Die Bonduelle S.A. ist ein 1853 gegründetes Unternehmen mit Sitz in Villeneuve-d’Ascq. Es produziert und vertreibt Konservengemüse, Tiefkühlgemüse, küchenfertige Salatmischungen (Fachbegriff: Fresh-Cut Salate)„‚Fresh-Cut Salate‘ sind verzehr- oder küchenfertige Salatmischungen aus dem Kühlregal – praktisch und schnell zubereitet, die sich immer stärkerer Nachfrage erfreuen.“ Zitiert nach Fresh-Cut Salate – praktisch, aber auch frisch?, Informationen des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Abruf am 11. Februar 2017. sowie verzehrfähig zubereitete Salat- und Feinkostprodukte. Das Unternehmen unterhält weltweit 54 landwirtschaftliche Produktionsstandorte und arbeitet mit mehr als 3400 Vertragslandwirten zusammen. Bonduelle bietet seine Lebensmittel in über 100 Ländern an.Bonduelle: , Abruf am 2. Februar 2017.M. L. Cohen, Christina M. Stansell: Bonduelle S.A. In: International Directory of Company Histories. Band 164, S. 39–42.
Die Mehrheit der Anteile hält die Familie Bonduelle.
Geschichte Von der Gründung bis zur Marke mini|hochkant=2|Generationen der Bonduelle-Familie Louis Bonduelle-Dalle (1803–1880) und Louis Lesaffre-Roussel (1802–1869), zwei Mitglieder der Bonduelle-Familie,Zur Familie siehe Gabriel Galvez-Behar: Familie Bonduelle. gründeten 1853 in Marquette-lez-Lille eine Getreide- und Wacholderbrennerei. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zählten sieben Brennereien zum Unternehmen. 1901 wurde es unter drei Erbengruppen aufgeteilt. Ein Erbenzweig setzte das landwirtschaftliche und das Brennerei-Geschäft in Renescure fort. Pierre Bonduelle (1902–1988) und Benoît Bonduelle (1904–1986) gehörten zur vierten Unternehmergeneration und erweiterten in den 1920er Jahren die geschäftlichen Aktivitäten. Sie begannen auf rund 20 Hektar Fläche mit dem Anpflanzen von Erbsen und füllten diese 1926 erstmals in Konservendosen ab.Gabriel Galvez-Behar: Familie Bonduelle.Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 14–26.
1936 war die Anbaufläche deutlich vergrößert, sie umfasste 230 Hektar. Die Vermarktung geschah nicht unter eigenem Namen, sondern wurde an die Société la Rochefortaise delegiert, die auch den Ausbau der Anlagen zur Konservierung unterstützte.Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 28. Der Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Frühsommer 1940 brachte die Produktion zum Erliegen. Im Juni 1944 zerstörten alliierte Bombentreffer Teile des Betriebsgeländes.Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 30. Im Zuge des Wiederaufbaus und der Wiederaufnahme der Geschäfte entschied Bonduelle, seine Konserven unter eigenem Namen zu verkaufen, die Marke Bonduelle entstand 1947.Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 32. Das zu Konserven verarbeitete Gemüse wurde von einer Anzahl von Landwirten bezogen.
Wachstum in den Nachkriegsjahrzehnten Zu Beginn der 1950er Jahre standen die Brüder Pierre und Benoît Bonduelle einem Unternehmen vor, das rund 70 feste Mitarbeiter zählte und rund 300 Hektar Land bewirtschaftete. Auf regionaler Ebene gelangen Zukäufe einiger Produktionsstätten. 1957 entwickelte Bonduelle einen Mix aus Erbsen und Möhren, der mit Erfolg vermarktet wurde und erheblich zur landesweiten Bekanntheit von Bonduelle beitrug. Der Umsatz des Unternehmens belief sich 1953 auf 545 Mio. F, das entsprach etwa 9,2 Mio. Euro; 1961 lag der Umsatz bei 16,223 Mio. F (etwa 20 Mio. Euro).Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 40. Der sinkende numerische Wert des Franc resultierte aus Währungsreformen.
1963 begann der Bau einer Produktionsanlage in Estrées-en-Chaussée. Die schrittweise Erweiterung machte sie zu einem der weltweit größten Standorte für die Gemüseverarbeitung.Anaïs Carpentier: L'usine Bonduelle fête son demi-siècle en fanfare, Le Courrier picard, 19. August 2013, Abruf am 6. Februar 2017. Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 48. Das Unternehmen dehnte die Anbaugebiete, beispielsweise für Erbsen, in den 1960er Jahren über die Picardie aus und nutzte auch Flächen in weiteren französischen Regionen, unter anderem in Nord-Pas-de-Calais, in der Bretagne, in Pays de la Loire, der Île-de-France, in Centre-Val de Loire und in Aquitanien.Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 117.
1968 nahm das Unternehmen Tiefkühlgemüse in sein Portfolio auf.
Internationale Expansion 1969 eröffnete Bonduelle im saarländischen Homburg die erste ausländische Tochtergesellschaft. Es folgten solche in Italien (1972) und in Großbritannien (1973).Jean-François Eck: Chapitre 5. Lille-Roubaix-Tourcoing des années 1950 aux années 1990: une place économique en quête de restructuration. In: Hubert Bonin, Jean-François Eck: Les banques et les mutations des entreprises. Le cas de Lille-Roubaix-Tourcoing aux XIXè et XXè siècles. Presses Univ. du Septentrion, Villeneuve d'Ascq 2012, S. 104, ISBN 978-2-7574-0412-6. Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 54 und S. 84. 1973 überschritt der im Ausland erzielte Umsatz 50 Prozent der Gesamterlöse.Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 56. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre begann die Verarbeitung von Mais.Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 62 f. Ab Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre folgte die Produktion von Champignon-Konserven.Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 65 f.
1980 war Bonduelle in Frankreich hinter Cassegrain der zweitgrößte Anbieter von Gemüsekonserven, in Deutschland agierte das Unternehmen als Marktführer, ebenso in den Niederlanden. Bis Ende der 1980er Jahre erreichte das Unternehmen diese Stellung auch in Belgien, unter anderem durch den Kauf von Marie Thumas und Talpe.Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 67 f und S. 90 f. 1989 übernahm Bonduelle seinen französischen Wettbewerber Cassegrain und erreichte damit auch in seinem Heimatland die Marktführerschaft.Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 92 f. 1986 betrat das Unternehmen den spanischen Markt durch Gründung einer Tochtergesellschaft und Kauf einer Tiefkühlkost-Fabrik in Milagro (Navarra). Zwei Jahre später war Bonduelle ebenfalls in Portugal präsent, nachdem es eine Tiefkühlkost-Fabrik in Santarém erworben hatte.Bruno Bonduelle: Bonduelle. 1853–2003. S. 84 f. 1989 folgte die Gründung einer Tochtergesellschaft in Dänemark.Jean Watin-Augouard: Bonduelle. La marque aux 500 variétés de légumes, S. 45.
Nach dem politischen Umbruch reüssierte Bonduelle in den 1990er Jahren auf den Märkten in Mittel- und Osteuropa. Das galt für Deutschlands neue Bundesländer (1990), Tschechien, Polen und Ungarn (1991 bzw. 1992) sowie für Russland und Slowenien (beide 1994).Jean Watin-Augouard: Bonduelle. La marque aux 500 variétés de légumes, S. 45 f.
Brasilien war 1994 das erste Land Südamerikas, in dem Bonduelle eine Tochtergesellschaft gründete. Zwei Jahre später folgte Argentinien. 1997 bildete das französische Unternehmen mit dem chilenischen Partner Iansa ein Joint Venture.Ministerio de Economia de la Nation. Secretaria de Politica Economica Unidad de Preinversion (UNPRE). Programa multisectorial de Preinversion II. Prestamo Bid 925 OC-AR. Coordinacion General: Oficina de la CEPAL-ONU en Buenos Aires. Componentes macroeconomicos, sectoriales y microeconomicos para una Estrategia Nacional de Desarrollo. Lineamientos para fortalecer las fuentes se crecimiento economico. Estudio 1.EG.33.7. Estudios agroalimentarios. Componente A: Fortalezas y debilidades del sector agroalimentario. Documento 14: Hortalizas Congeladas. Autora: Maria Laura Viteri. Instituto Interamericano de Cooperation para la Agricultura (IICA-Argentina). Marzo 2003, S. 12 (elektronische Paginierung). Abruf am 6. Februar 2017.
Anfang 1997 übernahm Bonduelle 90 Prozent der Geschäftsanteile des französischen Anbieters Salade Minute. Auf diese Weise ergänzte Bonduelle Konserven- und Tiefkühlgemüse um eine dritte Angebotslinie: frische, verzehrfertige Salate, einschließlich Gemüserohkost und Salat-Komplettzubereitungen (salades traiteurs).Bonduelle steigt ins Geschäft mit frischen Salaten ein. In: Lebensmittel-Zeitung. 7. Februar 1997. Ab 1998 bot das Unternehmen dem breiten Publikum seine entsprechenden Produkte mit den Marken Bonduelle Frais (Frankreich) bzw. Bonduelle Frische (Deutschland) an.Marie-Annick Depagneux: Bonduelle installe le siège de sa division produits frais à Lyon. In: Les Échos. 10. April 1998, Abruf am 6. Februar 2017. Im Jahr 2000 übernahm Bonduelle den Frische-Salat-Anbieter Ciele e Campo, in Italien die Nummer Zwei im Markt;Andreas Chwallek: Bonduelle-Gruppe wartet mit sattem Zuwachs auf. In: Lebensmittel-Zeitung. 3. November 2000. Bonduelle hatte mit diesem Unternehmen bereits seit 1998 zusammengearbeitet.
Seit 1995 nach französischem Recht als Kommanditgesellschaft auf Aktien organisiert, war Bonduelle im Juni 1998 an die Pariser Börse gegangen, um seinen Wachstumskurs zu finanzieren.Bonduelle auf Expansionskurs. In: Handelsblatt. 11. Oktober 1999. Bis Herbst 1999 waren 17 Prozent aller Aktien platziert,Bonduelle GmbH kann ihre Position weiter festigen. Lebensmittel-Zeitung, 29. Oktober 1999. die Anteilsmehrheit verblieb bei der Gründerfamilie.
Geschäftsentwicklung seit 2000 2001 erwarb Bonduelle von Unilever Frudesa, eine spanische Marke für TK-Gemüse.Jean Watin-Augouard: Bonduelle. La marque aux 500 variétés de légumes, S. 45, Fußnote 8. Im selben Jahr übernahm Bonduelle Ortobell, den italienischen Marktführer für Frische-Salate, und fusionierte dieses Unternehmen mit Cielo e Campo.