Single wurden nur 500 Stück verkauft), was sich erst änderte, als mit Kit Lambert und Chris Stamp bzw. mit dem von diesen gegründeten Label Track-Records ein neues Management die Geschäfte übernahm. Erste große Aufmerksamkeit in der Presse erlangte die Gruppe, die sich jetzt wieder The Who nannte, durch ihren ersten Fernsehauftritt, bei dem sie, nun vollends auf die englische Mod-Subkultur gestylt, ihr Instrumentarium wohlkalkuliert zerstörte.Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book 2. 1996, S. 63. Nach Aussage Daltreys habe die Band anfangs nur rund 100 Pfund pro Auftritt erhalten, aber zum Teil Ausrüstung von höherem Wert zerstört. Bereits 1964 prägte die Band für ihren eigenen Musikstil den Begriff „Maximum R&B“.Richard Barnes: The Who – Maximum R&B, Plexus Publishing, London 1996, Paperback, 168 Seiten, ISBN 0-85965-351-XChristie’s: Originalposter von 1964 , abgerufen am 26. Juni 2010
mini|The Who – Label der Single My Generation Ein Hitparadenerfolg war bereits die erste Single, die die Band unter dem neuen Namen veröffentlichte. Als Produzent fungierte anfangs der mit den Kinks erfolgreiche Shel Talmy. I Can’t Explain erreichte Anfang 1965 Platz acht der britischen Single-Charts, die darauf folgende Single Anyway, Anyhow, Anywhere Platz zehn. Das erste Album mit dem Titel My Generation und dem gleichnamigen Top-Hit erschien im Dezember desselben Jahres. Die Lieder ernteten positive Resonanz beim jungen Beat-Publikum und das Album wurde von Rolling Stone später als „eine der einflussreichsten Rock-Platten, die jemals veröffentlicht wurde“Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book 2. 1996, S. 63 (zitiert). bezeichnet. Auf ausgedehnten Clubtouren spielten The Who zu dieser Zeit My Generation, sodass dieses Stück zu einer Art Hymne für einen großen Teil der englischen Jugendlichen, den Mods, wurde.„Die dritte Single der Band, ‚My Generation‘, wird zur Hymne der englischen Jugend“ auf Nach einer Reihe erfolgreicher Single-Hits (My Generation, Substitute, I’m a Boy, The Kids Are Alright, Happy Jack) brachte die Band 1966 das Album A Quick One und 1967 das Album The Who Sell Out heraus. Der kommerzielle Erfolg war bescheiden, sodass die Gruppe – auch durch ihre kostspieligen Zerstörungsorgien während der Live-Auftritte verursacht – finanzielle Probleme bekam. 1966 und 1967 trat die Band einige Male in Deutschland auf, beispielsweise in Köln im November 1966 mit den Lords, wo die Band nach fünf Stücken wie üblich die Instrumente auf der Bühne zerstörte.
Etwa zur gleichen Zeit gingen Gerüchte um, dass sich Keith Moon, genannt „Moon The Loon“ (deutsch „Moon der Lümmel“),Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book 2. 1996, S. 63. und Entwistle einer Band um Jimmy Page anschließen wollten. Nach einigen Proben wurde einer gemeinsamen Arbeit jedoch eine Absage erteilt.
Im Juni 1967 traten The Who beim Monterey Pop Festival auf.
Tommy, Woodstock und der kreative Höhepunkt mini|Pete Townshend und Roger Daltrey am 17. Juni 2006 bei der Enthüllung einer Gedenkplakette in der Universität von Leeds: The University Refectory is a legendary concert venue. The Who’s performance here on 14 February 1970 was recorded and released as ‘Live at Leeds’, the most celebrated live album of its generation.
1969 schrieb Pete Townshend die Rockoper Tommy, die sich zu einem großen Verkaufserfolg entwickelte. Mit diesen Aufnahmen, unter anderem mit dem berühmt gewordenen Stück Pinball Wizard, orientierten sich The Who an den Pretty Things, die 1968 mit S. F. Sorrow die vermutlich erste Rockoper überhaupt veröffentlicht hatten, mit dieser aber kommerziell erfolglos blieben.„[…] war der Vorläufer der ‚Rock-Opern‘ die THE WHO oder den KINKS dann kurz darauf Erfolge beschert hat. Pete Townsend soll sogar zugegeben haben von ‚S.F. Sorrow‘ inspiriert worden zu sein.“ auf , home-of-rock.de Inhaltlich wurde die Oper von Townshends indischem Guru Meher Baba beeinflusst. 1974 folgte eine Verfilmung mit Roger Daltrey als Tommy, den anderen Bandmitgliedern sowie den Musikern Tina Turner, Elton John, Eric Clapton und den Schauspielern Ann-Margret, Oliver Reed und Jack Nicholson. Neben diesem Spielfilm von Regisseur Ken Russell wurde der Inhalt von Tommy noch als Ballett und Musical umgesetzt. Nachdem die frühesten Aufnahmen eher einfach aufgebaut waren, nahm die Komplexität mit Tommy stark zu. Die ausgedehnte Tournee mit ekstatischen Bühnenshows und einer meist vollständigen Darbietung der Oper machte die Gruppe zu einer der angesagtesten Live-Bands der Zeit.
Ebenfalls ein Erfolg war der Auftritt beim Woodstock-Festival im August 1969, für den die Band 11.200 US-Dollar erhielt, was ihre finanzielle Situation stark verbesserte. Aufgrund des drohenden finanziellen Bankrotts verlangte die Band, bar bezahlt zu werden, da man ansonsten nicht auftreten würde.„The Who almost didn’t perform at the festival. The band was near bankruptcy at the time and demanded to be paid in cash or else they would pull out.“ auf Als Abbie Hoffman, Anführer der so genannten Yippie-Bewegung, die Bühne während der Tommy-Passage des Auftritts betreten wollte, um eine Rede gegen die Verhaftung John Sinclairs zu halten, vertrieb Townshend diesen mit Gewalt von der Bühne.„Beim Woodstock Festival im Jahr 1969 unterbricht Hoffmann die Aufführung der britischen Rockband ‚The Who‘, indem er versuchte eine Protest-Ansprache gegen die Gefangennahme von John Sinclair von der White Panther Party zu halten. Der Who-Gitarrist Pete Townshend prügelt ihn von der Bühne.“ auf , www.16vor.de Die Band spielte in tiefster Nacht und beendete ihr Konzert im Morgengrauen. Die Popularität wuchs weiter durch den Woodstock-Film, der weltweit in den Kinos lief und Ausschnitte aus Tommy enthält.
Als Kontrast zu Tommy wurde 1970 Live at Leeds veröffentlicht. Auf der ursprünglichen LP waren lediglich sechs Stücke enthalten, darunter drei Coverversionen von Stücken, die zum Who-Repertoire gehörten (u. a. Summertime Blues). Von Sound und Aufmachung erinnerte Live at Leeds bewusst an eine Bootleg-Aufnahme. Die LP gilt auch heute noch als eines der besten Live-Alben. Das fast vollständige Konzert wurde allerdings erst 2001 als Doppel-CD veröffentlicht.
Nach einem weiteren Auftritt beim „Isle of Wight Festival“ 1970 entwarf Townshend mit dem „Lifehouse-Project“ eine weitere Rockoper als Nachfolger von Tommy. Konzipiert als eine Art Multimedia-Projekt über die Kraft der Musik und von Townshend in der Presse lautstark angekündigt, wurde „Lifehouse“ von den restlichen Bandmitgliedern eher skeptisch aufgenommen. Daraufhin erlitt Townshend einen Nervenzusammenbruch. Die Songs erschienen nicht wie ursprünglich geplant als Doppel-Konzept-Album, sondern wurden nach und nach als Singles, auf nachfolgenden Alben oder auf Townshends Soloalben veröffentlicht. Who’s Next von 1971 enthält den Großteil der „Lifehouse“-Kompositionen, darunter mit Won’t Get Fooled Again, Behind Blue Eyes und Baba O’Riley einige der bekanntesten Who-Stücke, die bis heute auf nahezu jedem Konzert gespielt werden. Das „Lifehouse“-Projekt fand erst 1999 mit einem Hörspiel und einer konzertanten Aufführung im Jahre 2000 – mit Townshend, aber ohne The Who – seine Vollendung.
1973 erschien mit der Doppel-LP Quadrophenia dann doch eine weitere Rockoper. Ohne den kommerziellen Erfolg von Tommy zu erreichen, stellt das Konzeptalbum für viele Kritiker zusammen mit Who’s Next den Höhepunkt des künstlerischen Schaffens von The Who dar. Dem Album wurde ein Bildband mit einem Einführungstext beigelegt, der den Handlungsstrang verdeutlichte. Das Thema von Quadrophenia ist das Erwachsenwerden von Jimmy, einem englischen Mod. 1979 wurde die Geschichte mit den darauf enthaltenen Straßenschlachten zwischen den Mods, Rockern und der Polizei mit gleichem Titel verfilmt und gilt als treffende Beschreibung der Situation der Jugendlichen Mitte der 1960er in England.„Seine Spannung und emotionale Wirkung erzielt es aus der realistisch deprimierenden Schilderung der Situation der Jugendlichen im England Mitte der 1960er-Jahre, deren Ausbruchsversuche von vornherein zum Scheitern verurteilt waren.“ auf br-online.de: , abgerufen am 2. Januar 2007 Die Tournee zum Album erwies sich allerdings als desaströs. Die Backing-Tapes, die es ermöglichen sollten, den vielschichtigen Sound des Albums auf der Bühne zu reproduzieren, funktionierten nicht richtig und behinderten den improvisierenden und anarchischen Charakter eines Who-Konzerts, sodass die Band dazu überging, nur noch wenige Stücke live darzubieten. Eine komplette Aufführung von Quadrophenia – mit mehreren Gastmusikern – gab es erst 1996/1997.
Auf die Quadrophenia-Tournee folgte eine kreative Pause. Bereits Anfang der 1970er-Jahre hatten alle Mitglieder diverse Soloprojekte veröffentlicht. Townshend widmete sich wieder Tommy, zunächst als orchestrierter Fassung, dann in Form des Film-Soundtracks, in dem, neben Daltrey in der Titelrolle, die Band ebenfalls kurz auftritt. Entwistle stellte Odds & Sods zusammen, eine Kollektion von Raritäten und B-Seiten von The Who.
1975 nahm die Band gemeinsam das Album The Who by Numbers auf. Townshend wurde 30, thematisierte das Älterwerden und seine Alkoholprobleme, und das Album wurde entsprechend autobiografisch, düster und introspektiv. Es brachte keine Hitsingle hervor. Die Band tourte dennoch, allerdings mit einem Greatest-Hits-Set, das wenige bis gar keine der neuen Stücke enthielt.
Der Tod Moons, die Band-Auflösung und erste Neuanfänge