Die Gorch Fock, in der Literatur bisweilen als Gorch Fock II bezeichnet, ist ein 1958 in Dienst gestelltes, als Bark getakeltes Segelschulschiff der Deutschen Marine. Sie ist ein neueres Schwesterschiff der im Jahr 1933 gebauten ersten Gorch Fock und wie diese nach dem Schriftsteller Gorch Fock benannt.

Das Schiff unterstand nach der Indienststellung zunächst dem Kommando der Schulschiffe. Nach dessen Auflösung wurde es 1966 der Marineschule Mürwik in Flensburg-Mürwik unterstellt. Der Heimathafen ist Kiel, ihr Liegeplatz ist an der Gorch-Fock-Mole (vor 2021 TirpitzmoleUmbenennungen der Marine in Kiel) am nördlichen Ende der Kiellinie, nachdem sie zuvor ihren Stammplatz zentral an der Kieler Blücherbrücke hatte.

Bis Januar 2011 legte das Schiff laut offizieller Statistik 741.106 Seemeilen zurück. Dabei wurden bei 439 Hafenbesuchen 180 verschiedene Häfen angelaufen und über 60 Hoheitsgebiete auf allen Kontinenten besucht.

Besondere Aufmerksamkeit erregte die Grundinstandsetzung der Gorch Fock von 2015 bis 2021. Diese erwies sich als erheblich teurer als anfangs veranschlagt. Außerdem kam es im Zusammenhang mit der Insolvenz der beauftragten Werft zu Korruptionsvorwürfen.

Geschichte

Bau Das Schiff wurde am 24. Februar 1958 auf Kiel gelegt. Wie schon die erste Gorch Fock der Reichsmarine wurde sie bei Blohm & Voss gebaut. Vorausgegangen waren aufgrund des Untergangs der Pamir 1957 starke Kontroversen in der Bevölkerung und den Entscheidungsgremien über Fertigstellung und Indienststellung des Schiffes; dabei wurde unter anderem die Zweckmäßigkeit eines Segelschiffes für zeitgemäße militärische Aufgaben infrage gestellt.

Der Stapellauf fand am 23. August 1958 statt. Dabei hielt Rudolf Kinau, der Bruder Gorch Focks, die Taufrede auf Niederdeutsch. „Boben dat Leven steiht de Dod, aver boben den Dod steiht wedder dat Leven“ (Über dem Leben steht der Tod, aber über dem Tod steht wieder das Leben). Die Taufe selbst vollzog Rudolf Kinaus Tochter Ulli Kinau.

Nach der Indienststellung Am 17. Dezember 1958 wurde das Segelschulschiff in Dienst gestellt. Am 3. August 1959 trat die Gorch Fock von Kiel aus ihre erste Auslandsreise an. Das Schiff wurde im Laufe der kommenden Jahre als „Botschafter Deutschlands unter Segeln“ weltweit bekannt. 1964 vertrat es Deutschland bei der Weltausstellung in New York. 1974 besuchte die Gorch Fock im Rahmen der Großseglerregatta Kopenhagen–Gdingen als erstes Kriegsschiff der Bundesmarine einen polnischen Hafen, 1977 den jugoslawischen Hafen Split. Im August 1976 wurde sie bei der Großseglerregatta aus Anlass der 200-Jahr-Feier der USA zum Sieger erklärt, da sie in Führung lag, als die Regatta wegen Flaute abgebrochen wurde.

In den Jahren 1985 und 1991 gab es verschiedene Umbauten und 2000/2001 eine längere Werftliegezeit,Segelschulschiff „Gorch Fock“. Elsflether Werft. so dass einige Ausbildungsfahrten mit der dazu gecharterten, norwegischen Statsraad Lehmkuhl absolviert wurden.

1991 wurde der ursprünglich nur als Hilfsmotor mit 890 PS konzeptionierte Schiffsdiesel gegen eine stärkere Maschine von 1660 PS ersetzt.Kiel.Wiki Gorch Fock. abgerufen am 20. September 2026.

Der ausgebaute originale Sechszylinder-Dieselmotor gelangte zum Technischen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern, stand dort von 1997 bis 2008 in der Ausstellung im Schweriner Marstall und ist seit 2012 Bestandteil der neuen Dauerausstellung im Wismarer Phantechnikum.Das phanTechnikum in Wismar, Ein Eldorado für Wissbegierige. abgerufen am 20. September 2026.

Im Jahr 2012 wurden Reparaturen für rund zehn Millionen Euro notwendig, obgleich das Schiff erst 2010 generalüberholt worden war.Schwarzbuch des Steuerzahlerbunds: Wo der Staat Geld verschwendet. Spiegel Online, 19. September 2012.

Die Gorch Fock soll grundsätzlich bis über das Jahr 2030 hinaus als Segelschulschiff genutzt werden.135 Millionen Euro für ein Stück Tradition. tagesschau.de, 20. März 2018.

Grundinstandsetzung 2015–2021 Von Dezember 2015 bis September 2021 befand sich das Schiff zu einer vollständigen GrundinstandsetzungGorch Fock. tagesschau.de.„Gorch Fock“: Chronologie einer Instandsetzung. NDR, 17. Dezember 2018; abgerufen am 23. Dezember 2018 durch die Elsflether Werft in Docks der Bremerhavener Werft Bredo.

Um den Ausfall des Schulschiffes zu kompensieren, nutzte die Deutsche Marine 2017 und 2018 die annähernd baugleiche rumänische Bark Mircea für die Ausbildung. Im Herbst 2019 gab die Marine bekannt, 2020 Teile der Ausbildung ihres Offiziersnachwuchses auf der Alexander von Humboldt II durchzuführen.Pascal Schürmann: In: Yacht, 10. Oktober 2019. Auch die norwegische Bark Statsraad Lehmkuhl wurde für die Kadettenausbildung gechartert.„Statsraad-Lehmkuhl“ ersetzt „Gorch-Fock“. Hamburger Abendblatt, 17. März 2000

Für die Instandsetzungsarbeiten waren zunächst 10 Millionen Euro veranschlagt worden. Bei den begonnenen Arbeiten wurden im Januar 2016 in der Elsflether Werft weitere Schäden festgestellt, woraufhin im Oktober 2016 ein Baustopp verhängt und eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung angewiesen wurde. Am 26. Januar 2017 entschied die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen schließlich, die Instandsetzungsarbeiten, deren Kosten auf 75 Millionen Euro veranschlagt wurden, fortzuführen. Die Werft bezifferte die Sanierungskosten im März 2018 auf maximal 135 Millionen Euro und schätzte, dass die Überholung Mitte 2019 abgeschlossen sei.Segelschulschiff Gorch Fock: Sanierung kostet bis zu 135 Millionen Euro, Nordwest-Zeitung, 20. März 2018. Abgerufen am 20. März 2018.

Im Zuge der Instandsetzung des Segelschiffs kam es im Dezember 2018 zu Korruptions- und Untreuevorwürfen gegen die Werft und einen Mitarbeiter der Marine, welche die beiden Vorstandsmitglieder der Elsflether Werft ihre Posten kosteten., Nordwest-Zeitung, 31. Januar 2019. Abgerufen am 31. Januar 2019. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt wegen des Korruptionsverdachts.Matthias Gebauer: Razzia in der „Gorch Fock“-Werft. Spiegel Online, 14. Dezember 2018. Aufgrund der stark gestiegenen Kosten für die Instandsetzungsarbeiten und des Korruptionsverdachts wurden die Arbeiten am Schiff im Dezember 2018 vom Verteidigungsministerium ausgesetzt.Ministerium stoppt Zahlungen für Reparatur der „Gorch Fock“. Zeit Online, 20. Dezember 2018. Abgerufen am 20. Dezember 2018. Ein Bericht des Bundesrechnungshofes stellte im März 2019 zahlreiche Mängel im Zusammenhang mit der Instandsetzung fest. Obwohl nicht alle Mängel vor Reparaturbeginn dokumentiert waren, behauptete die Bundeswehr, dass es günstiger sei, zu reparieren, als ein neues Schulschiff zu bauen. Der Bundesrechnungshof forderte, die Kosten der Instandsetzung zu deckeln und die Reparaturarbeiten notfalls zu stoppen und einen Schiffsneubau in Erwägung zu ziehen.Bundesrechnungshof zur „Gorch Fock“ – Viel versäumt, viel zu lernen. tagesschau.de, 22. März 2019. mini|Instandgesetzte Gorch Fock nach Rückkehr an ihrem Liegeplatz (2022) Nachdem die Elsflether Werft während der Arbeiten in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und am 20. Februar 2019 Insolvenz anmelden musste,Elsflether Werft: Insolvenz in Eigenverwaltung. NDR, 20. Februar 2019, abgerufen am 21. Februar 2019. wurden die Arbeiten auf der Fassmer-Werft fortgesetzt.Fassmer-Werft saniert „Gorch Fock“ weiter. NDR, 9. Juli 2019. Nach der Übernahme der Elsflether Werft durch die Lürssen-Werft wurde die Gorch Fock zur Lürssen-Zweigwerft in Berne geschleppt.Jörg Jung, Ellen Kranz: Lürssen-Werft hat die Gorch Fock übernommen. Nordwest-Zeitung, 31. Oktober 2019. Anfang 2021 teilte das Bundesverteidigungsministerium mit, dass das Schulschiff am 31. Mai 2021 fertig werden würde.2021 soll Gorch Fock wieder segeln. NDR, 4. Januar 2021. Am 10. März 2021 wurde das Schiff wieder zu Wasser gelassen. Ende September 2021 wurde es an die Marine übergeben und kehrte am 4. Oktober 2021 in seinen Heimathafen zurück. Die Sanierung hat schließlich 135 Millionen Euro gekostet. Ein Aktionsbündnis um Umweltschützer klagte nach der Sanierung gegen das Verteidigungsministerium, weil das auf der Gorch Fock verbaute Teakholz aus illegalem Holzeinschlag in Myanmar stammen soll.

Gerichtsverfahren Die Staatsanwaltschaft Osnabrück nahm nach der Insolvenz der Elsflether Werft und nach Meldungen über mögliche Korruption Untersuchungen im Zusammenhang mit der Sanierung auf. Gegen mehrere Verantwortliche der Werft und Mitarbeiter der Marine wurden Ermittlungen eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass dem Bund ein Schaden von 28 Millionen Euro durch Betrug, Veruntreuung, Bestechung und ungetreue Geschäftsführung entstanden ist.

In ersten Urteilen wurde der ehemalige Kostenprüfer der Marine, Peter G. (67), zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung wegen Vorteilsnahme in fünf Fällen verurteilt. Er hatte 837.000 Euro erhalten, damit er überhöhte Rechnungen durchwinkte. Dieses Geld muss G. zurückzahlen. Seine Selbstanzeige hatte den Skandal um die Elsflether Werft und die „Gorch Fock“ ins Rollen gebracht. Zwei weitere Angeklagte wurden wegen Vorteilsgewährung zu Geldstrafen verurteilt: Ein 54-Jähriger muss 5000 Euro, eine 38-Jährige 6000 Euro zahlen. Das Hauptverfahren gegen die Ex-Vorstände der Werft, Klaus W. (55) und Marcus R. (55), und einen weiteren Angeklagten wird fortgesetzt (Stand Mai 2024). Die Ex-Vorstände sollen laut Anklage von 2014 bis 2018 durch überhöhte Rechnungen und falsche Arbeitszeitabrechnungen das Marinearsenal in Wilhelmshaven um mehr als 7,2 Millionen Euro betrogen haben.Gericht greift durch - Erstes Korruptions-Urteil bei der „Gorch Fock“; abgerufen am 17. Mai 2024.

Ausbildungsbetrieb mini|Die Gorch Fock zu Besuch im Boston (Outer) Harbor mini|Einlaufen der Gorch Fock nach einer Auslandsausbildungsreise in den Heimathafen Kiel (2009)

Alle Offizieranwärter des Truppendienstes und die Sanitätsoffizieranwärter der Deutschen Marine werden im Rahmen von Auslandsausbildungsreisen auf der Bark ausgebildet, ebenso die Unteroffiziere des „seemännischen Dienstes“ (Verwendungsreihe 11). Eine Stammbesatzung von 83 Personen kann bis zu 138 Lehrgangsteilnehmer betreuen. Die Stammbesatzung setzt sich aus 11 Offizieren inklusive Meteorologe und Schiffsarzt, 14 Unteroffizieren mit Portepee, 35 Unteroffizieren und 23 Mannschaftsdienstgraden zusammen.Segelschulschiff GORCH FOCK, auf www.marine.de, abgerufen am 30. März 2014

Die Ausbildung der Marineoffizieranwärter auf der Gorch Fock wird seit 2005 fortwährend wissenschaftlich untersucht., Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr, abgerufen am 8. September 2014 Sie soll vor allem die Teamfähigkeit der Soldaten schulen sowie erste Erfahrungen mit der See vermitteln. Diese Seeausbildung wurde bis zu deren Außerdienststellung 1990 auf dem Schulschiff Deutschland durchgeführt, insbesondere die weitere technisch und operativ orientierte Ausbildung der OA. Seitdem erfolgt dies überwiegend auf Einheiten der Zerstörerflottille (jetzt Einsatzflottille 2). Während ihrer Fahrten in alle Teile der Welt dient die Gorch Fock außerdem der Repräsentation Deutschlands und seiner Marine.

Ausbildungsstopp 2010–2012

Während der 156./157. Auslandsausbildungsreise starb am 7. November 2010 eine 25-jährige Offizieranwärterin nach einem Sturz aus der Takelage. Zusammenstellung von Hintergrundinformationen durch den NDR, abgerufen am 21. August 2016 Die abgestürzte Offizieranwärterin musste wie die anderen Kadetten siebenmal nacheinander auf den Mast aufentern. Eine Übung für das Aufentern gab es nicht, ebenso wenig eine Sicherung.