Festung Fjell (deutsch: Marine-Küsten-Batterie (MKB) 11/504 Fjell, auch Fjell fort, Batterie Fjell, Festung Sotra) war eine Küstenverteidigungsanlage oberhalb der Ortschaft Fjell auf der norwegischen Insel Sotra in der Kommune Øygarden. Die Hauptaufgabe der Festung Fjell lag darin, den Schiffsverkehr in den Bergener Hafen nördlich und südlich von Sotra zu kontrollieren. Die Festungsanlagen besitzen zusätzlich ein etwa 3 km langes unterirdisches Tunnelsystem. Dieses hätte nach Fertigstellung 1500 Personen aufnehmen können. mini|Ansicht 1963

mini|Der baugleiche Turm C der Gneisenau im Museum Austrått fort (Ørland, Norwegen) Geschichte Das Festungswerk wurde von der deutschen Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg errichtet und war der Kriegsmarine unterstellt. Hier wurde die Marineküstenbatterie 11/504 stationiert. Die Anlage bestand aus dem Hauptgeschützturm mit drei Rohren vom Kaliber 28,3 cm und den dazugehörigen Verteidigungsanlagen. Die maximale Reichweite der 28 cm SK C/34, ursprünglich von dem Schlachtschiff Gneisenau stammende Geschütze, lag bei 39 km. Zusätzlich waren mehrere Flugabwehrgeschütze installiert worden, die neben dem Schutz der Festungsanlage auch die Haupteinflugschneise nach Bergen überwachten. Die Flugabwehr-Batterien wurde auch im Kampf gegen alliierte Luftangriffe auf Bergen eingesetzt, wohingegen der Geschützturm (von den Probeschüssen abgesehen), nicht aktiv wurde.

Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1942 und waren ein gutes Jahr später soweit fortgeschritten, dass am 12. Juli 1943 das Einschießen erfolgen konnte. Die Anlagen zur Nahverteidigung hingegen wurden nicht fertiggestellt. Es wurden Kriegsgefangene aus mehreren europäischen Ländern eingesetzt, ebenso waren norwegische Unternehmer und norwegische Freiwillige beteiligt. 25 Kriegsgefangene sollen während der Bauarbeiten infolge von Erfrierungen, Erschöpfung und Hinrichtungen ums Leben gekommen sein, diese Zahlen sind jedoch nicht sicher belegt.

Nach dem Krieg übernahm das norwegische Militär die Anlage und betrieb sie als reguläres Küstenfort, bis der Geschützturm Ende der 1960er Jahre demontiert wurde. Die Nahverteidigungsanlage wurde aufgegeben und die Minenfelder beseitigt. Danach betrieb die norwegische Marine bis 2005 eine Küstenradarstation auf dem Gelände.

Unweit der Landstraße 555 befindet sich eine Panzersperre. Sie besteht aus acht großen Steinblöcken, die auf einem Betonfundament ruhen. Ursprünglich waren diese mit Drahtseilen gesichert, die im Falle eines Angriffs gesprengt werden sollten. Darauf würden die Steine auf den Weg fallen und für Fahrzeuge jeglicher Art ein wirksames Hindernis bilden.

Waffensystem Verwendet wurde ein Turm der Hauptartillerie des Schlachtschiffs Gneisenau mit drei Rohren vom Kaliber 28,3 cm. 1942 wurde die Gneisenau durch einen Luftangriff so stark beschädigt, dass das Schiff aus dem aktiven Dienst genommen werden musste. Die Waffen und Ausrüstung wurden demontiert und auf andere Schiffe und Küstenbatterien verteilt. Es handelte sich hierbei um die 28 cm SK C/34 (L/54,5) (28 cm Schnellladekanone, Entwicklungsjahr 1934, Kaliberlänge 54,5). Die Rohre konnten individuell in der Höhe verstellt werden. Vertikale und Drehbewegungen wurden durch Elektromotore durchgeführt, ein Notbetrieb von Hand war jedoch möglich. Es konnte in Einzel- oder Gruppenfeuer geschossen werden. Eine künstliche Verzögerung sollte bei gleichzeitigem Abfeuern aller drei Rohre den nicht unerheblichen Rückstoß reduzieren.

„Turm Bruno“Zweiter, überhöht stehende Turm des Vorschiffes sollte in der Umgebung von Bergen in Stellung gebracht werden, um den Zugang in den dortigen Hafen zu kontrollieren. Eine Geschützstellung auf Liatårnet, der höchsten Erhebung der Insel Sotra zu errichten, bot sich zunächst aus taktischen Gründen an. Liatårnet ragt hoch auf und bot beste Voraussetzungen für eine Küstenbatterie, jedoch wäre der Zeitaufwand zum Bau in dieser an sich optimalen Stellung zu groß gewesen. Daher fiel die Wahl auf Fjedlafjedlet, das zwar weniger hoch gelegen ist als Liatårnet, sich jedoch in vielerlei Hinsicht als vorteilhafter erwies. Das Plateau Fjedlafjedlet, auf welchem der Turm letztendlich installiert wurde, liegt etwa 170 m über NN, die hohe und freistehende Stellung des Geschützturmes ergab hier ebenfalls ein breites Schussfeld. Die Gesamtgröße des Festungsareals betrug etwa 750.000 m².

Aufbau mini|Entladung eines 28,3-cm-Geschützrohres mini|Reste des Geschützturms 2001

Infrastruktur Im Frühjahr 1942 wurden durch die Organisation Todt mit den Arbeiten zum Bau der Anlage begonnen. Da es keine brauchbaren Straßen gab, mussten diese zuerst angelegt werden. Auch stellte sich heraus, dass der Bau eines verstärkten Kais in Tellnes und einer Straße von dort die beste Möglichkeit war, die schwere Last an ihren Bestimmungsort zu bringen. In Tellnes befand sich ein natürlicher Tiefwasserkai und deshalb fiel die Wahl für den Ausgangspunkt des Transportes auf diesen Ort. Die Konstruktion der Straße von Tellnes zur Baustelle musste sehr massiv ausgeführt werden, um zum einen dem hohen Gewicht der drei Geschützrohre und der Panzerteile des Geschützturms, sowie zum anderen den schweren Baustellenfahrzeugen stand zuhalten. Der Weg war so angelegt, dass übermäßige Steigungen vermieden wurden, trotzdem musste man drei große Halbkettenfahrzeuge (wahrscheinlich Sd.Kfz. 8 oder Sd.Kfz. 9) hintereinander hängen, um die erforderliche Zugkraft sicherzustellen. Die Geschützrohre wurden auf speziell gefertigten Anhängern transportiert, an den steilsten Streckenabschnitten mussten zusätzlich große Winden eingesetzt werden um den Transport zu gewährleisten.

Noch während die Rohre im Turm installiert wurden, begann man mit dem Bau einer umfassenden Infanterie- und Flugabwehrverteidigungsanlage. Dazu zählten mehrere Maschinengewehr-, Granatwerfer- und Flammenwerferstellungen, Beobachtungsposten und größere Bunker, darunter Sanitätsbunker, Unterkunfts-, Kommando- und kombinierte Unterkunfts-/Flak-Bunker. Sie waren durch ein System von zwei bis drei Meter tiefen Laufgräben verbunden, die gegen Fliegersicht getarnt waren. Die Flugabwehrstellungen wurden hauptsächlich südlich des Geschützturms errichtet, vereinzelt aber auch nördlich und östlich davon. Zusätzlich waren einige Holzplattformen für Flak-Geschütze hergerichtet, wobei jedoch nicht sicher gesagt werden kann, ob sie auch alle bestückt waren. Weiterhin wurden ein Funkmessortungsgerät (Radar für Seeartillerie) FuMO 214, eine modifizierte Version des „Würzburg-Riesen“ und eine dritte Stellung für ein Freya-Radar aufgebaut. Zusätzlich zu all diesen oberirdischen Installationen und Stellungen wurde der Bau eines Tunnelkomplexes mit Platz für mehrere hundert Mann begonnen. Dieser Bau verband die Hauptbatterie, den Kommandobunker, sowie einige kleinere Bunker.

Geschützturm Als die Straßenbauarbeiten beendet und der Geschützbrunnen fertiggestellt war, begann man damit, die Rohre, die Panzerteile des Turms und einen großen Kran nach Fjell zu transportieren. Dieser war in Bergen demontiert und noch vor den Geschützteilen am 20. Dezember 1942 auf dem Seeweg nach Sotra verbracht worden. Bereits am 26. Dezember wurde er über dem Geschützbrunnen aufgebaut.

Jedes der drei Rohre mit Rohrwiege wog 72 Tonnen, der gesamte Turm, der sich wie auf der Gneisenau auf einem Kugellager drehte, etwa 1000 Tonnen.

Der Turm bestand aus Chromnickelstahl, der in der Front 358 mm, und an den Seiten 190,5 mm stark war. Nachdem man den Turm auf Fjell installiert hatte, wurde ab dem 9. Juni 1943 die Panzerung verstärkt; im Frontbereich betrug die Stärke danach zwischen 600–700 mm, während die Seiten eine Stärke von ca. 250 mm aufwiesen. Der optische Entfernungsmesser des Turms wurde entfernt, da die Zielauffassung über eine zentrale Feuerleitanlage erfolgte. Kanone 28-cm-Schnell-Lade-Kanone, Construktionsjahr 1934 (SK C/34) Konstruktionsjahr 1934 Herstellungsjahr 1938 Kaliber 283 mm Rohrlänge in Kalibern54,5 (15,42 m) Gewicht (Rohr inkl. Verschluss) 53 500 kg Gewicht (Rohr inkl. Rohrwiege) 72 000 kg Rohrerhöhung −9° bis +40° Reichweite (bei maximaler Ladung) 40.930 m Lagerung Panzerturm Drehscheibenlafette Gewicht (etwa) 1000 Tonnen (mit Plattformen, Kugellager usw.) Höhe (inkl. Geschützbrunnen) 17 m Länge über alles 21,72 m Abstand zwischen den Rohren 1,76 m Panzerung (Front und Deckelplatte) 700 mm Panzerung (Seite) 250 mm Rotationsgeschwindigkeit (Motor) 8° pro Sekunde Neigungsgeschwindigkeit (Motor) 7,2° pro Sekunde Mündungsgeschwindigkeit 900 m/s Gewicht Sprenggranate (HE L/4,5 Aufschlagzünder) oder (HE L/4,4 Bodenzünder) 315 kg Gewicht Panzergranaten 330 kg Gewicht Treibladung (höchste Ladung) 115 kg Feuergeschwindigkeit (pro Rohr) 3 Schuss/min Lebensdauer pro Rohr 300 Schuss mini|Restauriertes 10,5-cm-Geschütz

Richtmittel Die Deutschen bauten ganz Sotra zu einer großen Abhör- und Peilstation aus. Konnte man die Ziele von Fjell aus nicht sehen, wurde auf Zielbestimmung und -anweisungen benachbarter Festungsanlagen hin indirekt geschossen. Auf Fjell befand sich ein S446-Bunker, ein großer zweistöckiger Kommandobunker, von dem aus die schwere Artillerie dirigiert wurde. Auf dem Bunker waren ein großer Richtungs- und ein Entfernungsmesser platziert, mit deren Hilfe man das Ziel optisch anpeilte und den Abstand anhand eines Spiegelsystems bestimmen konnte. Die Richtung wurde auf einer Gradscheibe abgelesen. Frühere deutsche Radargeräte wurden beim Schießen zum Teil erheblich gestört, im Zuge des technischen Fortschritts konnte dies jedoch abgestellt werden. Es war möglich, Zieldaten anderer Radarstationen einzuholen und diese zu nutzen, sowohl bei den Flakbatterien, wie auch bei der schweren Artillerie.

Gliederung der Anlage Die Anlage der Festung Fjell wird in drei verschiedene Bereiche aufgegliedert: mini|Bunker der Nahverteidigung Nahverteidigungsanlage Von deutscher Seite rechnete man unter Umständen mit einer Landinvasion auf Sotra in Kombination mit Fallschirmtruppen, die auf einer der offeneren Ebenen der Insel landen könnten. Obwohl Sotra an sich aufgrund der Landhebung seit der letzten Eiszeit sehr uneben ist, zeichnet sich das Gelände, auf dem die Festung Fjell liegt, durch relativ ebenes Terrain aus.

Die Nahverteidigung der Festung Fjell bestand aus mehreren Ringen der äußeren und inneren Verteidigung mit kreisrunden Stellungen für Maschinengewehre, Flammenwerfer und Beobachtungsmittel. Dabei handelte es sich um den sogenannten RS 58 (RS ist die Abkürzung für Ringstand), ein kleiner Bunker, bestehend aus einem Schutzraum und einer ringförmigen Maschinengewehr- oder mittelschweren Flammenwerfer- bzw. Beobachtungsstellung. Dieser Bunkertyp wurde von den Deutschen nahezu in allen Festungsanlagen im Zweiten Weltkrieg genutzt und die Festung Fjell stellt diesbezüglich keine Ausnahme dar. Diese Stellungen verteilen sich systematisch über die gesamte Anlage. Meist waren diese Bunker in Dreiergruppen in unmittelbarer Nähe von Granatwerferstellungen angelegt. Letztere befanden sich oft hinter den äußersten Linien und auch häufig in Geländevertiefungen oder Senken, sodass einem Angreifer ein direkter Beschuss nicht möglich war. Die Granatwerferstellungen waren vom Typ RS 61a, auch als Bauform 206 bekannt.