Der Hauptmann von Köpenick ist ein deutscher Farbfilm nach dem gleichnamigen Theaterstück von Carl Zuckmayer über den „Hauptmann von Köpenick“. Es handelt sich um die zweite Verfilmung von Zuckmayers Theaterstück nach dem von Richard Oswald gedrehten, gleichnamigen Film von 1931.
Handlung Die Handlung beruht auf Zuckmayers bekanntem Drama: Es erzählt die Geschichte des durch seinen genialen Coup im Oktober des Jahres 1906 weltberühmt gewordenen Kriminellen Wilhelm Voigt. Es nimmt diesen Coup zum Anlass für eine kritische Darstellung des Militarismus und des Untertanengeistes im deutschen Kaiserreich. Die in Drama und Film erzählte Vorgeschichte der Begebenheit ist jedoch in weiten Teilen Fiktion.
Der Schuster Wilhelm Voigt wird nach 15 Jahren Haft, zu der er wegen verschiedener Betrügereien verurteilt worden war, aus dem Strafgefängnis Berlin-Plötzensee entlassen. Er hat vor, ein ehrlicher Mensch zu werden, aber überall, wo er sich bewirbt, fragt man ihn, beginnend mit den Worten: „Haben Sie gedient?“ nach seinem Vorleben. Ohne Aufenthaltsgenehmigung im jeweiligen Bezirk erhält er keine Arbeit, ohne Arbeit keine Aufenthaltsgenehmigung. Auch der zum vorübergehenden Arbeiten im Ausland nötige Pass wird ihm verweigert. Deshalb bricht er in ein Potsdamer Polizeirevier ein, um sich selbst einen amtlichen Pass auszustellen, wird erwischt und zu zehn Jahren Zuchthaus in Sonnenburg verurteilt.
In der Gefängnisbibliothek entdeckt er die preußische Felddienstordnung und lernt sie auswendig. Zudem bildet der Gefängnisdirektor seine Häftlinge in militärischem Gehabe aus. Nach seiner Haftentlassung kommt Voigt zunächst bei seiner Schwester Marie und deren Mann Friedrich unter und kümmert sich hingebungsvoll um das tuberkulosekranke Mädchen Lieschen, das als Untermieterin ein Zimmer bei seiner Schwester bewohnt. Als seine Resozialisierung aber erneut an der Bürokratie scheitert, da er aus Berlin ausgewiesen wird, plant er seinen nächsten Coup: Bei einem Trödler erwirbt er eine gebrauchte Hauptmannsuniform. Nachdem er sie angezogen hat, erscheint er mit einem Schlag als anderer Mensch, denn alle erweisen dem uniformierten Hauptmann höchsten Respekt. Voigt nutzt diese Autorität, um mit einigen auf der Straße angetroffenen Soldaten das Rathaus von Köpenick zu besetzen und den Bürgermeister zu verhaften. Zu seiner großen Enttäuschung erfährt er, dass es nicht möglich ist, sich im Rathaus Köpenick einen Pass zu beschaffen, und so beschlagnahmt er die Stadtkasse.
Inmitten des ungeheuren Aufsehens und der fieberhaften Suche nach dem Täter stellt sich Voigt einige Tage später gegen die Zusage, einen Pass ausgestellt zu bekommen, der Berliner Polizei. Anschließend gibt er die ganze Geschichte vor dem Polizeipräsidenten unter allgemeiner Erheiterung aller Anwesenden zum Besten. Voigt wird wieder einmal verurteilt, diesmal aber vom Kaiser begnadigt. Als er den versprochenen Pass erhält, meint er, diesen „überwartet“ zu haben und nicht mehr zu brauchen, da er jetzt der berühmte „Hauptmann von Köpenick“ sei.
Sonstiges mini|hochkant|Drehort von Außenaufnahmen war das Finanzamt Beim Schlump Nr. 82/83 im Hamburger Stadtteil Rotherbaum Gegen das Engagement Heinz Rühmanns machten die Produzenten Walter Koppel und Gyula Trebitsch, beide jüdische Nazi-Verfolgte, erhebliche Bedenken geltend, da er durch seine Tätigkeit und Popularität während der Zeit des Nationalsozialismus vorbelastet sei. Alternativvorschläge waren unter anderem Curd Jürgens oder Hans Albers. Erst auf Drängen des Regisseurs und Drehbuchautors Helmut Käutner erhielt Rühmann die Titelrolle.
Käutner hatte den Stoff bereits in einem 1945 produzierten Hörspiel verarbeitet.
Der Film wurde in Eastmancolor von der Real-Film in den Real-Filmstudios in Hamburg produziert und am 16. August 1956 im Ufa-Palast Köln uraufgeführt.
Da nicht an den Originalschauplätzen in Ost-Berlin gedreht werden konnte, entstanden die wenigen Außenaufnahmen in Hamburg. So diente das Finanzamt am Schlump im Stadtteil Eimsbüttel als Köpenicker Rathaus. Die Front des Altonaer Rathauses wurde zum Bahnhof, wo Rühmann sich als Hauptmann maskiert.
Ilse Fürstenberg spielte, wie schon in der Verfilmung von 1931, die Schwester Marie Hoprecht. Leonard Steckel stellte in der Verfilmung von 1931 den Trödler Krakauer dar und spielte in dem 1956er Film den Adolph Wormser.
Seit einiger Zeit gibt es in Fernsehausstrahlungen der restaurierten und formattechnisch angepassten Fassung des Filmes eine kurze zusätzliche Sequenz, die noch nicht den Weg auf ein Heimkinoformat gefunden hat (dort gibt es bis dato die ursprüngliche, unrestaurierte Version zu sehen). Diese befindet sich in der Rekrutierungsszene der beiden Militäreinheiten und zeigt eine zusätzliche Einstellung des Gefreiten, der den Befehl des „Hauptmannes“ Rühmann wiederholt. Die an den Befehl anschließende Einstellung, die die Formierung der Truppe für den Marsch zeigt, erfuhr eine Verlängerung. Zwei ebenfalls in der unrestaurierten Fassung fehlende Szenen wurden allerdings nicht eingefügt. Dies betrifft zum einen eine Varieté-Tanzeinlage des Regisseurs Helmut Käutner, die im Original-Kinotrailer zu sehen ist, zum anderen die ursprüngliche finale Einstellung des Filmes, in der die Hauptmannsuniform Wilhelm Voigts an einer Vogelscheuche zu sehen ist.
Regisseur Helmut Käutner hat einen weiteren Cameo-Auftritt als Straßensänger.
Während Ausstattung, Kleidung und die gezeigten Militäruniformen weitgehend historisch originalgetreu sind, gilt dies für die Bekleidung des Gefängnispersonals und jene der Polizei bzw. Schutzmannschaft nur bedingt. Hier sind teilweise Schulterstücke aus glatter oder geflochtener Plattschnur zu sehen, die nicht vor den 1920er Jahren oder gar erst in 1936 aufkamen.
Rezeption Der Film wurde ein enormer Publikumserfolg mit zehn Millionen Zuschauern in den ersten fünf Monaten. Er wurde in 53 Länder exportiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter am 21. Juni 1957 mit dem Deutschen Filmpreis. (1957) Der Hauptmann von Köpenick war der erste deutsche Nachkriegserfolg in den USA und wurde für den 1957 erstmals vergebenen Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert. (29th Oscars, 1956)
Der Film war wesentlich für das Comeback Rühmanns als Schauspieler nach dem Krieg. Bis dahin hatte Rühmann in der Nachkriegszeit eher Theater gespielt oder in weniger wichtigen Filmen mitgewirkt.
Auszeichnungen Wanderpreis Goldene Schale 2× Filmband in Gold als Bester Film und als Bester Film demokratischen Gedankens Bundesfilmpreis: Preise für Hauptdarsteller, Regie, Drehbuch und Bauten 2× Bambi als Künstlerisch wertvollster deutscher Film und als Geschäftlich erfolgreichster Film Oscar-Nominierung als Bester fremdsprachiger Film Preis der deutschen Filmkritik Berliner Kritikerpreis für Heinz Rühmann Auszeichnung Besonders wertvoll der Filmbewertungsstelle Wiesbaden Festspielbeitrag in Venedig, Edinburgh und San Francisco Film des Monats; September 1956; Evangelische Filmgilde
Kritiken
Literatur Carl Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick. Theaterstücke 1929–1937. In: Gesammelte Werke in Einzelbänden. Kassette 2. Fischer, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-10-096539-6. Gregor Ball, Eberhard Spiess, Joe Hembus (Hrsg.): Heinz Rühmann und seine Filme. Goldmann, München 1985, ISBN 3-442-10213-8. Hans Hellmut Kirst, Mathias Forster: Das große Heinz Rühmann Buch. Naumann & Göbel / VEMAG, Köln o. J., ISBN 3-625-10529-2. Markus Münch, Simone Utler: Drehort Hamburg. Wo berühmte Filme entstanden. be.bra, Berlin 2009, ISBN 978-3-86124-632-9. Irmela Schneider: Literatur und Film: „Der Hauptmann von Köpenick“. In: Werner Faulstich, Helmut Korte (Hrsg.): Fischer Filmgeschichte. 3, 1945 – 1960. Fischer TB, Frankfurt 1990, S. 271–298 (mit detailliertem Inhalt, Szenenfolgen).
Weblinks
Booklet der Blu-ray-Erstauflage mit Hintergrundinformationen (PDF-Datei)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1956 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Carl-Zuckmayer-Verfilmung Kategorie:Hauptmann von Köpenick Kategorie:Helmut Käutner