Die Duburg (dänisch: Duborg) ist eine abgegangene Höhenburg auf dem Marienberg in Flensburg aus dem 15. Jahrhundert. Sie gab dem Stadtbezirk Duburg seinen Namen.
Geschichte
Vorgängerbau Hof Flenstoft In der Umgebung Flensburgs gab es offenbar schon früh verschiedene Burganlagen.Vgl. Dammhofareal sowie Eddeboe, Burghof und Flensburger Stadtbefestigung etc. Die erste Marienberg-Burg war der Hof Flenstoft.Thomas Riis (Hrsg.): Studien zur Geschichte des Ostseeraumes, Band 1, S. 19. Seine Existenz lässt sich bis in die Zeit um 1150 zurückverfolgen. Er dürfte jedoch noch älter sein.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 50. Der Edelhof befand sich auf dem Marienberg, einer nach drei Seiten abfallenden Anhöhe auf dem Westufer, oberhalb des Kirchspiels Sankt Marien. Mit seiner überragenden Lage lag er also oberhalb und damit auch außerhalb des Flensburger Siedlungsgebietes. Er bestand wohl aus einem steinernen Hauptgebäude und einem Holzhaus sowie weiteren Gebäuden. Daneben existierte wohl auch ein Garten, in dem Apfelbäume standen und Kohl angebaut wurde.Thomas Riis (Hrsg.): Studien zur Geschichte des Ostseeraumes, Band 1, S. 22. In den Jahren 1927/28 gab es Ausgrabungen, bei denen man hölzerne Überreste entdeckte (siehe Abschnitt: Nachwirkungen).Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 23.
Im 14. Jahrhundert gehörte der Edelhof dem jütischen Adelsgeschlecht der Juls.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 50. Die Familie Jul (auch: Juel) besaß einen großen Teil des Stadtfeldes, eine Fläche, die von der Marienhölzung bis zum Hof Flenstoft reichte; damit gehörte ihr wohl auch die Eddeboe.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 283. Der älteste namentlich bekannte Jul ist Eler Jul. Seine Nachfahren stellten mehrfach Flensburger Bürgermeister.Vgl. Dirk Meier: Schleswig-Holstein im Hohen und späten Mittelalter. Landschaft – Archäologie – Geschichte. Boyens Buchverlag, Heide 2012, S. 67. Den Ritter Peter Jul († vor 1398) wählten die Flensburger um 1379 zum Bürgermeister für das Kirchspiel St. Marien (vgl. Liste der Stadtoberhäupter von Flensburg).Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 283.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 428. Neben seinem Besitz in und bei Flensburg hatte dieser auch welchen in „Achtrup“. Als Wohnsitz diente ihm aber die Burg Flenstoft.Flensburg – Geschichte einer Grenzstadt. Hrsg. von der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Flensburg 1966, S. 39.Vgl. auch: http://www.stadtarchiv-flensburg.findbuch.net/perma_arid-3663-bekurz-55726b2f566572-vnum-15.html sowie: http://www.stadtarchiv-flensburg.findbuch.net/perma_arid-3663-bekurz-55726b2f566572-vnum-438.html Nicht weit entfernt, nördlich der Schlossstraße, lag die St.-Gertrud-Kapelle, welche im Jahr 1290 errichtet worden war. Peter Jul regte im Jahre 1379 die Gründung der St.-Gertrud-Gilde an.Flensburg – Geschichte einer Grenzstadt. Hrsg. von der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Flensburg 1966, S. 40.https://web.archive.org/web/20131029201238/http://www.kirchenkreis-schleswig-flensburg.de/kg.st.gertrud/kg.st.gertrud.kirche/index.html In verwandtschaftlicher Beziehung zu den Juls stand auch Sivert Krogh (auch: Siewert Krogh geschrieben),Er war offenbar der Schwiegersohn von Peter Jul; vgl. Dirk Meier: Schleswig-Holstein im Hohen und späten Mittelalter. Landschaft – Archäologie – Geschichte. Boyens Buchverlag, Heide 2012, S. 67. der 1401 als Bürgermeister für das Kirchspiel St. Nikolai überliefert ist und es bis zum Jahr 1409 wohl noch war.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 428. Später wurde Peter Juls Sohn Iver Jul († vor 1430) ebenfalls Bürgermeister für das Kirchspiel St. Marien.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 428.Marsch und Förde, Marienhölzung; abgerufen am: 22. September 2014. Die letzten Burgherren auf Flenstoft waren offenbar Iver Jul und seine Gemahlin Bertha.Thomas Riis (Hrsg.): Studien zur Geschichte des Ostseeraumes, Band 1, S. 22. An der Stelle des Adelshofes Flenstoft wurde später im frühen 15. Jahrhundert die Duburg errichtet,Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 283. nachdem die Juls das Land verkauft hatten. Viel ist über den Hof Flenstoft somit nicht bekannt.
Der Bau und die Kämpfe um die Duburg 1409 mussten die Schauenburger, die mit der dänischen Krone um die Herrschaft im Herzogtum Schleswig kämpften, ihren Gegnern Flensburg als Pfand überlassen. Man geht davon aus, dass die dänische Königin Margarethe I. den Hof Flenstoft auf dem Marienberg in diesem Jahr erwarb.Erwin Nöbbe: Das Geheimnis des Duburger Berges. (enthält eine Ausgrabungskarte von Erwin Nöbbe mit den Fundamenten der Duburg und denen des Hofes Flenstoft) Wann und wie genau die Übereignung des Standortes der Vorgängerburg auf dem Marienberg stattfand, ist jedoch nicht mit Gewissheit bekannt. Eine Urkunde, die auf den 25. Oktober 1412 datiert ist, könnte den abschließenden Kaufvertrag zwischen den Juls und der Königin darstellen.Thomas Riis (Hrsg.): Studien zur Geschichte des Ostseeraumes, Band 1, S. 22. Bald darauf, noch unter der Königin, wurde hier der Bau der neuen Burg begonnen.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 50. Die neue, starke Festung sollte die reiche und strategisch wichtige Stadt dauerhaft unter Kontrolle der dänischen Krone bringen. Königin Margarethe I. starb bald darauf, am 28. Oktober 1412, während ihres Aufenthaltes in Flensburg auf einem Schiff im Flensburger Hafen (vgl. auch mit der Sage vom Tod der Königin Margarethe im Flensburger Hafen). Die königliche Festung trug zunächst den Namen Marienburg, nach dem Marienberg, auf dem sie stand. Später wurde die Burg meist Duburg genannt, nach vorherrschender Meinung erhielt sie diesen Namen nach Jens Due. Dieser war nachweislich zwischen 1409 und 1416 als hoher dänischer Beamter in Flensburg tätig. Vermutlich war er auch als Baumeister für den Bau der Duburg zuständig, war aber wohl kein Schlosshauptmann, wie häufig in diesem Zusammenhang behauptet, denn von 1411 bis 1424 war der Ritter Martinus Jensen Schlosshauptmann der Duburg. Möglich ist auch eine Deutung zu dänisch due für Taube.Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Auflage, Neumünster 1992, S. 221 Urkunden des 16. Jahrhunderts überlieferten die niederdeutschen Burgbezeichnungen „Dovenborch“ und „Duwenburch“. In einer Urkunde des Jahres 1649 ist erstmals die hochdeutsche Übersetzung „Taubenburg“ nachgewiesen. Burgmauern, die im Laufe der Zeit verwittern, bieten Tauben gute Nistmöglichkeiten.
Von Beginn an führte offenbar die Schlossstraße den Marienberg hinauf. Das Gebiet der Duburg sowie auch diese selbst gehörten damals nicht zur Stadt Flensburg; dieser Teil des Stadtfeldes war noch bis 1875 Teil des Kirchspiels Handewitt. Dennoch war die Burg ein wichtiger Bestandteil der Flensburger Stadtbefestigung. Die der Duburg zu Füßen liegende Norderstraße gehörte damals zur Ramsharde. Die Ramsharde um die Norderstraße wurde, damit die Duburg in Krisenzeiten von See her versorgt werden konnte, in die Befestigung mit einbezogen; etwa im Verlauf der heutigen Neuen Straße wurde sie durch Befestigungen nach Süden hin gesichert. Schutz nach Norden bot die Burg Niehuus. Auf den Ochseninseln in der Flensburger Förde soll Vieh für die Herren der Duburg geweidet haben.Flensburg Online, Ochseninseln; abgerufen am 6. Juli 2014.
mini|300px|Flensburg mit der Duburg im Braun-Hogenberg Die Duburg war eine große Burg mit weitläufigen Befestigungsanlagen. Jakob Röschmann gibt für diese eine Grundfläche von 200 mal 250 Meter an.Jakob Röschmann: Vorgeschichte des Kreises Flensburg. Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde in Schleswig-Holstein 6. Neumünster 1963, S. 90. Nach Süden und Westen war sie von einem Graben umgeben, der seinerseits durch einen Wall gesichert war. Der Zugang zur Duburg erfolgte durch die Schlossstraße in Verbindung mit der Königstraße. Von der Burg führte ein mit Palisaden gerüsteter Gang („Bart“ genannt) hinunter zum Flensburger Hafen.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 50.Vgl. auch: Gundula Hubrich-Messow: Sagen und Märchen aus Flensburg. Husum 1992, S. 44; wird dort „Bard“ geschrieben und als Befestigung am Hafen beschrieben. Da die Hänge noch nicht bebaut waren, dominierte die Duburg das Stadtbild damals deutlich.
Der Bau der Duburg gehört, wie erwähnt, an den Beginn der Auseinandersetzungen zwischen Schauenburgern und Dänen um die Vormacht im Herzogtum Schleswig. Mehrmals wurden Stadt und Burg belagert. Im Jahre 1412 eroberte Erich Krummediek die Stadt. Er scheiterte jedoch an der noch im Bau befindlichen Duburg des Königs Erich, des Sohnes Margarethes.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 387 Am 11. November 1422 scheiterte ein von Graf Heinrich IV. von Holstein versuchter Durchbruch von Norden her ebenfalls an der Duburg. Im Jahre 1427 zog die Hanse gemeinsam mit Schauenburger Truppen gegen die Duburg. Die Festung wurde zwei Wochen belagert, doch alle Sturmversuche scheiterten. Am 25. März 1431 wurde Flensburg selbst schließlich gestürmt. Für die anschließende Belagerung der Duburg vollbrachten 800 Friesen entscheidende Schanzarbeiten.Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Friesische Straße und Eschenweg. Die Duburg konnte sich aber trotz der Belagerung noch bis zum 1. September widersetzen. Erich Krummediek gelang es während der Belagerung einmalig, die Duburg mit seinen Schiffen mit frischen Reserven zu versorgen. Letztlich wurde die Duburg aber dank einer See- und Landsperre durch Aushungern zur Kapitulation gezwungen (vgl. Dänisch-Hanseatischer Krieg (1426–1435)). Nach dem Krieg wurde Henning von der Hagen und dem Drosten Hinrich Rixdorf die Flensburger Festung übergeben. Nach 1437 war Henning von der Hagen auf der Duburg Amtmann. Kurz zuvor kam auch die östlich von Flensburg gelegene Burg Nübel bei Steinbergkirche in den Besitz von Henning von der Hagen.Hans Nicolai Andreas Jensen: Angeln, Geschichtlich und topographisch beschrieben, Kiel 1991, S. 575 f.
Zur Duburg gehörte auch die Schlossmühle, eine Wassermühle, welche jedoch bald nach dem Jahr 1550 verschwand. Das Wasser für den Antrieb lieferte der gestaute Mühlenteich, welcher sich aus der Glimbek speiste. Die heute kanalisierte Glimbek entspringt in den Moorlücken zwischen Moltkestraße und Nerongs Allee. Sie geht dann weiter Richtung Burgplatz, um von dort weiter bei der Toosbüystraße und der Neuen Straße weiter hinab in den Hafen zu fließen.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 48.
Zerfall und Abbruch der Duburg mini|Nach dem Abbruch entstanden hin und wieder neue Zeichnungen, wie diese aus dem 19. Jahrhundert, die die Duburg unzerstört darstellten.