Polypragmosyne (griechisch πολυπραγμοσύνη, polypragmosyne, von polý = ‚viel‘ und prágma = ‚etwas, was betrieben wird‘, in Bezug auf das vielgeschäftige Tun des PolyprágmonHeinrich Eymer: Polypragmasie in der Frauenkunde. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 53–56, hier: S. 53.) bezeichnet eine auffällige Vielgeschäftigkeit, eine Gewohnheit oder psychischen Zwang, sich in Alles und jedermanns Angelegenheiten einzumischen. Zugrunde liegt meist die Kompensation von Selbstwertproblemen oder ein rigider Charakter. Gelegentlich wird darunter auch blinder Aktionismus verstanden, was aber eher durch den verwandten Begriff Polypragmasie abgedeckt ist.

Schon in der Antike war der Begriff negativ besetzt als „Einmischerei“ und nur in wenigen Quellen positiv als Vielseitigkeit gemeint. Platon beschreibt sie im ‚Staat‘ eindeutig als negativ, sie gehört als Kehrseite zum Kern der Gerechtigkeit, nämlich das jeder das Seine, und nur dies, tun soll. Vielgeschäftigkeit bezieht sich vor allem auf die Vermischung der Stände im Staat, also wenn sich zum Handwerk Geschaffene anschicken die Form eines Kriegers, oder die Krieger die Rolle eines beratenden Wächters einzunehmen, ohne dessen würdig zu sein. Weniger schlimm ist dies bei wechselnden Berufungen, die den Staat nicht so direkt betreffen, also zum Beispiel unter den Handwerkern, die den Staat durch ihre Polypragmosyne auch nicht so schädigen können.

Mundartlich gibt es für die Vielgeschäftigkeit verschiedene Ausdrücke, so etwa im Bairischen G’schaftlhuberei.

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Kategorie:Handlung und Verhalten