Gmunden ist eine Bezirkshauptstadt im österreichischen Salzkammergut und liegt an der Nordseite des Traunsees.
Stadtgeschichte Anfänge Überall waren Wälder und Felsen: dazwischen Seen und Flüsse, vorerst Pfahlbauten – später Hütten. Der Talfahrt des Salzes entlang entstanden früh- und vorzeitlich, an Fluss und See menschliche Ansiedlungen. Wo Wege sind – es waren vermutlich Land- oder Seewege – erblüht Existenz. Fischer waren zweifellos die ersten Menschen, die sich dort angesiedelt hatten, denn zum Wald bot das Wasser eine Nahrungsbasis.
Für die Jungsteinzeit, die Bronze- und die Eisenzeit ist die Besiedelung Gmundens durch mehrfache Funde nachgewiesen. Im 5. Jahrhundert wurden die früheren Bewohner im Gebiet des heutigen Gmundens von den Kelten unterworfen, diese wiederum unter Octavianus Augustus von den Römern. Nach der Völkerwanderung setzten sich hier die Bayern fest.
Frühmittelalter Wann aus einzelnen Hütten ein Dorf an der Traun, und wann während des 11. Jahrhunderts ein regelrechter Umschlagplatz am „Gemünde“ wurde, wurde nicht urkundlich festgehalten. In einem Aktenstück des Salzamtes von 1670 heißt es rückblickend: „An Stelle der Stadt Gmunden seindt verhero, ehendter das Salzwesen erfunden, etlich wenige Fischerhäusl allda gestandn…“
Die frühen Bewohner an der Traunmündung waren dem Landesfürsten und dem Traunkirchner Nonnenkloster zinspflichtig. Parallel mit einem Aufblühen der Salzgewinnung und des Salzhandels endete Ende des 14. Jahrhunderts der grundherrliche Einfluss des Frauenklosters Traunkirchen. Der Salzhandel zog anderen Handel nach sich, dieser wiederum Marktrechte, das Verlangen nach Schutz und Befestigungsanlagen. Der Traunfall unterhalb Gmundens zwang ab dort den Landweg auf, also Umschlag und Lagerung der Güter. Gleichzeitig ergab sich in der Folge ein Handel mit Frachtgütern für das obere – zur damaligen Zeit außer im Bergbau unproduktive – hintere Trauntal. Dass sich die Obrigkeit von jeher „eine Scheibe abzuschneiden wusste“, beweist, dass für Gmunden eine Landesfürstliche Maut erstmals im 13. Jahrhundert im Rationarium Austriae erwähnt wurde. Da es Differenzen gab, wurde bald eine gesetzliche Instanz durch den Landesherrn erforderlich.
Erhebung zur Stadt Die Rechtsgeschichte kennt als Charakteristika einer mittelalterlichen Stadt: 1. Marktrecht, 2. Stadtmauer, 3. Gerichtsbarkeit, über die Gmunden schon früh verfügte.Gmunden – 700 Jahre Stadt. S. 18 und 19.
Wann Gmunden von einem befestigten Markt zur Stadt wurde, ist nicht genau bekannt.Gmunden – 700 Jahre Stadt. S. 19–22. Aus alten Quellen weiß man, dass es bereits 1186 mit Mauern und Gräben umzogen war und 1188 zu einer Landstadt erhoben worden sein soll. Andere besagen, dass die Stadtwerdung erst nach 1230 erfolgte. Um 1278 wurde Gmunden – wohl in unmittelbarer Folge des Siegs über Premysl Ottokar in der Schlacht bei Dürnkrut – zu einer „Landesfürstlichen Stadt“ erhoben.
In einer nicht mehr im Original vorliegenden Urkunde Herzog Rudolfs III. von Österreich vom Florianstag des Jahres 1301 (4. Mai) wurde ihren Organen das Siegelrecht verbrieft. Da das erwähnte Dokument die Geschworenen als bestehende städtische Körperschaft anführt und die Kriterien einer Stadt formell gegeben waren, ist anzunehmen, dass diese Siedlung mit dem Recht der kooperativen Selbstverwaltung bereits seit etlichen Jahren Stadt war. Der Nachweis wann Gmunden genau zur Stadt wurde, muss aber dadurch in Frage gestellt werden, da die erhaltene Urkundenreplik zunehmend als eine Fälschung aus der Zeit des Humanismus angesehen wird.
mini|Gmunden im 13. Jahrhundert Für die Klassifikation Gmundens als Stadt spricht auch eine Urkunde vom 10. März 1344, mit der Herzog Albrecht II. den Bürgern von Lauffen eine Urkunde Rudolfs I. bestätigt, in der es hieß: „daz seu alle recht, gnad und vreyung haben sullent, die unser purger von Gmunden haben untzher bracht.“ Da Rudolf Österreich vor dem Mai 1281 verließ, steht außer Zweifel, dass seine Ersturkunde vor diesem Zeitpunkt erlassen worden ist.
Mittelalter mini|hochkant|Der Christopherusturm – 1416
Im 13. Jahrhundert war Gmunden – wie viele andere Städte auch – schwer befestigt: Die äußere Stadtmauer – 7,8 Meter hoch und an der Basis 1,9 Meter dick – im Bereich der jetzigen Grabenstraße und in vier Meter Entfernung noch eine innere, die 2 bis 4 Meter dick war, umschlossen den wasserlosen Graben (dieser war stellenweise 22 Meter breit, die übrigen Seiten der Stadt waren natürlich durch den See begrenzt, diese natürliche Begrenzung war bis 1818 von Holzplanken begrenzt), der auch Zwinger genannt wurde und über den man mittels Stiegen zu Wehrgängen zur äußeren Stadtmauer gelangen konnte. Sieben – unregelmäßig, an der Stadtmauer angeordnete – Türme verteidigten und schützten die Stadt. Nur einige von jenen, zu denen sich auf der Holzbrücke über die Traun der Bockturm gesellte, besaßen Stadttore: Der Christophsturm (Theatergasse), der Neutorturm (Badgasse) – auch Rinnerholz genannt – und der Oberturm (Pfarrhofgasse) hatten welche. Die Stadtmauer war Anfang des 13. Jahrhunderts noch keine solche wie oben erwähnt, sondern lediglich ein Palisadenschutz aus Holz.
Alles, was solcher Art durch Umgrenzungen schützte und beschützte, stellte das mittelalterliche Gmunden dar. Dieses Bild einer kleinen, jedoch wehrhaften und regen landesfürstlichen Stadt, trifft jedoch nicht für das Jahrhundert der Stadtwerdung Gmundens zu. Im Unterschied zu den reichen Quellen für das spätere Mittelalter gibt es für das 13. Jahrhundert keine konkreten Unterlagen. Es steht zwar fest, dass Gmunden der Fläche nach fast gleich groß war wie im 14. Jahrhundert – 1313 erfolgte eine Erweiterung der Stadt – aber es war wesentlich bescheidener. Laut einer Schätzung des österreichischen statistischen Zentralamts besaß die Stadt damals nur ca. 80 Häuser – diese waren allerdings klein und boten nur einer Familie Unterkunft. Es wird eine Gesamteinwohnerzahl von etwa 250 Menschen angenommen. Ferdinand Krackowizer gibt für das Jahr 1576 180 Häuser an, dabei waren jene im Vorfeld der Stadtmauer auch inbegriffen. Mehr als hundert Jahre später, 1690, ist von nur 114 Häusern die Rede – das entspricht dem im Österreichischen Städtebuch erwähnten Absinken der Bevölkerung im 17. Jahrhundert.
mini|Modell der Stadt Gmunden (Stadtmuseum) Die Erweiterung der Siedlung erfolgte Richtung Seeufer, wobei der ursprüngliche Salz-Lände-Platz zum Hauptplatz wurde. Wie bescheiden Gmunden vor mehr als 700 Jahren war, beweist die Tatsache, dass es keine eigene Kirche, sondern lediglich eine Kapelle hatte. Dabei handelte es sich um die so genannte Annakapelle – die Baubeginn-Angabe mit dem 11. Jahrhundert ist allerdings umstritten: Laut Unterlagen des Odinariatsarchives der Diözese Linz ist die Kapelle erst im 13. Jahrhundert erbaut worden. Die Annakapelle bestand aus einer Totenkapelle und einer Oberkirche in den bescheidenen Maßen 8 m × 6,5 m. Während Ohlsdorf bereits 1280 als Pfarre genannt wird, gehörte Gmunden (inzwischen zur Stadt erhoben) zur großen Ohlsdorfer Pfarre, und die heutige Stadtpfarrkirche, wahrscheinlich 1300 gebaut, stellte deren Filialkirche dar, die erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts zur eigenen Pfarre wurde. Einen eigenen Pfarrer hatte Gmunden erst ab 1343. Im selben Jahr übernahm Gmunden den Ohlsdorfer Pfarrbezirk, womit Ohlsdorf seinerseits zur Filialkirche wurde. Aber selbst damals waren die heutigen Stadtbereiche, die „Vorstädte“ Gmundens – Seestadl, Traundorf, Weyer, Tastelberg, Schlagen und Traunstein noch nicht der Gmundner Pfarre unterstellt. Diese wurden erst zwischen 1774 und 1776 aus der Pfarre Altmünster herausgelöst und der Pfarre Gmunden inkorpiert. In diesem Zusammenhang wurde eine lokale Ortspfarre im Seeschloss Ort 1784 eingerichtet.
Wirtschaftliches und politisches Oberhaupt jenes kleinen Stadtwesens war – in Ausübung der Rechte und Interessen des Landesherrn – der Salzamtmann bzw. der Stadtrichter. Obwohl die Namen der Pfarrherren alle überliefert sind, sind die Namen der Salzamtmänner erst ab 1325 bekannt. Wie in allen Städten zur damaligen Zeit war der Stadtplatz (der spätere „obere Markt“ – heute Marktplatz) das Zentrum des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft. Marktrecht, Handels- und Markterlaubnis stammten vom Stadt-, im Fall Gmundens vom Landherrn. Zu einer Selbstverwaltung kam es erst, als der Landherr die Bildung von Innungen und Zünften genehmigte, deren Wirtschaftsregulative ebenso wie religiöse Elemente für die Organisation bestimmt waren.
Wie bescheiden Gmunden im 13. Jahrhundert auch gewesen sein mag, zeugt doch laut Johann Forstingers Stadtchronik (1866) die Errichtung einer herzoglichen Zollstätte im Jahre 1213 von der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung: Bäcker und Müller bildeten – bis ins 16. Jahrhundert – eine gemeinsame Zunft. Knapp 100 Jahre nach der Stadtwerdung gab es in Gmunden sechs Bäcker; 1479 sieben Fleischer.
Bereits 1217 bestand in Gmunden ein Landgericht. Demzufolge befand sich inmitten des Stadtplatzes der Pranger („Prechtl“ genannt), als Symbol und Gerätschaft der Rechtsprechung.
Wie für alle Stadtplätze jener Zeit charakteristisch war der Brunnen. Hier holten sich die Bürger Wasser zum menschlichen und tierischen Genuss, aber auch zur Körperpflege – diese darf man zweifellos für den ländlichen Raum und die Bewohner von Kleinstädten mit ländlicher Umgebung als dürftig bezeichnen. Das Badewesen kam erst im späteren Mittelalter zur Blüte. Der Stadtplatz war ursprünglich größer, erst zu Ende des Mittelalters wurden etwa 20 Hausstellen im Bereich der heutigen Flehgasse (westlich des oberen Marktes) eingebaut.
mini|1. Gmundner Rathaus Durchaus typisch war die Anlage der Straßen mit Arbeits- und Wohnstätten, in denen die einzelnen Zünfte geschlossen vertreten waren: Die Salzfertigergasse – einem typischen Beruf der Salzstadt zugeordnet, die Bäckergasse – hier gab es eine Bäckerei und die Schlossergasse. Der Rinderholzplatz, ursprünglich ein Rindermarkt, wurde als Rinnholzplatz missverstanden – heißt bis heute so, die Badgasse erinnert an das einst dort befindliche Badehaus – Körper- und Gesundheitspflege. Die erste urkundliche Nachricht des Stadtbades stammt von 1498 (es wird allerdings vermutet, dass dieses schon viel früher bestand).
Die Häuser waren zumeist aus Holz und Lehm, selten aus Stein gebaut, waren strohgedeckt, standen auf einem „gestampften“ Lehmboden und waren nur in wenigen Teilen unterkellert. Sie hatten offene Rauchabzüge und nur wenige Räumlichkeiten. Hühner, Schweine neben Erwachsenen und Kindern vielfach in der Stube, die oft allen Funktionen einschließlich der Arbeit diente. Unrat und Exkremente landeten einfach auf den ungepflasterten Straßen, deshalb waren diese bei Schlechtwetter unpassierbar. Dies war nicht nur in Gmunden, sondern in allen anderen „größeren“ Städten der damaligen Zeit so. Da Hygiene keinen großen Stellenwert besaß, kam es oft zu Epidemien. Die bescheidenen Hütten bzw. Häuser waren nicht aneinandergebaut, sondern alleine wegen der Brandgefahr von den „Reichen“ getrennt. Die Traunbrücke ist erst für das 14. Jahrhundert vermerkt, ob es vorher eine Übersetzung per Fähre gab, ist anzunehmen. mini|Ein gerade eben fertiggestelltes Salzschiff
15. Jahrhundert Bereits vor 1432 gab es „Salzbereiter“, die den Salzschmuggel unterbanden und die Salztransporte schützten. Diese Bereiter waren schwer bewaffnet und ihre Anzahl wurde ständig vermehrt: Man sprach damals sogar von einer Salz- bzw. Grenzfußknechtkompanie, deren Aufgabe später von den „Grenzcordonisten“ übernommen wurde. Die Salzbereiter verdienten sich ihr tägliches Brot allerdings schwer, denn bei Kämpfen mit Schmugglern wurden sie manchmal schwer verletzt oder gar getötet. 1465 verlieh Friedrich III. der Stadt die Hals- und Blutgerichtsbarkeit.