Als Isogramm (von und ) bezeichnet man einen Text (üblicherweise ein einzelnes Wort), in dem jeder verwendete Buchstabe nur einmal (oder im weiteren Sinne gleich häufig) vorkommt. Ein Pangramm enthält demgegenüber alle Buchstaben des Alphabets mindestens einmal. Ein echtes Pangramm ist sowohl Pan- als auch Isogramm.
Längste Isogramme im Deutschen Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat 1988 in einem Wettbewerb die längsten deutschen Wörter aus sich nicht wiederholenden Buchstaben ermittelt. Das Siegerwort war mit 24 Buchstaben das Fantasiewort „Heizölrückstoßabdämpfung“. Es folgten mit jeweils 23 Buchstaben „Zwölftonmusikbücherjagd“, „Wildschützbärenjuxkampf“ und „Boxkampfjuryschützlinge“. Alle vier Wörter sind konstruierte Fantasiebegriffe, die zwar theoretisch Sinn ergeben, aber im tatsächlichen Sprachgebrauch nicht vorkommen. Ohne Sonderbuchstaben finden sich andere Fantasiewörter: „oxydschmelzpunktfarbig“ (22), „Konvexrumpfschwitzbad“ (21), „Zylinderkopfwachstum“ (oder „-waschgut“) (20), „Malzwhiskyduftproben“ (20), „Wildbachverstopfung“ (19), „Jagdkniestrumpfloch“ (19).
Mit 19 und 18 Buchstaben gibt es bereits sinnvolle Isogramme (siehe Tabelle), die allerdings selten oder gar nicht verwendet werden. Mit 15 Buchstaben finden sich dann einige häufig gebrauchte Wörter, beispielsweise „unproblematisch“, „Bildungsprojekt“, „Zwischenprodukt“, „Komplizenschaft“, „Machtverfilzung“, „Sportklubchefin“, „Goldmacherkunst“, „Klugschwätzerin“, „Kartonumschläge“, „Bockwurstzipfel“.
+ Eine Auswahl der längsten Sinn ergebenden deutschen IsogrammeLängeWortVerwendung Internet 2012Bemerkung24Heizölrückstoßabdämpfung selten (denkbare technische Vorrichtung zur Minderung von Rückstößen bei der Heizölförderung, Gewinner des o. g. Wettbewerbs)23Boxkampfjuryschützlinge — (denkbare Personen, die unter dem Schutz einer Boxkampfjury stehen)22oxydschmelzpunktfarbig — (etwas in der Farbe, die ein Oxyd an seinem Schmelzpunkt zeigt)21Plüschfigurwandobjekt — (denkbares Kunstobjekt aus Plüsch, das an einer Wand hängt)20Dorfplatzschießübung — (denkbare Schießübung auf einem Dorfplatz)20Videomarktlöschübung — (Feuerwehrübung in einem Videomarkt)20Stoßdämpferabkühlung — (denkbar auf Fahrzeugteststrecken)19Boxkampfschilderung kaum ohne Umlaute und ß19Fachbildungsprojekt kaum ohne Umlaute und ß18Großkatzenimpfbuch — (denkbares Impfbuch im Zoo)18Knoblauchgewürzdip kaum 18Witzboldaufmärsche — (denkbare Übersetzung für Flashmobs)17Büroflächenumsatz häufig (Begriff aus der Immobilienwirtschaft)17Dialogschwerpunkt häufig ohne Umlaute und ß17Mobilfunkgespräch häufig 17Pokalbeschriftung häufig ohne Umlaute und ß17Rotwildbekämpfung selten 17Windschutzproblem — ohne Umlaute und ß16Dampfüberhitzung — 16Dialektforschung häufig wird oft fälschlich als längstes tatsächlich verwendetes Isogramm ohne Umlaute und ß genannt16Dichtungsproblem — ohne Umlaute und ß16Klavierschöpfung — 16Lärmschutzkabine — 16Polschraubzwinge selten (Schraubzwinge zum Anschluss eines Massekabels)16schwerpunktmäßig — (auf bestimmte Themenbereiche konzentriert)16Süßmilchprodukte —
Andere Sprachen und Schriften Für die chinesische Schrift ist das Qianziwen ein klassisches Beispiel. In dem um das Jahr 500 komponierten philosophisch-pädagogischen Text kommen tausend chinesische Zeichen ohne jegliche Wiederholung vor.
Im Japanischen wurde das aus 47 Silben bestehende Iroha-Gedicht als traditionelles „Alphabet“ für die Kana-Zeicheninventare verwendet. In dem möglicherweise eigens zu diesem Zweck geschaffenen Gedicht kommt jedes Kana-Grundzeichen (ohne die Varianten mit Diakritika) genau einmal vor (Isogramm und echtes Pangramm). Die „weichen“ und „harten“ Varianten der Grundformen werden hier ausgeklammert, so wie im deutschen Alphabet verwendeten Buchstaben Ä, Ö und Ü fehlen. Iroha-Alphabet (seltener auch: Irohani-Alphabet) heißt es nach seinen Anfangssilben (analog der Bezeichnung „ABC“ für lateinische Alphabete). Das Gedicht lautet (Wiedergabe in Hepburn-Romaji, aber in der alten Aussprache): i ro ha ni ho he to chi ri nu ru wo wa ka yo ta re so tsu ne na ra mu u wi no o ku ya ma ke fu ko e te a sa ki yu me mi shi we hi mo se su.
Im Deutschen ungefähr wiedergegeben mit Wie wunderduft’ge Blumen dennoch welken, kann niemand ewiglich bestehn, lasst heut uns der Vergänglichkeiten Berge überschreiten, kein seichter Traum mehr wird geschehn, noch Trunkenheit uns leiten.
In moderneren Lehrbüchern wird meist nicht mehr das Iroha-Alphabet zum Lernen benutzt, sondern eine Darstellung des Kana-Inventars wie in den meisten indischen Schriften vorgenommen, also in einer nach Lautgruppen systematisch sortierten Tabelle („a i u e o – ka ki ku ke ko –“ und so weiter) ohne weitere Bedeutung. Diese seit der Meiji-Zeit übliche Darstellung heißt im Japanischen -Tafel.
Für Sanskrit gibt es als Isogramm und zugleich Pangramm die dem Iroha entsprechende Gedichtform der Shiva-Sutren oder Maheshvara-Sutren, ein jeweils vierzehnstrophiges Gedicht mit allen Sanskritphonemen, wie sie in der maßgebenden Grammatik des Panini angegeben werden.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Buchstabenspiel