Eiche ist ein Ortsteil der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. Eiche gehörte bereits zwischen 1935 und 1952 zu Potsdam und wurde im Jahr 1993 erneut nach Potsdam eingemeindet.
mini|Potsdam, Ansicht vom Dorf Eiche ausGemälde von Johann Friedrich Meyer mini|Dorfkirche in Eiche
Lage Eiche liegt im westlichen Stadtgebiet von Potsdam und schließt sich westlich an den Park Sanssouci an.
Geschichte Eiche wurde 1193 erstmals urkundlich als Allodium, quod vulgo Eken dicitur erwähnt. 1195 ist der Ort erneut als Eken urkundlich genannt. Und 1323 erscheint der Ort als curie Eke. Allerdings scheint das historische Ortslexikon diese Textstellen nicht als Erstbelege anzuerkennen und nennt stattdessen das Landbuch von 1375 als Erstnachweis. Eine alternative Deutung für ‚Eken‘/‚Eke‘ nennt das historische Ortslexikon aber nicht.
Nach Reinhard Schlimpert ist der Ortsname deutschen Ursprungs und als Siedlung bei einer Eiche zu deuten. Das analog nach anderen slawischen Orten angehängte Suffix -ow hat sich als Schreibweise letztendlich nicht durchgesetzt. Der Ort war bis zu den Erweiterungen ab 1881 ein Weilerartiges Dorf.
Mittelalterliche Geschichte In der Urkunde von 1193 bestätigte der brandenburgische Markgraf Otto II. dem Kloster Lehnin die von seinem Vater Otto I. gewährte (Erst-)Ausstattung und fügte neue Schenkungen und Rechte hinzu, darunter das allodium Eken. 1195 bestätigte Bischof Norbert von Brandenburg dem Kloster Lehnin die Schenkung. 1323 verkaufte Herzog Rudolf von Sachsen dem Domkapitel in Brandenburg Stadt und Insel Potsdam sowie die Dörfer Bornstedt, Golm, Grube, Bornim sowie die Höfe Eke und Elrich mit allen Rechten, Ober- und Untergerichten und die Patronatsrechte der Kirchen. Ob diese Übertragung allerdings je wirksam wurde, ist zweifelhaft, denn 1345 ist Potsdam wieder im Besitz des Markgrafen. Er gibt der Stadt die Zusicherung, sie niemals zu verpfänden und ihre Rechte zu schützen. Auch Eiche ist 1375 nicht im Besitz des Domkapitels Brandenburg, sondern gehörte einem Diereke.
Nach dem Landbuch von 1375 gehörte Eyke zur terre Obule et merice. Es wird wie folgt beschrieben:
Nach diesem Eintrag gab es hier nur einen großen Hof mit acht Hufen, der einem gewissen (von) Dyreken gehörte. Er hatte von jeder Hufe sechs Scheffel Roggen, sechs Scheffel Gerste und zwölf Scheffel Hafer an den Markgrafen zu bezahlen. Er musste aber keinen Grundzins und keine Bede entrichten. Im Dorf gab es sieben Kossätenhöfe, die unterschiedlich hohe Geldbeträge, Eier und Hühner an den Dyreken liefern mussten. Ein Kossät war verpflichtet, dem Dyreken jährlich einen Scheffel Mohn abzuliefern. Dieser Dyreken hatte auch das Recht, die Pächte und Zinsen in Sacrow einzuziehen.
1450 gehörte Eyke dem Clavs von der Groeben. Der Hof mit seinen acht Hufen zinste nun je Hufe sechs Scheffel Roggen, sechs Scheffel Gerste und einen halb Wispel Hafer. Daneben gab es noch fünf Kossätenhöfe mit unterschiedlichen Abgaben, einer der Kossäten gab einen Scheffel Mohn. 1480 gehörte Eiche immer noch dem Claus von der Groeben. Zwei Hufen und ein Kossätenhof waren nicht bewirtschaftet. 1483 wurden Moritz, Albrecht und Claus von Schönow vom brandenburgischen Kurfürsten Johann u. a. Lehnstücken auch mit halb Eiche belehnt.
Frühneuzeitliche Geschichte Am 5. November 1500 belehnten die brandenburgischen Markgrafen Joachim I. und Albrecht die Vettern Baltzer und Peter von der Groeben mit Bornstedt, Golm, Eiche, Weißensee und Gütern und Einkünften in Buchholz und vier weiteren Dörfern. 1525 soll die andere Hälfte von Eiche noch im Besitz der von Schönow gewesen sein.
1550 war anscheinend der große Hof mit acht Hufen zerschlagen worden. In diesem Jahr waren die von der Gröben im Besitz eines Hofes mit vier Hufen. Die anderen Hufen wurden von vier Bauern bewirtschaftet. 1565 dienten die Grobenn zu Eiche und Golm ihrem Lehnherrn mit einem gerüsteten Ritterpferd.
Bald darauf muss Eiche in den Besitz der von Schlabrendorf gekommen sein. Denn am 28. Juni 1583 verkaufte Hans Albrecht von Schlabrendorf zu Siethen und Schenkendorf den Wohnhof zu Golm, die Dörfer Bergholz und Eiche samt Zubehörungen an Joachim von Lüderitz für 13.700 Taler. Am 9. April 1584 erteilte Kurfürst Johann Georg seinen Konsens zum Verkauf des Wohnhofs zu Golm mit seinen acht Hufen, des Dorfes Bergholz und des halben Dorfes Eiche an Joachim von Lüderitz für 12.000 Taler. Unklar ist die Differenz im Kaufpreis in den beiden Urkunden. Am 12. April 1599 erfolgte die Belehnung des Joachim von Lüderitz durch Kurfürst Joachim Friedrich mit den Gütern Golm, Bergholz und Eiche. Joachim von Lüderitz verkaufte die Güter Golm, Bergholz und Eiche weiter an Joachim von Schlabrendorf zu Drewitz für 13.700 Taler, wozu er am 2. Juli 1601 den Konsens von Kurfürst Joachim Friedrich erhielt. 1603 belehnte Kurfürst Joachim Friedrich den Joachim von Schlabrendorf mit Golm, Bergholz und Eiche.
1614 verkauften die Gebrüder von Schlabrendorf die Güter Golm, Bergholz und Eiche an Hans Erdmann von Thümen für 13.000 Taler. Kurfürst Johann Sigismund erteilte am 21. September 1614 seinen Konsens zum Verkauf. Am 18. Oktober 1618 erfolgte die Belehnung mit den gekauften Gütern.
1624 gab es neben dem Adelshof mit vier Hufen vier Bauernhöfe mit je einer Hufe. Außerdem wohnten fünf Kossäten und ein Hirte in Eiche. 1641 wird lediglich die Sollgröße der Gemarkung mit acht Hufen erwähnt. Ob diese bewirtschaftet wurden, ist nicht erwähnt. 1664 kaufte der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm Eiche und unterstellte es dem Amt Potsdam. Der Ort blieb unter der direkten Verwaltung des Amtes Potsdam bis 1872.
1680 waren die acht Hufen in 16 kleinere Hufen geteilt worden. Nach einer Notiz von 1708 scheint sich diese Hufenteilung nicht durchgesetzt zu haben. Es gab drei Bauerngüter im Dorf, die je zwei Hufen beackerten. Ein Bauernhof mit zwei Hufen war unbesetzt. Das Feld wurde aber von zwei Halbkossäten genutzt. Weiter wohnten vier Kossäten im Dorf. Zwei Kossätenhöfe hatte des Amt Potsdam eingezogen. Das Vieh des Dorfes wurde von einem Kuhhirt gehütet, der selber aber kein eigenes Vieh hatte. Auf dem Hufen wurde Saat in Höhe von acht Scheffeln Roggen und je ein Scheffel fünf Metzen Gersten und Hafer angesät. 1745 bestand die Wohnbevölkerung aus drei Bauern und vier Kossäten. 1771 ließ Friedrich II. eine neue Kirche nach Entwürfen Georg Christian Ungers im Ort errichten. 1772 sind drei Bauern und sechs Kossäten oder Büdner erwähnt, insgesamt wohnten 109 Personen in Eiche.
Neuere Geschichte 1800 wohnten nach Friedrich Wilhelm August Bratring vier Ganzbauern, drei Ganzkossäten und 14 Einlieger im Dorf (Bratring schreibt: Eichhow). Die Größe der bewirtschafteten Ackerfläche wurde weiterhin mit acht Hufen angegeben. Im Dorf gab es 23 Feuerstellen (Wohnhäuser) und auch einen Krug. Eiche hatte 134 Einwohner und gehörte zum Domänenamt Potsdam.
Bis 1840 war die Zahl der Häuser in Eiche mit 23 gleich geblieben, die Einwohnerzahl war aber auf 201 Personen angestiegen. 1860 standen drei öffentliche Gebäude, 25 Wohnhäuser und 41 Wirtschaftsgebäude im Dorf. Die Wirtschaftsfläche des Dorfes betrug 30 Morgen Gehöfte, 264 Morgen Acker, 133 Morgen Wiese und 122 Morgen Weiden und Feuchtgebiete. Die Einwohner besaßen 19 Pferde und 48 Stück Rindvieh, aber keine Schafe. 1871 standen 33 Wohngebäude im Ort, und die Einwohnerzahl war auf 278 angestiegen. Mit dem Jahr 1881 wurde der Ort Militärstandort durch den Bau von Kasernen, die auch heute noch genutzt werden (Bundeswehr und Polizeipräsidium des Landes Brandenburg)
Schon 1894 hatte sich die ursprünglich bäuerlich geprägte Sozialstruktur deutlich gewandelt. An Professionen werden genannt, neben einem Bauern und einem Kossäten (Kleinbauern), ein Viehhändler, ein Weichensteller, zwei Milchpächter, ein Milchhändler, ein Gärtner, zwei Bäckermeister bzw. Bäckereibesitzer, ein Schiffbauer, ein Viktualienhändler (Lebensmittelhändler) und Zimmermann, ein Steinmetz, ein Lehrer, vier Bahnbeamte und -angestellte und zwei Gastwirte. Die Bevölkerungszahl war auf 552 gestiegen. Um 1900 wurden schon 72 Häuser gezählt, 1931 waren 98 Wohnhäuser.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten sich im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft eine LPG Typ1 mit elf Mitgliedern und 19 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Gleichzeitig existierte auch eine GPG. 1964 wurde die kleine LPG an die GPG angeschlossen.
Militärische und polizeiliche Liegenschaftsnutzung Bis heute ist Eiche durch militärische und polizeiliche Liegenschaftsnutzung geprägt. Auf einem Hügel des Ortes (Kahleberg) wurde eine Kaserne errichtet, von der aus die Wachmannschaften des Neuen Palais versorgt wurden. Zwischen Kaserne, Kleinem Herzberg und Park Sanssouci wurden im 18. Jahrhundert Militärmanöver abgehalten und Truppenaufmärsche geprobt.
Die Kaserne in der Kaiser-Friedrich-Straße 143 Die Kaserne in der Kaiser-Friedrich-Straße 143 war 1890–1891 zunächst für das Infanterie-Lehr-Bataillon in Barackenbauweise errichtet worden. In der Weimarer Republik war in ihr die Preußische Höhere Polizeischule untergebracht, in der die Offizieranwärter der preußischen Schutzpolizei ausgebildet wurden. Ab 1935 wurde hier auch der Teil 2 der Polizeioffizier-Anwärter-Lehrgänge durchgeführt, die während der Überführung in eine Luftwaffen-Kaserne im Jahr 1935 in Luftkriegsschullehrgänge umbenannt wurden. Die Kaserne wurde 1936 als Heeresunteroffizierschule in Form der NS-typischen Heeresnormbauten neu errichtet, von denen die Hauptgebäude noch heute stehen.
Nach Kriegsende ging die zu zwei Dritteln zerstörte Kaserne in Eiche zunächst in die Finanzverwaltung der Provinz Brandenburg über, teilweise wurde sie noch durch die sowjetische Besatzungsmacht genutzt. Ab 1947 erhielt die Stadt Potsdam die Erlaubnis einige Gebäude der Kaserne als Wohnraum zu vermieten und nicht bebaute Flächen als Gärten zu verpachten. Im Sommer 1949 erfolgte die Übernahme des teilweise immer noch durch sowjetische Truppen belegten Kasernengeländes durch das Ministerium für Volksbildung. Schon 1950 war wieder das Finanzministerium – nun das der DDR – zuständig.
Ende 1951 wurde das gesamte Gelände mit Zustimmung der Sowjetischen Kontrollkommission dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) übertragen und bis 1956 durch dessen Wachbereitschaft Potsdam belegt. Bereits 1955 beschloss die DDR-Führung im Ergebnis der Ereignisse des 17. Juni 1953 die Aufstellung militärischer Innerer Truppen nach sowjetischem Vorbild. Zudem orientierte man sich an den in der Bundesrepublik und West-Berlin geschaffenen Einheiten der Bereitschaftspolizei.
1956 wurde in der Kaserne ein Regimentsstab der Inneren Truppen Motorisiertes Kommando Berlin II sowie weitere Stabseinheiten und zwei Kompanien aufgestellt.
Am 1. Mai 1956 erfolgte die Umbenennung der Inneren Truppen der DDR in Bereitschaftspolizei, deren Unterstellung weiterhin beim MfS verblieb. Bis 1956 wurde das Kulturhaus/Küchengebäude (Haus 9) erbaut. Anfang 1957 wurde die Bereitschaftspolizei in die Zuständigkeit des Ministeriums des Innern der DDR überführt. Ende 1957 entstand so in der Kaserne in Eiche der Stab, die Stabstruppen und die I. Abteilung mit vier Kompanien der 3. Bereitschaft. 1960 und 1961 wurden im östlichen Teil des Kasernenareals weitere Unterkunftsgebäude errichtet (Häuser 13 und 14).