290x290px|mini|thumbtime=74|Mauergeckos beim Sonnenbaden (Video, 1m 40s) mini|Mauergecko, aufgenommen in Finale Ligure, Italien|288x288px

Der Mauergecko (Tarentola mauritanica) ist ein häufiger und im Mittelmeerraum großflächig verbreiteter, nachtaktiver Gecko. Er gehört zur Gattung Tarentola, innerhalb der Familie der Blattfingergeckos (Phyllodactylidae).

Merkmale Der Mauergecko zählt zu den größten Geckoarten in Europa. Er erreicht eine Körperlänge von bis zu 16 cm, wobei die Kopf-Rumpf-Länge zwischen 74 und 84 mm liegt. Männchen werden größer als die Weibchen und besitzen deutlich breitere Köpfe. Die Grundfarbe der Mauergeckos besteht gewöhnlich aus grauen und bräunlichen Tönen. Meistens finden sich weitere hellere Flecken, sowie dunkle Querstreifen (vier bis fünf zwischen Nacken und Sakralregion.) auf dem Körper, die jedoch mit dem Alter verschwinden. Der Körper ist typischerweise abgeflacht, die Schnauze breit und spitz zulaufend. Femoral- oder Preanalporen (Hautdrüsen) sind bei keinem der beiden Geschlechter zu finden Jedoch wurde auch schon beschrieben, dass sich bei Männchen im Alter von 2 bis 3 Jahren unterhalb der Kloake zwei markante Hautöffnungen (vermutlich Drüsenöffnungen) befinden, die bei den Weibchen nicht vorhanden sind und zur Geschlechtsbestimmung hilfreich sein können.

Die Augen haben eine senkrecht geschlitzte Pupille, die Iris ist grau gefärbt. Am Kopf, Körper, Schwanz und Beinen befinden sich ausgeprägte Tuberkelschuppen, die in parallelen Reihen angeordnet sind. Am Körper befinden sich quer 12 bis 16 Reihen. An der Grenze zwischen den Bauch- und Rückschuppen sind allerdings keine vergrößerten Tuberkel zu finden. Die Rückentuberkel sind mehrfach gekielt und mit Sensillen besetzt. Dabei kann der Kiel der Tuberkelschuppen innerartlich unterschiedlich spitz ausgeprägt sein, die Tuberkel sind jedoch nie nach caudal gerichtet. Um die Tuberkel befinden sich hufeisenförmige Rosetten aus Schuppen intermediärer Größe (Körnerschuppen), die restlichen Rückenschuppen sind hingegen deutlich größer. Die Schuppen von regenerierten Schwänzen sind deutlich kleiner, als die des restlichen Körpers, wodurch ein Schwanzregenerat vom Körper abgesetzt wirkt und dadurch schnell erkennbar ist. Die Zehen des Mauergeckos sind abgeflacht und besitzen am dritten und vierten Finger deutlich sichtbare Krallen. Weibchen besitzen auch an den restlichen Zehen Krallen, die jedoch kaum sichtbar und häufig verdeckt sind. An der Unterseite befinden sich bei allen Zehen ungeteilte, breite Haftlamellen.

Haftstrukturen

422x422px|mini|Schematische Zeichnung der Fußsohle eines Mauergeckos. An jeder Zehe befinden sich ungeteilte Haftlamellen (grau hinterlegt), die es dem Gecko ermöglichen selbst an sehr glatten Oberflächen entlang zu klettern. Darüber hinaus sind an dem dritten und vierten Finger gut sichtbare Krallen vorhanden. (Abbildung: T. Machts)

Der Mauergecko besitzt an der Sohle seiner Zehen spezielle Haftstrukturen, die es ihm ermöglichen, selbst an sehr glatten Oberflächen entlang zu klettern. Diese Strukturen sind lamellenartig angeordnet. Unter dem ersten Zeh befinden sich rund 11, unter dem vierten rund 16 und unter dem fünften rund 20 Lamellen. Jede Lamelle besteht aus Tausenden von Setae (dünne, haarartige Strukturen), die sich wiederum in eine große Anzahl von tellerförmig verbreiterten Spatulae (Hafthärchen) aufgliedern. Beim Mauergecko ist eine Seta rund 150 µm lang. Die Spatulae, als letzte Struktur des hierarchisch gegliederten Haftsystems, bilden den Kontaktpunkt zur Oberfläche. Zwischen diesen beiden Punkten wirken „van der Waals-Kräfte“ (molekulare Adhäsion), die verantwortlich für die Haftfähigkeit der Geckos sind.

Die Entwicklung der Haftstrukturen wurde beim Mauergecko durch Hiller (1972) näher untersucht. Bereits nach einer Häutung wird die übernächste Epidermisgeneration und damit auch die Haftstrukturen angelegt. Dies erfolgt vor allem in der Hellen Schicht und der Oberhäutchenzellen-Schicht. Als erster Schritt erfolgt die Aufspaltung der Setae-Enden. Dies geschieht durch das Einwachsen von Keratinfilamentbündeln von der Oberhäutchenzellen-Schicht in die Helle Schicht. Dadurch besitzt die Helle Schicht eine Matrixfunktion und ist bei der präzisen Ausbildung dieser Strukturen maßgeblich beteiligt. Nach diesem Prozess werden durch gleichzeitiges Auseinanderrücken der Hellen Schicht und der Oberhäutchenzellen-Schicht (Abstand zwischen den Zellschichten vergrößert sich langsam) sowie weiterer Keratinisierung die eigentlichen Haftstrukturen gebildet. Die Helle Schicht behält bis zur nächsten Häutung ihre Matrixfunktion bei.

Verbreitung Der Mauergecko kommt großflächig in den Küstenregionen des mediterranen Raums vor. Neben Portugal, Spanien, Gibraltar, Frankreich (inklusive Korsika), Italien, (inklusive Sardinien, Sizilien und Lampedusa), den Balearischen Inseln (eingeschleppt in Mallorca, Menorca, Ibiza, Formentera und Cabrera), Malta, den Azoren den Küstenregionen Kroatiens (außer Istrien) und den adriatischen Inseln, werden auch Teile Nordafrikas besiedelt. Dazu zählen Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Westsahara, Israel und der Sinai.

Es ist davon auszugehen, dass die Vorkommen im Osten des mediterranen Raums auf Verschleppung durch den Menschen zurückzuführen sind. So auch in Griechenland, wo die Tiere auf dem Festland nur auf der Peloponnes vorkommen (rund um die Hafenstädte Patras und Pylos. Darüber hinaus auf den vorgelagerten Inseln Kephallonia, Ithaka, Zakynthos, Kreta, Strofades, Dia, Korfu, Ikaria und Lesvos. Auf den restlichen Inseln der Ägäis ist der Mauergecko nicht verbreitet. Auch das Vorkommen der Inselgruppe Madeira geht auf anthropogene Einführung zurück.

Außerhalb Europas wurde der Mauergecko auch nach Uruguay, in die USA (Kalifornien und San Diego), Argentinien sowie Chile (Santiago de Chile) verschleppt, wo er sich ebenfalls erfolgreich ansiedelte.

Lebensraum Der Mauergecko bevorzugt trockene und steinige Habitate, wie Klippen, Steinmauern und Ruinen. Selbst in der Nähe menschlicher Siedlungen ist er häufig zu finden. Dort hat er sich als äußerst erfolgreicher Kulturfolger etabliert, der gerne an Häuserfassaden selbst inmitten einer Stadt entlang klettert. Bevorzugt werden dort vor allem alte Gemäuer mit vielen Rissen und Spalten, die den Tieren als Unterschlupf und Versteck dienen. Von einem sehr ungewöhnlichen Tagesunterschlupf berichtet Barts (2013), der einen adulten Mauergecko in einem Wespennest fand. Tlili et al. (2012) konnten Mauergeckos an Elektrizitätsmasten, Ruinen, kleinen Autobrücken, Landmarken und selbst in der unmittelbaren Nähe von Müll finden. Besonders zahlreich kann der Mauergecko in leerstehenden Häusern (Innen- und Außenwänden) und an alten Brunnen beobachtet werden. In der Nacht findet man ihn darüber hinaus regelmäßig in der Nähe von künstlichen Lichtquellen, da er dort nach angelockten Insekten jagt. Im Allgemeinen gilt der Mauergecko innerhalb der Gattung Tarentola als am stärksten anthropogen-assoziierte Spezies.

Während der Mauergecko an einigen Punkten des Verbreitungsgebietes ausschließlich auf die Küstenregion beschränkt ist (bspw. Tunesien., Griechenland.), kann er auf der Iberischen Halbinsel auch im Inland angetroffen werden. Dort bewohnt er Biotope von Meereshöhe bis etwa 2.300 m (in Spanien).

mini|Juveniler Mauergecko (hier: Tarentola mauritanica mauritanica) aus der Hafenstadt Pylos, Griechenland. Häufig findet man die Geckos in der Nacht an Häuserfassaden entlang kletternd. (Foto: T. Machts)|360x360px

Unterarten Der Mauergecko wurde 1758 von Carl von Linné als Lacerta mauritanica erstbeschrieben. Die Terra typica umfasst „Mauritantia“, also das nördliche Afrika. Linné erhielt das Exemplar vom schwedischen Konsul in Algier., die Typuslokalität beschränkt sich damit auf Algier.

Es werden derzeit 3 Unterarten unterschieden:

Tarentola mauritanica mauritanica (Linnaeus 1758) Tarentola mauritanica juliae (Joger 1984) Tarentola mauritanica pallida (Geniez et al. 1999)

Die Nominatform Tarentola mauritanica mauritanica ist in den europäischen Küstenregionen des Mittelmeers (auf der Iberischen Halbinsel auch im Landesinneren) einschließlich zahlreicher Mittelmeerinseln (u. a. eines Teils der Ionischen Inseln und aller größeren Inseln des westlichen Mittelmeeres) verbreitet. Darüber hinaus kommt sie auch in Marokko nördlich des Hohen Atlas, in Algerien nördlich des Sahara-Atlas und in Tunesien nördlich der Linie Gafsa–Sfax vor.

Die Terra typica der Unterart Tarentola mauritanica juliae umfasst den östlichen Antiatlas in Marokko. Tarentola m. juliae ist in Südmarokko verbreitet. Dort kann die Unterart des Mauergeckos im Bereich des westlichen Hohen Atlas und seiner Ausläufer sowie südlich bis zum Hauptkamm des Antiatlas und seiner Ausläufer angetroffen werden. Der Holotypus ist mit einer gedrungenen Gestalt mit kurzem Kopf und dünnem Schwanz beschrieben worden. Die Rückentuberkel sind klein und spitz, aber nur wenig hervorgehend. Rosetten um die Tuberkel sind vorhanden. Im Norden des Verbreitungsgebietes gibt es Intergradationszonen mit Übergangsformen zu Tarentola m. mauritanica.

Das Verbreitungsgebiet der Unterart Tarentola mauritanica pallida ist auf den atlantischen Randbereich von Südmarokko und Westsahara von der Mündung des Oued Drâa bis Dchira beschränkt. Tarentola m. juliae und Tarentola m. mauritanica kommen ebenfalls in diesem Gebiet vor. Tarentola m. pallida unterscheidet sich jedoch von diesen durch eine rosafarbene bis gelbliche Grundfärbung und ein durch glatteres, weniger warziges Erscheinungsbild (flachere Tuberkelschuppen auf der Rückenmitte).

Die im östlichen Nordafrika verbreitete Art Tarentola fascicularis (Daudin 1802) wurde früher ebenfalls als Unterart des Mauergeckos betrachtet, aber 2010 als eigene Art anerkannt.

Taxonomie Durch Untersuchungen der mitochondrialen DNA konnten sechs genetisch unterschiedliche Linien entlang Nordafrikas nachgewiesen werden. Diese Phylogruppen erstrecken sich offenbar in Algerien, Tunesien, Libyen, in dem Süden Marokkos, in dem Norden Marokkos und in Zentralmarokko. Im Gegensatz dazu werden die Populationen entlang Spaniens, Portugals, Italiens, Kretas, Menorcas und Tunesiens durch bloß einen einzigen Haplotyp charakterisiert. Es ist daher davon auszugehen, dass diese Populationen auf eine anthropogene Einführung mit anschließend rascher Ausbreitung entlang des europäischen Mittelmeerraumes zurückzuführen sind. Ihre Ursprünge finden sich möglicherweise in Marokko.

Die hohe genetische Diversität des Mauergeckos insbesondere in Nordafrika könnte dafür sprechen, dass Tarentola mauritanica einen ganzen Arten-Komplex repräsentiert.

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