Don Preston (* 21. September 1932 in Flint, Michigan, als Donald Ward Preston) ist ein US-amerikanischer Rock- und Fusionmusiker sowie Filmmusikkomponist. Er spielt Kontrabass, Klavier und Keyboard, wobei er als Pionier auf dem Gebiet des Synthesizers gilt. Bekannt wurde er durch seine Zusammenarbeit mit Frank Zappa und The Mothers of Invention. miniatur|Don Preston bei einem Konzert von The Grandmothers in Turin (2005)
Leben Don Preston ist in der amerikanischen Autostadt Detroit aufgewachsen. Er stammt aus einem musikalischen Elternhaus. Von seinen Eltern erhielt er nicht nur Klavierstunden, sondern auch den Rat: „Werde bloß nicht Musiker!“ Vater Donn spielte Trompete, war Hauskomponist des Detroit Symphony Orchestra und hatte es damit zu einigem Wohlstand gebracht. Im Alter von zwölf Jahren musste der Sohn die katholische Schule verlassen, weil er etliche Schüler und eine Lehrerin (eine Nonne) hypnotisiert hatte. Etwa um diese Zeit ließen sich seine Eltern scheiden. Die Nonnen brachten ihm auch exaktes Spiel am Klavier bei – für falsch gespielte Noten schlugen sie ihm zur Strafe mit dem Lineal auf die Finger. Das habe sein Interesse an fremdartiger, dissonanter Musik geweckt, gibt Preston später in einem Tour-Booklet der Grandmothers an. Preston spielte in seiner Jugend ausschließlich klassische Musik; das gemeinsame Spielen mit anderen Musikern lernte er erst während seiner Militärzeit in Italien kennen.über Don Preston (Stand: 18. September 2006) (Stand: 4. Oktober 2006) (Stand: 4. Oktober 2006)
Dem Geburtsnamen seiner ersten Ehefrau Roena – sie war eine geborene DeWild – verdankt Don Preston sein Pseudonym „Dom DeWild“. Heute ist er mit der Schauspielerin Tina Preston verheiratet. Sein zweites Pseudonym „Biff Debris“ ist eine Erfindung Frank Zappas, die im Zusammenhang mit dessen Film Uncle Meat entstand. (Stand: 4. Oktober 2006)
Don Preston ist Mitglied der nicht konfessionsgebundenen Agape ChurchAgape Church (Stand: 5. November 2006) und findet seit Jahrzehnten Erbauung auch bei seinen Yogaübungen. Mit regelmäßigem Tennisspielen hält sich der überzeugte Vegetarier körperlich fit. Außerdem pflegt er ein skurriles Hobby: Don Preston ist fasziniert von Fangschrecken, weil sie „die einzigen Insekten sind, die ihren Kopf drehen können“. Er züchtet diese Tiere und verkauft deren Eier.TV-Party (Stand: 4. Oktober 2006)
Fünf Jahrzehnte Musik Don Preston benennt an wichtigen musikalischen Einflüssen die Komponisten Toru Takemitsu, György Ligeti, Krzysztof Penderecki, Morton Feldman, Iannis Xenakis und John Cage – allesamt Vertreter der Neuen Musik. Wichtig für das Wirken Prestons waren außerdem der Free-Jazz- und Modern-Creative-Musiker Paul Bley, der Bebop-Saxophonist Charlie Parker und der geistige Vater des modernen Jazzklaviers, Bud Powell. Außerdem führt Preston die Funk-Metal-Band Extreme, das Synthesizer-Projekt Front Line Assembly, die Industrial-Gruppe Throbbing Gristle und auch die britischen Experimental-Rocker Art Bears als wesentliche Inspirationsquellen auf.Lee Underwood: Profile: Buell Neidlinger & Don Preston, in Downbbeat, Mahler, Elmhurst 1977, Heft 7, Seite 28.
Nach mehr als einem halben Jahrhundert im Musikgeschäft lassen sich in Don Prestons Wirken im Wesentlichen zwei Richtungen erkennen. Ursprünglich vom Jazz kommend, wandte er sich bald experimentellen Gefilden in der Rockmusik zu. Später galt sein Augenmerk erneut dem Jazzbereich, von dem aus er sich ein weiteres Mal dem Rock zuwenden sollte.
Die 1950er Jahre – Beginn im Jazz In den 1950er Jahren galt Don Prestons Interesse vor allem dem Jazz. Er spielte in Detroit als Bassist mit dem Schlagzeuger und Bandleader Elvin Jones und mit Ethno-Jazz-Begründer Yusef Lateef. Außerdem spielte er für den Pianisten Tommy Flanagan und für den Jazz-Experimentator Don Ellis. Während seines Militärdienstes im italienischen Triest wurde er als Pianist für den Jazzflötisten Herbie Mann tätig.Barry Miles: Zappa. Rogner & Bernhard, 2005, ISBN 3-8077-1010-8, S. 161 In der Kaserne teilte er die Stube mit Buzz Gardner, mit dem er etwa 15 Jahre später in Frank Zappas Mothers of Invention zusammenspielen sollte. Gardner weckte in dieser Zeit Prestons Interesse an den Zwölfton-Komponisten Arnold Schönberg, Anton Webern und Alban Berg sowie an den klassischen Komponisten Russlands.Biografie Buzz Gardner In den späten 1950er Jahren spielte er in Los Angeles für den Jazzbassisten Charlie Haden (1959), für den Freejazzer Paul Bley und die Jazzmusikerin Carla Bley (1957–1958). Mit Jazzlegende Nat King Cole ging er 1958 auf Tournee.
Synthesizer-Pionier In den frühen 1960er Jahren wandte sich Preston der aufkommenden elektronischen Musik zu und begann, mit künstlich erzeugten Klängen zu experimentieren. Seinen ersten Synthesizer baute Don Preston im Jahr 1965 selbst – weil man „damals keine kaufen konnte“, wie er im Interview erzählte. Das Gerät war mit 50 Oszillatoren, drei Filtern, zwei Ringmodulatoren, einem Tonband-Echogerät und einem Mischpult ausgestattet. Preston sagt, er sei der erste Musiker überhaupt gewesen, der jemals einen Synthesizer in einer Band eingesetzt habe. Erst zwei Jahre später kam mit dem Moog der erste in Serie gefertigte Synthesizer der Welt auf den Markt. Von seinen ersten „hausgemachten“ Oszillator- und Filter-Erfindungen über die sich allmählich durchsetzenden Synthesizer unterschiedlicher Fabrikate bis hin zu den Software-Synthesizern heutiger Tage nutzte Preston jederzeit alle sich ihm bietenden Möglichkeiten, Klänge zu gestalten.Moogmusic (Stand: 5. November 2006)
Preston wurde vom Komponisten John Carter als „father of modern synthesis“ bezeichnet. Preston habe sich die elektronischen Klangquellen zu eigen gemacht und an den Jazz angepasst, er sei einer der Pioniere auf diesem Gebiet, auch wenn er bei weitem nicht genug Anerkennung für seine Beiträge und das von ihm erworbene umfangreiche Wissen bezüglich der elektronischen Musik erhalte.Josef Woodard: Don Preston, in Down Beat, Mahler, Elmhurst 1987, Band 54, Heft 8, Seite 26.
Don Preston berichtet,Trevor Pinch and Frank Trocco: Analog Days: The Invention and Impact of the Moog Synthesizer, Harvard University Press, Cambridge, MA & London, England 2002, ISBN 0-674-00889-8, Seite 233 dass der Konstrukteur des Minimoogs, Bob Moog, beim Hören einer Aufnahme von Prestons Solo in „Waka/Jawaka“ (Album Waka/Jawaka von Frank Zappa, 1972) sagte: „That’s impossible on a Minimoog“ (Das ist auf einem Minimoog unmöglich). Preston selbst sah das ähnlich, dem Interviewer Roy Harper sagte er: „Mein bestes Solo findet sich auf dem Album Waka/Jawaka.“
Die 1960er Jahre – „Mother“ Preston mini|Don Preston (hinten, rechts) mit Frank Zappa & The Mothers (1968) Im Sommer 1961 hatte Preston erstmals bei Frank Zappa vorgespielt, der damals noch als Tanzmusiker durch die Gegend um Los Angeles tingelte.Barry Miles: Zappa. Rogner & Bernhard, 2005, ISBN 3-8077-1010-8, S. 82. Nach wenigen Auftritten trennten sich beider Wege wieder. 1963 gründete er mit Emil Richards die Gruppe „Aha!“ (Aesthetic Harmony Assemblage), an der auch seine Frau Roena, die Tänzerin war, Paul Beaver und der Maler Michael Craden beteiligt waren. Ziel der Gruppe war es, die verschiedenen Kunstformen in einem einzigen Konzept zu verbinden. Die Gruppe war nicht sehr erfolgreich und löste sich 1964 wieder auf. Preston und Craden gründeten darauf das Craden-Preston Ensemble, mit dem sie viele Konzerte gaben. Dabei improvisierten sie zu abstrakten Formen wie etwa zu Farben, die auf einem Schirm dargestellt wurden. Sie experimentierten – in Anlehnung an Harry Partch – mit selbstkonstruierten „mikrotonalen Instrumenten“, welche eine Oktave in bis zu 43 Teile aufteilten. Außerdem wurden „auch ein Dichter und ein Haufen Perkussionisten verwendet“.Lee Underwood: Profile. Buell Neidlinger & Don Preston. In: Downbbeat, Mahler, Elmhurst 1977, Heft 7, Seite 28.
Im Jahr 1967 stieß Preston zu der von Frank Zappa gegründeten Band The Mothers of Invention, die zu dieser Zeit schon ihr viel beachtetes Album Freak Out! veröffentlicht hatte. Hier kamen ihm zum einen seine jahrelangen Erfahrungen als Jazzmusiker, zum anderen aber auch seine Experimentierfreudigkeit und seine Vorliebe für Schräges und Dissonantes zugute. Auf dem Mothers-Album Absolutely Free ist Preston zum ersten Mal auf einer Schallplatte zu hören. Weitere Alben folgten, unter anderem auch Trout Mask Replica von Captain Beefheart & His Magic Band sowie Permanent Damage der Gruppe GTO’s.
Als Zappa Anfang 1969 die Mothers auflöste, war das für Preston wie ein Schlag ins Gesicht. Dem Interviewer Roy Harper antwortete er auf die Frage, wie er sich nach Auflösen der Band gefühlt habe, „… als hätte mich meine Frau verlassen und die Kinder und die Möbel mitgenommen“. Die Livekonzerte der damaligen Zeit bestanden laut Preston aus drei oder vier Stücken – „alles andere war improvisiert“ – das kam seinen Neigungen zu Experiment und freiem Spiel entgegen.Barry Miles: Zappa. Rogner & Bernhard, 2005, ISBN 3-8077-1010-8, S. 217ff.
Gleichwohl war damit Prestons Zusammenarbeit mit Zappa nicht beendet. Zwar gehörte er fortan nur noch unregelmäßig dessen Liveband an,Zappas Livebands (Stand: 18. September 2006) doch bis zum Jahr 1974 ist er auf insgesamt zwölf Alben zu hören. Seine Vorliebe für Skurriles kann man in den Zappa-Musikfilmen 200 Motels und Uncle Meat nicht nur hören, sondern auch sehen: Don Preston spielt dort unter anderem die Rolle eines Monsters mit dem Namen Biff Debris.Frank Zappa’s 200 Motels. United Artists 1971Uncle Meat. Honker Home Video 1988
Der Musikkritiker Ben Watson hebt die Minimoog-Soli von Preston in „Lonesome Electric Turkey“ auf dem Album Fillmore East (1972) sowie in „Waka/Jawaka“ (Waka/Jawaka, 1972) und „The Grand Wazoo“ (The Grand Wazoo, 1972) als „außerordentlich“ hervor. Preston habe sich bei den Mothers wegen seines musikalischen Hintergrundes als Neuerer gezeigt. Der „Post-Stockhausen“-Stil seiner Improvisationen sei von Zappa aufgenommen worden und habe ihn auch nach dem Ende der Zusammenarbeit beeinflusst.Ben Watson: Frank Zappa. The negative dialectics of poolde play. Taschenbuchausgabe, reprint 1996, Quartet Books, London 1996, ISBN 0-7043-0242-X, Seite 77–78.
Die 1970er Jahre Ab 1970 arbeitete Don Preston an einer Vielzahl von Projekten. So gründete er ein Quartett namens „Raw Milk“. Von der elektronischen Musik der drei Synthesizerspieler Don Preston, Christy Rundquist und Phil Davis sowie des Schlagzeugers Sandy Reiner ist nur ein einziger Song veröffentlicht worden: Dieses 1970 aufgenommene Preston-Stück „I can’t Breathe“ erschien erst 1981 auf dem Debüt-Album der Gruppe The Grandmothers.Raw Milk (Stand: 11. November 2006) Preston übernahm in der Band der amerikanischen Sängerin Meredith Monk die Rolle des musikalischen Leiters und spielte bei Escalator over the Hill erneut mit Carla Bley zusammen. Außerdem ging er 1971 mit Bigband-Neuerer Gil Evans auf Tournee und spielte mehrfach während dieses Jahrzehnts (Tournee 1972, Aufnahmen 1973) mit dem Cellisten und Jazz-Bassisten Buell Neidlinger.[ Biografie auf All Music] (Stand: 18. September 2006) 1972 erschien nicht nur das Album Some Time in New York City – ein skurriles Bühnenhappening mit Zappa, den Mothers, John Lennon und Yoko Ono –, sondern auch The Phlorescent Leech & Eddie, das erste Soloalbum der Ex-Turtles- und Ex-Mothers-Mitglieder Flo & Eddie. Im Jahr 1977 schließlich leistete Preston dem Doors-Gitarristen Robbie Krieger bei dessen Solo-Debüt Versions Schützenhilfe. Prestons Name tauchte auch in den Credits für die Filmmusik in Francis Ford Coppolas Oscar-gekröntem Vietnamkrieg-Epos „Apocalypse Now“ auf.