mini|Ludwig Vierthaler

Ludwig Karl Maria Vierthaler (* 16. Januar 1875 in München; † 4. März 1967 in Hannover) war ein deutscher Bildhauer und Hochschullehrer,Hugo Thielen: Vierthaler, Ludwig Karl Maria, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 370 der zu den bedeutenden hannoverschen Künstlern des 20. Jahrhunderts zählt.

Leben Nach dem Studium an der Kunstgewerbeschule München war Vierthaler zunächst als Kleinplastiker unter anderem zwei Jahre im Atelier von Bruno Paul in Berlin tätig.

1910 erhielt er erste Aufträge aus der Stadt Hannover und deren Umland, wo er seitdem zahlreiche öffentliche und private Bauten künstlerisch ausgestaltete.

1915 wurde er an die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Hannover berufen, an der er bis 1937 tätig war. Eine seiner Schülerinnen war Annemarie Höhn.

Unterdessen nahm Vierthaler ab 1920 zusätzlich einen Lehrauftrag für Modellieren an der Technischen Hochschule Hannover wahr, wurde 1921 Mitglied im Hannoverschen Künstlerverein und am 31. Juli 1922 zum Honorarprofessor ernannt.

Seit den 1930er Jahren befand sich sein Atelier in der Villa Kaulbach in der Waterloostraße 1.

Von 1933 bis 1936 war er Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbundes (NSDDB).Michael Jung: "Voll Begeisterung schlagen unsere Herzen zum Führer", 2013, S. 237.

1945 initiierte Vierthaler gemeinsam mit Carl Buchheister im Beethovensaal der Stadthalle HannoverHelmut Knocke, Hugo Thielen: Stichwort Vierthaler, in: Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon, Neuausgabe, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, Springe: zu Klampen, 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, passim die Gründung des Bundes Bildender Künstler für Norddeutschland,Waldemar R. Röhrbein: Die Museen haben es schwer. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): Geschichte der Stadt Hannover, Band 2, Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. (unter Mitarbeit von Dieter Brosius, Carl-Hans Hauptmeyer, Siegfried Müller und Helmut Plath) Schlütersche, Hannover 1994, ISBN 3-87706-364-0, S. 640 (eingeschränkte Ansicht, books.google.de). dessen erster Vorsitzender er bis 1953 war.

Er organisierte die erste norddeutsche Kunstausstellung in der Nachkriegszeit, die 1946 in den Herrenhäuser Gärten in Hannover ausgerichtet wurde.

1967 starb Ludwig Vierthaler im Alter von 92 Lebensjahren.Helmut Knocke, Hugo Thielen: Stichwort Vierthaler, in: Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon, Neuausgabe, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, Springe: zu Klampen, 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, passim Er ist auf dem Stadtfriedhof Engesohde ohne Grabdenkmal bestattet worden. Im Jahr 2022 erklärte die Stadt Hannover sein Grab zum Ehrengrab.Mathias Klein: Ehrengrab für Bildhauer: Stadt Hannover ehrt Prof. Ludwig Vierthaler in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 20. Februar 2022 Erst 57 Jahre nach seinem Tod bekam sein Grab einen Grabstein, der 2025 aus Anlass seines 150. Geburtstages aufgestellt wurde. Der Stein ist nach einem Entwurf des Langenhagener Steinbildhauers Uwe Spiekermann aus rotem Wesersandstein gefertigt und von einer Putte mit Kürbis bekrönt. Sie wurde von der Steinbildhauerin Laurina von Hohenthal nach Vorlage einer originalen Putte von Ludwig Vierthaler in der hannoverschen Dürerstraße 5 rekonstruiert.Simon Benne: 57 Jahre nach seinem Tod: Künstler aus Hannover bekommt prächtigen Grabstein mit Engelsfigur in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7. Januar 2025

Ehrungen Für seine Werke, die bis heute das Stadtbild Hannovers prägen, erhielt Ludwig Vierthaler zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem: 1960: Bundesverdienstkreuz I. Klasse; Ehrenmitgliedschaft des Hannoverschen Künstlervereins; 1963: Verleihung der Stadtplakette Hannover; 1977 wurde der 1966 angelegte Arthur-Menge-Weg, ein Spazierweg zwischen dem Rudolf-von-Bennigsen-Ufer und der Hildesheimer Straße, in Vierthalerweg umbenannt. Der Vierthalerteich nahe dem Maschsee erinnert an den hannoverschen Künstler.Dagmar Brand: Wintergärten IV / Utopia - Gärten der Zukunft. Kunstaktion in der Güntherstraße - Döhrener Turm - Vierthalerteich, Begleitschrift zu gleichnamigen Ausstellung vom 2. November 2008 bis 28. Februar 2009, passim

Werke Hannover 1915 (Ausgestaltung nach Entwurf von Paul Wolf): Grabdenkmal für General Otto von Emmich auf dem Stadtfriedhof EngesohdeKlaus Mlynek: Emmich, Otto von, in: Stadtlexikon Hannover, S. 160Paul Wolf: Ehrengrabmal für den General Otto von Emmich. In: Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen, Jg. 1918, Heft 2, Sp. 54 f., 87 ff., hier Sp. 55. (Digitalisat) Ausgestaltung des Neuen Rathauses Wappen und plastischer Schmuck am Georg-von-Cölln-Haus, Am Markt 8 (1911) Ausgestaltung der Pelikan-Werke Ausgestaltung der Norddeutschen Landesbank 1911 circa: Ausgestaltung der Bahlsen-Keksfabrik 1913/14 circa: plastischer Schmuck am heutigen Altbau des Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverbands, Schiffgraben 6 1920er Jahre circa: Kinderbrunnen; Brunnensäule aus Majolika auf dem de-Haen-Platz in der List, 1952 abgebrochenHelmut Knocke, Hugo Thielen: Stichwort Vierthaler, in: Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon, Neuausgabe, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, Springe: zu Klampen, 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, passim 1922: Umbau des Cafés im Hansa-Haus zur Schalterhalle der Girobank-Zentrale durch die Brüder Siebrecht; in der eindrucksvollen Innenausgestaltung lieferte Vierthaler expressionistische Details um 1927: abstrakte und stilisierende Bauplastik am Kurierhaus, Georgstraße 52 möglicherweise von Vierthaler: die Reliefs am Kaufhaus am KüchengartenIlse Rüttgerodt-Riechmann: Gebäude am Küchengartenplatz. In: Stadt Hannover, Teil 2. ( =Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 10.2.) Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1985, ISBN 3-528-06208-8, S. 134; sowie Linden-Mitte im Addendum: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand: 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, S. 21 f. „1929 von Vogelsang“ gehauene Skulptur Mädchen mit Fischen nach Vierthalers Entwurf, Ricklingen, Friedrich-Ebert-PlatzHelmut Zimmermann: Mädchen mit Fischen, in ders.: Hannover in der Tasche. Bauten und Denkmäler von A bis Z. Heinr. Feesche Verlag, Hannover 1988, ISBN 3-87223-046-8, S. 74. Pelikane für den Pelikan-Brunnen (1961)Hugo Thielen: Vierthaler, Ludwig Karl Maria, in: Stadtlexikon Hannover, S. 643 an der Eilenriede am Ende der Fritz-Beindorff-Allee Fabeltier westlich der heutigen Bernadotteallee in der Eilenriede (1931; rekonstruiert 1951) um 1936/37: geschosshoher Relieffries am dreiteiligen Säulenportal der Kurt-Schumacher-Kaserne, Hans-Böckler-Allee 18 um 1937: Bauplastik für das von Karl Siebrecht entworfene Gebäude der Sparkasse des Landkreises Hannover, Wilhelmstraße 2 Ecke Hildesheimer Straße an der Einmündung der HöltystraßeDeutsche Bauzeitung, Band 74, Teil 1, Deutsche Verlagsanstalt, 1940, S. 164; Google-Bücher Portal des Ernst-Grote-Hauses, Breite Straße 10 (1949) um 1949: Bauplastiken in der Dürerstraße in der Südstadt,Dirk Schumann: S31 / Südstadt / Krausenstraße 40, 40A 41, 42, 43 / Dürerstraße 1–10 / Seilerstraße 18, 20, 22 (25, 26, 27, 28), in ders.: Architektur und Bauplastik in Hannover zwischen den Weltkriegen, Dissertation, Erstprüfer und Doktorvater: Cord Meckseper; Zweitprüfer: Günther Kokkelink, Institut für Bau- und Kunstgeschichte, Fachbereich Architektur der Universität Hannover, Hannover 1993, S. 382–383 1950/51: abstrakt stilisierter Schmuck der Fenster-Rahmungen am Bahlsen-Haus 1965: Drei springende Lachse am Arthur-Menge-Brunnen, Vierthalerweg (1964) Rekonstruktion des im Zweiten Weltkrieg teilzerstörten Königinnendenkmals 1976 wurde Vierthalers „Rosenjunge“ im Stadtpark Hannover aufgestellt. 2025: Putte mit Kürbis auf dem neuen Grabmal für Vierthaler; die Figur folgt der Vorlage einer Bauplastik von 1949 aus der Dürerstraße in Hannover

Gebrauchskunst Seine kunstgewerblichen Entwürfe, etwa für verschiedenartige Leuchter, Lampen und Blumenschalen, ließ Ludwig Vierthaler in den 1920er Jahren insbesondere in der Metallkunst Herrenhausen (ab 1923: Metallkunst Aktiengesellschaft HannoverHanseatisches Sammlerkontor für Historische Wertpapiere: Metallkunst AG Hannover, Aktie von 1923) produzieren, so beispielsweise um 1920: achteckige Deckenleuchte in Pyramidenform mit reliefartigen Ornamenten auf dem Metallrand;Kunst- und Auktionshaus Kastern: Deckenleuchte Metallkunst GmbH, Hannover, Herrenhausen, um 1920 um 1921: gegossener Messingleuchter mit dem Monogramm „LV“, facettierter Standfuß, Schaft als expressive Darstellung einer Art-Déco-Figur, drei Arme mit Kerzen-Tüllen tragend, Höhe 39,5 cmAuktionshaus Mehlis: , um 1921 Blumenschale mit drei männlichen, knienden Trägerfiguren als StandfüßeAuktionshaus Zezschwitz:

Literatur Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 10, S. 207.

Ehrtfried Böhm (Texte), Reinhold Lessmann (Fotos): Neue Plastik in Hannover. Kunstsinn, Mäzenatentum, Urbane Ästhetik. Ein Beispiel im Spiegel zweier Jahrzehnte. Steinbock-Verlag, Hannover 1967, S. 84 und öfter. Ludwig Zerull: Kunst ohne Dach. Skulpturen und Objekte im Stadtbild Hannovers. Schäfer, Hannover 1992, ISBN 3-88746-278-5, S. 192 Helga Hilschenz (wissenschaftliche Mitarb.), Bernd Fritz (Bearb.): Vierthaler, Ludwig, in dies.: Rosenthal, hundert Jahre Porzellan. Ausstellung, Kestner-Museum, Hannover, Begleitschrift und Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 29. April bis 13. Juni 1982 im Kestner-Museum Hannover, sowie vom 20. Juni bis 15. August 1982 im Focke-Museum in Bremen und vom 10. September bis 31. Oktober 1982 im Kunstgewerbemuseum Köln im Overstolzenhaus, hrsg. für das Kestner-Museum, Hannover, Stuttgart: Union-Verlag, 1982, ISBN 978-3-8139-5604-7 und ISBN 3-8139-5604-0, S. 200f. u.ö. Klaus Mlynek und andere: Vierthaler. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 36, 47, 76, 80, 109, 113, 250, 334, 365 u.ö., bes. S. 370. (Leseprobe, books.google.de). Klaus Mlynek und andere: Vierthaler. In: Hannover Chronik. S. 157, 170, 202, 252, 258, 261 und öfter. (eingeschränkte Ansicht, books.google.de). Helmut Knocke, Hugo Thielen: Vierthaler. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon. S. 38 ff., 75 f., 84, 95, 100 f., 103, 121 f., 133, 192, 205, 228 f., 231. Hugo Thielen: Vierthaler, Ludwig. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 643. Paul Trommsdorff: Der Lehrkörper der Technischen Hochschule Hannover 1831–1931. Hannover 1931, S. 110. Nikolai Stula: Ludwig Vierthaler (1875–1967). Leben und Werk. Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1998. Martina Staats: Erste Schritte zur Gestaltung der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Der Ort und die Akteure 1945/1946. In: Bergen-Belsen. Neue Forschungen, hrsg. von Habbo Knoch und Thomas Rahe, Göttingen: Wallstein-Verlag, 2014. Graham Dry: Ludwig Vierthaler in: K. B. Hiesinger (Hrsg.): Die Meister des Münchner Jugendstils, München, 1988, S. 164–5.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Hochschullehrer (TH Hannover) Kategorie:Bildhauer (Hannover) Kategorie:Träger der Stadtplakette Hannover Kategorie:Bildender Künstler (Berlin) Kategorie:Künstler des Jugendstils Kategorie:Bildhauer des Art déco Kategorie:Person (München) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1875 Kategorie:Gestorben 1967 Kategorie:Mann