mini|Saša Stanišić auf der Frankfurter Buchmesse (2024) Saša Stanišić (; * 7. März 1978 in Višegrad, Jugoslawien) ist ein deutsch-bosnischer Schriftsteller. Er ist unter anderem Träger des Preises der Leipziger Buchmesse (Vor dem Fest, 2014), des Deutschen Buchpreises (Herkunft, 2019) und des Deutschen Jugendliteraturpreises (Wolf, 2023).
Leben Stanišić wurde am 7. März 1978 in Višegrad, einer Kleinstadt im östlichen Bosnien, als Sohn einer bosniakischen Politikprofessorin und eines ethnisch serbischen Betriebswirtes geboren.Jennifer Wilton: Das Lächeln des Landes. In: Die Welt vom 25. November 2006, Heft 276/2006, Literarische Welt, S. 2. 1992 besetzten im Rahmen des Bosnienkrieges bosnisch-serbische Truppen Višegrad und etablierten dort die „Republika Srpska“. Stanišić' Eltern flüchteten im selben Jahr mit ihm zu einem Onkel nach Heidelberg, der dort als Gastarbeiter tätig war. Seine Mutter fand Arbeit in einer Wäscherei, während sein Vater auf dem Bau tätig war. 1998 wanderten die Eltern in die USA aus.Saša Stanišić. In: Internationales Biographisches Archiv 30/2019 vom 23. Juli 2019 (abgerufen via Munzinger Online). Er wohnte im Heidelberger Stadtteil Emmertsgrund und besuchte die Internationale Gesamtschule Heidelberg, an der sein schriftstellerisches Talent von seinem Deutschlehrer gefördert wurde, und wechselte nach der Vorbereitungsklasse zum Gymnasialzweig. Nach dem Abitur 1997 studierte er an der Universität Heidelberg Deutsch als Fremdsprache und Slawistik. Während des Studiums entstanden immer mehr literarische Texte, und „der Kindheitstraum vom ‚nur Schreiben‘ wurde größer und größer“.„Blockaden kenne ich nicht, nur langes Nachdenken“, abgerufen am 7. August 2015 Für seine Magisterarbeit über Wolf Haas wurde Stanišić 2004 der Jürgen-Fritzenschaft-Preis der Universität Heidelberg verliehen. Zum Wintersemester 2004/2005 nahm er ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig auf. Für das Jahr 2020 erhielt er von der Hochschule RheinMain und der Landeshauptstadt Wiesbaden eine Poetikdozentur.
Stanišić ist Vater eines Sohnes. Er lebt mit seiner Familie in Hamburg-Altona. Seit 2013 ist Stanišić deutscher Staatsbürger.
Werk 2005 war er mit Was wir im Keller spielen… beim Ingeborg-Bachmann-Preis vertreten.Erster Lesetag, auf archiv.bachmannpreis.orf.at Die autobiographisch gefärbte Erzählung, die den Krieg im ehemaligen Jugoslawien aus der Sicht eines Kindes Revue passieren lässt, erhielt den Kelag-Publikumspreis. 2005 war er außerdem Teilnehmer einer Schreibwerkstatt im Künstlerhaus Edenkoben; 2018 wirkte er dort gemeinsam mit Angelica Ammar als Dozent. 2006 legte Stanišić mit Wie der Soldat das Grammofon repariert seinen Debütroman vor. In der semiautobiographischen Geschichte, die erneut vor dem Hintergrund des Bosnienkrieges angesiedelt ist, porträtiert der Autor den jungen Bosnier Aleksandar aus Višegrad, der mit seinen Eltern nach Deutschland flieht und sich in der neuen Heimat in eine Welt aus Geschichten und Erinnerungen flüchtet. Für die Recherche stattete die Robert Bosch Stiftung den Autor mit dem Grenzgänger-Stipendium aus. Stanišić' Romanerstling war enorm erfolgreich bei Lesern und Kritikern und wurde in 30 Sprachen übersetzt. Der Roman war 2006 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises vertreten und erhielt 2007 den Förderpreis zum Literaturpreis der Stadt Bremen. Außerdem wurde Wie der Soldat das Grammofon repariert im Jahr seiner Veröffentlichung als Hörspiel von der Redaktion Hörspiel und Medienkunst des Bayerischen Rundfunks adaptiert. 2008 wurde Stanišić mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis, dem Lydia-Eymann-Stipendium und dem Förderpreis zum Heimito von Doderer-Literaturpreis ausgezeichnet.
2006/2007 war Stanišić der Stadtschreiber von Graz. 2013 erhielt er das vierte „Feuergriffel“-Stadtschreiber-Stipendium für Kinder- und Jugendliteratur der Stadt Mannheim.Stadt Mannheim Pressemeldung vom 16. Januar 2013, abgerufen am 17. Januar 2013. Für das Romanmanuskript Anna erhielt er im selben Jahr den Alfred-Döblin-Preis und für Frau Kranz malt ein Bild von Hier den Hohenemser Literaturpreis. mini|Dankesrede von Saša Stanišić anlässlich der Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse 2014 2014 wurde Stanišić mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik für seinen zweiten Roman Vor dem Fest geehrt., abgerufen am 13. März 2014. Im selben Jahr wurde er für den Deutschen Buchpreis nominiert (Longlist).
2016 erhielt er den Rheingau Literatur Preis für den Erzählungsband Fallensteller und 2017 den Schubart-Literaturpreis. Ebenfalls 2019 wurde er für den autobiografisch gefärbten Roman Herkunft mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Die Jury lobte Stanišić als fantasievollen und witzigen Erzähler: „Unter jedem Satz dieses Romans wartet die unverfügbare Herkunft, die gleichzeitig der Antrieb des Erzählens ist […] Mit viel Witz setzt er den Narrativen der Geschichtsklitterer seine eigenen Geschichten entgegen.“. In: deutscher-buchpreis.de (PDF-Datei; abgerufen am 14. Oktober 2019). In der Dankesrede kritisierte Stanišić die Vergabe des Literaturnobelpreises an Peter Handke. Unter anderem sagte er: „Ich hatte das Glück, dem zu entkommen, was Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt.“ Der österreichische Autor hatte sich im Zusammenhang der Jugoslawienkriege wiederholt auf die Seite der Serben gestellt.Stanišić erhält Deutschen Buchpreis. In: tagesschau.de, 14. Oktober 2019 (abgerufen am 14. Oktober 2019).
2021 veröffentlicht Stanišić das Kinderbuch Hey, hey, hey, Taxi!. Im selben Jahr erschien auch das Vorlesebuch Panda-Pand. 2023 erschien der Kinderroman Wolf, für den er im 2024 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch erhielt. Ebenfalls im Herbst 2024 erschien der Nachfolgeband zu seinem ersten Kinderbuch, Hey, hey, hey, Taxi! 2.
Mitgliedschaften Seit 2015: Freien Akademie der Künste in Hamburg.Akademie der Künste Hamburg/Mitglieder Abgerufen am 2. Juni 2016. Von 2015 bis 2022 Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. Auf Vorschlag der Grünen-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg Mitglied der 17. Bundesversammlung.
Werke Romane, Erzählungen Wie der Soldat das Grammofon repariert. Roman. Luchterhand Literaturverlag, München 2006, ISBN 3-630-87242-5. Vor dem Fest. Roman. Luchterhand Literaturverlag, München 2014, ISBN 978-3-630-87243-8. Fallensteller. Erzählungen. Luchterhand Literaturverlag, München 2016, ISBN 978-3-630-87471-5. Herkunft. Roman. Luchterhand Literaturverlag, München 2019, ISBN 978-3-630-87473-9.Im April 2026 begannen die Dreharbeiten für eine Verfilmung, die 2027 in die Kinos kommen soll, das Drehbuch stammt von Senad Halilbašić. Vgl. Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne. Erzählungen. Luchterhand Literaturverlag, München 2024, ISBN 978-3-630-87768-6. Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird. Eine Ermutigung. Luchterhand, München 2025, ISBN 978-3-630-87840-9.
Kinderbücher Hey, hey, hey, Taxi! Kinderbuch. Illustriert von Katja Spitzer. mairisch Verlag, Hamburg 2021, ISBN 978-3-948722-05-0. (Hörbuchausgabe: ISBN 978-3-948722-06-7) Panda-Pand. Kinderbuch. Illustriert von Günther Jakobs. Carlsen Verlag, Hamburg 2021, ISBN 978-3-551-52180-4. (Hörbuchausgabe: ISBN 978-3-7456-0312-5) Wolf. Kinderbuch. Illustriert von Regina Kehn. Carlsen Verlag, Hamburg 2023, ISBN 978-3-646-93787-9. Ava auf einem Bein. Illustriert von Regina Kehn. Carlsen Verlag, Hamburg 2024, ISBN 978-3-551-03929-3. Hey, hey, hey, Taxi! 2 Kinderbuch. Gemeinsam mit Nikolai Stanišić. Illustriert von Katja Spitzer. mairisch Verlag, Hamburg 2024, ISBN 978-3-948722-36-4. Hey, hey, hey, Taxi! 2 Hörbuch. Gesprochen vom Autor. Der Hörverlag, München 2024, ISBN 978-3-8445-5229-4.
Hörspiele 2005: Träum! Traum, Traumata:, Regie: Marlene Breuer (HR) 2006: Wie der Soldat das Grammofon repariert, Regie: Leonhard Koppelmann, Komposition: Merima Kljuco (BR Hörspiel und Medienkunst), ISBN 3-86604-275-2. 2015: Vor dem Fest, Regie: Judith Lorentz, Komposition: Lutz Glandien (RBB) 2017: Georg Horvath ist verstimmt, Regie: Oliver Sturm, Komposition: Andreas Bick (NDR)
Fantasy Aus den Quellen des Harotrud. Der Reigen der fünf Schwestern. Zwei DSA-Abenteuer aus der Reihe Das schwarze Auge – Fluch vergangener Zeiten. Ulisses Spiele, Waldems 2002, ISBN 3-89064-379-5 (gemeinsam mit Stephanie von Ribbeck)
Beiträge in Zeitschriften und Anthologien Erzählungen 2001: In Silence I Trust. In: Krachkultur 9/2001 2002: Zinke, in. 20 unter 30. Junge deutsche Autoren, hrsg. von Martin Brinkmann und Werner Löcher-Lawrence, DVA 2002 2002: get done: strippen, kajal 2003: Heinz Harald Frentzen hat Schnupfen 2005: Träum! Traum, Traumata 2005: Äcki spielt auf für die Jungs und Petra, den Funker 2005: Was wir im Keller spielen … 2005: Zwei Anweisungen für Strukturstabilität, jeweils mit Beispielen, dazu zwei kleinere Erledigungen 2005: Zinke rennt. In: Unter Aves' Schwingen, Fanpro, Erkrath
Essays 2005: Doppelpunktnomade
Adaptionen für das Theater 2008 Wie der Soldat das Grammofon repariert, Schauspielhaus Graz (Regie: Christine Eder) 2020 Herkunft, Theater Oberhausen (Regie: Sascha Hawemann) 2021 Herkunft, Thalia Theater Hamburg (Regie: Sebastia Nübling) 2021 Hey, hey, hey, Taxi!, Theater im Marienbad (Regie: Christoph Müller) 2022 Hey, hey, hey, Taxi!, Theater Junge Generation Dresden (Regie: Nils Zapfe) 2022 Herkunft, Nationaltheater Mannheim (Regie: Johanna Wehner) 2023 Herkunft, Theater Heidelberg (Regie: Nick Hartnagel) 2023 Hey, hey, hey, Taxi!, Moa Theater Hannover (Bühnenfassung: Nicolai Saris) 2023 Wolf, Theater Magdeburg (Regie: Clara Weyde) 2023 Herkunft, Theater Lübeck (Regie: Mirja Biel) 2024 Vor dem Fest, Staatstheater Hannover (Regie: Lars-Ole Walburg) 2024 Wolf, Stadttheater Bremen (Regie: Bianca Sue Henne, Kristo Šagor) 2024 Hey, hey, hey, Taxi!, La Grenouille Biel, zweisprachig Deutsch/Französisch, (Adaption & Inszenierung: Charlotte Huldi) 2024 Hey, hey, hey, Taxi!, Mittelsächsisches Theater, (Regie: Johanna Landsberg) 2025 Wolf, Thalia Theater Hamburg 2025 Wie der Soldat das Grammofon repariert, Württembergische Landesbühne Esslingen (Regie: Felix Metzner) 2025 Wolf, Theater Junge Generation Dresden (Regie: Julia Sontag) 2025 Wolf, Theater am Alten Markt Bielefeld (Regie: Nadja Loschky) 2025 Möchte die Witwe angesprochen werden, plaziert sie die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne, Theater Freiburg (Regie: Jessica Glause) 2025 Hey, hey, hey, Taxi!, Theater Ansbach (Puppenspiel, Regie: Robert Arnold) 2025 Hey, hey, hey, Taxi!, Badische Landesbühne (Für die Bühne bearbeitet von Ulrich Cyran) 2026 Hey, hey, hey, Taxi!, Theater Chemnitz (Puppenspiel, für die Bühne bearbeitet von Rike Schuberty)
Auszeichnungen 2004: Jürgen-Fritzenschaft-Preis der Universität Heidelberg 2005: Kelag-Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2005: Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung 2006: Shortlist-Nominierung für den Deutschen Buchpreis mit Wie der Soldat das Grammofon repariert 2006/07: Stadtschreiber von Graz 2007: Förderpreis zum Bremer Literaturpreis für Wie der Soldat das Grammofon repariert 2008: Adelbert-von-Chamisso-Preis 2008: Lydia-Eymann-Stipendium 2008: Förderpreis zum Heimito von Doderer-Literaturpreis 2013: Stadtschreiber von Mannheim („Feuergriffel“-Stipendium) 2013: Alfred-Döblin-Preis für das Romanmanuskript Anna 2013: Hohenemser Literaturpreis für den Text Frau Kranž malt ein Bild von Hier 2014: Preis der Leipziger Buchmesse für Vor dem Fest 2014: Longlist-Nominierung für den Deutschen Buchpreis mit Vor dem Fest 2016: Rheingau Literatur Preis für Fallensteller 2017: Schubart-Literaturpreis 2019: Poetikdozentur der Hochschule RheinMain und der Landeshauptstadt Wiesbaden 2019: Deutscher Buchpreis für Herkunft 2020: Weilheimer Literaturpreis 2020: Usedomer Literaturpreis für Herkunft, stellvertretend für sein Gesamtwerk