mini|hochkant|Speicher XI, vorne: Hafenmuseum, Restaurant und Bremer Zentrum für Baukultur; hinten: Hochschule für Künste mini|hochkant|Rolandmühle mit 12 Silos mini|hochkant|Alte Feuerwache 5 und Zollamt nahe dem Überseetor Die Überseestadt in Bremen ist seit 2009 ein Ortsteil des Stadtteils Walle. Zugleich ist Überseestadt der Name für ein in der Umsetzung befindliches Stadtentwicklungsvorhaben der alten Hafengebiete mit moderner Waterfront. Das Vorhaben sieht eine langfristige Entwicklung des alten Hafengebietes zu einem attraktiven Standort für möglichst wertschöpfungsintensive unternehmerische Aktivitäten vor, mit Ansiedlungen neuer Dienstleistungen, Gewerbebetriebe und Wohnraum. Es war 2011 mit rund 300 Hektar ein größes innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekte in Europa, vergleichbar mit u. a. dem Londoner Docklands und der Hamburger HafenCity.Standort der Möglichkeiten – WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, abgerufen am 31. Mai 2020Harald Czycholl: Bremens Überseestadt ist Europas größtes Bauprojekt, Bericht in Die Welt am 22. Oktober 2011Harald Czycholl: Bremens Überseestadt ist Europas größtes Bauprojekt; welt.de vom 22. Oktober 2011, abgerufen am 22. Oktober 2011

Geographie mini|hochkant|Gebäudesanierung im Rahmen des Projekts Speicherhafen Das Stadtentwicklungsvorhaben Überseestadt umfasst den Ortsteil Überseestadt (vormals Handelshäfen) und den zum Ortsteil Steffensweg gehörenden Waller Wied. Es erstreckt sich zwischen den Ortsteilen Mitte und Gröpelingen entlang der Weser. Das Gebiet ist 4,5 Kilometer lang und einen Kilometer breit. Landseitig wird es von der Hans-Böckler-Straße / Nordstraße / Bremerhavener Straße begrenzt.

Das Gebiet wurde nach dem Zweiten Weltkrieg überwiegend industriell genutzt. Nur in einem eng abgeschlossenen Gebiet zwischen Nordstraße und Bogenstraße, dem Waller Wied, wurde die im Krieg zerstörte Wohnbebauung in den 1950er Jahren wiederhergestellt. Das nördliche Drittel der Überseestadt und die Flächen direkt an der Weser sind industriell geprägt. Der Holz- und Fabrikenhafen wird weiterhin herkömmlich als Hafen genutzt. Das Hafenbecken des Europahafens blieb bestehen ohne hafentypische Nutzung. Die Wasserfläche dient der Freizeit-Schifffahrt, an der Nordseite entstand die Marina Europahafen. Die angrenzenden Landflächen werde durch Dienstleistungsbetriebe und Wohnzwecken genutzt.

Geschichte mini|hochkant|Holz- und Fabrikenhafen Die Versandung erschwerte bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts den Schiffsverkehr auf der Weser. Hochseeschiffe steuerten nicht mehr die in der Stadtmitte gelegenen Häfen (Schlachte) an, sondern flussabwärts gelegene, zunächst Vegesack, später Brake (Unterweser) und ab 1827 Bremerhaven. Um den lukrativen Handel und Schiffsverkehr wieder in die Stadt zu holen, baute Bremen ab 1887 einen flussabwärts des Stadtkerns gelegenen Freihafen. Das Projekt war erfolgreich, nach dem ersten Hafenbecken – später Europahafen genannt – folgten flussabwärts weitere Hafenbecken, zuletzt 1906 der Überseehafen. Der Hafenbetrieb an der Schlachte wurde eingestellt.

Überseehafen und Europahafen waren klassische Stückgut-Häfen. 1964 begann in Bremen die Zeit des Containers. 1966 machte das erste in Europa erschienene Containerschiff, die Fairland, im Überseehafen fest. Löbe, Seehafen Bremen. S. 277. Die Strukturen des Europahafens und des Überseehafens entsprachen jedoch nicht mehr den Anforderungen einer modernen Hafenwirtschaft. Die Kapazitäten im Neustädter Hafen reichten für den Umschlag aus.

In der Folgezeit ging das Stückgutaufkommen zurück – die Stückgutfracht endete in den 1980er Jahren. Neue Schiffe wurden mit mehr Kapazität und Tiefgang gebaut, so dass die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Häfen, die zugehörigen Lagerflächen und die Weser für die modernen Bedürfnisse zu eng wurden. Auch die Ausstattung mit einem RoRo-Terminal im Jahr 1972 am Kopf des Europahafens konnte den wirtschaftlichen Niedergang nicht aufhalten.

Da es für den Überseehafen keinen Bedarf mehr gab und die Kajen irreparabel hinfällig waren, wurde der Überseehafen 1991 geschlossen. Das Hafenbecken wurde 1998 mit rund 3,5 Mio. Kubikmetern Sand, der bei Baggerarbeiten zur Außenweservertiefung anfiel, verfüllt. Damit entstand eine der Grundlagen für die Erschließung der „Überseestadt“.

Aufgrund der geänderten Nutzung des Überseehafengebietes wurden die stadtbremischen Verwaltungsbezirke durch das Ortsgesetz vom 24. März 2009 (BremGBl S. 93) neu geordnet. Dadurch wurde der frühere Ortsteil Handelshäfen aus dem Stadtteil Häfen ausgegliedert und als Ortsteil Überseestadt in den Stadtteil Walle eingegliedert.

Stadtentwicklungsvorhaben Der Bremer Senat beschloss 2000 die „Entwicklungskonzeption zur Umstrukturierung der Alten Hafenreviere in Bremen“. 2003 wurde der Masterplan Überseestadt verabschiedet.

Die Bürgerschaft beschloss 1998 den Großmarkt in das Hafenrevier umzusiedeln. Die Verlegung des Großmarktes diente zur Auf-wertung der Nachbarschaft des Flughafens. Im November 2002 nahm der Großmarkt seinen Betrieb auf.

Mit dem Bau der Erschließungsstraßen für den Großmarkt wurde auch die die Nutzung des 400 m langen Speichers XI für neue Zwecke möglich. Er hat großen hafengeschichtlichen und architektonischen Wert. Die Hochschule für Künste zog 2003 in den westlichen des Speichers ein. Der östliche Teil wird durch das Hafenmuseum (2004), ein Restaurant, Dienstleistungsunternehmen, Speicherbühne und Vereine genutzt.

Mit dem Weggang des Fruchtsaft-Unternehmens Valensina (2001) aus dem Europahafen und der Aufgabe des RoRo-Terminals von Eduscho vor Kopf des Europahafens entstanden weitere neue Möglichkeiten der Stadtentwicklung.

Das südliche, stadtnächste Drittel der Überseestadt wurde über die Lloydstraße und die Eduard-Schopf-Allee erschlossen, die Überseestadt-Mitte über das Hansator und die Überseestadt-Nord über das Überseetor und die Emder Straße. Bei der Eduard-Schopf-Allee handelt es sich um eine neue Verbindungsstraße von um 2006, die die in den 1960er Jahren errichtete Hochstraße B 6 unterquert und damit die Überseestadt via den Verkehrszug Am Wall an das Stadtzentrum anbindet – und somit einen neuen stadträumlichen Bezug herstellt. Auch innerhalb der Überseestadt wurden zahlreiche Straßen saniert, verlegt oder neu angelegt.

Durch die Überseestadt-Süd und die Überseestadt-Mitte ist parallel zum bisherigen Streckenverlauf eine Straßenbahnstrecke gebaut worden, die seit Dezember 2006 von der Straßenbahnlinie 3 und seit März 2019 zusätzlich von der Straßenbahnlinie 5 bedient wird. Zuvor führte die Linie 3 am Rand der Überseestadt entlang. Die Linie 3 wird zwischen Europahafen und Eduard-Schopf-Allee über ein 4-Schienen-Gleis geführt; auf dem versetzten Gleis wurden bis zur Werksschließung 2016, Übergabefahrten der Hafengüterbahn für Kelloggs durchgeführt.

Im April 2007 beschloss die Stadtbürgerschaft einen Bebauungsplan, dem zufolge an der Wasserkante im Nordwesten der Überseestadt, im Quartier Überseepark, Wohn-, Geschäfts- und Bürogebäude entstehen sollen, die von den angrenzenden Gewerbegebieten durch einen schmalen Grünstreifen getrennt werden.https://www.bauleitplan.bremen.de/bplan.php?BP_NR=2335

Im Zuge der Stadtentwicklung siedeln sich zahlreiche Dienstleistungsunternehmen in den teils sanierten, teils neu gebauten Gebäuden in der Überseestadt an.

Im so genannten Weser Quartier der Überseestadt rund um den früheren Weserbahnhof wurde mit dem von Helmut Jahn entworfenen 82 Meter hohen Weser Tower das höchste Bürogebäude der Stadt errichtet. Weitere Bürogebäude, Freizeit- und Gastronomiebetriebe, ein Hotel, ein Theater etc. befinden sich in Bau oder wurden wie der Hilde-Adolf-Park bereits fertiggestellt.Überseestadt-Bauboom ungebrochen, Weser Kurier, 1. November 2012

Im Oktober 2017 wurde eine Übereinkunft zwischen der Stadt Bremen und Kellog’s Deutschland erzielt, wonach das angrenzende Gelände der früheren Frühstücksflockenfabrik gemeinsam entwickelt werden solle. Mit dem Windkraftunternehmen wpd GmbH stehe ein Investor bereit, der das Gelände kaufen und in ein „grünes Areal“ verwandeln wolle, das von Windenergie versorgt werden soll.Maren Beneke: Eine bremische Lösung für das Kellogg-Areal. In: Weser Kurier, 2. November 2017.

mini|Spielplatz des Gewoba-Quartiers "Überseegärten" der Überseestadt Ab 2017 errichteten Gewoba und private Bauträger entlang der Weser am Kommodore‐Johnsen‐Boulevard Wohnquartiere mit Projektnamen wie Johnsen-Quartier oder Überseegärten. Inzwischen sind weitere Wohnprojekte abgeschlossen bzw. in Planung oder Realisierung.

Sehenswürdigkeiten und Kultur Historische Bauwerke mini|hochkant|Molenfeuer Überseehafen Süd

Getreideverkehrsanlage, Getreidestraße; mit Speicher von 1916/19 und von 1926/29, Verwaltungsgebäude von 1916 und Maschinenhaus I und II von 1916, Umbauten von 1947 bis 1950 nach Plänen von Max Säume und Günther Hafemann. Kaffee Hag, Hagstraße 3, Fabrikgebäude von 1899 bis 1915 nach Plänen von Hugo Wagner sowie Hildebrand und Günthel. Molenfeuer Überseehafen Süd Speicher 1, Konsul-Smidt-Straße 8 b – j am Europahafen Speicher XI Schuppen 1, Konsul-Smidt-Straße 10, Hafenspeicher von 1959 am Europahafen Schuppen 2 von 1952, Hoerneckestraße 5 bis 37 am Europahafen Zollamt Bremen-Überseehafen, Hansator 1/Nordstraße, von 1964 nach Plänen von Oberbaurat Willi Bornemann

Kultur Holz- und Fabrikenhafen, Feuerwache Restaurant Feuerwache Hafencasino (Trucker Stop) Zaubertheater Bremen

Speicher XI, Stauerei, Energieleitzentrale Hochschule für Künste Bremen, Fachbereich Freie Kunst und Design Hafenmuseum Bremen im Speicher XI Restaurant Port im Speicher XI Schwarzlichthof Minigolf Hafenrevuetheater Hafenrummel Energieleitzentrale

Schuppen 1 Zentrum für AutomobilkulturZentrum für Automobilkultur, abgerufen am 22. Oktober 2014 The Key Bremen Restaurant Al Dar Bremen

Schuppen 2 EventloftSchuppen 2 – Eventloft

Europahafen Golden City HafenbarGolden City Hafenbar, abgerufen am 22. Oktober 2014

Schulen Die Hafenfachschule im Lande Bremen, Tilsiter Straße 8–10 Die CASA e. V. Internationale Sprachenschule im Speicher XI

Wirtschaft, Behörden und Verkehr Wirtschaft Größere Unternehmen (Auswahl)

BCD Travel Deutsche Windtechnik EWE AG, Hauptmieter des Wesertowers Kellogg Deutschland, Produktionsstandort (Schließung Ende 2017) Koch & Bergfeld Corpus KPMG, Hauptmieter des WQ 1 Panalpina Welttransport (Deutschland) GmbH, Niederlassung Bremen Rolandmühle Rickmers Reismühle Siedentopf GmbH Team Neusta wpd GmbH

Behörden GeoInformation Bremen, Landesamt für Kataster – Vermessung – Immobilienbewertung – Informationssysteme, Lloydstraße 4

Verkehr Es befahren fünf Linien der Bremer Straßenbahn AG (2020) die Überseestadt: Straßenbahnlinie 3: Weserwehr – Weserstadion – Steintor – Domsheide – Am Brill – Überseestadt – Walle – Gröpelingen Straßenbahnlinie 5: Bürgerpark – Hauptbahnhof – Überseestadt – Walle – Gröpelingen (verkehrt zwischen Waller Ring und Gröpelingen als Linie 5S mit nur einem Zwischenhalt) Buslinie 20: Europahafen – Bf Walle – Hohweg Buslinie 26: Kattenturm – Huckelriede – Neustadt – Am Brill – Hauptbahnhof – Findorff – Walle – Überseestadt Buslinie 28: Universität – Findorff – Überseestadt

Siehe auch Häfen (Bremen) Ortsteil Überseestadt Die Küste (Bremen), ehemals Vergnügungsviertel am Überseehafen

Anmerkungen

Weblinks

www.ueberseestadt.de Image Broschüre Überseestadt (PDF-Datei; 1,7 MB) Infocenter Überseestadt (PDF-Datei) Plan der Überseestadt (PDF-Datei; 1,6 MB) Artikel Bremen – Am Kai der guten Hoffnung, Merian, Dezember 2010 Überseestadt Bremen Revisited Projekt der Hochschule Bremen, Februar 2014 FASZ 10. Mai 2015: Quartier zwischen noch und schon

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