Der Bullenheimer Berg ist ein Zeugenberg des Steigerwaldmassivs, das sich rund 150 m über die Umgebung erhebt. Der Bullenheimer Berg befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinden Seinsheim im Landkreis Kitzingen und Ippesheim im Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim. In Seinsheim wird der Berg Kapellenberg genannt.Heidi Peter-Röcher: Die Geographische Lage des Bullenheimer Berges. In: Stephanie Nomayo, Frank Falkenstein (Hrsg.): Der Bullenheimer Berg im Fokus moderner Methoden der Archäologie. (= Schriftenreihe des Städtischen Museums Kitzingen, Bd. 5), Verlag Sauerbrey: Kitzingen 2012, S. 1

In der späten Bronzezeit, der sogenannten Urnenfelderzeit, befand sich auf ihm eine Höhensiedlung. Noch heute wird das Plateau von einem rund drei Kilometer langen Ringwall umschlossen.

Bekannt ist der Bullenheimer Berg durch die mindestens 19 von dort stammenden Depotfunde. Hiervon stammen nur 2 aus wissenschaftlichen Grabungen. Aufgrund zahlreicher illegaler Raubgrabungen gilt der Bullenheimer Berg und seine Umgebung in Fachkreisen seiner Metallfunde zwischenzeitlich als nahezu vollständig beraubt.Stephanie Nomayo, Frank Falkenstein (Hrsg.): Der Bullenheimer Berg im Fokus moderner Methoden der Archäologie. (= Schriftenreihe des Städtischen Museums Kitzingen, Bd. 5), Verlag Sauerbrey: Kitzingen 2012, S. 8 f.

Geographie und Topographie Der Bullenheimer Berg erhebt sich wenige Kilometer nordöstlich der mittelfränkischen Gemeinde Ippesheim über das umliegende Terrain, welches etwa 30 Kilometer südöstlich von Würzburg und etwa 15 km südöstlich des Maindreiecks liegt. Vom 50 Kilometer nördlich gelegenen Schweinfurt ist der Bullenheimer Berg noch zu sehen. Er stellt den westlichsten Ausläufer des Steigerwaldmassivs dar. Im Norden, Süden und Westen des Bullenheimer Bergs befinden sich die fruchtbaren Gebiete des Ochsenfurter, Gollach- und Uffenheimer Gaues.Georg Diemer: Der Bullenheimer Berg … (1995), S. 11 f.

Der Bullenheimer Berg ist ein Tafelberg, der sein Umland um ca. 150 m überragt und dessen Hänge nach allen Seiten steil abfallen.B. U. Abels: Der Ringwall bei Bullenheim. Führer Vor- u. Frühgesch. Denkmäler 27 (1975), S. 244 ff. Das Plateau ist von Norden nach Süden ungefähr 1200 Meter lang und von Osten nach Westen 180 bis 400 Meter breit, sodass sich eine Fläche von etwa 30,5 ha ergibt. Der Bergrücken hat zwei annähernd gleich hohe Kuppen, den hohen namensgebenden Bullenheimer Berg im Süden und den hohen Kapellberg im Norden, auf dem sich der Aussichtsturm Bullenheim befindet.

Die Geologie des Bullenheimer Berges umfasst einen Untergrund aus anstehendem Blasensandsteinen sowie wechselnden geologischen Formationen des mittleren Keupers an den Hängen. Es treten u. a. Lettenkeuper, Lehrbergschichten und Schilfsandstein auf. Entlang der Steilhänge befinden sich zahlreiche natürliche Terrassen und Rinnen.Georg Diemer: Der Bullenheimer Berg … (1995), S. 12, ebd., 20 Der Lettenkeuper weist generell viele verschiedene kleinräumige, natürliche Verfärbungen auf und macht die Differenzierung archäologischer Befunde stellenweise recht schwierig.Georg Diemer: Der Bullenheimer Berg … (1995), S. 20

Bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde im Westen des Plateaus Sandstein für die Herstellung von Scheuersand gewonnen, wovon heute noch aufgelassene Gruben zeugen.Georg Diemer: Der Bullenheimer Berg … (1995), S. 15 In der Senke zwischen Bullenheimer Berg, Kapellberg und Bastranken befanden sich bis ins 19. Jahrhundert zwei Weiher mit einer Gesamtfläche von knapp 0,5 Hektar, die als Zisternen zur Wasserversorgung der Hochfläche dienten. Die sind heute verlandet und ebenso wie das gesamte Plateau geschlossen bewaldet. Seit dem Mittelalter wurde wohl Niederwald bewirtschaftet, wodurch kaum anthropogene und erosive Störungen wie z. B. durch landwirtschaftliche Aufpflügung auftraten, die die archäologische Funderhaltung beeinträchtigt hätten. Der Nutzung als Eichenschälwald geschuldet ist die Eiche die überwiegende Baumart.Georg Diemer: Der Bullenheimer Berg … (1995), S. 15, Fußnote 23

Archäologische Geländedenkmäler Durch die Waldbedeckung ist die Erhaltung der obertägig sichtbaren archäologischen Überreste relativ gut. Das gesamte Plateau wird von einem Ringwall an der Hangkante umschlossen, der jedoch an manchen Stellen nicht mehr obertägig erkennbar ist. Zudem gibt es drei Querwälle auf dem Plateau, die teilweise gut erhalten sind. An den Terrassen des Berges befinden sich außerdem mehrere Grabhügel.Georg Diemer: Der Bullenheimer Berg … (1995), S. 16 Im Westen des Berges auf einem kleinen Bergsporn liegt ein mittelalterlicher Burgstall, von dem nur noch das Grabensystem erhalten ist, das den Burgstall vom restlichen Berg abtrennt. Auf dem Burgstall befindet sich seit 1972 ein 15 m hoher Aussichtsturm,Bullenheim, Aussichtsturm wird 40 Jahre alt in mainpost.de vom 29. Juli 2012, abgerufen am 28. Januar 2016 durch dessen Bau der Burgstall teilweise zerstört wurde. mini|Die noch sichtbare Ruine der Kunigundenkapelle In der Mitte des Nordteils des Bergplateaus liegt ein Feuchtgebiet, an dessen Südrand sich ein in Trockenmauertechnik errichteter Brunnen befindet, der wohl aus dem Mittelalter stammt. Auf einer vorgezogenen Terrasse unterhalb des Plateaus befindet sich die Ruine der Kunigundenkapelle, einer kleinen spätgotischen Kirche aus dem 15. Jahrhundert, die einen Vorgänger aus Holz gehabt haben soll.Georg Diemer: Der Bullenheimer Berg … (1995), S. 17 Es gibt ein verzweigtes System von Hohlwegen, die auf den Bullenheimer Berg führen.

Forschungsgeschichte Trotz der oberirdisch erhaltenen Wallanlagen wurde der Bullenheimer Berg erst 1973 durch Björn-Uwe Abels vom Landesamt für Denkmalpflege als archäologisches Denkmal erkannt. 1974 wurde der Berg erstmals durch das Landesamt für Denkmalpflege topographisch vermessen.Georg Diemer: Der Bullenheimer Berg … (1995), S. 12 ff.

Durch die zwischen 1978 und 1981 gefundenen Hortfunde gelangte der Bullenheimer Berg in den Fokus archäologischer Forschung. Insbesondere der Depotfund 11, das sogenannte Phalerendepot gab Anlass für die nachfolgenden Forschungskampagnen. In den Jahren 1981 bis 1983 wurden in einer Kooperation des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Lehrstuhls für Vor- und Frühgeschichte der Universität Würzburg der Ringwall und die angrenzende Siedlungsfläche sowie die drei Querwälle untersucht.Heidi Peter-Röcher: Die Ausgrabungen in den 1980er Jahren. In: Stephanie Nomayo, Frank Falkenstein (Hrsg.): Der Bullenheimer Berg im Fokus moderner Methoden der Archäologie. (= Schriftenreihe des Städtischen Museums Kitzingen, Bd. 5), Verlag Sauerbrey: Kitzingen 2012, S. 4 Die Grabungsleitung hatte Georg Diemer, der seine Dissertation über den Bullenheimer Berg schrieb. Diemer erkannte als Erster die fünf Befestigungsphasen des Ringwalls, wobei er nur die Phasen 1 bis 4 in die Bronze- und Urnenfelderzeit datierte, für die fünfte zog er die Möglichkeit einer Datierung in das frühe Mittelalter in Erwägung. Durch den Unfalltod Diemers wurde seine Dissertation erst posthum veröffentlicht.Stephanie Nomayo, Frank Falkenstein (Hrsg.): Der Bullenheimer Berg im Fokus moderner Methoden der Archäologie. (= Schriftenreihe des Städtischen Museums Kitzingen, Bd. 5), Verlag Sauerbrey: Kitzingen 2012, S. 4 ff.ausführlich zu den Befestigungsphasen: Georg Diemer: Der Bullenheimer Berg … (1995), S. 26–37

1989 erfolgte nochmals eine Ausgrabungskampagne des Lehrstuhls für Vor- und Frühgeschichte unter der Leitung von Arthur Berger, wobei ein Teil des Innenareals des Bergplateaus ausgegraben wurde. Von den Ausgräbern stammt auch die Interpretation von Depotfunden und Pfostenlöchern als Kultgebäude.Stephanie Nomayo, Frank Falkenstein (Hrsg.): Der Bullenheimer Berg im Fokus moderner Methoden der Archäologie. (= Schriftenreihe des Städtischen Museums Kitzingen, Bd. 5), Verlag Sauerbrey: Kitzingen 2012, S. 7

Nach einer über zwanzigjährigen Unterbrechung wurden die Feldforschungen auf dem Bullenheimer Berg wieder aufgenommen. Die neuen Forschungen am Bullenheimer Berg werden vom Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Würzburg in Kooperation mit einer Arbeitsgruppe des Städtischen Museums Kitzingen, dem Archäologischen Netzwerk Kitzinger Land, durchgeführt.Frank Falkenstein, Stephanie Nomayo, Heidi Peter-Röcher: Neue archäologische Forschungen auf dem Bullenheimer Berg und in seinem Umfeld seit 2010. In: Stephanie Nomayo, Frank Falkenstein (Hrsg.): Der Bullenheimer Berg im Fokus moderner Methoden der Archäologie. (= Schriftenreihe des Städtischen Museums Kitzingen, Bd. 5), Verlag Sauerbrey: Kitzingen 2012, S. 19 Im Rahmen dieser Forschungen wurde im Frühjahr 2010 mit Hilfe eines Airborne Laserscannings ein hochauflösendes, digitales Geländemodell des Bullenheimer Bergs und seines Umlands erstellt. Die Forschungen auf dem Berg selbst umfassten Prospektionen und Ausgrabungen im Sommer 2010, 2011 und im Frühjahr 2012. Das Archäologische Netzwerk Kitzinger Land(ArchNetKL) führte mehrere Feldbegehungskampagnen im Umland des Bullenheimer Berges durch, um neue Siedlungen im Umland zu entdecken, die mit der Besiedlung des Berges selbst in Verbindung standen. Funde und Bodenverfärbungen wurden dabei mit GPS-Geräten punktgenau eingemessen.Frank Falkenstein, Stephanie Nomayo, Heidi Peter-Röcher: Neue archäologische Forschungen auf dem Bullenheimer Berg … (2012), S. 20

Besiedlung Die bisherigen Siedlungsbefunde aus den Flächengrabungen und Wallschnitten sowie die Gesamtheit der bekannten Lesefunde deuten auf eine mehrphasige Besiedlungsgeschichte des Bullenheimer Bergplateaus hin.Georg Diemer: Der Bullenheimer Berg …. (1995), S. 78.

Mesolithikum und Neolithikum Eine gelegentliche Anwesenheit von Menschen im Mesolithikum, der Mittleren Steinzeit, ist nachweisbar. Jäger- und Sammlergruppen scheinen sich wiederholt zeitweilig auf dem Bullenheimer Berg aufgehalten haben. Die meisten Streufunde dieser Zeit dürften als Verlustfunde sein, auch bei den jüngeren Forschungen wurden Feuersteinartefakte gefunden.

Im Mittelneolithikum bildete der Berg eine der Visuren, die von den Zugängen der Kreisgrabenanlage (etwa 4900–4700 v. Chr.) beim heutigen Ippesheim möglich waren. Auf eine ständige Besiedlung im Jungneolithikum weisen zahlreiche Funde der Michelsberger Kultur. Die Besiedlung fand aus bisher unklaren Gründen vermutlich zunächst im nördlichen Randbereich des Plateaus statt, bei den neuen Forschungen wurden auch Hinweise auf eine Besiedlung außerhalb des Ringwalls gefunden.Barbara Drischmann, Frank Falkenstein, Thomas Link u. a.: Die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung des Bullenheimer Berges im Lichte der neuen Forschungen. In: Stephanie Nomayo, Frank Falkenstein (Hrsg.): Der Bullenheimer Berg im Fokus moderner Methoden der Archäologie. (= Schriftenreihe des Städtischen Museums Kitzingen, Bd. 5), Verlag Sauerbrey: Kitzingen 2012, S. 77

Bronzezeit Anhand der Keramik kann eine Besiedlung in der Hügelgräberkultur der Mittelbronzezeit, auch dem Übergang von der Früh- zur Mittelbronzezeit und in die Spätbronzezeit datiert werden.Barbara Drischmann, Frank Falkenstein, Thomas Link u. a.: Die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung des Bullenheimer Berges im Lichte der neuen Forschungen. In: Stephanie Nomayo, Frank Falkenstein (Hrsg.): Der Bullenheimer Berg im Fokus moderner Methoden der Archäologie. (= Schriftenreihe des Städtischen Museums Kitzingen, Bd. 5), Verlag Sauerbrey: Kitzingen 2012, S. 78

Früh- und Mittelbronzezeit Frühbronzezeitliche Besiedlung ist an zwei Bereichen des Plateaus nachgewiesen, wobei unklar ist, ob die beiden Siedlungen gleichzeitig oder nacheinander bestanden. Die Siedlung war zunächst unbefestigt, gegen Ende der Frühbronzezeit wurde die Siedlung durch eine Konstruktion aus Flechtwerk und Erde – der Befestigungsphase 1 Diemers – geschützt. In der Mittelbronzezeit war die Siedlung wahrscheinlich nicht von einer Befestigungsanlage umgeben.

Urnenfelderzeit