Dieser Artikel bietet eine chronologische Übersicht zur Geschichte der Stadt Mülheim an der Ruhr und ihrer eingemeindeten Stadtteile.

Die Geschichte der Stadt ist zwar eng verbunden mit der Herrschaft und dem Schloss Broich, das um 883 als Wehranlage an der Ruhrfurt errichtet wurde, die nachweisbare Geschichte einzelner Mülheimer Ortsteile beginnt jedoch früher, und erst im Jahre 1093 wurde Mulinhem als Gerichtsstätte in einer urkundlichen Erwähnung des Stadtnamens genannt.

801–1200

811 Menden findet als menithinna Eingang auf einer Schenkungsliste des Werdener Klosters, wo vermerkt ist, dass Abt Hildegrim hier mit sechs Morgen Land beschenkt wurde. Damit ist dies vermutlich die erste verlässlich datierbare Erwähnung eines späteren Mülheimer Stadtteils. 883 Vermutlich im Winter der Jahre 883/884 lässt der fränkische Graf Heinrich auf der linken Ruhrseite eine Sperrburg zum Schutz des Hellwegs und als Flusssperre gegen die Wikinger errichten. Aus der spätkarolingischen Wehranlage entwickelte sich das spätere Schloss Broich. 923 In seinen Annalen berichtet Flodoard von Reims von einem Treffen zwischen König Heinrich I. von Ostfranken und König Robert I. von Westfranken am Unterlauf des fluvium RuramFLODOARDI ANNALES 923 (latein), höchstwahrscheinlich geschah dies auf der befestigten Anlage in Broich. 1033 In einer Urkunde vergibt Kaiser Konrad II. dem Kloster Werden das Recht, die Ruhr von der Mündung bei Ruhrort bis zum Kloster Werden zu beschiffen. 1052 Der heutige Stadtteil Speldorf wird erstmals urkundlich als Speldorpe in einer Werdener Schenkungsurkunde erwähnt. 1067 König Heinrich IV. schenkt seinen Teil des Königshofs Styrum dem Stift Kaiserswerth. 1093 Mit der ältesten Urkunde, die den späteren Stadtnamen Mulenheim benutzt, wird eine Schenkung an das Kloster Werden vollzogen. Als Zeugen des Gaugerichts des Ruhrgaues werden ebenfalls die Edelherren von Broich und Dümpten das erste Mal namentlich erwähnt. In jüngeren Urkunden wird der Name zu Molenheim und Molnheim abgewandelt. 1098 Kaiser Heinrich IV. erklärt den Sattelhof in Raadt, heute Ortsteil von Menden-Holthausen, für vogtsfrei. 1190 Der Kölner Erzbischof Philipp I. von Heinsberg erwirbt Burg Broich als Offenhaus von den Herren Dietrich und Everwin. Damit ist Schloss Broich erstmals urkundlich erwähnt. Um 1200 Die Eigenkirche St. Petrus wird wahrscheinlich als erster steinerner Sakralbau auf dem Kirchenhügel errichtet. In Saarn wird nach heutigen archäologischen Befunden das spätere Zisterzienserinnenkloster Saarn erbaut. 1200 Graf Arnold von Altena-Isenberg wird als Herr vom Alten- und Murenhof auf dem Kirchenhügel und von Haus Styrum genannt. Er weist diese seiner Frau Mechthild von Holland zu Styrum, einer Tochter Florens' von Holland, als Witwengüter an.

1201–1400 1214 Am 3. Juli wird die Klosterkirche des Nonnenklosters Aula sanctae Mariae in Saarn geweiht. 1216 In einem Dokument vom 10. Mai erklärt Äbtissin Wolberna, dass ihr Kloster bereits 1214 in den Zisterzienserorden aufgenommen und als Filiation der Abtei Kamp unterstellt wurde. 1220 Am Fronhof Diepenbeck ist die älteste Wassermühle auf dem heutigen Stadtgebiet nachweisbar. Die Deutung des Namens Mülheim als „Heim der Mühlen“ weist darauf hin, dass die Bewohner im Mittelalter ihrer Siedlung als besonderes Charakteristikum der Existenz von Mühlen zuwiesen. Ob dies wegen der Vielzahl oder der herausragenden Bedeutung einer einzelnen Mühle erfolgte, ist leider nicht mehr feststellbar. 1223 Das Kloster Saarn wird durch Bestätigungsschreiben des Papstes Honorius III. anerkannt und mit besonderen Privilegien ausgestattet. 1225 Ein Bauer soll beim Pflügen in Eppinghofen die erste Kohle gefunden haben, was aber wegen des hohen Baumbestands als Brennmaterial zu der Zeit nicht von Bedeutung war. Bedingt durch die Reichsacht vom 25. Dezember über Graf Friedrich von Isenberg kann sein Cousin Graf Adolf von der Mark auch die Isenbergischen Güter auf Mülheimer Gebiet an sich bringen. 1240 Die Herren von Broich werden als Vasallen des Herzogs Heinrich IV. von Limburg mit in die Territorialkriege des Erzbischofs Konrad von Hochstaden gegen den Herzog und seinem Verbündeten Graf Wilhelm IV. von Jülich reingezogen. In der Folge wird Schloss Broich angegriffen und belagert. Schlussendlich muss der Erzbischof aber erfolglos abziehen. 1243 Durch Tausch kann Graf Dietrich von Limburg  die Güter in Mülheim nach achtzehn Jahren wieder in Familienbesitz bringen, woraus sich der Stammsitz der neuen Grafenlinie Limburg-Styrum entwickelt. 1246 Das Mülheimer Schöffengericht ist quellenmäßig erstmals belegt. Das Gericht befindet sich im gemeinsamen Besitz der Herren von Broich und der Grafen von Berg. Um 1250 Westlich der Kirche St. Petrus lässt Graf Dietrich von Limburg-Styrum einen Turm mit Eingangsportal anbauen. 1250 Der Pleban Ludwig ist als erster Priester in der Kirche St. Petrus urkundlich belegt. 1252 Graf Dietrich von Limburg-Styrum erhält vom Gegenkönig Wilhelm von Holland das Recht einen Wochenmarkt in seinen Besitzungen in Mülheim einzurichten. 1265 Graf Adolf V. von Berg erwirbt umfangreiche Vogteirechte aus dem Besitz des Klosters Werden und baut den Einfluss der Grafen von Berg im unteren Ruhrtal erheblich aus. 1266 Es wird erstmals die Pfarrei Mülheim genannt. 1289 Zusammen mit seinem Sohn Eberhard errichtet Graf Dietrich von Limburg-Styrum anstelle des alten Hofgutes in Styrum ein erstes Burg­haus. 1302 Das Stift Gerresheim inkorporiert die St.-Laurentius-Kirche in Mintard. 1348 Die verschiedenen auf Mülheimer Gebiet herrschenden Geschlechter, die Grafen von Limburg-Hohenlimburg, Graf Gerhard von Berg und die Herren zu Broich schließen ein Bündnis, das die Position der Bergischen Grafen weiter stärkt.

1372 Die Herren von Broich sterben im Mannesstamm aus und das Erbe wird unter den beiden Töchtern geteilt. Die linksrheinischen Broicher Besitzungen gehen an den Herrn von Wevelinghoven, die rechtsrheinischen Güter und damit auch Burg und Herrschaft Broich fallen an Dietrich IV. von Limburg, woraus die Grafenlinie Limburg-Broich entsteht. Für fast 140 Jahre sind sie jetzt unmittelbarer Nachbar der Verwandtschaft in Styrum. 1397 Der Gerichtsbezirk Mülheim mit dem Kirchspiel wurde nach der Schlacht von Kleverhamm am 3. August aus der Hand des Wilhelm, Herzog von Berg an die Grafen von Kleve und Mark verpfändet und verblieb ein halbes Jahrhundert unter klevischem Einfluss.

1401–1600 1408 Erste urkundliche Erwähnung der Broicher Ruhrfähre am 24. Juni. 1442 Die Belehnung des Grafen Wilhelm I. von Limburg-Styrum durch König Friedrich ist urkundlich nachweisbar. Bis 1806 bleibt die Herrschaft Styrum damit reichsunmittelbares Lehen. Herzog Adolf II. von Kleve-Mark lässt nach einem Überfall kurkölnischer Truppen den Bezirk auf dem Kirchenhügel verteidigungsfähig ausbauen und verlegt eine Besatzung dorthin. 1430 Dietrich V. von Limburg-Broich wird von Herzog Adolf II. von Kleve-Mark als Amtmann über das Mülheimer Kirchspiel eingesetzt. 1443 Anlässlich der Auseinandersetzung des Kölner Erzbischofs Dietrich von Moers im Machtkampf mit Herzog Adolf von Kleve, erobert der Erzbischof zusammen mit Herzog Gerhard von Jülich-Berg die Burg Broich und nehmen sie in Besitz. Da die Söldner des Kölner Erzbischofs zahlreiche Klosterhöfe in Saarn, Speldorf und Broich plündern und brandschatzen, erleidet das Saarner Kloster nachhaltige wirtschaftliche Schäden. 1444 Der Gerichtsbezirk Mülheim wird vom Kölner Erzbischof für 4000 Gulden aus der Verpfändung an Kleve gelöst. 1446 Die Grafen von Limburg-Broich erhalten – als bergisches Lehen – die Herrschaft über Burg Broich zurück. Graf Wilhelm II. von Limburg-Broich wird Amtmann des Kirchspiels Mülheim. 1459 Graf Wilhelm II. von Limburg-Broich bekommt das Kirchspiel Mülheim schließlich als Pfand. Damit sind erstmals die auf der linken Ruhrseite gelegene Burg Broich und das auf der rechten Ruhrseite gelegene Dorf Mülheim unter gemeinsamer Herrschaft zusammengefasst. 1511 Mit Graf Johann von Limburg-Broich stirbt der letzte männliche Vertreter dieser Grafenlinie. Schwiegersohn Wirich V. von Daun-Falkenstein wurde drei Jahre zuvor als Nachfolger belehnt. Bis 1682 üben die Grafen von Daun-Falkenstein über vier Generationen die Herrschaft über Broich und das Dorf Mülheim aus. 1539 Schloss Styrum verliert vorerst seine Funktion als Residenz des Limburg-Styrumer Grafengeschlechts, da Graf Georg von Limburg-Styrum in die geerbten Besitzungen im Herzogtum Geldern zieht. Amtmänner übernehmen die Verwaltung der Herrschaft Styrum. 1552 Am 28. September heiratet Graf Philipp II. von Daun-Falkenstein Herr zu Broich, resignierter Kölner Subdiakon, die ehemalige Nonne Maria Caspara von Holtey. Die Ehe wird in der Broicher Schlosskapelle vom Kettwiger Pastor Hermann Kremer nach evangelischem Ritus geschlossen. 1554 Kurz nach dem Tod des Grafen Philipp sind die Anzeichen reformatorischer Veränderungen in Mülheim schriftlich nachweisbar. 1575 Im Kloster Saarn kommt es zum Streit zwischen der Äbtissin und Nonnen, welche die Kommunion beider Konfessionen verlangen. 1577 Die Saarner Nonnen richten eine Supplik an die Ritterschaft von Berg. 1578 Graf Wirich VI. von Daun-Falkenstein Herr zu Broich heiratet die resignierte Äbtissin des Reichsstift Essen, Elisabeth von Manderscheid-Blankenheim. Dies gilt wieder, gemeinsam mit Weisungen zur Änderung des Gottesdienstes, als starke reformatorische Bestrebung. 1579 Mit Hilfe des Abtes von Kamp vertreibt die Saarner Äbtissin die seit 1575 aufständischen Nonnen aus dem Kloster Saarn. 1583 Durch einen Erlass der herzoglichen Regierung in Düsseldorf vom 31. Oktober soll der Gregorianische Kalender eingeführt werden. Auf den 2. November folgt in diesem Jahr nun der 13. November in den Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg und somit auch in Mülheim. 1585 In Heißen ist eine aus fünf Personen bestehende Gewerkschaft nachweisbar, die einen Stollen zum Kohleabbau betreibt. Ab jetzt kommt es infolge der Truchsessischen Wirren und des Achtzigjährigen Kriegs, wiederholt zu spanischen und staatischen Durchmärschen und Einquartierungen. Mülheim und Umgebung haben daran schwer zu leiden. 1586 Der flämische Feldherr in spanischen Diensten Claude de Berlaymont quartiert im März im Dorf Mülheim. Wegen Brandschatzung werden die Spanier vertrieben, die jedoch auf dem Rückzug etliche Häuser anzünden. Zwei Tage später wird das Dorf von sieben Fähnlein spanischer Truppen überfallen, wobei viele Mülheimer ermordet, verwundet oder ausgeraubt werden. 1587 Erneuter spanischer Überfall auf Mülheim. Am 12. Januar wird in die Petrikirche eingebrochen und die dort eingebrachten Güter, die Armenkasse und das Gerichtssiegel geraubt. 1591 Die Reformation hat sich schließlich in der Herrschaft Broich durchgesetzt. 1595 Schriftliche Beschwerde von Graf Wirich VI. von Daun-Falkenstein an den spanischen Obersten Francisco Verdugo über die Ausschreitungen seiner Söldner. 1598 Im September kommt es immer wieder in Alstaden und Styrum zu Plünderungen, Brandstiftung und Mord von den in Orsoy einquartierten Spaniern unter Admiral Francisco de Mendoza. Am 27. September wird schließlich auch das Dorf Mülheim geplündert und in Brand gesteckt. mini|Der Mord an Wirich durch die Spanier, Kupferstich von Jan Luyken von 1698