mini|Grab Martha Jagielski, Trauernde von Albert Moritz Wolff mini|Monumentalgrab für Gustav Stresemann von Hugo Lederer mini|Löblich-Mausoleum. Trauernde von Robert Baerwald mini|hochkant|Grab eines Schlossermeisters, Künstler unbekannt mini|Ehemalige Grabstätte Schischin (1905), jetzt belegt von den Architekten Hans Luckhardt und Wassili Luckhardt mini|Bronzebüste für das Erbbegräbnis Franz Späth von Albert Manthe mini|Engel von Richard Grüttner auf dem Grab von Gustav Eltschig mini|hochkant|Der ausruhende Schmied, Grab von Robert Stock (1858–1912)

Der Alte Luisenstädtische Friedhof ist ein evangelischer Begräbnisplatz im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Er entstand im 16. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Bau der Luisenstädtischen Kirche und diente anfangs als Bestattungsplatz für Pest-Tote. Seit der Neuanlage im 19. Jahrhundert an der heutigen Stelle wird er stetig genutzt.

Lage Der Friedhof befindet sich am Südstern im Berliner Ortsteil Kreuzberg in der Nachbarschaft des Wohnviertels Bergmannkiez. Er wurde 1831 auf einem ehemaligen unrentablen Weinberg angelegt. Mit 90.998 m² ist er der größte der insgesamt vier Friedhöfe an der Bergmannstraße, wobei sein Haupteingang allerdings, anders als bei den drei benachbarten Kirchhöfen, nicht direkt an der Bergmannstraße liegt.

Geschichte Der Luisenstädtische Friedhof ist der zweite Friedhof der Luisenstadt-Gemeinde, deren Geschichte 1964 mit der Sprengung des Gotteshauses, einer Kriegsruine, endete. Der erste war ursprünglich ein Pestfriedhof, der in den 1930er Jahren endgültig aufgelassen wurde. Er befand sich im heutigen Waldeckpark an der Oranienstraße, in dem zur Erinnerung ein großes Grabmal eines Rittmeisters stehen gelassen wurde.

In der Mitte steht die gut zwei Meter hohe Statue eines Auferstehungsengels, geschaffen von Otto Geyer. Der Friedhof enthält teilweise aufwendige Erbbegräbnisstätten bedeutender Berliner Persönlichkeiten, aber auch einige Gräber vergessener Persönlichkeiten mit kunstgeschichtlich bedeutsamem Grabschmuck.

Im hinteren Bereich des Kirchhofes befindet sich eine geschlossene Anlage mit Kriegsgräbern für 314 Kriegstote, darunter das Grab eines unbekannten Soldaten. In diesem Bereich ruhen 63 Soldaten des Ersten Weltkriegs und 250 meist zivile Kriegstote des Zweiten Weltkriegs.Alter Luisenstädtischer Friedhof.

Besondere Bedeutung während der NS-Zeit Der Friedhof erlangte während der NS-Zeit als Hauptfriedhof der Bewegung besondere Bedeutung. Zwischen September 1931 und April 1935 wurden dort insgesamt 22 Nationalsozialisten beerdigt, prominente Parteigrößen gehörten nicht dazu. Viele von ihnen hatten den Tod bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Parteigegnern gefunden, aber auch Parteianhänger, die durch Schüsse der eigenen Leute getötet wurden oder Selbstmord begingen, wurden dort in einer stark mit nationalsozialistischen Elementen durchsetzten Trauerfeier beerdigt.Tagesspiegel.de: Kreuzberger Kirchhof unterm Hakenkreuz.

Der zuständige Pfarrer Johannes Wenzel, der Pastor der Neuen Garnisonkirche, zu der der Friedhof gehörte, war ein offener Sympathisant der nationalsozialistischen Bewegung und spielte eine wichtige Rolle bei der Inszenierung und der Verzahnung von Teilen der protestantischen Kirche mit der NS-Diktatur.

Heute ist keine dieser Grabstätten mehr aufzufinden, unter welchen Umständen sie verschwanden, ist ungeklärt.

Gräber bekannter Persönlichkeiten

Erhaltene Grabstätten (± = Ehrengrab des Landes Berlin)

Ernst Aschmann (1848–1910), Konteradmiral Erwin Beck (1911–1988), SPD-Politiker und Widerstandskämpfer, später Jugendstadtrat in Kreuzberg (±)

Hans Brendicke (1850–1925), Publizist, Heimatforscher (±) Hans Chemin-Petit der Ältere (1864–1917), Komponist, Dirigent, Musikpädagoge Hans Chemin-Petit (1902–1981), Komponist, Dirigent Emil Döblin (1853–1918), Schriftsetzer, Gewerkschaftsfunktionär Ernst Fidicin (1802–1883), Jurist, Historiker, Stadtarchivar (von 1952 bis 2014 „Ehrengrab des Landes Berlin“) Otto Fischbeck (1865–1939), Politiker, Staatsminister für Handel und Gewerbe, Stadtrat und Stadtältester Eduard Fürstenau (1862–1938), Architekt Kurt Haase-Jastrow (1885–1958), Maler Eugen Hahn (1841–1902), Arzt, Direktor am Krankenhaus Friedrichshain (Porträtmedaillon von Gerhard Janensch) Ernst Harrich (1886–1941), Gartenarchitekt, Gartendirektor in Treptow Carl Justus Heckmann (1786–1878), Kupferschmied, Industrieller Heinrich Philipp Hedemann (1800–1872), Jurist, Bürgermeister von Berlin (von 1964 bis 2017 „Ehrengrab des Landes Berlin“) Max Heinhold (1881–1946), Bergingenieur, Manager des Mansfeld-Konzerns Albert Hirte (1833–1898), Bankier Johannes Hirte (1869–1931), Architekt Reimar Hobbing (1874–1919), Verleger, Muschelkalkstele (Die Nacht nimmt dem Entschlafenen das Buch aus den Händen) von Hermann Hosaeus Carl Hochhaus (1852–1935), Maler

Leo Impekoven (1873–1943), Maler, Bühnenbildner Lorenz Impekoven (1909–1969), Schauspieler, Sänger, Tänzer, Kabarettist und Regisseur Johanna Juncker-Schatz (1848–1922), Schauspielerin August Kahlbaum (1794–1872), Branntweinbrenner, Gründer der C. A. F. Kahlbaum „Spritreinigungsanstalt und Likörfabrik“ Wilhelm Kahlbaum (1822–1884), deutscher Chemiker, Kommerzienrat, Kunstsammler; Fabrikbesitzer in zweiter Generation (C. A. F. Kahlbaum) Albert Klatt (1892–1970), Maler (±) Gustav Adolf von Klöden (1814–1885), Geograf Heinrich Kochhann (1805–1890), Kommunalpolitiker, Stadtverordneter, Ehrenbürger Berlins (±) Ernst Koerner (1846–1927), Landschafts- und Marinemaler Friedrich Wilhelm Langerhans (1780–1851), Architekt, Stadtbaurat, Kommunalpolitiker, Stadtältester Paul Langerhans (1820–1909), Mediziner, Stadtverordneter, Ehrenbürger Berlins, Sohn von Friedrich Wilhelm Langerhans (±) Gottfried Wilhelm Lehmann (1799–1882), Kupferstecher und Lithograf, Gründer der ersten Berliner Baptistengemeinde (±) Hans Luckhardt (1890–1954) und Wassili Luckhardt (1889–1972), Architekten, gemeinsam in einem übernommenen Grab von 1905 (Grabstätte Schischin) Christfried Reinhard-Moritz Maassen (1859–1907), Kaufmann, Textilunternehmer (Damenmantelfabrik R. M. Maaßen) Dieter Masuhr (1938–2015), Maler, Schriftsteller Andreas Matthae (1968–2004), Politiker Hans Mühlhofer (1878–1932), Hofschauspieler Martha Mühlhofer (1874–1940), Theaterpädagogin René Pollesch (1962–2024), Dramatiker und Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Erwin Reibedanz (1878–1919), Besitzer der von Bruno Taut gebauten und denkmalgeschützten Dampfwäscherei in der Teilestraße (Kalksteinstele auf der Grabstätte von Brunos Bruder Max Taut) Hermann Roeder (1856–1941), Rittergutsbesitzer, Gemeindevorsteher in Lichtenberg Heinrich Runge (1817–1886), Heraldiker, Konservator, Stadtkämmerer (von 1952 bis 2017 „Ehrengrab des Landes Berlin“) Bodo Saggel (1939–2003), linksradikaler Aktivist und Autor, „Haschrebell“ August Scherl (1849–1921), Verleger, beigesetzt im Grab seiner Frau, der Schauspielerin Flora Rosner (1855–1885) Friedrich Schleiermacher (1768–1834), Theologe, Philosoph, Professor an der Universität zu Berlin, Prefiger Dreifaltigkeitskirche Franz Scholz (1873–1958), Jurist, Verwaltungsrichter, Fachbuchautor Friedrich Scholz (1926–2008), Komponist Otto Sohre (1853–1926), Architekt, Baumeister Franz Späth (1839–1913), Gründer der Gärtnerdynastie, zeitweise die „größte Baumschule der Welt“ (Berlin-Baumschulenweg) (Familiengrab mit Bronzebüste von Albert Manthe) Robert Stock (1858–1912), Industrieller, Pionier der Telekommunikation (Erbbegräbnis mit Bronzestatue eines ausruhenden Schmieds von Gerhard Janensch) Gustav Stresemann (1878–1929), Reichskanzler, Außenminister, Friedensnobelpreisträger; monumentales Grab, gestaltet von Hugo Lederer (±) Johannes Stumm (1897–1978), Jurist, Kommunalpolitiker, West-Berliner Polizeipräsident

Nicht erhaltene Grabstätten

Franz von Adler (1829–1898), preußischer Generalleutnant Ernst Behrend (1851–1912), Beamter in der Königlichen Oberzolldirektion, Schriftsteller Hans Bischoff (1852–1889), Pianist, Klavierlehrer, Herausgeber der Werke von Bach, Schumann und Händel Rudolf Dammeier (1851–1936), Maler Tobias Feilner (1773–1839), Töpfer, Erfinder des Berliner Kachelofens und ein Mitarbeiter von Karl Friedrich Schinkel Ludwig Hess (1877–1944), Tenorsänger und Komponist Marie Kahle-Kessler (1844–1896), Schauspielerin Richard Kahle (1842–1916), Schauspieler, Gatte von Marie Kahle-Keßler Albert Keßler (1819–1890), Schauspieler, Vater von Marie Kahle-Keßler August von Kloeber (1793–1864), Maler Karl Friedrich von Klöden (1786–1856), Geograf, Historiker, Vater von Adolf von Klöden Julius Krause (1812–1881), Hofopernsänger Ludwig Löffler (1819–1876), Lithograf Friedrich Albert Immanuel Mellin (1796–1859), Architekt, Generalbaudirektor, Nachfolger Karl Friedrich Schinkels Karl Friedrich Müchler (1763–1857), Kriegsrat, Schriftsteller Reinhold Muchow (1905–1933), NS-Funktionär, Organisator der Deutschen Arbeitsfront Wilhelm Münch (1843–1912), Regierungsrat, Honorarprofessor für Pädagogik, Schriftsteller Eugen Richter (1838–1906), Führer der Freisinnigen im Reichstag (Grab mit Porträtbüste von Ernst Wenck; Grab war 1952 bis 1983 „Ehrengrab des Landes Berlin“; Richter wurde 1983 nach Hagen umgebettet, Grabmal und Büste transloziert) Hubert Ries (1802–1886), Violinist, Komponist, Musikpädagoge Bruno Rodschinka (1891–1929), Pilot Hermann Scherenberg (1826–1897), Maler und Zeichner, Illustrator des Ulk Leopold Schmidt (1860–1927), Musikhistoriker und -kritiker Heinrich Smidt (1798–1867), Schriftsteller Christian Friedrich Tieck (1776–1851), Bildhauer Clara Wenck (1852–1905), Schauspielerin, „komische Alte des Berliner Theaters“ Edgar von Westphalen (1819–1890), kommunistischer Politiker, Freund und Schwager von Karl Marx Ludwig Wilhelm Wichmann (1788–1859), Bildhauer

Siehe auch Berliner Bestattungswesen Liste der Friedhöfe in Berlin

Literatur Marianne Mommsen, Thomas Thränert: Der Luisenstädtische Friedhof in Berlin – Vom Bestattungsort zum „great good place“? In: Stadt + Grün. Jg. 69, Heft 11 (2020). S. 27–30.

Weblinks

Kirchhöfe Bergmannstraße. Bei: berlin.de Wer war die Luisenstadt-Gemeinde? Eine komplizierte Geschichte. Bei: luisenstadtkultur.de

Einzelnachweise

Kategorie:Friedhof im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg Kategorie:Gartendenkmal in Berlin Kategorie:Berlin-Kreuzberg Berlin Kategorie:Protestantismus in Berlin