Pinnow ist eine durch die Stadt Schwedt/Oder mitverwaltete Gemeinde im Landkreis Uckermark in Brandenburg (Deutschland).
Geografie Die Gemeinde Pinnow liegt zwischen den uckermärkischen Städten Schwedt/Oder im Osten und Angermünde im Westen. Charakteristisch für das Grundmoränengebiet sind die kuppigen Hügel und die zahlreichen zum Teil abflusslosen Seen in den Senken, von denen der Felchowsee, der unter Naturschutz steht, hervorzuheben wäre. Die Umgebung Pinnows ist durch intensive Landwirtschaft und viele Windenergieanlagen gekennzeichnet.
Die Gemeinde verfügt über keine Orts- oder Gemeindeteile. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg.
Geschichte mini|hochkant=0.7|Gesetz über die Auflösung des Amtes Oder-Welse und der Mitverwaltung durch Schwedt/Oder Der Name Pinnow ist ein Begriff slawischer HerkunftPaul Kühnel: pini. In: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. lbmv.de mit der Bedeutung . Der als Straßen- oder Straßenangerdorf angelegte Ort wurde 1354 als Pynnow erstmals erwähnt. Neben dem benachbarten Felchow war es lange im Besitz der Herren von Winterfeld. Von 1478 bis 1571 war Pinnow im Besitz des Adelsgeschlechts derer von Pfuel.Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Verlag Ludwig Rauh, Berlin 1856, S. 196–197. books.google.com
Militär Prägend für die jüngere Geschichte des Ortes war die Errichtung eines Munitionswerkes 1931, dessen Anlagen und Bunker nach 1945 gesprengt wurden. Die Bunkerreste waren noch 1968 im Wald des Objektes zu finden. Die DDR betrieb hier bis 1990 das Instandsetzungswerk Pinnow (IWP), das dem Kombinat Spezialtechnik Dresden angehörte. In den Objekten des Geländes wurden für die Nationale Volksarmee (NVA) Flugabwehrraketen sowjetischer Bauart, u. a. Flüssigbrennstoff-Raketen, gewartet, die damals im sogenannten Komplex 050 (ein Konvoi aus etwa 20 schweren LKW und Anhängern sowjetischer Bauart mit Abschussrampen, Raketen, Leittechnik und Antennen) in der Nacht über die Straße und nach einem Auffahrunfall 1968 vor den Toren des Erdölverarbeitungswerkes Schwedt ab 1969 auch per Bahn angeliefert wurden. Auch Wasserbombenwerfer, Messtechnik und Funktechnik der NVA-Volksmarine wurde repariert und geeicht. Für die Militärflugplätze der Luftstreitkräfte wurden Eisabtaugeräte auf der Basis des LKW IFA G5 und des MiG-17-Düsenaggregates gebaut. Mitte der 1980er Jahre wurden auch Panzerabwehrraketen in Lizenz produziert.
Das gesamte Objekt war in einzelne abgesperrte und bewachte Zonen 1 bis 4 aufgeteilt, wo je nach militärischer Wichtigkeit an der angelieferten Technik gearbeitet wurde. Das Betreten war nur unter Vorlage eines gültigen Zonenausweises am Kontrollpunkt möglich. Die Zone 4 (sogenanntes Zentrales Treib- und Schmierstofflager) war dabei besonders gesichert, die dort stationierten Soldaten und Beschäftigten hatten keinen Kontakt zu den übrigen Soldaten und Beschäftigten des IWP, denen auch das Betreten dieser Zone 4 nicht gestattet war. Das Gelände wurde sogar mit Signaldrahtanlagen gesichert.
Nach der politischen Wende 1990 siedelte sich auf dem Gelände eine Explosionsstoff-Entsorgungsfirma an, die Munition, Flugkörper, Raketen, Minen, Handgranaten, Zünder und pyrotechnisches Material aus osteuropäischer Herstellung demontiert, demilitarisiert und entsorgt.Jochen Gößmann: Pinnower Firma entschärft Sprengstoff aus Nato-Beständen … und Airbags entsorgen sie auch! In: Berliner Kurier, 11. Oktober 2003. Seit 2007 arbeitet das Unternehmen auch in großem Umfang an der Entsorgung von NATO-Munition und-Raketen. In: Märkische Allgemeine. 21. Januar 2008.
Verwaltungsgeschichte
Pinnow gehörte seit 1817 zum Kreis Angermünde in der preußischen Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Angermünde im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Uckermark. In der Gemeinde befand sich der Verwaltungssitz des Amtes Oder-Welse. Seit der Auflösung des Amtes Oder-Welse am 19. April 2022 wird die Gemeinde von der Stadt Schwedt/Oder mitverwaltet.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 443 1890 427 1910 472 1925 407 1933 453 1939 434 Jahr Einwohner 1946 636 1950 670 1964 914 1971 744 1981 769 1985 887 Jahr Einwohner 1990 876 1995 780 2000 904 2005 934 2010 916 2015 853 Jahr Einwohner 2020 889 2021 886 2022 907 2023 889 2024 913 2025 890
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991),Landkreis Uckermark. (PDF) In: Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. statistik-berlin-brandenburg.de, S. 22–25. statistik-berlin-brandenburg.de, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember) ab 2011 auf Basis des Zensus 2011
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Pinnow besteht aus zehn Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Wir für Pinnow – – 53,0 % 6 Liste für Pinnow 28,2 % 3 41,6 % 4 Einzelbewerberin Christin Beder – – 5,4 % – CDU 47,0 % 5 – – Die Linke 18,9 % 2 – – Bündnis 90/Die Grünen 5,9 % – – – Insgesamt 100 % 10 100 % 10
Bürgermeister 1998–2003: Mike Nagel (SPD) wahlen.brandenburg.de 2003–2008: Udo Köhler (PDS) statistik-berlin-brandenburg.de, S. 34 seit 2008: Walter Kotzian (CDU) wahlen.brandenburg.de
Kotzian wurde bei der Wahl zum ehrenamtlichen Bürgermeister am 9. Juni 2024 ohne Gegenkandidat mit 79,6 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.§ 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=0.8|Pinnower Kirche
In der Liste der Baudenkmale in Pinnow (Uckermark) stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmale.
Verkehr mini|Bahnhof Pinnow (Uckermark) Pinnow liegt an der Bundesstraße 2 zwischen Angermünde und Schwedt.
Der Bahnhof Pinnow (Uckermark) an der Bahnstrecke Angermünde–Schwedt wird von der Regionalexpresslinie RE 3 Schwedt–Berlin–Lutherstadt Wittenberg und der Regionalbahnlinie RB 61 Angermünde–Schwedt bedient.
Persönlichkeiten Arthur Bülow (1901–1988), Ministerialbeamter im Bundesjustizministerium, in Pinnow geboren Franz Rös (1920–2011), Generalmajor der NVA, Kommandeur des KVP-Kommandos Pinnow Heinz Trautsch (* 1927), Generalleutnant der NVA, Ausbilder der Flak-Artillerieschule Pinnow Sophie Dreblow (* 1998), Volleyballspielerin, wuchs in Pinnow auf
Literatur Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VIII, Uckermark. Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Uckermark Kategorie:Ersterwähnung 1354 Kategorie:Geographie (Schwedt/Oder)