mini|Offizielles Emblem der Massen-Partei

Die Tudeh-ParteiGünther Nollau: „Das proletarische Rußland — der beste Freund des persischen Volkes“. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“. Band 37, 9. September 1959, S. 461–474, hier: S. 468–474 (PDF, Bundeszentrale für politische Bildung).Vgl. auch Brockhaus. oder Tudeh-Partei Iranwww.tudehpartyiran.org. (), englisch Tudeh Party of Iran (deutsch Tudeh-Partei von Iran), genannt auch Tudeh-Partei des Iran,VVMIran Vereinigung zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran e. V. ist eine seit 1941 bestehende iranische marxistisch-leninistische Partei. Die „Massen-Partei“ war Teil der Oppositionsbewegung gegen Mohammad Reza Pahlavi, die in der Islamischen Revolution von 1979 mündete. Seit 1949 ist sie in Iran zu wiederholten Malen verboten worden. Daher ist sie hauptsächlich aus dem Exil aktiv.

Kommunistische Partei Iran (KPI) Die Geschichte der kommunistischen Bewegung Irans reicht ins späte 19. Jahrhundert zurück, als der Marxismus durch eine schnell wachsende Industrie im Westen Europas und die damit verbundene Umwandlung feudaler in kapitalistische Strukturen Verbreitung fand. Vor allem im Norden Irans (Iranisch-Aserbaidschan), in geographischer Nähe zu Russland und Aserbaidschan bildeten sich im Untergrund aktive marxistischen Gruppierungen.

Nach der Oktoberrevolution im Jahr 1917 und der Gründung der Sowjetunion wurde auch Iran in den folgenden russischen Bürgerkrieg hineingezogen. Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs marschierten britische Truppen in Iran ein und blieben dort über das Kriegsende hinaus stationiert. Diese Truppen marschierten von Iran aus nach Baku, um die russischen Ölfelder zu besetzen, wurden aber von der Roten Armee zurückgeworfen und bis nach Iran verfolgt. Mit Gleichgesinnten gründete Mirza Kutschak Khan in Gilan eine eigene unabhängige Bewegung, die Waldbewegung (), die, unterstützt vom kommunistischen Russland, im Juni 1920 eine von der Zentralregierung in Teheran unabhängige Iranische Sowjetrepublik ausrief. Mit der Ausrufung der Iranischen Sowjetrepublik wurde auch die Kommunistische Partei Iran (KPI)Vgl. etwa Simon Konstantinow: Zwischen Mao und Mullahs. Das Werk des iranischen Marxisten Mansoor Hekmat widerspricht gängigen westlichen Vorstellungen über Linke im Globalen Süden. In: analyse & kritik. Zeitung für linke Debatte & Praxis. Nr. 683, 14. Juni 2022. im Juni 1920 in Bandar Anzali, in der Provinz Gilan gegründet. Ihr Generalsekretär war Heidar Amu Oghly, der sich bereits an der Konstitutionellen Revolution Iran beteiligt hatte.

Nicht nur der Norden Irans, sondern auch die nördlichen Nachbarstaaten Irans waren in den Einfluss kommunistischer Bewegungen geraten. Die Rote Armee hatte am 11. Februar 1921 die Demokratische Republik Georgien eingenommen und die Georgische Sozialistische Sowjetrepublik errichtet. Bereits am 27. April 1920 war die Rote Armee in Aserbaidschan einmarschiert und hatte die Demokratische Republik Aserbaidschan durch eine Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik abgelöst. Die politischen Gegner der Kommunisten sahen die Gefahr, dass ganz Iran unter den Einfluss des kommunistischen Russland geraten würde. In Gilan formierte sich eine iranische Rote Armee, die auf Teheran marschieren sollte.

Den im Norden Irans stationierten britischen Truppen (NorPerForce) war es nicht gelungen, den Vormarsch der Roten Armee zu stoppen. Aus diesem Grund hatte sich die britische Regierung entschlossen, ihre Truppen aus Iran zurückzuziehen und im Irak eine neue Verteidigungslinie aufzubauen. Im Norden Irans war mit sowjetischer Hilfe eine eigenständige Iranische Rote Armee aufgebaut worden. Nach dem Abzug der britischen Truppen aus Iran sollte die persische Kosakenbrigade den Kampf gegen die iranische Rote Armee führen. Am 21. Februar 1921 kam es zu einem Putsch gegen die Regierung von Premierminister Fathollah Akbar Sepahdar. Neuer Premierminister wurde Seyyed Zia al-Din Tabatabai, der den neu ernannten Oberbefehlshaber der Persischen Kosakenbrigade und spätere Verteidigungsminister Reza Khan mit der Organisation des militärischen Widerstandes gegen die drohende Machtübernahme durch die KPI beauftragte. Am 25. Mai 1921 wurde Seyyed Zia al-Din Tabatabai auf Druck von Ahmad Schah als Premierminister abgesetzt und Ahmad Qavam zum Premierminister bestimmt. Reza Khan blieb Verteidigungsminister. Um einer Offensive iranischer Regierungstruppen zu entgehen, bot Mirza Kutschak Khan unter der Bedingung einer Autonomie der Provinz Gilan seine Kapitulation an. Premierminister Qavam und Reza Khan, ließen sich jedoch auf dieses Angebot nicht ein und zerschlugen die Dschangali-Bewegung sowie die iranische Rote Armee.

Verbot der KPI Die militärische Niederlage der kommunistischen Bewegung hatte auch für die Kommunistische Partei Irans Folgen. Sie verlegte ihre Aktivitäten zunehmend in den Untergrund. 1925 wurde die Kadscharen-Dynastie von der Pahlavi-Dynastie abgelöst. Reza Khan wurde vom Parlament zum neuen Schah (Reza Schah Pahlavi) bestimmt. Das nun beginnende Reformprogramm begrenzte die Macht des schiitischen Klerus und begründete den modernen Nationalstaat Iran. Die Kommunistische Partei des Iran wurde 1931 durch ein vom iranischen Parlament verabschiedetes Gesetz verboten.Kristen Blake: The U.S.-Soviet confrontation in Iran, 1945–1962. University Press of America, 2009, S. 14.

Neugründung als Tudeh-Partei Im Zuge der anglo-sowjetischen Invasion im Zweiten Weltkrieg marschierten 1941 Truppen Großbritanniens und der Sowjetunion in den offiziell neutralen Iran ein. Reza Schah wurde ins südafrikanische Exil gezwungen und sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi trat seine Nachfolge an. Viele politische Gefangene wurden freigelassen. In dieser Atmosphäre kam es zur Reorganisation nationalistischer und sozialistischer Gruppen. Am 2. Oktober 1941 wurde die kommunistische Tudeh-Partei mit finanzieller und politischer Unterstützung durch die SowjetunionChosroe Chaqueri: Did the Sowjets play a role in founding the Tudeh party in Iran? In: Cahier du monde Russe, 199 (40), S. 497–528. persee.fr offiziell gegründet, um die Arbeit der zuvor verbotenen KPI fortzusetzen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte u. a. der Schriftsteller Bozorg Alavi. Zu ihrem ersten Vorsitzenden wurde Soleiman Mohsen Eskandari gewählt. Obwohl die „Massen-Partei“ eine kommunistische Partei war, vermied sie es, jeden Bezug zum Kommunismus in ihrem Parteinamen oder ihrem Parteiprogramm herzustellen, da im Iran das Gesetz aus dem Jahr 1931, nach dem jede kommunistische Aktivität verboten war, weiterhin galt.

Von nun an war die Partei in stetigem Wachstum begriffen. Innerhalb eines Jahres wurde sie zur größten Partei des Landes.Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 204. Vielerorts bildeten sich regionale Parteiorganisationen. Vornehmlich in Industriegebieten in Aserbaidschan, Isfahan, Gilan, Mazandaran und Chorasan. An dem ersten Parteitreffen im Februar 1942 in Teheran nahmen 120 Delegierte teil. Ein provisorisches Parteiprogramm wurde verabschiedet, in dem der Kampf gegen die Diktatur und das Eintreten für die Demokratie und die Menschenrechte im Mittelpunkt stand. Ferner wurde ein provisorisches Zentralkomitee gewählt, das die Partei bis zu ihrem ersten offiziellen Parteitag im Jahr 1944 leitete.

Einzug ins Parlament 1944 zog die Tudeh-Partei mit 8 ihrer Kandidaten in das 14. Madschles ein. Dort unterstützte sie vorbehaltlos die Politik der UdSSR. Sie gründete die „Tudeh-Partei-Militärorganisation“ TPMO (), deren Mitglieder Offiziere der iranischen Armee waren. Die Tudeh-Partei unterstützte die separatistischen Bewegungen im Nordwesten des Iran, die zur Gründung Autonomen Republik Aserbaidschan und der kurdischen Volksrepublik führten. In der 14. Legislaturperiode setzte sich die Tudeh-Partei für die Gründung einer sowjetisch-iranischen Ölgesellschaft mit Sitz in Moskau für das Fördern und Verkaufen der Ölvorkommen im Nordiran ein. Die Gesellschaft sollte nach dem Vorbild der Anglo-Iranian Oil Company (AIOC) gestaltet sein.

Nachdem sich in der 15. Legislaturperiode eine Mehrheit des Parlaments gegen die sowjetisch-iranische Ölgesellschaft ausgesprochen hatte, führte die Tudeh-Partei den Sturz Premierministers Qavam herbei. Nachdem das iranische Parlament den Zugriff der Sowjetunion auf das iranische Öl im Norden abgelehnt hatte, kündigte der Tudeh-Abgeordnete Abbas Iskandari in einer langen Rede im Parlament die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie unter der Führung von Mohammad Mossadegh an.Rede von Abbas Iskandari zur Verstaatlichung der AIOC (25. Januar 1949) In dieser Zeit begann eine Mord- und Terrorserie im Iran, der zahlreiche Journalisten und Politiker, die als Gegner der Tudeh-Partei bekannt waren, zum Opfer fielen.Vgl. dazu auch Bozorg Alavi: Kämpfendes Iran. Dietz Verlag, Berlin 1955, S. 45–49, 66–109, 87–93, 119–122, 134–136, 140–143, 147–158 und 184–187.

Aufbau einer Massenorganisation 1946 zählte die Tudeh-Partei bereits 26.000 Mitglieder und war zu einem wichtigen Faktor der politischen Landschaft des Iran geworden. Der Tudeh-Partei war es gelungen, Teile der Arbeiterschaft, Studenten und Intellektuellen für ihre politischen Ziele einer klassenlosen Gesellschaft unter ihrer Führung zu gewinnen. Die wichtigste kommunistische Zeitung Rahbar (Führer) hatte eine Auflage von mehr als 100.000 und übertraf die halbamtliche Zeitung Ettela'at um das Dreifache. Die von der Tudeh-Partei dominierten Gewerkschaften hatten mehr als 275.000 Mitglieder.publishing.cdlib.org

Verbot der Tudeh-Partei mini|Parlamentsbeschluss zur Auflösung der Tudeh-Partei vom 5. Februar 1949 Am Freitag, den 4. Februar 1949 kam es dann zu einem folgenschweren Attentat auf Schah Mohammad Reza Pahlavi. Der Attentäter Fakhr Arai hatte mehrere Schüsse auf den Schah abgefeuert, die ihn zwar verletzten, aber nicht tödlich waren. Noch am selben Tag kam es zu einer Sondersitzung des Parlaments, in der Premierminister Mohammad Sa'ed Maraghei zwei Regierungserklärungen abgab. In der ersten Erklärung beantragte er den Ausnahmezustand für die Stadt Teheran und Umgebung und in der zweiten beantragte er die Auflösung der Tudeh-Partei. Die Regierungserklärung, verlesen von Manutschehr Eghbal, lautete:

Die Abgeordneten stimmten in der Sitzung am 5. Februar 1949 dem Antrag der Regierung, die Tudeh-Partei mit sofortiger Wirkung aufzulösen, ohne Gegenstimme zu.