Die Losbäume oder Lossträucher (Clerodendrum, falsche Schreibweise Clerodendron) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Einige Arten werden als Zierpflanzen verwendet.
Beschreibung mini|links|Illustration des Kletternden Losstrauches (Clerodendrum thomsoniae) mini|Illustration von Clerodendrum infortunatum aus Jardin de la Malmaison, 1801 mini|links|Illustration von Clerodendrum capitatum aus Curtis Botanical Magazine, Volume 74, 1848, Tafel 4355 mini|Ausschnitt eines Blütenstandes des Rispenblütigen Losstrauches (Clerodendrum paniculatum) mit den auffälligen Blüten mit den langen Staubblättern und Griffeln mini|links|Illustration von Clerodendrum intermedium aus Francisco Manuel Blanco: Flora de Filipinas ... Gran edicion … Atlas I mini|Prächtiger Losbaum (Clerodendrum speciosissimum), Fruchtstand – Gut zu erkennen ist die aus vier Teilfrüchten bestehende Steinfrucht
Erscheinungsbild und Blätter Bei Clerodendrum-Arten handelt es sich um kleine Bäume, Sträucher, Lianen, seltener auch um Halbsträucher bis mehr oder weniger ausdauernde krautige Pflanzen. Die Sprossachsen sind meist selbstständig aufrecht oder selten kletternd. Manche Arten bilden Ausläufer. Die Zweige sind anfangs meist vierkantig. Die Rinde ist nie warzig (Unterschied zu Ovieda).
Es gibt in der Gattung Clerodendrum sowohl laubabwerfende als auch immergrüne Arten. Die meist gegenständig, selten wirtelig angeordneten Laubblätter sind meist gestielt. Die Blattspreiten sind einfach, manchmal gelappt. Sie sind nie stachelig (Unterschied zu Ovieda). Es sind keine Nebenblätter vorhanden. Es können extraflorale oder -nuptial Nektarien vorhanden sein, z. B. am Kelch, an den Blättern oder an den Tragblättern.A. F. W. Schimper: Botanische Mittheilungen aus den Tropen. Heft 1, Fischer, 1888, S. 85 f.
Blütenstände und Blüten Die Losbäume sind meistens protandrisch, also vormännlich, der Griffel biegt sich erst nach unten, weg von den Staubblättern, und später wieder nach oben. Die Blüten stehen in normalerweise endständigen, lockeren bis dichten, zymösen oder kopfigen, zusammengesetzten Blütenständen zusammen. Es sind Tragblätter vorhanden.
Clerodendrum-Arten besitzen relativ große, auffällige Blüten. Die zwittrigen Blüten sind leicht zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind zu einem oft auffälligen, glocken-, becher- bis röhrenförmigen Kelch verwachsen, der in unterschiedlich geformten Kelchzipfeln endet. Bei vielen Arten ist der Kelch stark gerippt. Die Kronblätter sind je nach Art rot bis rosafarben oder weiß bis gelb. Die fünf Kronblätter sind zu einer mehr oder weniger radiärsymmetrischen bis deutlich zygomorphen Krone verwachsen, die aus einer langen, engen Kronröhre – bei einigen Arten bis zu 15 Zentimeter – und fünf flach radförmig ausgebreiteten, meist ungleichen Kronzipfeln besteht. Die meist vier, selten fünf, meist didynamischen Staubblätter ragen meist weit aus der Blütenkrone heraus. Die in der Kronröhre inserierten Staubfäden sind untereinander frei und gebogen. Die zwei Fruchtblätter sind zu einem vierkammerigen Fruchtknoten unvollständig verwachsen. Jede Fruchtknotenkammer enthält nur eine Samenanlage. Auf dem oberen Ende des Fruchtknotens sitzt der lange, gebogene Griffel der in einer kurz zweilappigen Narbe endet.
Früchte und Samen Die fleischigen Steinfrüchte sind oft vierrippig oder -lappig. Das Endokarp ist hart. Die Steinfrucht teilt sich in vier Steinkerne, von denen sich manchmal nur zwei voll entwickeln. Jeder Steinkern enthält einen Samen. Bei Reife sind die Steinfrüchte oft auffällig gefärbt. Bis zur Fruchtreife wird der Blütenkelch häufig dicker sowie größer und verfärbt sich. Dagegen sind die Früchte bei Volkameria trocken sowie unauffällig gefärbt und die relativ unauffällig gefärbten Kelchblätter vergrößern sich nicht.
Ökologie Die Bestäubung erfolgt durch langrüsselige Schmetterlinge, bei einigen Arten auch durch Vögel.
Die starken Kontraste der Kelche und Früchte dienen zur Anlockung von Vögeln, die den Samen ausbreiten (Endozoochorie).
mini|Illustration von Clerodendrum minahassae mini|links|Illustration von Clerodendrum minahassae aus Blanco
Systematik und Verbreitung Die Gattung Clerodendrum wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, S. 637 aufgestellt. Typusart ist Clerodendrum infortunatum Synonyme für Clerodendrum sind: Volkmannia , Valdia , Torreya nom. illeg., Tetraclea , Siphoboea , Siphonanthus , Montalbania , Marurang , Egena , Duglassia , Cryptanthus nom. rej., Cleianthus , Bellevalia nom. illeg., Archboldia , Agricolaea , Adelosa .
Die Gattung Clerodendrum wurde früher zur Familie Verbenaceae gestellt. Die Gattung Clerodendrum gehört zur Unterfamilie Ajugoideae innerhalb der Familie Lamiaceae.
Die nur noch etwa 150 Clerodendrum-Arten kommen nur in der Paläotropis vor. Einige Arten findet man auch in den gemäßigten Gebieten Asiens und Afrikas. In China gibt es etwa 34 Arten. Ein Zentrum der Artenvielfalt ist auch Madagaskar mit 60 bis 61 Arten, von denen nur drei auch außerhalb Madagaskars vorkommen. Meist wachsen die Arten in Wäldern oder Dickichten.
Mindestens seit 2010 sind die Autoren der Ansicht, dass die neotropischen Arten nicht mehr zu Clerodendrum gehören. Etwa acht neotropische Arten kommen allein in Kuba vor und die meisten von ihnen gehören seit 2016 zu den Gattungen Ovieda oder Volkameria.
Bei etwa 400 Arten und einer großen morphologischen Bandbreite stand die Gattung Clerodendrum s. l. schon immer im Verdacht, paraphyletisch oder polyphyletisch zu sein, und es ist immer wieder versucht worden, die Gattung aufzuteilen. Traditionell werden dabei zwei große Gruppen Clerodendrum s. str. und Cyclonema unterschieden, je nach Autor auf Gattungs-Ebene oder darunter. Zusätzlich zu diesen wurden noch weitere kleinere Gruppen abgespalten.
Seit den 1990er-Jahren wurde durch Gensequenzanalysen (Molekularbiologie) gezeigt, dass Clerodendrum s. l. tatsächlich polyphyletisch ist. Viele Arten der Subtaxa Clerodendrum subg. Cyclonema und Clerodendrum sect. Konocalyx wurden in die reaktivierte Gattung Rotheca (etwa 33 Arten) gestellt. Allerdings ist Clerodendrum s.str. trotz der Abspaltung von Cyclonema weiterhin polyphyletisch. Seither wurden viele Arten in mehrere weitere Gattungen gestellt. Seit 2016 enthält die bisher monotypische Gattung Ovieda acht Arten. Wann die Gattung Clerodendrum s. str. monophyletisch ist, wird noch lange kontrovers diskutiert. So reduzierten sich die Artenzahlen von 400 bis 500 auf etwa 300 oder gar nur 150. Nahe verwandt sind auch die Gattungen Aegiphila (120 Arten), Amasonia (8 Arten), Kalaharia (2 Arten) und Tetraclea (1 Art). Bei einem Umfang von etwa 150 paläotropischen Arten ist Clerodendrum dann monophyletisch.
mini|Blütenstand von Clerodendrum bipindense mini|Blütenstand von Clerodendrum buchananii mini|Blütenstand und Laubblatt des Herrlichen Losstrauch (Clerodendrum bungei) mini|Blütenstand von Clerodendrum calamitosum mini|Duftender Losstrauch (Clerodendrum chinense) mini|Fruchtstand von Clerodendrum floribundum mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Clerodendrum formicarum mini|Habitus und Blütenstände von Clerodendrum globuliflorum mini|Habitus, Laubblätter und Blüten von Clerodendrum indicum mini|Leuchtendroter Kelch und reife Frucht von Clerodendrum indicum mini|Habitus, Laubblätter und Blüten von Clerodendrum infortunatum mini|Habitus, Laubblätter und Blüten von Clerodendrum japonicum mini|Habitus, Laubblätter und Früchte von Clerodendrum laciniatum mini|Clerodendrum laevifolium mini|Blütenstände von Clerodendrum macrostegium mini|Leuchtendroter Kelch und reife Frucht von Clerodendrum minahassae mini|Zweig mit Laubblättern und Blütenstand von Clerodendrum nutans mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände des Rispenblütigen Losstrauches (Clerodendrum paniculatum) mini|Habitus von Clerodendrum phlomidis mini|Blütenstand von Clerodendrum quadriloculare mit etwa 8 Zentimeter langen, sehr schmalen Kronröhren mini|Laubblätter und Blütenstand von Clerodendrum schmidtii mini|Blütenstand von Clerodendrum schweinfurthii mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände des Prächtigen Losbaumes (Clerodendrum speciosissimum) mini|Blütenstände von Clerodendrum ×speciosum mini|Zweig mit Laubblättern und Blütenstand von Clerodendrum splendens mini|Clerodendrum ternatum mini|Clerodendrum thomsoniae, eine Zierpflanze mit roten Kronblättern und weißem, aufgeblasenem und stark geripptem Kelch mini|Die aus vier Teilfrüchten bestehende Steinfrucht und der auffällige Blütenkelch von Clerodendrum tomentosum mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Clerodendrum trichotomum mini|Clerodendrum umbellatum Clerodendrum abilioi : Sie kommt nur im nördlichen Mosambik vor. Clerodendrum adenocalyx : Sie kommt in Laos vor. Clerodendrum adenophysum : Sie kommt im westlichen Malesien vor. Clerodendrum africanum : Sie kommt nur in KwaZulu-Natal vor. Clerodendrum albiflos : Sie kommt nur im westlichen Neuguinea vor. Clerodendrum alboviolaceum : Sie kommt im östlichen Madagaskar in den Provinzen Antsiranana, Fianarantsoa sowie Toamasina vor. Clerodendrum andamanense : Sie kommt nur auf den südlichen Andamanen vor. Clerodendrum anomalum : Sie kommt in Kamerun und in Gabun vor. Clerodendrum apayaoense : Sie kommt auf den Philippinen vor. Clerodendrum arenarium : Sie kommt in Madagaskar in den Provinzen Antananarivo, Fianarantsoa, Mahajanga sowie Toamasina vor. Clerodendrum atlanticum : Sie kommt in Kamerun und in Gabun vor. Clerodendrum aucubifolium : Sie kommt im nördlichen Madagaskar in den Provinzen Antsiranana sowie Toamasina vor. Clerodendrum bakhuizenii : Sie kommt nur auf der Insel Java vor. Clerodendrum barba-felis : Sie kommt nur in Sarawak vor. Clerodendrum baronianum : Sie kommt im östlichen Madagaskar in den Provinzen Antsiranana sowie Toamasina vor. Clerodendrum baumii : Sie kommt von der Demokratischen Republik Kongo bis Angola vor. Clerodendrum bingaense : Sie kommt in der Demokratischen Republik Kongo vor. Clerodendrum bipindense : Sie kommt von Nigeria bis zum westlich-zentralen tropischen Afrika vor. Clerodendrum boivinii : Dieser Endemit kommt im nordöstlichen Madagaskar nur in der Provinz Antsiranana vor. Clerodendrum bosseri : Dieser Endemit ist nur von einem Fundort im nördlichen Madagaskar in der Provinz Antsiranana bekannt. Clerodendrum brachyanthum : Sie kommt im zentralen und östlichen Malesien vor. Clerodendrum brachystemon : Sie gedeiht in offenen Wäldern entlang von Tälern in Höhenlagen von 800 bis 1400 Meter nur im Autonome Bezirk Xishuangbanna der Dai in der Provinz Yunnan und in Mêdog im Autonomen Gebiet Tibet. Clerodendrum bracteatum : Sie kommt vom Himalaja bis ins südwestliche Malesien vor. Clerodendrum brassii : Sie kommt in Papua-Neuguinea vor. Clerodendrum breviflorum : Sie kommt in Malaysia vor. Clerodendrum brooksii : Sie kommt nur in Sumatra vor. Clerodendrum brunfelsiiflorum : Sie kommt nur auf den Molukken vor. Clerodendrum brunnescens : Dieser Endemit ist nur von höchstens fünf Fundorten im zentralen Madagaskar in der Provinz Toamasina bekannt. Clerodendrum buchananii : Sie kommt von Malesien bis zu den Inseln im südwestlichen Pazifik vor. Clerodendrum buchneri : Sie kommt von Tansania bis Angola vor. Clerodendrum buettneri : Sie kommt von Nigeria bis zum westlichen und zentralen tropischen Afrika vor. Herrlicher Losstrauch (Clerodendrum bungei ) (Syn.: Clerodendrum yatschuense ): Er kommt von China bis Vietnam und auf Taiwan vor. Es gibt seit 1982 zwei Varietäten: Clerodendrum bungei var. bungei: Sie kommt in weiten Teilen Chinas in Taiwan und in Vietnam vor. Sie ist in einigen Gebieten ein Neophyt. Clerodendrum bungei var. megacalyx : Sie wurde 1982 erstbeschrieben. Sie gedeiht an Waldrändern an Berghängen in Höhenlagen von etwa 1100 Metern in Sichuan. Clerodendrum calamitosum : Sie kommt von Indochina bis Malesien vor.