Torvaldo e Dorliska ist eine Opera semiseria (Originalbezeichnung: „Dramma semiserio“) in zwei Akten von Gioachino Rossini auf ein Libretto von Cesare Sterbini. Die Uraufführung fand am 26. Dezember 1815 im Teatro Valle in Rom statt.

Handlung

Der tyrannische Herzog von Ordow hatte Dorliska und ihren frisch Angetrauten Torvaldo noch vor Beginn der Opernhandlung an deren Hochzeitstag mit dem Ziel überfallen, Dorliska für sich zu erobern. Torvaldo war beim Kampf für tot im Wald zurückgelassen worden, während Dorliska hatte entfliehen können. Zu Beginn der Oper befiehlt der Herzog wütend, die Suche nach dem Mädchen fortzusetzen. Am nächsten Tag sucht Dorliska, ohne es zu wissen, Zuflucht im Schloss des Herzogs und wird vom Schlossverwalter Giorgio und dessen Schwester Carlotta freundlich aufgenommen. Torvaldo schafft es, als Holzfäller verkleidet mit einem Brief, der vermeintlich vom verstorbenen Torvaldo stammt, ins Schloss zu gelangen; doch, obwohl ihm mit dieser List der Zutritt zu Dorliska gelingt, verrät sie ihre Überraschung, ihn lebend wiederzusehen.

Im zweiten Akt werden Torvaldo und Dorliska im Schloss gefangen gehalten. Giorgio und Carlotta planen die Befreiung der beiden und führen sie mit Hilfe von Ormondo, dem verräterischen Handlanger des Herzogs, und der Dorfbevölkerung erfolgreich durch. Am Ende wird der Herzog gefangen genommen und von Soldaten des Gouverneurs abgeführt. Dorliska und Torvaldo freuen sich zusammen mit Giorgio und Carlotta über das glückliche Ende.

Erster Akt

Waldrand mit dem Schloss von Ordow. Auf einer Seite die Schlossmauer mit einer Pforte

Szene 1. Der Schlossverwalter Giorgio schreitet wie auf einer Wacht hin und her. Gelegentlich schaut er in Richtung des Waldes. In seiner Auftrittsarie beklagt er sich über die Launen seines tyrannischen Herrn (Introduktion: „È un bel dir che tutto al mondo“). Einige der Schlossdiener erscheinen. Auch sie haben nichts Auffälliges bemerkt. Der Grund der Suche ist ihnen allen noch unklar. Der Herzog hatte sich noch vor Morgengrauen mit seinem Hauptmann Ormondo in den Wald begeben und ihnen befohlen, Wache zu halten. Dann waren im Wald Schüsse und Lärm wie bei einer Jagd zu hören gewesen.

Szene 2. Nach einem kurzen Orchesterzwischenspiel tritt der Herzog mit verzerrtem Gesicht und unordentlichem Anzug auf. Er geht mit hastigen Schritten und sichtbarer Erschütterung vorüber. Wenig später kommen auch Giorgio und anschließend Ormondo mit den Bewaffneten. Der Herzog besingt seine unglückliche Liebe zu der frisch mit Torvaldo verheirateten Dorliska. Um sie zu entführen, hatte er einen Anschlag auf die beiden unternommen und dabei – so glaubt er – Torvaldo getötet. Dennoch findet er keine Ruhe (Cavatine: „Dunque invano i prigli e la morte“). Giorgio grüßt seinen Herrn, wird aber von diesem nur angeschnautzt. Ormondo und die Krieger berichten, dass ihre Suche erfolglos war. Der Herzog schickt sie erneut los, um den Wald nach der entflohenen Dorliska zu durchkämmen. Er droht Giorgio mit dem Tod, falls er ein Wort von dem Gehörten verlauten lassen sollte. Ordow entfernt sich, und Giorgio betritt das Schloss.

Szene 3. Auf der Suche nach Hilfe erscheint die verzweifelte Dorliska unter dem Schlosstor. Sie weiß nicht, wo sie sich befindet und klopft einige Male vergeblich an die Pforte. Während sie wartet, beklagt sie ihr Los und den Verlust Torvaldos (Cavatine: „Ah, Dorliska sfortunata!“). Schließlich öffnet Giorgios Schwester Carlotta das Tor. Dorliska erklärt ihr ihre Lage und bittet um Unterstützung. Carlotta lässt sie ein.

Zimmer im Schloss

Szene 4. Giorgio denkt über das Gehörte nach. Er will nichts mit den Untaten des Herzogs zu tun haben. Carlotta führt Dorliska zu ihm, die nun ihre Geschichte erzählt: Sie stamme aus Polen und habe erst gestern ihren Geliebten, einen jungen Ritter geheiratet. Nach dem Hochzeitsmahl hatten sie ihre Rückreise zur Stadt angetreten und seien mitten im Wald von seinem Nebenbuhler überfallen worden, der zuvor schon mehrfach vergeblich um ihre Hand angehalten hatte. Sie weiß nicht einmal, ob ihr Mann noch lebt. Giorgio wird nun alles klar: Bei dem Rivalen müsse es sich um den Herzog von Ordow handeln, in dessen Schloss sie sich befinden. Dorliska ist entsetzt. Die Geschwister versuchen, sie zu beruhigen.

Szene 5. Plötzlich erscheint der Herzog mit finsterem Blick in der Tür. Er betrachtet Dorliska erst erstaunt, dann mit einem Ausdruck der Freude, und gibt Giorgio und Carlotta ein Zeichen, das Zimmer zu verlassen. Dorliska bleibt zitternd allein mit ihm zurück (Duett: „Dorliska voi tremate“). Der Herzog versucht, sie zu beruhigen. Dorliska traut ihm nicht und versucht zu fliehen – aber der Herzog hat die Tür verschlossen. Er teilt ihr mit, dass ihr Gatte tot sei. Wenn sie ihn weiterhin verschmähe, werde auch sie sterben müssen. Dorliska erklärt ihm ihre tiefste Verachtung. Selbst der Tod sei weniger schrecklich als sein Anblick. Sie entfernt sich durch die Mitteltür. Der Herzog folgt ihr.

Szene 6. Der Herzog kehrt zurück, schließt die Mitteltür und ruft nach Giorgio und Carlotta. Zunächst aber kommt Ormondo. Ordow befiehlt ihn, alle Spuren des Überfalls im Wald zu beseitigen und den Toten zu beerdigen. Ormondo entfernt sich mit deutlichem Ausdruck des Unbehagens. Nach einem erneuten Ruf des Herzogs erscheint auch Giorgio. Ordow verordnet ihm strengstes Schweigen, teilt ihm mit, dass er die fremde Dame liebe und beauftragt ihm, sich zusammen mit Carlotta um sie zu kümmern und sie zu beruhigen. Giorgio verspricht ihm alles – hat aber bereits heimlich einen Brief an den Gouverneur vorbereitet, in dem er von der Gräueltat berichtet.

Außenansicht des Schlosses mit einem großen Tor auf einer Seite

Szene 7. Torvaldo hat den Anschlag überlebt und denkt über das Schicksal seiner Gattin nach, die nun im Schloss seines Feindes gefangen gehalten wird. Er ist fest entschlossen, sie zu retten (Cavatine: „Fra un istante a te vicino“). Er hat einen Boten geschickt, der ihm neue Kleidung besorgen sollte, um unerkannt in das Schloss eindringen zu können. Nachdem ein Bauer diese gebracht hat, zieht er sich um.

Szene 8. Nachdem Giorgio seinen Brief an den Gouverneur abgeschickt hat, trifft er auf Torvaldo. Der gibt sich als Holzhacker aus, der einen Brief an eine gewisse edle Dame überbringen soll, die hier letzte Nacht angekommen sei. Giorgio teilt ihm mit, dass im Schloss keine Frau außer seiner Schwester lebe. Torvaldo sieht seine Hoffnung schwinden. Während er erschüttert auf und ab geht, beklagt er seine unglückliche Gattin Dorliska. Giorgio erkennt daran, mit wem er es zu tun hat. Er erklärt Torvaldo die Lage und verspricht ihm seine Hilfe. Torvaldo berichtet, dass er im Kampf bewusstlos wurde und dann von einem Hirten in seine Hütte gebracht worden war, dem er auch seine Kleidung verdanke. Er hat einen Brief vorbereitet, mit dem er Einlass in die Burg erhalten will. Die beiden werden von der Ankunft des Herzogs unterbrochen. Der verkleidete Torvaldo erzählt, dass ein unbekannter Ritter schwer verletzt an seiner Hütte geklopft und mit letzter Kraft einen Brief an seine Gattin geschrieben habe. Dann sei er verstorben. Der Herzog verlangt den Brief zu sehen und liest ihn. Darin bittet Torvaldo Dorliska, seinem Mörder zu vergeben und ihr Schicksal entschlossen zu ertragen. Der Überbringer werde ihr seine letzten Wünsche mündlich mitteilen. Im folgenden Terzett drücken alle ihre neu erstarkte Hoffnung aus, ihr jeweiliges Ziel zu erreichen (Terzett: „Ah qual raggio di speranza“). Der Herzog fordert Torvaldo auf, Dorliska sofort den Brief zu überbringen. Alle gehen ins Schloss.

Szene 9. Der mit der Beseitigung der Spuren beauftragte Ormondo kehrt erschöpft und hungrig zurück, nachdem er keine Spur des Toten gefunden hat. Um seinen Zustand zu beschreiben, zitiert er verschiedene Sprichwörter (Arie: „Sopra quell’albero“).

Zimmer im Schloss

Szene 10. Carlotta versucht vergeblich, Dorliska zu trösten (Finale I – Duettino: „Oh via, signora mia“). Dorliska wirft sich verzweifelt auf einen Sessel. Sie will nur noch sterben.

Szene 11. Der Herzog, Torvaldo und Giorgio treten ein und betrachten die leidende Dorliska (Terzettino: „Immota e stupida“). Nach einer Weile nähert sich ihr der Herzog, um sie zu besänftigen. Torvaldo kann seine Gefühle kaum bändigen. Der Herzog winkt ihn und Giorgio zu sich. Giorgio versucht, Dorliska aus ihrer Schwermut zu wecken und gibt ihr den Brief ihres Gatten (Quartett: „Mia signora… a me badate“). Sie sieht Giorgio an, ohne die anderen zu beachten, liest den Brief und sinkt nach einem Aufschrei bewusstlos nieder. Giorgio flüstert Torvaldo noch zu, sich nicht zu verraten. Der bittet Dorliska, sich zu beruhigen. Bald werde ihr Kummer enden (Fortsetzung und Stretta des Finale I: „Su, Dorliska… fate cuore“). Beim Klang seiner Stimme erwacht Dorliska und ruft erfreut seinen Namen. Torvaldos Tarnung ist aufgeflogen. Der Herzog ergreift den Degen. Ormondo und die Wachen erscheinen. Auch Torvaldo zieht seinen unter dem Gewand verborgenen Degen. Giorgio gibt vor, auf Seiten des Herzogs zu stehen, versucht dabei aber heimlich, Torvaldo durch Zeichen zu beruhigen. In ihrer Angst tritt Dorliska zwischen die Kämpfenden. Torvaldo und der Herzog lassen sich jedoch nicht so leicht aufhalten. Giorgio erkennt, dass Torvaldo gegen die Gegner keine Chance hat. Er entwaffnet ihn, um Schlimmeres zu verhindern. Dorliska fordert den Herzog auf, den Degen gegen sie selbst zu richten und Torvaldo zu verschonen. Carlotta vergeht dabei vor Angst. Ormondo und die Wachen rufen Torvaldo zu, sich ihrer Übermacht zu ergeben.

Zweiter Akt

Unterirdisches Gewölbe im Schloss. Eine Treppe im Hintergrund

Szene 1. Giorgio führt mit einer Laterne in der Hand einige der Wachen des Herzogs in das Verlies, um dort unbeobachtet den Befreiungsplan für Torvaldo und Dorliska zu besprechen (Introduktion: „Bravi, bravi: qua venite“). Der Gefangene Torvaldo kommt hinzu. Er erschreckt zunächst, als er die Leute des Herzogs erblickt, aber Giorgio kann ihn beruhigen: Sie alle seien auf seiner Seite. Auch Dorliska sei bereits unterrichtet, und in Kürze werden sich sechzig Grenadiere zu ihrer Verstärkung einfinden. Auch vom Herzog selbst drohe keine Gefahr, da nur er selbst, Giorgio, den Schlüssel zum Kerker besitze und ihn immer begleiten werde. Giorgio will nun zu Dorliska zurückkehren, um ihr beizustehen. Torvaldo lässt ihr ausrichten, dass er ihr Bild immer vor Augen habe (Arie: „Dille che solo a lei“). Er bittet um ein Schwert, da er sich am Kampf beteiligen möchte.

Zimmer im Schloss

Szene 2. Der Herzog kommt durch die Mitteltür herein und setzt sich. Er ist überzeugt, dass sich ihm Dorliska nun nicht mehr widersetzen werde. Da er keinerlei Skrupel kennt, glaubt er, alle seine Wünsche erreichen zu können. Er befiehlt Giorgio, Dorliska zu holen und sicherzustellen, dass die Kerkertür verschlossen ist. Dann wirft er ihm vor, Torvaldo nicht rechtzeitig erkannt zu haben. Giorgio entschuldigt sich damit, dass er ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Er holt Dorliska aus ihrem Gemach. Carlotta begleitet sie. Der Herzog winkt die beiden Diener hinaus und wendet sich Dorliska zu. Er werde leicht einen Grund finden, ihre Ehe aufzulösen. Wenn sie seine Liebe annehme, werde er Torvaldo die Freiheit schenken. Ansonsten sei ihm der Tod sicher. Dorliska beschimpft ihn wütend als Urheber all ihres Unglücks. Er solle sein Werk nur schnell zu Ende bringen. Sie werde ihn ewig hassen und lieber sterben als Torvaldo die Treue brechen (Arie: „Ferma, costante, immobile“). Sie geht.

Szene 3. Der Herzog ist sich immer noch sicher, dass Dorliskas Widerstand sinnlos ist. Er befiehlt Giorgio, Ormondo in sein Zimmer zu bestellen, sobald er zurück ist. Außerdem ermahnt er ihn, die Gefängnisschlüssel nie aus der Hand zu geben. Giorgio zeigt sie ihm an seinem Gürtel. Nach einer Warnung, dass ihn jeder Ungehorsam den Kopf kosten werde, entfernt sich der Herzog.